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Unsere Tribüne · 1926-07-23 · 9 (23.07.1926) · p. Seite 4

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
9 (23.07.1926)
Date
1926-07-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Unsere Tribüne Nr. 9 rung, daß die Kontrolle und Regulierung der Einwanderung der „Jewish Agency" übergeben werde, unterstütze. .Weitere Vorschlage betreffen die Gründung eines internationalen .Wanderungisamtes und einer internationalen EmiglrationSbanlc, .Wanderung^- sdhutz ,u. a. m1. Diese Antwort der„Histädruth" diente als Grundlage für die ziemlieh ausführliche Behandlung der Paliä^'tina-Wanderung! iin dem' zweibändigen Werk von John 'W. Brown (Sekretär des1 Internationalen Gewerksthaftsbündes): „Das Wanderungsprobfem' und die Arbeiterklasse", fdas dem Kongreß als Berieht vorgelegt wurde. (Die .überaus1 aufschlußreiche Arbeit erscheint demnächst auch im Buchhandel). Hatte sich die Arbeit der„Histadruth" als palästinensischer Landesorganisation in der Hauptsache naturgemäß auf die palästinensischen Probleme konzentriert, so konnte der Weltverband Poale Zion sich in diesem Punkt auf eine ergänzende und allgemein aufklarende .Rolle t>esChränken und desto mehr Raum und Aufmerksamkeit der jüdischen Wanderungsfrage aÜs1 Gesamterscheinung sowie den allgemeinen Wander ungs'proMemein widmen. NaCh einer umfangreichen Korrespondenz mit der vorbereitenden Kommission überreichte der Verband eine Reihe von Abänderungjsanträgen Zu dejn von dielser vorgeschlagenen Resolutionen. Neben allgemeinen Grundsätzen (Freizügigkeit, Naturalisationserleichterungen, Abschaffung der Visagebühren) wurde in diesen Anträgen versucht, in allgemeiner Form Forderungen zii formulieren, die für die jüdische Wanderung und insbesondere für die Palästinawanderung von spezieller Bedeutung sind. Zwei dieser Anträge seien zur Illustration zitiert: 1 „Der Kongreß fordert internationale Maßnahmen, utn1 den eingewanderten Arbeitern die gleiche Entlohnung . wie den Einheimischen für die gleiche Leistung jZu sichern. In Ländern (Kolonien, Mandatsgebieten), in welchen die Einwanderer auf einer höheren :Kultüiis'tüfe stehen und einen höheren Lebensstandard haben als1 die eingeborene Bevölkerung, müssen (ähnliche Maßnahmen zum Schutze sowohl der eingeborenen als| der eingewanderten Arbeiter durchgeführt werden. Den Arbeiterorganisationen ist dabei diiei Möglichkeit der Mitarbeit und Kontrolle einzuräumen." ,/Es ist die Aufgabe der Gewerkschaften der Auslund Einwanderungsländer, für Maßnahmen zu sorgen, welche den Eintritt der berufslosen Wanderer in die Produktion und die fachliche Ausbildung und Ve;rvoillkömmnung, der Wanderer erleichtern. Organisationen der Wanderer, die solchen Aufgaben dienen, sollen nach Kräften gefördert werden." [Außerdem! stellte der Verband folgende Anträge zur jüdischen iWanderungsfragfe: a) Stellungnahme gegen alle Verordnungen sowie praktischen Maßnahmen der Einwanderungsländer, die sich speziell gegen die jüdischen Einwanderer richten (Kanada, Brasilien, auch Frankreich). b) Anerkennung der besonders tragischen Wirkungen der gegenwärtigen allgemeinen Einwanderungsbeschränkungen auf die jüdischen einwandernden Massen infolge ihrer einseitigen wirtschaftlichen Struktur. (Tatsächliche Ausschließung von agrarische Einwanderung fördernden Ländern für die Juden als vorwiegend städtisches Element). c) Verpflichtung der Gewerkschaften und Sonstigen Arbeiterorganisationen, den Uebergang von bisher nicht arbeitenden Elementen zu produktiver Arbeit zu fördern. Insbesondere soll den Palästinapionieren (Chaluzim) sowohl in den Auswanderung^- als auch in den Durchwanderungsländern in ihrer Fachausbildung jegliche materielle und moralische Förderung zuteil1 werden und ihr Eintritt in die Arbeiterorganisai tionen dieser Länder erleichtert werden. d) Forderung an den Völkerbund, den Uebergang von Juden zur Landwirtschaft in ähnlicher Weise wie beider Kolonisation von ausgewanderten Russen und Armeniern izu fördern. Insbesondere internationale Förderung der Kolonisation Palästinas. Das Auftreten der beiden Delegationen auf dem Kongreß selbst bildete somit nur den Abschluß einer viele Monate vorher eingeleiteten Aktion, die — wenn sie auch im Äugenblick aus den bereits erwähnten Gründen (nicht m einem1 in (Beschlüssen deslKongresses, sich ausdrückenden Ergebnis führen konnte — doch von großer Bedeutung war. ES ist ihr gelungen, der internationalen Arbeiterbewegung die Größe und Tragik des jüdischen Wanderungsprobiems und die Bedeutung Palästinas als jüdisches Einwanderungszentrum wieder einmal5 ins1 Bewußtsein' zu bringen. Diese Aktion ist eine wichtige Etappe in' den bei Kriegsbeginn einsetzenden Bemühungen des proletarischen Zionismus, die internationale Arbeiteröffentlichkeit für die jüdischen Probleme und Bestrebungen Zu gewinnen. Diese Aktion muß naturgemäß immer wieder erneuert werden, weil' doCh im' Laufe der Jahre neue MensChen zu führender Stellung heran wachsen. Es gab übrigens auf ddm1 Kongreß ein bundistisehes, d. h. natürlich anti-palästinensisches' Intermezzo. In 'Seiner Denkschrift: und in der Rede seines Vertreters1 auf dem .Kongjreß hat der polnische „Bund" erklärt, daß er gegen Pallälstina sei. Daß es dabei nicht ohne demogagische Mätzchen abging (wie Verwendung veral'teter Bevölkerungslziffern, ja Sogar deren tendenziöse „Umfrisierung", die._ Behauptung, die Kolonisation trage philanthropischen Charakter usw.), ist ja nur Selbstverständlich, Doch hat offenbar das internationale Forum diesen Angriff angenehm europäisierend beeinflußt. Vor allem' hat der Bund diesmal' die väter? liehe Sorge für die Araber — in Warschau vergessen; ja er hat — in der Kongreßrede — sbgar für; 'freiq Einwanderung nach Palästina „wie in alle; anderen Länder" plädiert. Er war sogar So gütig, Palästina als einen „interessanten Versuch" zu bezeichnen, allerdings „für einzelne, nicht zahlreiche Gruppen". Daä Sind alles geradezu revolutionäre Neuerungen in der Stellung zu Palästina, das bisher einfach „reaktionär" und damit für einen echten Bundisten verboten waq .[Wichtiger aber ist, daß dem1 Bund unter Hinweis auf die Kolonisation in Rußland die Bemerkung ent-, schlüpfte, daß das Hinüberwerfen der städtischen Bevölkerung in die Landwirtschaft der Weg, ist, „den alle Staaten, die an einem Uebers'chuß städtischer Be* völkerung leiden, wählen können." Ist nicht am' Ende der Bund, ein moderner Bileam, zionistisch infiziert?. sWie dem auch sei: Das Auftreten des Bund hat auf dem Kongreß kein Echo gefunden. Die Zei,t ist vorbei, in der dklse Partei in der Internationalb die Rolle des' kompetenten Sachverständigen in jüdischen Fragen monopolisieren konnte. Das jüdische Leben, das wachsende Werk in Palästina, sind stärker als! die überlebten bundistisehen Vorurteile. Fabriksniederlage in Herren- und Damen- Modestoffen S. Meister Wien, I., Salzgries Nr. 7. Telephon Nr. 69-402 WICHTIG FÜR JEDERMANN! Sorget vor für euch und eure Angehörigen, um beim Ableben eines eurer Teuren der Pflicht und Sorgen1 enthoben zu sein, für ein würdiges und modernes Leichenbegängnis aufzukommen. Um sich alle diese finanziellen Sorgen zu ersparen, müßt ihr sofort die Mitgliedschaft erwerben im VOLKS- PEUER - BESTATTUNGS VEREIN IN OESTERREICH WIEN, VII., MARI AHILFERSTR ASSE 88A Das Inkasso wird regelmäßig von unseren Vereinsorganen besorgt. Kein Wirtshausbesüch und längeres Warten notwendig. Die Gefahr des Verlustes der Mitgliedschaft durch. Vergessen der Einzahlung der Monatsbeiträge fällt durch diese Maßnahme weg; KEINE KARENZZEIT! (WARTEZEIT) Schon nach Erlag des ersten Mionatsbeitragesi und' bei jeder Todesart ist der Verein verpflichtet, die kostenlose Einäscherung durchzuführen..: KEINE ZAHLUNG AUF LEBENSDAUER! KLEINE MONATSBEITRÄGE! Die Beitragsleistung des Mitgliedes! ist auf eine von ihm selbst zu bestimmende Zeitdauer beschränkt, dagegen besteht die Mitgliedschaft auf Lebensdauer, In den letzten1 Tagen wurde zwischen der Kupath öhiolim unddem Waad vion Kfar Ganini ein Vertrag abgeschlossen, auf Grund desIsen die Kupath' Ohlolim ein Terrain vom 5 Dunam für den Bau eines Krainjkenhäuses erhalt. * Die neue Zeitschrift des Waad Habriuth bei der Zionistischen Palästina-Exekutive „Briuthl Heam" veröffentlicht iol ihrer ersten Nummer folgenjdie Zahlen über die Geburten und Todesfälle in Palästina in den Jahrejn' 1921—1925: 1921: Geburten 20.915, Todesfälle 11.994; 1922: Geburten 27,516, Todesfälle 12.172; 1923: Geburten "31.402, Todesfälle 16.994; 1924: Geburten 34.955, Todesfälle 17.672; 1925: Geburten '35.464, Todesfälle 19.576. * Wie die „Ita" meldet, sind im Monat Juni 1500 Imigflaniten nach Palästina eingewandter*, gegekiü,heir 1750 im Monat Mai und 1650 im Monat AprjLL * Mit dem Wächsern! des Jiaohuw in Palästina an Zalü, wächst auch seine politische Selbsltändiglkeit. Was! aber die zionistische Exekutive nicht anerkenn^-.in will. In der Frage der Gemeindever'£ass\irig ist deshalb ein; unangenehmer Konflikt hervorgerufen worden, weil die Exekutive1 der Vertretunjg des palästinensischen Juden dem Waad Lcumi das Entscheidungsrecht in dieser Frage sftrittig machen will. . De* Waad Leumi wehrt sich energisch gegen den Uebergriff der "Exekutive. 4c Auch auf wirtschaftlichem Gebiete versucht der Jischuw selbständige Arbeit zu leisjten. So hat der Waad Leumi inj seiner letzten in der Schlußwoohei des Jüiri jLn Jerusalem tagenden Sitzung dm Beschluß gefaßt, unter dem Namen „Müwehi Haji&Chuw" einen Fonds für öffentliche Arbeiten zu gründen! und sich' an dejn ganzen Jischuw mit einem Appell zur; Zeichnung von Aktien dieses Fonds zu wenden.. Als' Aufgabe diegies' Fond« wird in dem bereits veröffentlichteta. Statut! angegeben,- daß der Fonds dazu bestimmt ist, durch Heirgabe von Darlehen an öffentliche und private Institutionen, ibeslonders1 in Zeiten von Arbeitslosigkeit; an der'Durchführung von öffentlichen Arbeiten aller Art ntitizuwirken. |Dejr Fonds soll eine Aktiengesellschaft sein. Das1 Kapital wird durch' Ausgabe von 50.000 Aktien in der Höhe vion je 1 engl. Pfund aufgebracht werden'. * Das Verhalten des Generals Storrs!, des1 Gouverneurs von Jerusalem, einer Abordnung des! „Waad Hair" gegenüber, hat große Verstimmung unter der jüdischen Bevögkerunjg hervorgerufen. Als die Abordnung über die Behandlung der jüdischen1 Bevölkerung Jerusalems1 Klage führte, fühlte sich General Storrs1 durch ge|wislse Aeußerungeln des Mißtrauens verletzt und' brach die Untefrrediung ab,- als keine Zurücknahme des beanstandeten Ausdruckes erfolgte. » Der „Dawar" schreibt über diesen ,FaU u. a.: Der Gouvernfeur von Jerasalem gab dem Waad Hair eine Lektion über Takt und Bepehmen! Es ist nicht das erste Mal, daß Herr Stomsl den jüdischein Jischuw Geduld Und Maß lehrt. Die jüdische GemeSnsbhaft wird die Belehrung annehmen! Das Verhalten des1 Gouverneurs seit jeher und an diesem Tage belsonldeais', wird dazu] dienen, ihr die Augen zu Öffnen und sie1 erkennen zu lassen-; was innerhalb dieses. Regimes und um den Gouverneur herum vorgeht. Nun mag der Schleier fallen I Eine öffentliche Bewegung gegen das mittelalterliche Regime, das in der Stadtverwaltung Jerusalems herrscht, und gegen den Gallith, in dem sich das jüdische Jerusialem befindet, muß entfacht werden. Schweigen und Gleichgültigkeit müssen aufhören. Auch der Waad' .Leumi und' die Hanhalah zionith haben die Ehre und die'elementaren'Rechte der Juden Jerusalems zu schützen. „Haarez" und „Dawar" beschäftigen sich ausführlich und mehrfach mit der durch zwei Tel Awiwer Bürger,- Mitglieder der „Vereinigung der Haus- und Terrainbeäitzeir", gegen gewisse Verordnungen der Stadt Tel Awiw erhobenen Anfechtungsklage, die dien obersten Gerichtshof in Jerusalem beschäftigt hat. In der1 Klage wurde die Legalität der Verordnungen unter anderem mit der Begründung angefochten; daß an den Wahlen zur Stadtverwaltung Tel Awiws ausländisch© Staatsbürger teilgenemmeln hätten, was1 mit den geltenden türkischen Gesetzen nicht im Einklang stehe. (Daneben wurde insbesondere vorgebracht, daß sich an den Wahlen Nichts teuerzahl'er beteiligt hätten.) Der „Haaireta" unjd „Dawar" protestieren in scharfen Artikeln gegen diesen Angriff auf die kommunalen Bürgerrechte! der ausländischen Staatsangehörigen. Auch in der Sitzung des Waad Leumi bildete die Angelegenheit Gegenstand erregter Erörterungen; in deren Verlauf unter anderem Coionel Kisoh gegen dasi Votrgeheta der betreffenden Tel Awiwer Bürger protestierte. Das jüdisch* Bürgertum in Palästina entlarvt sich' reehlzeitig als Beschützer der nlationalen" Selbständigkeit; . g * Die bürgerlichen Elemente der jüdischen Bevölkerung Palästinas haben ein Attentat auf die Erziehüngstätigkeiit der jüdischen Arbeiterschaft beischloslsen. Die „Waadath' Haeslim"; die die ErziehUngsfrage zu behandeln hat, hat beschlossen,- den Arbeitern dasi Recht auf selbständige Erziehungsinstitutionen zu entziehefh. Die jüdische Arbeiterschaft verwahrt sich' gegen diesten Uebergriff. * Wie uns aus Jerusalem berichtet wird, hat dasi Kulturdepartement der Sowjetregierung der Hebräischen Nationol- und Universitätsbibliothek Jerusalem offiziell mitgeteilt; daß es beschlossen habe, alle seine VeröffeniVliohungen der Universitätsbibliothek Jerusalem zu über' sondvn.! Jägentümer, Verleger, Herausgeber «od verantwortlicher Redakteur : Dr. Rud. Glanz, R.-A.-Anwärter, Wien, XVIII., Weimarerstr. 19/10. — Druck: „Adria", Wien, II., Taborstr. 52 b.

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