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Unsere Tribüne · 1926-11-01 · 13-14 (November 1926) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
13-14 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 r i-** v*w*»«^ «■« .-■>« - * Unsere Tribüne Nr. 13-14 Bemühungen, eine Massenoiganisation um jeden Preis zn werden, haben in jeder Beziehung geradezu verheerend gewirkt. Ob gerade die neue Leitung imstande sein wird, den Ausweg aus dieser Situation su suchen und zu finden, ist mehr als fraglich. Unsere Genossen im „Hechaluz" müßten ihren Einfluß zur Sanierung dieser wichtigen Organisation mehr als es bis jetzt der Fall war, geltend machen. Ihre Sorgen. Die Presse des zionistischen Bürgertums der meisten Länder beschäftigt sich seit einiger Zeit eingehend mit der Frage, ob sich der Begriff einer „nationalen Heimstätte" mit dein eines „Judenstaates'" deckt oder nicht. Diese Diskussion ist durch eine überflüssige Kode des Vertreters der zionistischen Exekutive, Herrn Dr. Felix Kosenblüth, auf der Konferenz der österreichischen Zionisten in Wien hervorgerufen worden. Die Kede des Dokior Bosenblüth war eine Antwort auf noch überflüssigere Ausführungen des Herrn Stricker, und nunmehr hallt es im "zionistischen Blätterwalde in allen Tonarten wider: Judenstatt oder-Nationale Heimstätte/1 Wenn man noch eines Beweises bedürfte, wie fremd und verständnislos ein großer Teil des zionistischen Bürgertums der Not und den Notwendigkeiten in Balistiua gegenübersteht, könnte auch das als Beweis dienen. Während jeder pflichtbewußte und gewissenhafte Zionist alle Anstrengungen auf die Linderung der Wirtschaftskrise in Palästina konzentriert, verlegen sich diese Herreu auf 111purlistik, die unzeitgemäß ist und die nur als Ablenkung vom eigentlichen, wichtigen Problem dient. JSs ist gewiß kein Zufall, daß den Anlaß zu dieser unfruchtbaren Debatte das „ühochmezeu1des „radikalen Zionisten'-, Herr Stricker, gab. Hin Beitrag zur geistigen .Fruchtbarkeit des „Kadikaien Zionismus'* in Oesterreich. Landeskonferenz der österreichischen Zionisten. Die österreichischen Zionisten hielten eine Landeskonferenz ab. Das war eine entsetzliche Katzenjammertagung-. Die leergebrannteu Stätten ihrer einstigen Organisationen werden immer mehr und mehr, sichtbar. Fast alle Parteigroßen haben sich bereits mit der Führerschaft abgerackert. Aber ohne Erfolg. Die meisten [Mitglieder sind ihnen bereits davongelaufen, die wenigen, die ihnen noch geblieben, sind von der vollkommenen Gleichgültigkeit be- > fallen., . Die neue Leitung übernahm Herr Dr. Leo G o 1 dh am in er. Herr Dr. .Goldhammer ist einer der wenigen unter den österreichischen Zionisten, denen der Zionismus eine ernste Angelegenheit ist, der den Bestrebungen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina freundlich gegenübersteht und der auch im Kampfe gegen die Sozialdemokratie in Oesterreich, nicht die Hauptaufgabe der zionistischen Partei zu sehen scheint. Aber, so sehr wir ihm Erfolg wünschen möchten, denn wir haben natürlich ein Interesse daran, daß die bürgerlichen Zionisten eine für den Palästiuaaufba.u leistungsfähige Gruppe abgeben sollen, zweifeln wir an diese Möglichkeit. So lange die österreichischen Zionisten von einer „Wiener MorgenzeLtung" belastet sind, die zu den Inseraten und Subventionen des Industriellenverbandes schielt, solange man den Kampf gegen die demokratische und progressive Politik der Sozialdemokratie nach Muster des Herrn Doktor Plaschkes unter der Maske eines Kampfes gegen die rote Assimilation führt, ist eine gedeihliche zionistische Tätigkeit ausgeschlosseai. Und einstweilen hat Herr Dr. Plaschkes, haben die Herren der „Wiener Moi-genzeitung", noch immer einen großen Einfluß in der Partei. Die „Wiener Morgenzeitung" gesellt sich zu den Erpressern. Die Gemeinheiten der „Wiener Morgenzeitung'" werden immer ungeheuerlicher. Wir wollen hier nur die arbeiterfeindlichen Ausschreitungen in einer einzigen Nummer aufzählen, i Der Bericht über die Bede Ellenbogens über die gemeinwirtschafiiichen Betriebe strotzt von dummer, böswilliger Ironie über diese jungen vielversprechenden Anstallen. Die Besprechung des neuen Budgets der Gemeinde entliiiJt ..«ine Fülle dummen Geschimpfes ül>er S.adtrat Jijvi. ner, diu .Steuerermäßigungen sind den Heren geingfügig. Die Yerwulttmgsniethode unserer Genossen genießt uneingeschrünktc:s Lob, ungeteilte Anerkennung seitens der größten Autoritäten des Auslandes, im Inlande stellt sie die größte werbende Kraft für die Partei dar; den Obergescheiten Dr. Träger und Julius Löwy ist sie nur Gegenstand feind- seliger Angriffe. Alle Fachmänner des Inlandes geben die große Bedeutung der Steuererleichterungen der Gemeinde Wien unumwunden zn, den durch ihre wütende Arbeiterfeindlichkeit verb.lödeien Herten der „Wiener Morgeuzeitung" sind sie geringfügig. Die Krone dieser Gemeinheiten und Entstellungen bildet aber die Kolporticrung und das Breit treten der Verleumdungen, die der Erpresser Weiß, im Auftrage der inländischen Beaktion aller Schattierungen, gegen die Sozialdemokratie vertreibt. So haben die Herren gegen ihr besseres Wissen die Verleumdungen gegen Eldersch wiederholt und die Erklärung desselben entstellt. Ganz im Geiste und im Stile der Hakenkreuzler, bemühen sie sich, den Skandal der Sparkasse auf die Sozialdemokraten zu üljerwälzen. Sie schämen sich nicht zu behaupten, daß Eldersch sich am Staatsgelde vergriffen hat, da Bösel beim Ankaufe der Hammerbrotwerke ein Darlehen der Sparkasse aufgenommen hat. Wir wollen gegen diese dumm-freche Behauptung nicht polemisieren. Wir wollen dieses Schand-- treiben dieser Herren nur an den Pranger stellen. •<m*<tt9<m*<^*<?tt+<m+<^*<tt+<tt»rm» Neue Verhaftungen unserer Genossen. Das Berliner Büro des Weltverbandes Poale Zion teilt, mit: Der Vernichtungskampf der G, P. U. und der Jewseküa gegen die zionistisch-sozialistische Partei in JRäterußJand wird mit .ungeniinderter Schärfe weitergeführt. Die letzten Meldungen aus Rußland berichten wiederum von Verhaftungen zahlreicher Personen, die der Zugehörigkeit zur zionistisch-sozialistischen Partei, deren Jugendverband oder ideologisch nahestehender Gruppierung beschuldigt werden. Solche Verhaftungen kamen in Kiew, Odessa,, Cherson, Astrachan und anderen Städten vor. Auch die Zahl der nach Sibirien, .Ural etc. Deportierten' nii(mmt zu. in den letzten .Tagen wurden die Genossen Schrfeijder und Chana zu 3 Jahren Sibirien „verurteilt". Die Genossen lassen sich aber, wie es in ihrer Mitteilung weiter heiß,t, in ihrem heroischen Kampf gegen den Terror der Kommunisten und der Jewseküa;nicht abschrecken. Es werden Mittel ergriffen, die Arbeit den neuen Bedingungen anzupassen. Gerad(e in diesen Tagen der Verhaftungen, L t b £ nsve r s i im n gs-Gesellsdialf Phönix Wien, I., Rkmergasse 2 Telephon 79t5«6S ScpIö Telephon 1$s5*65 Serie Aktien-Kapital S 4,000000. — Versicherungsstand am 1. Jänner 1926 über 600 Millionen Schilling. samfiiftie Arten uon faibenss und ßehfentwsiinerungeR, Unfall*, Auto« und flaffpfliififoepsidiepungen« Heimprämien- Versicherung ohne ärxflicha Untersuchung ragesprämie; 20 Grosrtwi oei 20 jähr ig« Uersidterungsdauer, 30 GrostiTen bei töittnriger ItersitnerungstaUM. Leistungen der Gesellschaft: im Bblebensialle sofort natfi Oent l'otie: 1000 S oder ä (Hertel (120 Prozent) Oer insgesamt entrioiteten Prämien, je namdem, ueidier uetrag höher ist. im Erlebensfälle: 1130 & bei 20jähriger Dauer, 1850 i bei l5ja(iFige.r Dauer. Kostenloser Einschluß der Prämienbefreiung im lnvaliditätsfalle. Kostenlose Unfallversicherung auf die doppelte Todesfalissumme. Kostenlose Ausfolgung einer Heimsparkassel Prospeitie und nähere AusKünfte oei Oer Direbtion oOer bei jeder Gtsdiäfissteue. uao«iU4w«Uävov^iuu>Uiai;iuv^iv«<> Ctfltuw<cmn*j-mCJVu• iuMLi>9 sind Nr. 7. und 8 des illegalen Parteiorgans „Jedioth" erschienen. .; Vom jüdisch-wissenschaftlichen Institut. Erschienen sind die Nrn. 17 und 18 der Institutsnaohrichten. Nr. 17 enthält außer ArcMvnach richten Betrichte der ethnographischen und^ bibliographischen Sektion. .Nr. 18 Mitteilungen über das bibliographische Jahrbuch, die Prägen der neuen Ghewra/Jvadischa-Encmete, Archiv- und Bibiio- Cheksuachriehteu und Berichte über die Tätigkeit des In- < stituts in den einzelnen Ländern, liebei* einige größere Arbeiten des Wiener Arbeitskreises, die im 2. Band der .■Schriften der philologischen Sektion erscheinen, wird Mitteilung gemacht. .Einige Exemplare der bisherigen Nummern können an wissenschaftliche Interessenten kostenlos versandt werden durch Dr. -Kudoif Glanz, Wien, XVIII., Weimarerstr. 1CJ. Durch die Fülle von Beiträgen für diese Nummer mußte die Fortsetzung der Artikelserie: Franz Uppenheinier und die Arbeitersiedlungen in Palästina" und noch sonstiges Material für die nächste Nummer vorbehalten werden. Nr. 1 der Mitteilungen des Verbandes der jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend sind bereits erschienen. üdische Wissenschaft in Sowjetrußland. „Zeitschrift", 1. Band der Veröffentlichungen der jüdischen Abteilung am Institut für weißrussische Kultur, Minsk 1926. J>er vorliegende Band ist die erste repräsentative Schöpfung der neu organisierten jüdischen Wissenschaft in Sowjetrußland und beansprucht als solcher unsere Aufmerksamkeit in hohem Maße. Wird doch im neuen Kußland die jüdische Wissenschaft in staatlichen Einrichtungen gefördert. Als eine solche ist auch die Jüdische Abteilung im weißrussischen Institut begründet worden, sie wird vom Staate erhalten, Arbeiben größerer Zeitdauer noch besonders subventioniert. Zur lehrreichen Fest Stellung dieses staatlichen Charakters dient das Vorwort, dem die betreffenden, auf die jüdische Abteilung bezüglichen Dekrete der weißrussischen sozial. Käterepublik beigegeben sind. Die „Zeitschrift** umfaßt sämtliche Geriete der jüdischen Wissenschaft, Geschichte, Literatiuig'eschichte, Sprachforschung, Folklor und Materialien zu diesen Gebieten. Zu einer Aussonderung* einzelner Wissenszweige in eigenen Publikationen ist es im Institut bisher nicht gekommen. Es ist daher für unsere Begriffe der Kähmen etwas zu weit, wenn wir bedenken, daß in einem Band von rund 270 Seiten Folio älteste und neueste Geschichte neben drei anderen speziellen Wissenschaftszweigen Platz haben soll. Doch ist der Anfang zu einer solchen Differenzierung bereits gemacht und wird die jüdische Wissenschaft in Rußland . sicher auf diesem Wege vorwärts schreiten. In geographischer Beziehung ist das jüdische Volk des eigentlichen Weißrußland im Mittelpunkt aller dieser Forschungen. Judische Sozialgeschichle Weißrußlands vom IG. bis 18. Jahrhundert behandelt J. Sossis nach jüdischen und nichtjüdischen Quellen. Ghrapkowskys große Folkloresainmlung von mehr als 8UUÜ Nummern, die sich im Besitz des Instituts befindet, hat hauptsächlich geistigen Volksbesitz der Juden in Weißrußland erhalten. Der Band bringt hier den Buchstaben Aleph, insgesamt 5(55 Nummern. An neuerer Sozialgeschichte finden wir noch J. Hombach, „Jüdische Handwerker in Kußland in der ersten Hälfte dos XIX. Jahrhunderts". Die literarhistorische Arbeit wird verkörpert durch U. Finkeis Studie über die sozialen Figuren in Goldfadens Erstlingswerken und zwei größeren Abhandlungen zur Pereabiographie mit neuen Materialien. Die Folklorabteiluug umfaßt J. Goldberg, Bemerkungen über den poetischen Charakter des jüdischen Volksliedes und neben der erwähnten Chrapkowsky-Sammlung eine Zusammenstellung Doktor J. Spiwaks „Der Kopf in Jiddisch". Eine Abteilung „Alt- Jiddisch" umfaßt N. Stiel „Eine geschriebene jiddische Bibliothek in einem jüdischen Haus Venedigs in der Mitte des IG. Jahrhunderts", ferner Max Weinreich „Ein jiddisches Lied über Sabbatai Zwi aus dem Jahre 1660", hiezu aus der jüdischen Museumsabteilung des Instituts die Abbildung einer Sabbatui-Zewi-Medaille aus dem Jahre 166(3. Die Sprachforschung ist durch eine große Arbeit Weingers über die jiddischen Dialekte vertreten, außerdem, bringt N. Slutzki ein Lexikon der Männerschueiderei, ferner L. Duschmann: Schiächtersprache. Leberaus fesselnd berichtot Weinger über den Stand der Arbeiten am Jiddischen Akademischen Wörterbuch. Hiezu isi auch die diesbezügliche Instruktion an die Wörtersammler abgedruckt. Leberaus reich ist die Abteilung- „Mitteilungen und Materialien". Hier ist zunächst eine Saminluug von übersetzten rabbinischen Kesponsen bedeutsam, die die sozialen Gegensätze der Kehillokh im 16. und 17. Jahrhundert veranschaulichen. Ferner eine Sammlung von Urkunden aus dem Archiv der Minsker jüdischen Gemeinde. Reiche Materialien sind über liadchonim vorhanden. Die wichtigsten Gestalten dieser Volkssäuger und Schauspieler Weißrußlands sind uns hier wiedergegebon. Auch zwei größere Arbeiten zur biblischen Geschichte enthält das Werk: Ur. M. A. Lurje, Die sozialen Verhältnisse und die soziale Bewegung im Volke Israel und Prof. N. Nikolsky, Neueste Strömungen in der Bibelwissenschaft. Die äußere Gestalt der „Zeitschrift" ist noch recht dürftig. Befand sich doch in Minsk überhaupt noch kedne geeignete jüdische Druckerei für eine solche wissenschaftliche Publikation. Die Veröffentlichung wurde dadurch auch um eineinhalb Jahre ver'/.ögert. Auch das Format erscheint recht ungünstig gewühlt. Doch ist kein Zweifel, daß die aufblühende jüdische Wissenschaft iu Kußland, diese und andere Hindernisse glücklich überwinden wird. . Dr. Kudolf Glanas

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