Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 12 (31.10.1926)
- Date
- 1926-10-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2822530-2822559-2822571--194-2822850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Seite 2 Unsere Tribüne tfr. 12 Ml» Gruß der „Achduth Haawodah". i Am 26. Okotber begann itf .Tel-Aviv die Tagung Öer Konferenz unserer palästinensischen Bruderpartei »,Achduth Haawodah". Die Probleme, die unsere Genossen angesichts der Krise im Lande und des allgeämeinen Angriffes gegen die Arbeiterschaft und ihr Aufbauwerk, beschäftigen werden, sind von ungeheurer Bedeutung. Wir sind dessen gewiß, daß sie «inen Ausweg finden werden, daß sie mutig und entschlossen auf ihren Positionen ausharren werden. In den Momenten der Gefahr und des schweren Kampfes mögen unsere Genossen von der Ueberizeugung beseelt sein, daß hinter ihnen die große Masse des konsequenten jüdischen Sozialismus steht. Wir entbieten unseren Kampfgruß und wünschen viel Erfolg zu den Beratungen. Die Martyrologie unserer Genossen in Rußland. j^Ein Beitrag zum Schwindel mit den Auslanddelegationen.) Unser Verbandsbureau ül>ertnittelt uns nachstehendes Dokument, das wohl keiner Erläuterung bedarf. Bemerken wollen wir nur, daß unsere Genossen in Rußland das Sowjetsystem dortzulande grundsätzlich bejahen und daß .sie jede gewaltsame Auflehnung .geg°udasselbe verurteilen. Und nun der Wortlaut des Dokumentes: An das Präsidium der Allukrainischen Zentralexekutive der Räte („WUZIK"). Von den politisch-gefangenen Sozialisten des Oharkover Gefängnisses (Dopr) Nr. I, Isolierzellen. Während des letalen Besuches der USSR. durch verschiedene ausländische Delegationen wurde ihnen,, nach offiziellen Berichten der Sowjetpresse, ,.dic Möglichkeit go-' -ge"ben, alle Seiten des Lebens in der USSR. kennenzulernen". Wir müssen aber feststellen, daß in einer Reihe von Fällen das tatsächliche Bild des Cuarkover Zentralgefängnisses, das den Delegationen, die sich in den Tatsacheu der Wirklichkeit in der USSR. nicht auskennen, von den Organen der Tscheka gezeigt wurde, in schamloser Weise falsifiziert und entstellt 'ward. Ist euch bekannt, daß in der Nacht vom 14. zum 15. August d. J., am Vorabend der Ankunft der zweiten deutschen Arbeiterdelegation an den gefangenen Sozialisten im; Dopr ein Akt dev Vergewaltigung verübt wurde? Um «.) Uhr abends erschieu der Oberstaaisanwa.lt des Ueberwaclmngsdienstes der GPU. der USSR., Bürger Kräiuij in Begleitung: des Kommandanten der GPtV des Gefängnisleiters und einer, ganzen Abteilung von Gefängnisaufsehern, Auf Befehl des Oberstaatsanwaltes stürzten sich die letzteren auf die politischen Gefangenen, die den Grund ihrer Fortschaffung in das Gebäude der GPU. erkannt hatten, sich weigerten zu folgen und gegen diese Art der Täuschung der Delegation und der Verhöhnung der politischen Gefangenen protestierten? Ist euch bekannt, daß gegen die politischen Gefangenen brutale physische Gewalt angewendet wurde, daß man sie zwang, sich in die GPU. bringen, zu .lassen, indem man ihnen Fußtritte versetzte, die Arme ausrenkte und ihnen die Waffe vor die Bnt3t hielt ■ Ist euch bekannt, daß die in die GPU. verschleppten politischen Gefangenen in den Hungerstreik getreten sind, um gegen diese Vergewaltigung zum Zwecke der Verhinderung unseres Zusammentreffens mit der Delegation zu protestieren? Ist euch bekannt, daß, als später eine holländische Arbeiterjugenddelegation das Gefängnis besuchte, der Gefängnisleiter auf die Frage, ob sich hier auch politische Gefangene befanden, versichert hat: „Politische Gefangene gibt es hier nicht"? So war es auch mit der amerikanischen Sturlentendelegation, welche den Dopr lange vor der holländischen Arbeiterjugenddelegation besucht hat. Und als am 14. September die deutsche Arbeiterinnendelegation. erschien, um das Gefängnis zu besichtigen und die politischen Gefangenen, die sich gerade auf dem Gefängnishol:' zum Spaziergang befanden, von der Anwesenheit der 'Delegation erfuhren, verlangten sie von der Gefänguisverwaltung, daß die Delegation die Isolierzellen besuchen soll. Die Administration erklärte darauf, daß die im Dopr sich auflialtende Delegation nicht aus dem Auslande sei, sondei'n „eine Exkursion von Kommunistinnen aus den deutschen Kolonien der USSE."; sie versprach aber, die Delegation in die Abteilung der politischen Gefangenen hinzuführen. Natürlich hat sie ihr Versprechen nicht gehalten. Denn, wie wir später aus den Zeitungen erfahren haben, hat es sich in Wirklichkeit um die deutsche Arbeiteriniieudelegatiou gehandelt. In solcher Weise werden, die ausländischen Delegationen mit der Wirklichkeit in Sowjet- Rußland bekannt gemacht! Und dies, obwohl der Oberstaatsanwalt Krainij bereits am 5. September, während eines Besuches bei uns, uns erklärt hätte, er habe in Zukunft nichts dagegen, daß die Zellen der politischen Gefangenen von den verschiedenen Arbeiterdelegationen besucht werden; ja, er versprach sogar, eine entsprechende Verfügung der Gefängnisverwaltung zu erteilen. Aber: die Gefängnisvarwaltung sowie die höhere Instanz wußten natürlich, daß ein Besuch von ausländischen Delegationen in den Zelten der politischen Gefangenen nichts anderes hieße, als diesen Delegationen die Möglichkeit «zu geben, sich persönlich davon zu überzeugen, daß in dem Gefängnis Sozialist« sitzen, tvelche durch die Willkür der Administration, ättfc lange Jahre in die Verbannung und in die „Polit. Isolatoren" (Katorga) verschickt werden sollen, und die di6 Tscheka zu zwingen versucht, in der Presse Erklärungett über ihren Austritt aus den oppositionellen Parteien Afrzugeben, wie gegen sie überhaupt ihrer Gesinnung wegen die schärfsten Repressalien angewendet werden. Wir protestieren kategorisch gegen das schändliche Anlügen der ausländischen Delegationen! Wir protestier»« kategorisch gegen die Willkür und die Repressalien über die politischen Gefangenen. Wir protestieren kategorischL gegen die Nichtzulassung der ausländischen Delegierter! zu uns. Wir halten es für unsere gesellschaftliche und politische Pflicht, an das Präsidium des WUZIK. vor allen Werktätigen die öffentliche Frage zu richten: Ob es diesei barbarischen Methoden, „die Erfolge des sozialistische)* Aufbaues" vor den westeuropäischen Arbeiterdefegationeftt zu demonstrieren, sanktioniert. Oder, sind diese Method'snt bloß-als Maßnahmen kriecherischer Karrieristen aus dem Apparat der GPU. und eifriger Gefängnisadministratoren!, anzusehen? Ja oder nein? 15. September 192G. - Unterschriften: Borucli S c h a z e 1 e w i t s c h K o g a n, Mitglied der Organisation klassenbewußter kollektivistischer Palästinapioiniere „Hechaluz"; der Zugehörigkeit zur Zionistisch- Sozialistischen Partei beschuldigt. Isaak Elkanowitsch, Mitglied der Zionistisch- Sozialistischen Partei. Gr e r s c h E1 j o w i t s c h F a i n e r, Mitglied der Zionistisch- Sozialistischen Partei. Boris Simcho witsch Kagan, Mitglied d. Zionisti.- Sozialistischen Partei. Josef Uniro witsch Kaganowskij, der Zugehörigkeit zur Zionistisch.-Sozialistischen Partei beschuldigt. Wladimir T r u t k o w s k i j, gewesenes Mitglied des ZK. der Partei der linken Sozialisten-Revolutionären. (Hier folgen die Unterschriften von sieben gefangenen Anarchisten.) W. M. Wichmann, N. M. Jan o wizki j, A. Kantarow, der Zugehörigkeit zur jüd. Jugendorganisation. EWOSM-. beschuldigt. J. K. Mobirskij, Mitglied der jüd. Organisation für physische Kultur „Makkabi". Genossen, zahle! den Scheitel! EBB i£ Palästina-Rundschau. Die großen Sorgen der jüdischen Arbeiter-; schaft. — Größe and Charakter der Auswanderung. ~- Die Arbeiterschaft ruft nach neuen '' schöpferischen Taten. — Zwei konkrete Pläne. - ' Die Forderungen'.an die Regierung.'.— Ein In- ' stitut zur Uebernahrne landwirtschaftlicher Arbeit. Das jüdische Bürgertum arbeitet an der Zerstörung der jüdischen Selbstverwaltung. — Eine zentrale Arbeiterschule im Emek. — Ein Klub der jüdischen und arabischen Bahnarl>eiter. —■ Politische Aufgaben der Arbeiterschaft. Die große Sorge der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina ist die Arbeitslosigkeit und die Auswandex-ung. Am 19. September wurden in Tel-Aviv 2669 Arbeitslose, darunter 255 neue Einwanderer, gezählt'. In Haifa war zur selben Zeit die Zahl der Arbeitslosen 817, in Jerusalem 392, in Afuleh 310 und in Petach Tikwah 132. Im Monat August haben 960 Juden Palästina verlassen, im Monat September sind 1000 Juden eingewandert. Im „Dawar" vom 14. v. M. findet sich eine Betrachtung H. Halperins über die gegenwärtige Auswanderung aus Palästina. Der Verfasser betont zunächst, daß die Auswanderung auch in Ländern mit normaler und gesunder "Wirtschaftsstruktur eine regelmäßige Erscheinung sei; in Palästina selbst habe es auch in den besten Jahren stets eine Auswanderung gegeben. Wenn wir die Anwanderungs- ' Ziffern in ein Verhältnis zu den Einwanderungsziffern setzen, dann ergibt sioh für die Jahre 1919—1925, daß die Gesamtauswanderung dieser Jahre mit 9751 nur 10.1 Prozent der in dieser Zeit eingewanderten 90.254 Personen beträgt. Es handelt , sich also im ganzen doch nur um einen geringfügigen Bruchteil. Das bisher günstigste Jahr 1925 weist nur eine Auswanderung von 2151, d. s. 5,8 JProzent der Jmigranten auf, während das vorletzte Krisenjahiül923 mit 3466, d. s. 36,5 Prozent der Eingewanderten eine Höchtsziffer erreicht hat. Im Laufe der letzten sechs Monate seien 2255. Personen ausgewa&dert, das sind 22.1 .Prozent, gegenüber 10.185, die in dem gleichen Halbjahr einwanderten, Das zweite Halbjahr werde allerdings ein Anschwellen der Auswanderungsziffern bringen. Was, 'die &uswanderu,agsbewegung selbst angeht, so sei sie als ein -natürlicher' A'usleseprozeß zu erklären, der das für das Land geeignete Menschenmaterial' zuunäclist einmal entsprechend sichte. Nickt alle Auswandernden würden, dem Lande für dauernd den Rücfcen kehren. Von denjenigen, die 1923 zurückgewandert sind, seien jetzt z. B. viele wieder im Lande undvon den heute Wegziehenden hoffe ein großer Teil zu günstigerem Zeitpunkte wieder zurückzukehren. Die Nachrichten, die von Tausenden von Emigranten pro Monat sprechen, seien natürlich grotesk übertrieben und fügten der Bewegung großen Schaden zu. "Ueber die Zusammensetzung der Auswanderer lasse sieh aus den Zahlen selbst kein klares Bild gewinnen. Jmmerhin läßt sich soviel erkennen, daß sie ihrer Mehrzahl nach Angehörige des Mittelstandes sind: kleine Unternehme]-, Händler nunc! - Agenten, Krämer und Limonadenverkäufer, von denen ein Teil sogar auf Zertifikate hingekommen sind. Die meisten von ihnen waren Einwohner Tel-Avivs und sind von der letzten Imigrationswelle ins Land gebracht worden. Doch' ist es bedeutsam zu sehen, daß unter ihnen fast niemand aus den Kolonien oder in ländlichen oder städtischen Kibuzim organisierten Arbeitern sich befindet. Diese Tatsachen können der zionistischen Bewegung in vieler Hinsicht eine Lehre sein; einmal wegen der Eignung des Mittelstandes für die Methoden der Zertifikatsverteilung. Hier müsse eine viel strengere Auswahl des für Palästina in Betracht kommenden Menschenmaterials Platz greifen. Aufklärung und umfassende Belehrung einerseits, Kampf gegen Demoralisation, wo sie im Zusammenhang mit diesen Dingen auch immer zu finden sei andererseits, müsse die Losung für die einzelnen vfid die zionistischen Instanzen sein, denen diese Aufgabe an vertraut sei. Was tut nun die .jüdische Arbeiterschaft, um die Krise zu überwinden? Sie trägt die schwerste Last der Krise, doch wird sie nicht entmutigt. Im Glauben an den endgültigen Sieg, ruft sie zu neuen schöpferischen Tafen. Der „Dawar" vom 8. Oktober schreibt u, a,: Die zionistische Bewegung kann auf vieles verzichten, eines aber darf es für sie nicht geben, nämlich Stillstand. An dem Mißerfolg des letzten Jahres trägt auch' die Regierung ein Teil Schuld. Aber es wird ja immer so sein, daß die Regierunguns so lange nicht zur Hilfe kommt, als wir selbst noch nicht ein Faktor von Bedeutung sein werden. Auch die zionistische Leitung trifft ein Teil der Schuld. Doch sie muß ihre Energie und Kraft, aus einer aktiven zionistischen Umgebung schöpfen: in einer Atmosphäre von Schwäche und. Kleinmut erlahmt auch die Kraft der Einzelnen dort. Auch von dem Weltjudentum wird die Hilfe nicht kommen, so lauge in ihm die Erkenntnis lebt, daÄ hier im La*de der Glaube aa den endlichen Sieg nicht erschüttert ist. So erscheint1 als die wichtigste Aufgabe gerade jetzt, wieder in das Galüth hinauszuziehen, unseren ungebrochenen Aufbauwillen und die Stärke unserdS Glaubens zu verkünden und vernehmlich zur Verwirklichung des Zionismus aufzurufen. Zwei Angehörige der Histadruth sind in diesen Tagen mit zwei großen neuen Plänen hervorgetreten. Hernes legte ein Projektzur methodischen Finanzarbeit in bisher nicht gekanntem Umfange vor, Schkol'nik brachte einen. Plan zur Ansiedlung von 1000 neuen Siedlern auf Grund der Gelder, die heute schon in den nationalen Kassen des Landes vorhanden sind. Den beiden an und für sich verechiedenen Projekten ist gemeinsam, daß sie nicht nur aus der heiligen Unruhe kommen, der Krise mit Macht zu begegnen, sondern, daß sie auch1 die Erfahrungen aua vdem Fiasko des letzten Jahres bereits verwerten. Beide basieren darauf, daß im Lande zuerst und vor allem ein dtarker landwirtschaftlicher Kern erstehen muß und daß erst dann die Bedingungen zur Existenz anderer Berufezweige erfüllt sind. Und wenn Remez nochmals fordert^ daß viele Boten ausziehen, draußen an alle Türen klopfen" und verkünden, was hier zu tun sei und was wir gewillt . sind, für die nächsten Jahre auf uns zu1 nehmen, und Schkolnik seinerseits die Bereitstellung von 1000 Freiwilligen vorschlägt, die bereit sind, unter schlechten, fast unmenschlichen Bedingungen zur Urbarmachung neuen Bodens hinauszuziehen, dann bedeutet das alles nur einö Rückkehr zu dem gleichen Geiste, der früher in der zionistischen Bewegung und besonders in der Arbeiterbewegung, herrschte* eine Rückkehr zum Geiste reinen Pioniertumsr der jahrzehntelang in den Herzen der jüdischen Arbeiter wirksajtt war. Wenn die Arbeiterschaft sich' auch jetzt wieder über alle Hindernisse hinwegsetzt, ihre Pläne vorwärtstreiht und das tut, was die Stunde gebietet, dann wird das kommende: Jahr zu einem Jahr der Erneuerung werden und die 4# beiterschaft, von der der Ruf ausgegangen ist, wie stetem wieder an der Spitze der Verwirklichung stehen. * Im Zusammenhang damit macht E. Sch. im „Dawa/ vom 10. Oktober einen Vorschlag zur Aufbringung yori Geldern für den vorläufigen Beginn des Schkolnischen Projektes : ( j Es gibt eine Möglichkeit, an die man zur B^hebjjng der Hat im Winter vielleicht herangehen könnte, d|e mcü bisher noch nicht beachtet wurde, nämlich die Inanspraßl* nähme aller derjenigen, die durch regelmäßige"^GehaltßH einnahmen vor unmittelbarer Noti gesohützV «Ui&.-Upl b«afr