Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 12 (31.10.1926)
- Date
- 1926-10-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Unsere Generalversammlung. Ata 16. tirid 17. ÖSifctfer fä&cl die eratd GeneralVerSämm- Ixirtg des .Verbandes der jüd.-sodaHstischen "Arbeiterjugend im Saal der Poale Zion statt. Um auch den Nichtmitgliedern die Möglichkeit zu geben, unserer Tagung beizuwohnen, würde die Eröffnung öffentlich und feierlich' gestaltet. Im reich geschmückten »Saal eröffnete Gen. Schuler um halb ö Ührj''nach' Absingüng des Liedes „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" dxirch den Chor des Verbandes, die Versammlung. Er skizzierte kurz die Aufgaben des Verbandes und die Bedeutung seiner jetzigen Tagung und begrüßte die erschienenen Vertreter der verschiedenen Organisationen. Namens der S. A.-J. begrüßte Gen. Hoffner die Versammlung. Er betonte die Notwendigkeit eines Zusammengehens der gesamten sozialistischen Arbeitei'jugend, und insbesöndei^ einer Aufklärung der nichtjüdischen xVrbeiterjugend über den Zweck unserer Organisation. Namens der tschechischen sozialdemokratischen Arbeiterjugend begrüßte Gen. Tympjl, der der Tagung vollen Erfolg wünschte. Ebenso die Genossen . Bierer und Grad für den „Hechaluz" und ,,Tchelefc Lawan". Namens der Poale Zion sprach Gen. Schwarz und für den Weltverband der Poale Zion Gen. Singer, der auch zugleich irr einem ausgezeichneten Tieferat dio Lage der jüdischen Arbeiterjugend in den Ländern der jüdischen Massensiedhmgeti .schilderte. Hierauf wurde die Tagung unterbrochen. Am 17: erstattete zunächst Gen. Schuler den Tätigkeitsbericht. Die Gegner, die wir haben, zwingen, uns, von Mann zu Mann zu werben. Er schilderte die Schwierigkeiten, die der junge Verband zu überwinden hatte. Es entspann sich eine große Debatte, in der die Gen. S, Schüler, Haipern, Grieß und Rost, der zugleich den Bericht der Statutenkommission brachte, beteiligte. Nach dem Bericht des Gen. Löwi als Revisor-wurde der scheidenden Exekutive die Entlastung erteilt. In die neue Exekutive wurden gewählt: Schüler, 1. Vorsitzender, Ginsberg, 2. Vorsitzender, Golflstaub und Engelberg: Sekretäre.. Rost: Büdungsrefe- Tent. Lindenfeld: Schriftführer. Bucliwald, Kassier, Spielmann^ Spörtreferent, Haipern und Thilde Schulz als Beisitzer. Hierauf besprach Gen. Schüler unsere nächsten Aufgaben, Erfassung des Menschen, kulturell und organisatorisch, durch Kurse und sportliche Betätigung sei unsere Aufgabe, wie die Rücksichtnahme auf die verschiedenen Altersstufen. Zusammenarbeit mit der S. A. J., mit der Poale Zioii und mit 'dein Verein für das arbeitende Palästina. Es entspann sich eine lange Debatte, in der die Frage eines' eigenen Mädchenreferates ein© große Rollo spielte. Nachdem beschlossen wurde, die Präge des Mädchenreferates der Exekutive zuzuweisen und einige geringfügige Aenderuhgen in den Statuten sowie einig© technische Anträge angenommen wurden, wurde die Generalversammlung tun! 4 Uhr nachmittags geschlossen. Franz Öppehheimer und der Palästinaaufbau. n. ... f - ■ iOppenheimer meinte, die gewerkschaftlichen' und -sozialistischen Kampforganisationen seien in Palästina verfrüht. Im Lande sind kaum die ersten Versuche privatkapitalistischer Wirtschaft und die Arbeiterschaft marschiert heute mit den schwersten Geschützen. Wir wollen zunächst feststellen, daß sich Oppentieimer der Mühe nicht unterzogen hat, um näher zu erklären, was er unter den „schweren'Geschützen" meint. Es; ist auch' schwer zu erraten, wen und was er mit dieser Ironie treffen wollte. ' Wenn wir die gewerkschaftliche und politische Tätigkeit der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina beobachten, so finden wir kaum eine Aktion, oder auch nur einen Schritt, der unzeitgemäß, oder bloß den änderen Ländern nachgeäfft wäre. Es wird um das Koalitiorisrecht der Arbeiterschaft, geegen die LIungerlohne, gegen den 10—12stündigen .Arbeitstag, für die Gleichberechtigung der Frau, gegen 'Wohnungswucher u. ,ä. gekämpft. Findet der Sozial- .pplitiker. Oppenheim er diese Forderungen' für unberechtigt:?; Oder,-meint er. vielleicht, daß zur' Erreichung dieser^-Fofderüngen der gewerkschaftliche und politische''Apparat der jüdischen Arbeiterschaft night nötwendig sei? Nur wer darüber nicht informiert is.t we|ch schwere Kämpfe die, jüdische und arabische Arbeiterschaft um die Erfüllung der primitivsten Forderungen führen' muß, kann das behaupten. Die rückständige, unentwickelte Industrie und Landwirtschaft in' Palästina ist ebenPflicht weniger profitgierig und scharfmacherisch als die hochentwickelte Industrie und Landwirtschaft in den anderen Ländern. Es ist ja nicht anzunehmen, daß Oppenheimer der Meinung ist, die jüdischen und arabischen Arbeiter ins'Palästina sollen sich einstweilen alles gefallen lassen und'ruhig zuwarten, bis die Landwirtschaft und Industrie mächtig entwickelt sein sollen. Das würden nicht einmal rechtdenkende kapitalistisch Orientierte verlangen, um so weniger ein Sozialpolitiker. Gewiß hat sich die gewerkschaftliche und politische Organisation der jüdischen1 Arbeiterschaft in Palastina rasch' entwickelt, weil ja die eingewanderten jüdischen Arbeiter zum großen Teile in ihren früheren »Wohnländern sozialistischen Gewerkschaften und Parteien bereits angehört, oder sich mit ihnen zumindest in ihren Gedanken und Gefühlen solidarisiert haben. Jeder eingewanderte jüdische Arbeiter mußte nicht erst durch eine langwierige Werbetätigkeit für die geewerkschaftliche und politische Organisation gewonnen werden, er war mit solchen Kampf Organisationen von früher her bereits vertraut. ' 'Oppenheimer wird aber kaum ein Faktum anführen können, das beweisen sollte, daß die Organisation der Jüdischen Arbeiterschaft infolge ihres raschen Wachstums über die Schnur gehaH^n hat und nicht genügendes Verantwortungsgefühl für die Existenz und die Entwicklung des jüdischen Palästina besaß. ( 'Es wäre nicht schwer, das Gegenteil zu beweisen, u. zw., daß die jüdische Arbeiterorganisation nicht nur auf die Vorteile ihrer Mitglieder allein bedacht war und ist, sondern, daß sie, im Gegensatz zum jüdischen Bürgertum des Landes, mit einer vereinzelt dastehenden Selbstaufopferung, mit einem unvergleichlichen Verantwortungsgefühl über das Gesamtinteresse des Palästinaaufbaues wacht. III. Im Laufe seiner Ausführungen hat Oppenheimer einige Mal a*uf einen ihm bekannten erstklasjsigejn Fachmann in Baumpflanzungen, der in einer Küche bei nichtqualifizierter Arbeit' beschäftigt wird, hingewiesen. Und dieses Faktum hat er verallgemeinert und ist zum Schlüsse gelangt, daß die jüdischen Arbeiter im Lande die Begabung nicht einzuschätzen; vermögen und deshalb dort selten1 der richtige Mann auf dem richtigen Platze anzutreffen ist. Wir glauben nicht, daß diese Behauptung zutrifft, sonst wäre der Erfoig wichtiger Institutionen der Arbeiterschaft — insbesondere die Arbeiter-Bank und des Solel-Boneh — nicht zu erklären. Wenn es aber hie und da der Fall sein* sollte, ist es zweifellösl ein Fehler und wird nur noch zu den Kinderkrankheiten des „Jischuw" gehören. .Unrichtig ist es aber, diesen Fehler auf das Konto der Gemeinwirtschaft und der kollektivistischen Siedlung in Palästina überhaupt zu buchen. Eis ist gewiß ein Fehler, wenn in einer Siedlung ein Baumfachmann für Erdäpfelschälen verwendet wird, während draußen Laien an den Bäumen experimentieren; es ist gewißunrationell, wenn man ausgerechnet Uneingeweihte, Unerfahrene an die Spitze der Arbeiterbetriebe stellt, aber mit Gemeinwirtschaft, mit kollektivistischer Siedlungsmethode als solche, hat es verflucht wenig zu tun. , Auf die grundsätzlichen Einwände Oppenheimers geegen die Arbeitersiedlungen in Palästina werden wir im nächsten Abschnitte eingehen. M. Singer. Eugen W. Debbs. Debbs war ein wunderbarer Typus eines Arbeiters, der sich zu bedeutender intellektueller Höhe emporgeschwungen hat. Er war ein mutiger Kämpfer, gegen Krieg und gegen die bestialische Form des amerikanischen Kapitalismus mit der Tünche der Demokratie Er war. eine der großen1 Kampfgestalten des inter- ' nationalen Sozialismus, aber in Amerika ist er fast vereinsamt gewesen. Die großen Arbeitermassen dieses' . ungeheuren Weltteiles stehen abseits der großen Kämpfe des Weltproletariats. Sie sind sich noch' nicht dessen bewußt, daß der Kampf des klassenbewußten Weltproletariates auch ihr Kampf ist. Sie geben sich keine Rechenschaft über den Kapitalismus im eigenen ' Lande und über die Notwendigkeit eines sozialistischen Kampfes zur Abwehr und zum Angriffe ab. Ein relativer Wohlstand der Arbeiterschaft, die junge aber reife Form der. kapitalistischen Wirtschaft, die un-; geheure Ausdehnung des Landes, seine noch ^große Ausdehnungs- und Entwieklungsmöglichkeit, bilden ein Hindernis für das: Eindringen des Sozialismus1. War also Debbs bloß ein großer Einsamer? O nein, er war der Türmer, der weitblickende revolutionäre Kämpfer. Er war die Ankündigung des Erwachens der an Zahl wie an ihrer wirtschaftlichem Bedeutung mächtigen Arbeiterschaft des Landes der unbegrenzten1 Möglichkeiten. Und am Tage des Erwachens wird der kämpfenden Arbeiterschaft der iName Debbs hell voranleuchten. / Daß Debbs zu unseren Freunden, zu den Freunden des arbeitenden Palästina gezählt, hat uns nicht mit kostenlosem Stickunterricht FAHRRÄDER 1926 Auch gegen Teilzahlung!! Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteins^. 27, IV., Wiedner Hauptstr. & Telephon 18-5-S4, 16-5-65, 57-109 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör. Sport- und Touristenartikel iimiiMiifc || im nimmum (WICHTIG FÜR JEDERMANN! Sorget vor für euch und eure Angehörigen, um beim Ableben eines eurer Teuren der Pflicht und Sorgen' enthoben zu sein, für ein würdiges und modernes Leichenbegängnis aufzukommen. Um sich alle dies© finanziellen Sorgen zu ersparen, * müßt ihr siofort cüV Mitgliedschaft erwerben im!i - VEREIN IN OESTERREICH WIEN, VI!., MARIäHILFERSTRAfIE 88A Das Inkasso wird regelmäßig von .unseren Vereinsorganen besorgt. Kein Wirtshausbesuch und längeres Warten notwendig. Die Gefahr des Verlustes der Mitgliedschaft durch Vergessen der Einzahlung der Monatsbeiträge fällt durch diese Maßnahme weg, KEINE KARENZZEIT! (WARTEZEIT) Schon nach Erlag des ersten Monatsbeitrages und bei jeder Todesart ist der Verein verpflichtet, die kostenlose Einäscherung durchzuführen, KEINE ZAHLUNG AUF LEBENSDAUER! KLEINE MONATSBEITRÜGE! Die Beitragsleistung des Mitgliedes ist auf eine von ihm selbst zu bestimmende. Zeitdauer beschränkt, da* Ii. g^en besteht die Mitgliedschaft auf Lebensdauer. nur mit Stolz erfüllt, es war und ist für uns ein* Beweis mehr, daß das Recht und die Idee der Freiheit, auf unserer Seite sind. Eugen W. Debbs hat sich ein wunderbares Denkmal in den; Reihen des klassenbewußten Weltprotetaria^ tes gesichert. i Vom jüdischen wissenschaftlichen Institut. Soeben ist die Nummer 16 der Nachrichten dea Instituts erschienen. Sie enthält den Bericht der ökonomischen Sektion über den Plan der in kurzer Zeit beginnenden ökonomisch-statistischen Aufnahme in Polen. In den wichtigsten Zentren der jüdischen .Massensiedlung Polens werden unter Mitwirkung der bedeutendsten jüdischen Gesellschaften Polens die Arbeeiten nach dem Plan der ökonomischen Sektion des. Instituts durchgeführt werden. Die bald erscheinende Nr. 17 wird Berichte ausallen Sektionen enthalten. Auch die bisherigen Arbeiten des Wiener Arbeitskreises werden verzeichnet sein. , Die Nummer 16 versendet an wissenschaftlich Interessenten der Wiener Arbeitskreis kostenlos. Auskünfte erteilt Dr. Rudolf Glanz, Wien, XVIII., vWeimarerstraße 19. Aus der jüdischen Gemeinde. Plenarsitzung. Am 20. Oktober fand die erste Plenarsitzung nach den Sommermonaten statt. Sie brachte in ihrem öffentlichen Teil nur den Präsidial bericht für die Sommermonate und einzelne Referentenberichte über Aktionen der Zwischenzeit, die von den Kommissionen, durchgeführt worden waren, wie die Ferienkolonien1 für die Jugend und andere. Beim Thema: Einmalige- Zuwendung an die schematisierten Angestellten und Pensionäre ergriff Genosse Moritz das Wort zu-längeren Ausführungen, in denen er die Lage (der Hilfskräfte im Steueramt der Gemeinde schilderte und unter anderem für die mehr als zwei Jahre als Hilfskraft Beschäftigten die Unterstellung unter das Angestelltengesetz forderte. Die Mandatare, der Vereinigung für soziale Tätigkeit interpellierten über die Behandlung ihrer Anträge, die bis heute noch nicht ins "Plenum gelangt sind und über den Ausschluß der Oeffentlichkeit ibei, f den Verhandlungen über das Gemeindeblatt. Weiterswurde eine Anfrage über den Stand der Angelegenheit!, des Taubstummeninstitutes an das Präsidium gerichtet. Es sind nunmehr in rascher Folge Beratungerr des Plenums zu erwarten, die die Arbeiten der Kommissionen zum Abschluß bringen sollen. Kwentümer, Verleger, Herausgeber and verantwtortlioheir Redakteur: Dr.Rud, Glanz, R.-A.-Anwarter, Wien,XVIII., Weimarer6tr. 19/10. -—Druck: „Adria", Wien, II., Taborstr. 62b.