Mannheim
Compact Memory

KC-Mitteilungen · 1924-02-15 · Heft 1 (15.2.1924) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1924
Issue
Heft 1 (15.2.1924)
Date
1924-02-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2822870-2822903-2822904--005-2823006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

»nfifirrte nationale Pflichtgefühl. WaS sie will, ist ein einige-, freies, großes und starkes, von christlicher Kultur deder>schleil drulichc« daleriarid. Diesem Ziel gilt ihre rinmültqe lLcschlosscttheil wir allen wahrhaft vaterländisch Denkenden, ihre Arl-eij und ihr Kamps!" Der Mg. Studenten-Ausschuß der Universität gab folgende Erklärung ab: „ 1. Dir beiden Versammlungen am 10. und 13. November 1928 im Lichkhvs der Universirät wurden nicht vom AÜg. Skud.-AriSsch. der Universität — der allein staatlich anerkannten Bertrenrng aller Studierenden — einberufen und geleitet. 2. Der Ällg. Stnd.-AuSsch. mißbilligt auf das schärfste die in diesen Versammlungen gemachten unrichtigen und ge» hkissigen Akußerungen,besonders aber das jeder akademischen Sille hodnsprechende Verhalten einiger Studierender geaen die Nekiore» der Universität und Technischen Hochschule und gegen hochveretnlc Hochschullchrcr. L. Der Allg. Siud.-AuSsch bedauert, daß eS möglich war, daß N'chtstudenten in den Raumen der Universität deutsche Elndrmen gegeneinander aufhetzrn konnten. 4. Odne auf die Gegensätze im nationalen Lager einzugehen, M'ßdilligt der Mg. Stud.-AuLsch. auf daS schärfste die verieumdkrischt Hetze, die gegen um das Vaterland hochverdiente Männer getrieben wurde, vor allem aber bedauert der Ällg. Stud.-Aussch., daß in diesen Zeilen größter vaterländischer Not Angriffe gegen die karh. Kirche gemacht wurden, die geeignet sind, daS Eiiipsiuden tvcitcr Kreise der Studcnlenschasj, deren nationale Gesinnung über jeden Zweifel erhaben ist, auf daS schwerste zu verletzen und das bisherige reibungslose Znsammenardeitkn aller vaterländisch gestirnten Studenten zu gefährden. 6. Der Ällg. Smd.-Aursch. erwartet, daß im Interesse des Ansehens derSntdenlenschast jeder einzelne strrttgste Selbstdisziplin übt und sich seiner Pstichtcn als akademischer Bürger bewußt bleibt'" Der oben erwähnte Herr Kleo Pieicr hielt es im Gegensatz zu dieser Kundgebung für notwendig, in den Deutschen Akademischen Stimmen „die Eharakicrlosiglüt der Münchener Presse" zu kennzeichnen und wörtlich zu schreiben: „HinrS macht uns auch heute noch sirgrsgewiß, daß wir den feigherzigen Triurnphalvrcn einer untrrgehendrn Weltanschauung beldischc Führcrrnenschrn rntgegenzristellen haben, daß wir nicht von der kargen Bestimmung erfüllt sind, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalren, sondern von jener gewaltigen Idee, die allein das deutsche Volk emporzutragen vermag zum Platz an der Sonne: dem völkischen Gedanken, von dem durchdrungen wir, wenn es sein muß, auch unserem Golgatha enlgegtngchrn, jeder einzelne ein Erlöser und Befreier." Wenn man dies liest, so erscheint es eigentlich überflüssig, daß dieses völkische Vlatl von den Polizeibehörden verboten wurde. Wer glaubt, ein Christ zu sein und sich selbst als den Erlöser bezeichnet, den pflegte man zu früherer Zcitüns Irrenhaus zu sperren. Wer glaubt, ein Held zu sein und das Heldentum regelmäßig im Fliehen betätigt, dem pflegte man vor seinem Heldentum zu früherer Zeit das kleine Wort „Maul" hmzuzusehen. Auch dies sind Symptome einer „untergchcnden Weltanschauung" und die Welt des Herrn Pleier kennt nur heldische Menschen hillter dem Schutz anderer, He sich für sie eiusetzen. Selbstverständlich war, daß die Münchener Katholischen Korporationen, die bis dahin jede Judendetze des HochschulringeS mitgemacht, diese ELkarpaden des Herrn Pleier nicht stillschweigend übergehen ■ konnten. C A. und K- V. stellte« daher den Anwag, daß der H. d. A. die Ausführungen dcS Herrn Pleier mdrt decke und seine Mißbilligung darüber zum Ausdruck bringt, day dieser priv-.tc Ansichlen als zweiter Vorsitzender di ö Hochschirirings vertreten und daher die Einigkeit im H. d. A. aufs schwerste gefährdet Härte. „Der Hochschulring deutscher Art ist überzeugt, daß nur bei Zurückstcllnug der konfessionellen Gegensätze und völliger Gleichberechtigung eine ersprießliche Zusammenarbeit im H. d. A. möglich ist." Der Antrag, dessen wesentlicher Inhalt damit wiedergegcben ist, wurde nbaelchnt. Die Folge war eine Erklärung des Münchener E.A.: „Der M.-C. V. und Saxonia sind in der durch Ablehnung ihres Antrages geschaffenen Laqe nicht mehr imstande, sich an der Arbeit des Hochschu'.rmgS Dcmschcr Art München zu beteiligen. Sie weiden Beschwerde beim Fichrerausschnß des Deutschen Hochschulrings und bei den Allherrcnschaftcn deS H.D.A. München und dcS Deutschen Hochschnlrings in Berlin einlegen und ihre weitere Haltung gegenüber dem Deutschen Hochschulring von oem Erfolg dieser Beschwerde abhängig machen." Gegenüber dieser Nesolution hat der Hochschulring in München nur eine sehr vw sichtige Erklärung gegeben, die die Erklärungen Pieicrs als Privaläußerung hinstellte. Die Folgen beginnen sich ausznwirfen. In Leipzig sind sämtliche mchrschlagtudeKorporationen aus dem H. d. A. ausgetreten, in Heidelberg die Verbindung im E. V. „Arminia". Hat inan den Antrag der Münchener C. B. Verbindungen im dorligcn Hochschulring als ein angebliches llliimaimn abgclehm, so lag in diesem letzlen Fall gar keine Veranlassung hierzu vor. Beantragt war hier, das; der Hochschulring Deutscher Art die Vorfälle mißbilligt, soweit dadurch die Ehre der Katholiken angegriffen wurde und erklärt, daß' er sich die dadurch geäußerte mitikatholrsche Gesinnung nicht zu eigen macht. Ergebnis: Ablehnung des Antrages mit 15 zu 4 Stimmen. Ein Kommentar hierzu erscheint übcrflüjsig. Aber es beweist, wie wertlos bei einem solchen Abstinunnngseigebn.s das Bedauern der Leitung des Deutschen Hochschulrings ist, wenn diese schreibt, das Angriffe gegen die deutschen katholischen Kommilitonen dem Widerstand des H. d. A. begegnen werden nnd es wörtlich weiter heißt: „Wer heute konfessionellen Hader schiirr, handelt nicht vaterländisch." Die erste praktische Auswirkung war die Ablehnung dcS Heidelberger Antrages. Der Sachverhalt ist damit klar. Welche Folgerung ergibt sich daraus für uns? Es ist noch nicht allzulange her, da konnte man noch mit ernsthaften Männern des Deutschen Hochschulrings darüber diskutieren, ob der Hochschulring völkisch ist oder nur national. Diese Frage ist erledigt, aber es , scheint, als wenn man jetzt, genau wie diese Streitfrage langsam zur Entscheidung »erste, auch die zweite Frage zur Klärung dringt, und wenn die Entwicklung so weiter geht, wie im letzten Jahr, so wird es wohl nicht mehr allzulange dauern und der H. d. A. ist offiziell beim „Wotanslult" angelangt. Die völkische Einstellung der deutschen Studentenschaft wird als etwas selbstverständliches betrachtet. Ueber die Ablehnung des Katholizismus muß man sich immerhin noch mit der Allgemeinheit auseinandersetzcn. Die In famierung des Juden versteht sieh jedoch vollkommen von selbst und ihre Be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.