Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 9 (23.07.1926)
- Date
- 1926-07-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Unsere TribOne Seite 3 Jüdische sozialistische Arbeiter-Jugend. Gewidmet den Presen der arbeitenden jüdischen Jugend. Vor der Gründung einer jüdischen sozialistischen Jugendorganisation. Seit längerer Zeit gab und gibt es in Wien junge jüdische Menschen, die sich zum Sozialismus hingezogen fühlen und es wurde von verschiedenen Seiten der Wunsch geäußert, diese Jugend in e^ine Organisation zusammenzufassen, um ihre Gedanken und Gefühle, in die Tat umzusetzen; Nun ist es zustande gekommen. Vor einigen Tagen haben sich dietee Menschen zusammengefunden. Es war keine nach i Hunderten zählende Messe, aber jenie, die auf 'den ernsten Ruf erschienen waren1, bezeugten, daß die, die es als ihre Pflicht erachtet haben, die jüdische Arbeiterjugend, in einer Organisation zfusanimen'zufasse'n, im Rechte; waitejn, daß sie einem wirklichen Bedürfnis der jüdischen Arbeiterjugend entgegenkamen. Allerdinga gilt es noch manche Schwierigkeit zu überwinden. * Vorurteile und irrige Auffassungen, wie etwa die, daß nur in Palästina, eine jüdisch-sozial. Jugendbewegung berechtigt sei, müssen ata der Hatnfd der realen Tatsacheta. widerlegt werden; East alle Teilnehmer sahen bereits ein, daß die Jugend, die jüdiscli und sozialistisch denkt und fühlt, ihren Sozialismus nicht ausschließlich von ihrem Leben in Palästina abhängig machen darf. Vielmehr muß sie, wo immer sie auch' sied, im Sinne des' jüdischen Sozialismus, im engen Kontakte mit der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas und des Gallith, wie auchi im unmittelbaren Zusammenhange mit der allgemeinen sozialistischen Arbeiterschaft des betreffenden Landes wirken. Obwohl die grundsätzliche Aussprache ihr Ende noch nicht erreicht hat, steht bereits jetzt fest, daß das1 Resultat ein positives1 sein wird. Alle an den Beautunjgen Teilnehmenden 1 warein von der Notwendigkeit, durchdrungen, daß wir anstreben müssejn, die jungen Menschen, die nach Palästina gehen, hier zum sozialistischen Denken und zur s(o>zialistischen Tat zu erziehen, daß wir aber auch jenen Teil der jüdischen Arbeiterjugend, der nach' Palästina nichit''gehen, kann, für den jüdischen Sozialismus gewinnen müssen. Die jüdische: Arbeiterjugend darf durch ihren Kampf gegen die Ausbeutung und Unterdi-ückung des Kapitalismus .'den Bestrebungen der jüdischen Arbeiterschaft für und in Palästina nicht entfremdet werden. Siel muß sich als1 Mitglied der jüdischen Arbeiterfamilie in allen Ländern der Welt und als .Teil des inlbernationjaien Proletariats betrachten. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, wirdes gewiß nicht schwer fallen, die Kampfgemeinschaft mit der allgemeinen sozialistischen Arbeiter] ugetnd des! Landes1 herzustellen und unseren nicht jüdischen; .'Getmosiseri Verständnis für unsere spezifischen Aufgaben beizuibiringen; Von diesem Geiste war die grundsätzliche Ausspracht beherrscht. 1 Das Exekutivkomitee, das vlon der Versammlung bestallt wurde, trifft Vorbereitungen, um bald nach' den Eerien' mit einer großen Agitation einzusetzen. Wir dürfen wohl behaupten, daß die jüdische stozialistisclie Jugend in Wien ihren Weg gebunden, daß sie die Periode der Unbeständigkeit und Iiütfonseftuen'zen nun' endgültig überwunden hat. Wir sind überzeugt, daß die große Masse der jüdischen Arbeiterjugend unisferem Rufe Folge leisten wird.; ' Resignation oder Kampf? „Der jüdischen Jugendbewegung war eigentlich ihr Weg zu Verwirklichung .vorgezeichnet: Erez; Und wäre sie ihn zur Gänze gegangen, dann hätte das Problem: Die jüdische Jugendbewegung " und die Auswirkungen des1 Sozialismus1, ein ganz anderes Aussehen; wie es ja für die, die schon im Erez sind, wirklich der Fall ist. Aber einerseits, wachsen hier im Galuth immer neue junge Men* sehen in den Wegen de? Juge|hidbewegung heran, anderseits gibt es von früher iher junge Menschen aus der jüdischen Jugendbewegung, die aus irgend Welchen Gründen defo. Staub des;Galuth noch nicht abschüttelten und denen, es i nun schwer ist, : hier im Gallith das richtige Verhältnis zu den Auswirkungen des Sozialismus' zu finden ... 1 Die jüdische Jugendbewegung kann nicht in- . teaniational sein; stolange sie nicht auf ihrem eigenen Boden steht," Gar—bi: „Unser Leben", Mai 1926, S. 46/47. Diese Sätze sind in einer von einer jüdischen Jugendgruppe herausgegebenen Zeitschrift zu lesen. Der Verfasser schildert darin, wie er zur Erkenntnis dessen, das in den angeführten Sätzen geschildert ist, gekornnTen sei. Nein, er will sich nicht als{ 'izur Arbeiterschaft schlechthin, zugehörig betrachten. [Und wenn er auch da£ Selbstbewußtsein der Pro- Ietarierm'asfeen bewundern muß, und der Sozialist in ihnen (verbindet, jsp gibt es {doch auc'h( vieles,! sehr vieles, das'!mich von ihnen trennt". Der Verfasser bezeichnet seinen Artikel als den Beginn einer Auseinandersetzung. Und mit Recht! Denn eS müssen hier einige Worte! gesagt werden, schon aus dem einfachen Grunde, weil wir es hier mit einem ehrlichen, Sich über Seine \Vegte Rechensehaft abgebenden Menschen zu tun haben. \ Es ist vor allem falsch, das Ziel der Jüd. Jugendbewegung nur in „Erez" (die Bezeichnung „Erez" ist sinnlös, richtig ist: „Palästina" oder „Erez: Israel") zu sehen. Die jüdische sozialistische Jugendbewegung — und 'nur um eine Solche! handelt esisich'i— ist eben als;der Ausdruck desl klassenbewußten Proletariats 23u betrachten. Und als^solche muß Sie immer und überall ihr Klassenbewußtsein betonen. Es' geht nicht an; eine Idee nur fülr einen bestimmten Zeitpunkt ,unid für einen bestimmten Ort parat zu halten,!ü|berhaupt, wenn es sich um eine j^nte'ri national1« Idee, wie die des' Sozialismus, handelt. Is;t man klasSenibewußt für Palästina, ist man bereit, dort seine Idee zu vertreten, So muß man sie logischerweise auch hier vertreten, und alles venmeiden, was den Anschein erwecken kann, als ob man mit den Methoden des! heimischen Kapitalismus zufrieden wäre, und nicht igeneigt ist, mit der heimischen (Arbeiterschaft gemeinsam, gegen den internationalen LKapitalismuS anzukämpfen. Einem' Jsolchen Anschein, würden die tatsäch- 1' i c h e n V er 1t ä 11n i sse, der Ausbeutung sämtlicher Arbeiter, auch der jüdischen, durch den heimischen Kapitalismus, jund die die jüdischen Arbeiter zu einer gemeinsamen Kampffront drängen, widersprechen- Aber auch das Interesse der jlüdischen Arbeiterschaft jin Palästi na erheischt eine internationale sozialistische Erziehung der jüdischen Arbeiterjugend in der Dia- Spora. Die jüdische Arbeiterjugend soll ihr nicht nur als ''Reserve, sondern auch als Vier bin d u n|gfsL faktor'mit der internationalen Arbeiterschaft außer-} halb Palästinas, dienen. Die jüdisch-ao^alistische Ju- ''gend in dem' Lande, in dem sie nun einmal1 lebt, muß eS aber auch schon darum' als Selbstverständlichkeit erachten, mit dem Proletariat ihreS Landes; wenn auch anderer Nation, zu kämpfen, weil doch alle Schutzgesetze, die das heimische Proletariat erkämpft, auch ihr zugute kommen! Die jüdische Jugendbewegung muß alSo immer mit der Arbeiterschaft ihres (Landesä gehen, muß also interna t i o n a 1 sein. 'Auch wenn. die heimische Arbeiter- und Jugendbewegung des betreffenden Landes, der Palästinasache nicht sympathisch gegenüberstehen^ muß die jüdisch-sozialistische Jugend mit ihr eine Verbindung suchen; denn' vergessen wir nicht, es Sind Kfassenbr üder, die uns nicht verstehen, und es erwächst uns gerade hier die Pflicht, sie über unser Streben aufzuklären, und ihnen unsere Haltung begreiflich zu machen. Keine Eigenbröteleien und keine Resignation! Hilflos? Nein! Die jüdische Jugend ist nicht allein, viele Klassenbrüder erwarten sie, um sie mit offenen Armen zu empfangen, sie braucht nur zu wollen, der .Weg ist offen. Kommt zu uns, um mit uns gemeinsam an dem Werk der Befreiung unseres Volkes und der gesamten Menschheit zu arbeiten. Samu'Halp er n. Die Arbeiterjugend in Palästina. Die statistische Abteilung der* Allgemeinen Arbeiter1- ■organisation in Palästina hat im Oktober 1925 in den größeren jüdischen Zentren Palästinas' e;ine Zählung der Arbeiterjugend vorgenommen. Wir bringen ans dieser gründlichen Arbeit einige interessante .Ziffern. Zusammen befanden sich damals' in Tel- Avviw, Jerusalem, Haifa, Tiberias1 \ind Petach-Tikwa 1034 Jugendliche im, Alter von 8 bis 18 Jahren, welche als' Lohnhehmer in 775 Unternehmungen beschäftigt waren. Das Alter, in dem diese Jugendliche|n zu arbeiten angefangen haben, verteilt sich folgejndermaßen: solche Altersstufen überhaupt zur Arbeit heranzuziehen. Auch die Verdienfete sind sehr nie|drig. Verdienste der Arbeiterjugend in Palästina in Pfund. Verdienste in Prozente der Arbeiterjugend: nichts bis 2 Pf. bis' 4 Pf. bis 6 Pf. über 6 Pff Ortschaft Tel-Awiw Jerusalem Haifa Teberias Petach-Tikwa 12.3 28.5 14.3 31.8 19.1 24.5 38.4 28.5 53.9 15.7 3.4 18.9 14.3 53.9 11.4 4.8 18.5 7.9 12.9 1 1.9 3.4 Auch die Arbeitszeit bei dem) Jugendlichen beweist die schreckliche Ausbeutung der Arbeitetschaft dieser Kategorie, j Arbeitszeit der Jugendlichen.; Alter d. Jugendl. 8—12 Jahre 13—15 „ 16—18 Seit dem 8. Lebensjahr 9- „ io.; » IL 12- „ » 13. ' „ » 14. „ 15. ■ i, „ 16- >, „ 17- „ „ 18. 0.9 Prozent 0.3 2J 3.2 10.0 „ 17.2 21.7 18.3 14 „ 8.8 2.3 .. . , , j, iiLi j w^u^ Wir ersehen daraus, daß niclit weniger als 34.9 Prozent ihm', ahn jzu den Arbeitermasisen drangt, „nein^hierher der ^^01^ Arbeiter im Alter von weniger als 14 Jahgehöre ich nicht; gibt eä auch vieles, das mich mit ren sind, während es allgemein in Europa verboten ist, Arbeitsstunden 8 9—10 11—12 13—15 2 23; 15 20 22 226 75 45 11 346 178 71 Es versteht sich, daß bei solchen' Arbeitsbedingungato und bei dem frühen Alter, in dem diese au arbeiten angew fangen haben, auch der kulturelle Stand ein sehr; schlechter ist. Eine gute Illustration zu der Klassenharmlonie im jüdischen Palästina. —nA Resolutionen der Gründungskonferenz der jüd. soz. „Bachruth" (erwachsene Jugend) in Palästina. I. Gnmdsätzlichesi. 1. Die Organisation führt den Namen: Jüdische1 sozialistische „Bachruth" in Palästina. 2. Die jüdische sozialistische „Bachruth" in Palästina, organisiert und erzieht die jüdische Arbeiterjugend im Geiste des Schaffens und des Klasteenkampfes der1 jüdischen Arbeiter im Lande, für die Verwirklichung der jüdisch-sozialistischen Gesellschaft in Palästina. 3. Die jüd. soz-. „Baohruth", "ist eiu' brganiseber Teil der „Achduth Haawoda", sie arbeitet selbständig, unter der politischen Fülming und mit kultureller Hilfe der „Achduth Haawoda". 4. Die jüdische sozialistische „Baehrüth" schließt sifcb1 der sozialistischen Jitgendinternatilonale an. 5. Die jüd. soz. „Bachrath" ist ein; Teil der allweltlichen jüd. soz. Jugendbewegung. II. Die Aufgaben''. 1. Die Entfaltung einer großen und weitverzweigten; kulturellen Tätigkeit mit dem Ziele, der Jugend eine allgemeine und gesellschaftliche Bildung, eine sozialistische Erziehung mit "Erkennung ihrer KlassetnJage zu geben, Und das allgemein Menschliche in dem Bürger der kommenden Arbeiter-Gesellschjaft zu entwickeln. : 2. Sich izu beschäftigen' mit dem NeUein wandernden.; ihm bei der Einwanderung, in der Arbeit, beim Erlernen; der Sprache, behilflich zu seih und ihm die Akklimatisierung in dem Kulturleben, und das gesellschaftliche Schaffen der Arbeiter im Lande, zu erleichtern. 3. 'Autklämn'gsaa-beit in den breiten Kreisen der Jugend" im Geiste der sozialistischen Arbeiterbowegun| im 4. Propaganda unter der studierenden Jugend,- um' sie zu einem gemeinsamen' Leben iund- .Tätigkeit mit der Arbeitei'klasse im Lande zu erziehen. 5. Eindringen in die Kreise der Jugend des1 Oriente 6. Die Jugend für das aktive Anteilnehimen an dem wirtschaftlich Schaffen clor Arbeiterbewegung . vorzubereiten und sie für das Gemeinschaftsleben zu gewinnen. 7. In das gegenwärtige gesellschaftliche Lebender Jugend den Geist kollegialer Beziehung, gegenseitiger Hilfe, Anhänglichkeit und Treue in Gedanken und in det Tat zu bringen. 8. Stellt sich die „Bachruth" für alle Aktionen der „Histadruth"!und der „Achduth Haawoda" zur Verfügung. 9. Einen ständigen Aufkläilimgskaimpf gegen die verschiedenen chauvinistischen Bichtungen zu führen und dia Jugend im Geiste def internationalen "Solidarität zu erziehen, und sie für freundschaftliche Beziehungen mit den arabischen Massen vorzubereiten, 10. Einen ständigen A^ifkläi^tngsikampf gegen die antizionistischen Bichtungen aller Schattielroingen zu führen und die Jugend zu der Erkenjnttnis der besonderen nationalem Mission des jüdischen Arbeitens in seiineSr Piionier-Aufga.be im Leben des jüdischen Volkes in Palästina und in, de?, Diaspora, zhi erziehen, 11. Die jüdische Jugend mit ollen, aktuellen! Prägen1 der Arbeiterbewegung Palästinas:, mit der hebräischen und Arbeitslitenatur, mit der. jüdischelu Wirklichkeit in . der Diaspora, und mit allen Bichtungen der allweltlichen jüdischen Arbeiterbewegung bekannt zu1 machen. III. Hanber Hatowed. 1 Die jüd. soz. „Bachruth" anerkennt den großen Wert der Organisation „Hanloer Haowed" lind fordert alle Ge.- nossen auf, sie in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. IV. Weltverband, Die Konferenz fwdert das Büiio des jüd. soz. Weltverban'des zur aktiven Mitarbeit auf, und ersucht die Exekutive, das Büro in seiner xirbeit zu unterstütizefa. V. Glückwünsche. Die Konferenz begrüßt die Genossen in Bußland und den Weltverband Poale-Zion (verewigt mit Z. S.) . VI. Organisation. Das erforderliche Minimalalter ist 17, das Maximalalter 23 Jahre. VIT. Das Verfiältnisi zur „Achduth Haawoda". 1. Gegenseitige Vertretung in den zentralen Körperschaften der Partei und des „Baehrüth". 2. Anteilnahme des „Bachrüth" an den städtischejQ Zusannuenk^ften der Partei, 3. Gegenseitige Vertretung in den OrtsJeomitees d^s „Bachruth" und der Partei mit beratender Stimme.