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Unsere Tribüne · 1926-10-31 · 12 (31.10.1926) · p. Seite 3

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
12 (31.10.1926)
Date
1926-10-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Jüdische sozialistische Arbeiter-Jugend. Der Entscheidung entgegen! Die bürgerliche jüdische Jugend, soweit sie von .der Jugendbewegung ergriffen; wurde, hat in den .-letzten Jahren eine eigentümliche, nur durch das) tiefere Eindringen in ihre Beweggründe, zu verstehejnde Entwicklung durchgemacht. Die jüdische Jugendbewegung wurde durch den •Krieg ausgelöst. Die Kriegsfurie, die besonders arg In den von Juden dicht besiedelten Gebieten tobten -wühlte die jungen Gemüter auf. Jeder spürte, daß: mit Beendigung des Krieges Veränderungen in der gesellschaftlichen Struktur des jüdischen Volkes1 vor . sich gehen müßten. Die .unnatürliche Berufsverteilung wurde erkannt, die Landlosigkeit sowie das notwendig . sich daraus ergebende Gastsein — besonders schmerzhaft empfunden. Diese zwei Grundübel suchte man auf radikale Weise aus der Welt zu schaffen. Man erklärte der bisherigen Lebensweise Krieg, verließ Schulbank und Bürostube und ging aufs Land, produktive Arbeit zu leisten. Diese Umschichtung1 betrachtete; . man als Voraussetzung für die Auswanderung nach Palästina, welches die Lösung des zweiten Problems versprach. Dieser Drang zur Arbeit war aber wenig- . stens bei einem großen Jeil der Jugend durch1 keine wirtschaftlichen Ursachen bedingt. Viele hatten noch - die Möglichkeit, hier in ^Europa ein auskömmliches! Leben zu führen und waren nicht gezwungen, nach .. Palästina auszuwandern, um dort neue Erwerbsquellen . zu suchen. 1 1 Nach relativ kurzer Zeit trat auch der Umschwung ein. Bald erkannte man, daß Palästina nur einen Teil! des jüd. Volkes wird aufnehmen können und durch . zeitweilige Krisen abgeschreckt, blieb ein großer Teil .-der Jugend, die nach Palästina wandern wollte, in Europa zurück. Diese periodischen1 Krisen in Palästina in Verbindung mit einer naturnotwendig ver- . ebbenden idealistischen Nachkriegsstimmung, raubten der jüd. Jugendbewegung den ganzen Schwung und verurteilten sie so zu-einem langsamen aber sicherem Tode. Dieses Absterben der Jüd. Jugendbewegung vollzieht sich vor unseren Augen. Noch versucht man •.vereinzelt, den. schon1 fast leblosen Körper zu be-, leben; aber diese Versuche mißlingen und müssen? mißlingen. Die bürgerliche jüdische Jugendbewegung ist tot — und dem ist gut so. Parallel zu dem hier aufgezeigten Prozeß vollzieht sich noch ein zweiter. Mi,t einer bisher nicht gekannten Geschwindigkeit breitet sich der Kapitalismus aus; sein Vordringen beschleunigt auch' im jüd. Volke die Klassenscheidung; der sogenannte „Mittelstand" wird zusehends aufgerieben; eine dünne Schichte jüd. proßkapiatlistera tritt der Masse des Volkes), die! schon proletarisch ist, oder in absehbarer Zeit es werden muß, entgegen. Öfese Veränderung der gesellschaftlichen Struktur des jüd. Volkes muß auch in der Jüd. Jugend ihren Ausdruck finden. Die bürgerliche jüd. Jugend geht ihrem Ende entgegen, die jüd. Arbeiterjugend ist auf dem Marsche. Unsere' Aufgabe ist es* nun* diesen Prozeß sowie die weiteren sich daraus ergebenden Folgen klar zu machen, ihr zu zeigen, daß: nur die klassenbewußte Arbeiterschaft allein, hier und in Palästina, die Macht und den Willen hat, ihre Interessen zu vertreten! und durch die Niederringen^ des Kapitalismus ihr in jeder Beziehung bessere Daseins^ bedingungen zu ermöglichen. Diese Erkenntnis muß Gemeingut der enttäuschten und apathisch gewordenen jüd. Jugend werden. Wenn dies gelingt, dann wird sie, neu beseelt, alle ihre Pflichten und Aufgaben erfüllen können, dann werden neue Kräfte in der jüd. Jugend lebendig werden. . 1 Zur Erreichung dieses Zieles muß die jüd. Jugend das ihrige dazutun. Der Verband der jüd. soz. Arbeiterjugend ist der erste Schritt dazu. An der jüd. Jugend liegt es, aus ihm das zu machen, was er sein soll — eine die gesamte bewußte Jüd. Arbeiter- Jugend umfassende Organisation. Leo Ginsberg^' Wir marschieren! Sollten noch' irgendwelche Zweifel geherrscht haben, ob die jüdisch-sozialistische Jugend-Organisation ihre Daseinsberechtigung hat, so sind sie durch die letzten zwei Veranstaltungen sicherlich geschwunden: zwei Veranstaltungen von einer Art und Dimension, •.Spielsweise das Projekt Schkolniks, die Ueberführung von 1O00 Arbeitern in die Landwirtschaft einzuteilen, ist ein Betrag von 70.000 Pfund notwendig*. Dieser Betrag könnte . aber zum großen Teil schon durch eine einmalige Steuer - in Höhe des Monatsgehaltes sämtlicher Beamten und An-; gestellten in allen jüdischen Aemtern, Organisationen, Banken usw. gedeckt werden. Die Zahl1 dieser Beamten errechnet der Verfasser mit 4250. Nimmt man' als mittleres ' Monatsgehalt 14 Pfund an, so ergibt sich als mögliches Resultat ein ungefähi-er Betrag von 60(.000 Pfund. - . * Die jüdische Arbeiterschaft fordert auch von der Regierung die sofortige Inangriffnahme großer öffentlicher Arbeiten. Im Dawar" vom 21. September fordert D. 0., daß : angesichts der Lage im Lande die Regierung neben ihren im Etat vorgesehenen Arbeiten neue außergewöhnliche in .Angriff nehme. Es gäbe eine Anzahl von Reservearbeiten,, -die gemeinschaftlich mit den Gemeinden ausgeführt werden 'könnten und das Budget der Regierung1 nur teilweise zu ^belasten brauohten. Alls solche Reservearbeiten führte er vor allem große 'Straßenbauprojekte (Haifa/—Jaffa und Haifa—Tiberia9) an, tdie schon länger geplant seien, ferner die Anlagen guter Verbindungsstraßen zwischen den Bahnstationen und den ~ 'dazugehörigen jüdischen Siedlungen wie Sichron, Benjadnina, Chedera, Athlit usw., die den Siedlungen und der . JBahn größere Entwioklungsmögliohkeiten schaffen würden. :ia den Einzelheiten müsse man versuchen, jeweils zu einer "Verständigung mit der Regierung zu kommen, und es wäre gut, darüber sofort ein' ausführliches Memorandum an die Regierung zu richten und sich1 zu bemühen, die Regierung zur Annahme unserer Forderungen zu bewegen. Die Regierung hat außerhalb des Budgets mehr als 100.000 Pfund &ur Bekämpfung der Rinderpest übrig gehabt. Sollte sie nicht verstehen," daß die Arbeitslosigkeit in Palästdna für seine Bevölkerung eine Gefahr von nicht geringerer Tragweite darstellt? * Nach Ausarbeitung konkreter Forderungen an die Regierung durch das Exekutivkomitee der jüdischen Arbeiterlorganisation (Histadrmth) fand am 22. Septembes eine Sitzung im Gouvernement Hpuse statt, an der teilgenommen haben: namens der Regierung Ool. Symes und Mills, namens der Zionistischen Exekutive Ool. Kisch, Henrique» und Jtfaamaai und namens der Histadmth Ben Zwi und Doy . Kos. Vttrerst wurde die Frage der- Beteiligung der jüdischen Arbeiter an den von der Regierung! zu. vergebenden Arbeiten behandelt, und im Anschluß daran auch die Frage der Arbeiterschutz-Geset'zgebimg und der Festsetzung eineö Minimallohnes für die bei Regieningsunternehmungen beschäftigten 'Arbeiter. Da der Leiter des Regierungsdepartements für öffentliche Arbeiten, Ley, .mit der Bearbeitung des nötigen Materials noch nicht fertig war und daher" au der Sitzung nicht teilnehmen konnte, wurde die Besprechung der praktischen Vorschläge auf eine zweite Sitzung, die in 14 Tagen stattfinden soll, verschöben. Auf der Sitzung erklärte Col. Symes, daß das erste Arbeiterschutzgesetz, betreffend Entschädigung bei Unfällen, binnen kurzem von der Regierung veröffentlicht werden wird. Die Vereinigung der landwirtschaftlichen Arbeiter Palästinas, die ein Teil der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation im Lande (Histadmth) ist, berichtet über die Gründung einer besonderen Abteilung für Uebernah'me von landwirtschaftlichen Arbeiten in den alten Kolonien. Die neue Institution soll die Arbeit mit einem Grund- ** kapital von 5000 Pfund aufnehmen. Sie wird Pflanzungsarbeiten, Aufsicht über Orangenplantagen, Obstgärten usw. übernehmen, ebenso auch alle Arten von Bodenarbeit, wie Pflügen, Bodenzubereitung, Wurzelrodung, Entsteinung usw., ebenso alle Erntearbeiten. Sie wird obige Arbeiten im Auftrage von Gesellschaften oder Privatpersonen, sei es solohen, die im Lande, sei es solchen, die im Auslande leben, übernehmen und dafür die Verantwortung tragen. Ihr Zweck! ist die Intensivierung der jüdischen Arbeit in allen Zweigen der Landwirtschaft und Ausnutzung aller ihrer Möglichkeiten. Das Hauptbüro befindet sich in Tel'-Aviv. Das jüdische Bürgertum in Palästina aber, welches in den Hausbesitzern von Tel-Aviv seine Wortführer hat, hält die jetzige schwere Zeit für geeignet, um die jüdische Selbstverwaltung zu untergraben. Sie rufen die englischa Verwaltung an, um die demokratische Stadtverwaltung von Tel-Aviv %\x zerstören. Im ,,Dawer" vom 11. Oktober schreibt über diese Frage M. B. u. a. folgendes: Mit einer Ausdauer und Energie ohnegleichen setzt die englische Verwaltung gemeinsam mit den Rechtsparteien in unseren Aemteru ihre Bemühungen fort, den Aufbau und die Existenz unserer städtischen Wirtschaft! zu erschweren und zum Scheitern zu bringen. Keine Entrüstung des Jischuw und seiner repräsentativen Organe hsJfc die Organisation der Hausbesitzer davon abgehalten, ihre Tätigkeit fortzusetzen. Auch in Petacli-Tikwah und in Afule haben die Hausbesitzer gelehrige Sohülec gefunden. Die die auch' einer viel älteren1 und gefestigtere» Organisation zur Ehre gereichert würden1. Daß; eine so; junge Organisation, wie die jüdisch-sozialistische Jugendorganisation es ist, dies zustande brachte, das1 zeugt nicht allein von der Organisationsfähigkett der damit betrauten Genossen, vielmehr ist es der Ausdruck des Willens und der Ueberzeugung, daß die Jüdische Arbeiterjugend es satt hat, sich vom Bürgertum1 länger gängeln zu lassen. Es zeigte sich1 aberf daß auch' unsere Gegner mit uns zu rechnen beginnen, und daß man mit Spötteleien über solche Probleme wie jdie der jüdischen! Arbeiterjugend, nicht hinwegkommt Am deutlichsten zeigte sich dies bei der Wierbe* - Versammlung am Sonntag, den 10. d. Trotz 'des Sonntags war der große Saal in der Blumauergasse vollgesteckt, viele mußten weggehen. Unsere Gegner, die auch gut vertreten waren, haben sofort erkannt, 'daß jeder Störungsversuch unmöglich sei. Genosse Singer zeigte in seinem Referat in überaus klarer und deutlicher »Weise die Notwendigkeit unserer Organisation auf und viele Leute sind mit der Ueberzeugungi nach Hause gegangen, daß hier ein längst empfundener Mangel ausgefüllt wiM Von viel größerer) Be-, 'deutung aber war unsere Generalversammlung am 16. und 17. d. M. Sie zeigte, daß: sich1 die jüdische Jugendorganisation ihre Anerkennung schon eroberf hat, u. zw. von allen maßgebenden Qrganisation'er'v Die herzlichen Begrüßungen der uns nahestehenden Organisationen waren der beste Beweis. Der Verlauf der Generalversammlung bestätigte den Versuch' "der wenigen Genossen vor einigen Monaten, die jüdische Arbeiterjugend in einer eigenen Organisation zusammenzufassen; der Verlauf der ersten Generalversammlung des Verbandes, die 'den alten Ausschuß fast in seiner alten Zusammensetzung wiederwählte, brachte aber auch eine Klärung unserer Stellung zu Palästina, sowie eine schärfere Betonung des .Klassenkampfes. Aufgabe der Mitglieder ist es, diesen Geist in die) Massen der jüdischen Arbeiterjugend zu tragen, sie} über unsere Bestrebungen aufzuklären und sie der. Organisation des jüdischen Jungproletariates zuzuführen. Samu Halpern. Verantwortung für diesen Angriff auf die Grundlagen de« Jischuw fällt nicht nur auf die, die neuerdings* zur Regierung eilten; sondern auch auf alle jene, die nicht den Mut gehabt haben, sich der Arbeiterschaft in ihrem Kampf für die Wahrung der Autonomie Tel'-Avivs anzuschließen' Der Verfasser wendet sich dann weiterhin im einzelnen mit Schärfe gegen das Ergebnis des Schrittet den Hausbesitzer beim Obersten 'Gericht in Jerusalem. Del' SprucH des Gerichtes besagt, daß es der Verwaltung Tel-Aviv« nicht gestattet sei, progressive Haussteuern zu erheben. Die Wirkung dieses Spruches ist natürlich eine gana ungerechte Belastung der kleinen Hausbesitzer, die nun glenau so viel Steuerprozente zu entrichten haben, wie diö Besitzer großer und größter Anwesen. Die Stadtverwaltung» wird sich mit dem Spruch nicht zufrieden geben, sondern hat schon Schritte unternommen, um das Recht auf Einhebung progressiver Steuern wiederzugewinnen. Aber die * Hausbesitzer wollen es nicht bei diesem Erfolge bewenden lassen, sondern haben wegen des Wahlmodus wiederum Proteste eingereicht. Die ganze Angelegenheit zeigt' eine innerpolitische Schwache, eine der schwärzesten Seiten in der Geschichte des jüdischen Jischuw. Auch sonst setzt die jüdische Arbeiterschaft unter den schwierigsten Bedingungen ihre A^fbautätigkeifc fort. Bekanntlich ist die Errichtung einer zentralen Schule für die Kinder der Arbeitersiedlungen im Emelc geplant. Dieser Tage wurde eine Vereinbarung zwischen dem Kulfcurkomitee und dem Solei Boneh wegen Errichtung zweier Hauser zu je 4 Zimmern abgeschlossen. Es sollen dies die ersten Gebäude der geplanten Zentralschule sein. Diese Schulhäuser werden auf dem Hügel Kumi, der einerseit» zwischen Ain Charod und Tel Joseph und andererseits zwischen der Kwuzeh Geva und Kfar Jecheskel liegt, errichtet.; * Auf dem Wege zwischen Jaffa und Tel-Aviv wurdet am 11. Oktober ein jüdisoh-arabischer Klub für die Bahnarbeiter des Kreises von Jaffa-Ludd eröffnet. Der Klub wurde vom Verein der Eisenbahner mit Hilfe der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation (Histadruth) gegründet. Der Bauplate wurde von der Tel-Aviver Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt. An der feierlichen Eröffnung nahmen zahlreiche jüdische und .arabische Bahnarbeiter! teil. Ea wurden hebräische und arabische Reden gehajten; * Die wunderbare jüdische Arbeiterschaft iPalästina» berechtigt mit Hoffnung, daß die schwere Krise in absehbarer Zeit ihr Ende finden wird. ... t

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