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KC-Mitteilungen · 1924-11-01 · Heft 9 (1.11.1924) · p. Seite 4

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1924
Issue
Heft 9 (1.11.1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Achad Haaw. Am Scheidewege. Gesammelte Aufsätze. Zwei Bände. Der erste bringt eine autorische Llebertragung aus dem Lebräischen von Israel Friedländer und Larry Torczyner der zweite von Lugo Knopfmacher und Ernst, Müller. 1923. Jüdischer Verlag, Berlin. Wer das geistige Werden des Zionismus verstehen will, muß Achad Laam kennrnlernen. Er schuf eine jüdisch-nationale Weltanschauung, die sich vom politischen Zionismus dadurch unterscheidet, daß ihr der „Palästinensismus" nur Vollendung, nicht Grundlage des Systems bedeutet. Er erstrebt die nationale Erneuerung im Geiste, damit aus ihr die politische Konzentration, die heute weder möglich noch im Sinne der Entwickelung schon notwendig ist, dereinst organisch heranwachse. Achad Laam ist der Klassiker des Zionismus. Es ist nun leider nicht möglich, im Nahmen einer Buchanzeige den Gedankengängen dieses Klassikers gerecht zu werden. Der Neuauflage der deutschen Liebersetzung seien ein paar Worte der Empfehlung gewidmet. Aus der vierbändigen hebräischen Ausgabe von hervorragenden Sachverständigen übersetzt, bedeutet sie sachlich eine starke Erweiterung der ersten Auflage, die 1913 und 1916 erschien und im ganzen nur zwei Bände bot, während die vorliegende auf vier Bände gebracht werden wird. Buch technisch stellt sie eine sehr erfreuliche Erscheinung dar, und so ist es zu hoffen, daß sie auch in unseren Kreisen, die im Prinzip eine ganz entgegengesetzte Stellung einnehmen, eifrige Leser findet. Menschen, die ernster mit den Problemen ringen, dürfen sich nicht an den üblichen Auseinandersetzungen mit dem politischen Zionismus genügen lassen. Sie müssen die Gedankenrichtung der geistigen Führer kennen, denn die zionistische Zugend, mit der unsere junge Generation aufwächst, ist nicht mehr' die rein politisch orientierte zionistische Zugend der vergangenen Zahrzehnte. Wer freilich aus diesen beiden Bänden die Gedankenfülle des großen Kulturzionisten auf sich wirken läßt, wird verspüren, daß in der Welt des Geistes die Gegensätze wohl tiefer sein mögen, daß aber auch der Verbindungen mehr sind, die aus dem einen jüdischen Lager in das andere hinübergehen. Den jungen Kartellbrüdern sei jedenfalls das Studium dieser Zdeenwelt dringend empfohlen. F. G. Deutschtum und Judentum. Mit grundlegenden Betrachtungen über Staat- und Kulturnationalismus von Lermann Cohen, weiland Professor in Marburg. 11. und 12. Tausend, durch ein kritisches Nachwortvermehrt. 1923. Verlag von Alfred Töpelmann in Gießen. Preis 1.— M Von Cohens bekanntem Werke 'an dieser Stelle Rühmendes zu sagen, ist gewiß überflüssig. Auch wer nicht ganz mit der Grundeinstellung übereinstimmt, die zum Zwecke des Vergleichens die Nation der Deutschen und die Religion der Juden auf eine Stufe stellt, wird immer wieder von der Reinheit der idealen Gesinnung ergriffen werden und wird aus der Fülle von trefflichen Gedanken Belehrung schöpfen. Wie alle vorhergehenden wird auch diese Auflage weite Verbreitung finden und geistig im Sinne der Synthese zwischen Deutschtum und Judentum wirken. F. G. „Kameraden." Des Bundesblattes neue Folge, I. Lest, Juni 1924. Von Jugend und Staat. Als sich vor jetzt 5 Jahren eine Reihe unserer Kartellbrüder in besonders starkem Umfang für die Kameradenbewegung einsetzte und — man kann es trotz aller Kämpfe, die gefolgt sind, wohl ohne Widerspruch ausfprechen — der Kameradenbewegung erst einen Namen und ihre Ausbreitung verschafft Haben, da glaubten viele, daß nicht nur in Fragen der Tendenz, sondern auch in den Fragen der Erziehung weite Berührungsflächen mit dieser Organisation für uns bestehen. Inzwischen hat der Kameradenbund eine Wandlung durchgemacht und ist nicht nur den Weg zur „Jugendbewegung" gegangen, sondern ,bis an die Grenze, dieser Bewegung eine reine Wandervogelbewegung geworden. Von dieser Entwicklung legt das vorliegende Lest Zeugnis ab, Zeugnis im Guten, aber auch Zeugnis in den Mängeln dieses Lieberwandervogelmäßigen, dieses -übertriebenen Subjektivismus, der Eigenliebe, und des manchmal unangenehmen Selbstbewußtseins, .das einen Widerspruch nicht kennt und glaubt, selbst der Weisheit letzter Schluß zu sein. Gewiß zeigt das Lest ein Streben nach Klarheit. Aber es ist doch bedauerlichdaß die Führer der Bewegung es nicht verstehen, .eine gewisse Richtung festzulegen, daß im Gegenteil das Geleitwort des Bundesvorsitzenden die oben bezeichneten Mängel von allen Arbeiten, die das Lest enthält, in stärkstem Llmfange aufweist. Llnd noch ein weiteres. Llnsere Auffassung von der Jugendbewegung und von den Kameraden ist es, daß sie ein deutsch-jüdischer Wanderbund sein sollen.. Ist es da wirklich, wie der Bundesvorsitzende meint, die wichtigste Aufgabe, die Frage „Jugend und Politik" von Iungens und Mädels darstellen zu lassen? Wäre es nicht zweckmäßiger gewesen, erst einmal die. für später geplanten Hefte wie von „Religion, Tradition und Glauben" herauszugeben und wäre es nicht vor allen Dingen richtiger gewesen, nicht nur Meinung der Meinung gegenüberzustellen, sondern darüber hinaus gerade solche Fragen von Aelteren behandeln zu lassen. Cs wäre verfehlt, hier auf die Einzelheiten einzugehen, verfehlt, insbesondere, die Fehler des Herausgebers zu kennzeichnen, die bei allem die schwerwiegendsten sind. ' Von einem legt dieses Heft Zeunis üb, daß ein Wille am Werk ist und so können wir mit der Jugend hoffen, daß dieser Wille zum Werk auch die vorhandenen Mängel beseitigen wird. H. V. „Biblische Puppenspiele" von Albert Baer. Verlag Aufbau, Berlin. Mit diesem Werk hat der Verlag „Aufbau", der Verlag des jüdischen Nationalfonds, wirklich einmal Aufbauarbeit geleistet. Cs ist eine Arbeit, die weit über die Partei hinaus lebhafte Förderung und Beachtung auch in unseren Reihen verdient. Einzelne Geschichten und Episoden der Titel, z. V. Josef und seine Brüder, David und Goliath u. a. m. werden hier kindlichem Verständnis nähergerückt und durch Hinzufügung einer komischen Figur für das Puppentheater bearbeitet. Cs ist vielleicht der größte Fehler 'der Pädagogik des Religionsunterrichts gewesen, daß er es in früherer Zeit nicht verstanden hat, die Gestalten der Bibel in den Gesichtskreis des Kindes zu rücken. Ein solcher Versuch ist hier zur Durchführung gekommen, und er verdient die wärmste Llnterstützung. H. V. Die jüdische Internationale von vr. B r u n o W e i l. Verlag fiir Politik und Wirtschaft, Berlin SW. Cs gibt zwei Arten, Abwehrliteratur zu schreiben. Die eine setzt es sich zur Aufgabe, denjenigen, die im Kampfe gegen den Antisemitismus stehen, Material zu liefern, die „Waffen im Abwehrkampf" zu liefern, wie der Philoverlag eines seiner Werke benannt hat; die andere wendet sich unmittelbar an den unbefangenen Volksgenossen und versucht es, Vorwürfe zu entkräften. Das Buch von Bruno Weil in eine dieser beiden Kategorien einzureihen, dürfte nicht leicht sein. In seinen Voraussetzungen wendet es sich an den Kreis aller und es wäre wünschenswert, daß recht viele, die häufig geistlos nachschwatzen, was sie in ihrem Leibblättchen gelesen haben, sich einmal dieses Buch vornehmen und es studieren. Leider hat die letzte Zeit gezeigt, daß jedoch ein solcher Wille bei vielen fehlt. Wenn wir z. B. daran denken, daß es Kreise der Studentenschaft gibt, die von vornherein erklären, alles, was sich mit Judentum von

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