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Unsere Tribüne · 1926-07-23 · 9 (23.07.1926) · p. Seite 2

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
9 (23.07.1926)
Date
1926-07-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Unsere Tribüne Nr 9. irfonie mit dem .Orgjän der HakenkFeuzIer — gründ* Kch aus. Man kom'me uns picht mit der Ausrede, daß die bürgerlichen Jüdischnationalen nur deshalb über die Sozialdemokratie so erbost sind, weil ihnen die Stellung der letzteren in der Judenfragte nicht paßt. ,^ir haben nie (einen Hehl daraus! giema&it, daß auch uns manche Stellungnahme 0er Partei Juden gegenüber nicht befriedigt, aber wir müssen zugeben, daß in den letzten Jahren in dieser Beziehung) rjjei unseren österreichischen v Genossen eine Besserung! zu verzeichnen sei. (Und es wäre ja dumm und unverantwortlich, der ^Reaktion Helferdienste zu leisten, weil die Sozialdemokratie den nationalen Forderungen der Juden keine Sympathie entgegenbringt. Und von den [Genossen des Möllmann und des Wutte, der Herren Jerzabek (und GattermCyer trennt die Herren den ,;WL!M." nichts1? Der Antisemitismus und die Pogromhetze bilden kein Hindernis'für die .Waffenbrüderschaft der Herren Jüdisc'hnationalen mit Christlichsozialen und Großdeutse'hen? . - Das Verhalten der Sozialdemokratie in derjudenfra'g!e äst bloß ein© Ausrede, entscheidend ist, daß die Hennen der „Wiener Morgtenzeitung" es1 für ihre Pflicht erachten, im' Kampfe zwischen bürgerlicher Reaktion und Arbeiterschaft auf Seite der ersteren zu fechten. Ob diese Herren bloß aus Klassenbewußtsein so handeln, ob sie dafür bezahlt werden, oder auf .Bezahlung Spekulieren, ist uns in diesem5 Falle gleichgültig. Wichtig ist, daß-die jüdische Bevölkerung ein-i Sieht, die „Wiener Morgenzeitung" zu den Feinden der arbeitenden Menschen dieses Landes gehört. , Nur dieses Landes? Nicht etwa auch in Palästina?, Wir wollen an der Hand von zwei Tatsachen aus der letzten Zeit zu beweisen versuchen, daß die.„W.M." auch in Palästinafragen jede Gelegenheit benützt, um' die Arbeiter jzu verleumden und das' jüdische Bürgertum1;zu schützen. Alis ,vor Monaten die Seidenfabrik des' Herrn! De'lfiner in Tel-Awiw geschlossen wurde, hat die „W. M." die Schuld nicht nur der Zollpolitik der englischen Verwaltung, sondern den hohen Lohnforderungen der jüdischen Arbeiter zugeschrieben. Als die Presse der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina den Nachweis erbracht hat, daß diese Verleumdung jeder Grundlage entbehre, hat die;,W. M." von dieser Aufklärung feeine Notiz genommen. Nicht anders', als1 ihre christliöbsozialen und großdeutschen Verbündeten ging es ihnen nur ,um die Verleumdung der Arbeiterschaft und nidht um' den wahren Sachverhalt. Alsl nun die eng-: lis'öhe Verwaltung ihre Zollpolitik geändert, entschloß sich Herr;D elfiner, seine Fabrik wieder .in Betrieb zu setzen. Die „W. M." brachte auch diese Nachricht, aber die Verleumdung der jüdischen Arbeiterschaft hat sie . nicht mit einem Worte berichtigt. Ein 'zweites Faktum': Vor einigen Wochen haben Hausbesitzer aus Tel- Aviv in ihrer Wut über die Stadtverwaltung ,die aus Vertretern der Arbeiterschaft zusammengesetzt ist, eine Denunziation der eit^|sChen Verwaltung unterbreitet, die alle anständigen Elemente in Palästina empört hat. Diese Herren haben alle jüdischen Wähler Tel^Avivs zu Fremden stempeln wollen, um sie des Rechtes der Beteiligung an der Wahl der Stadtverwaltung zu berauben. Dieser Verrat der jüdischen Häuserbesitzer an der jüdischen Gesamtheit ist für die Methoden des Kampfes des Bürgertums sehr bezeichnend. Aber die „W. M.", die sonst jede minderwichtige Nachricht aus Palästina breitritt und ihre Leser mit Schmonzes längweilt, schenkte diesem gemeinen VerJ rat keine Aufmerksamkeit. Wenn es1 sich um Verleumdungen der jüdischen .Arbeiterschaft in Palästina handelt, ist die „Wiener Morgen,zeitung" eifrig am Werke, wenn es sich aber um einen unerhörten Verrat der Arbeiterfei n d e h a n d e 1' t, sc h wei g t s i e u n d 1 a d e t a u f sich die Schuld der Solidarisierung mit den Verrätern. . Die „Wiener Morgenzeitung" ist nicht weniger als die Mehrheit der bürgerlichen Wiener Presse korrupt, sie bedient sich der nationalen Phraseologie, um über ihre eigentliche Tendenz hinwegzutäuschen. Im sehweren Kampfe der österreichischen Arbeiterschaft um Sozialen und politischen Fortschritt, steht diese Zeitung auf der Seite unserer Feinde. Daher gilt für alle arbeitenden Juden die Parole: Kampf den jüd ischnationaien Vertretern des jüdischen Kapitals und ihrer Presse! , Konstituierung der Allgemeinen Landesschekelkommission für Oesterreich. Ueber Weisung der Zionistischen. Exekutive in London hat sich in Oesteatreich eine Lawtefcteliw^ bestehend aus1 sämtlichen in den." zionistischen Bewegung in Oesterreich vertretenem Bichtungen und Föderationen mit dem Sitze in Wien konstituiert. Die Kommission beisteht aus 4 Vertretern' des Zionistischen Landesverbandes, einem Vertreter der Hitach'duth, zwei Vertretern der Misrachi und einem Vertreter der Poale Zion. Der Verkauf der Schkalini hat bereits begonnen. Die 'Lamidesschekelkommisisiton fordert die Gesinnungsgenossen auf, die Schekelblocks in! den Sekretariaten ihrer Gruppen unverzüglich zu ubea-nelhiinen. Dejr von der Zionistischen' Exekutiv© für Oesterreich bestimmte Preis eines Schekels beträgt S 2,—. F. d. Landesschekelkommisisiton KommerziaJrat Max M a r k u s Vorsitzender. Schekel für unsere Genossen sind im Sekretariate, II., Blumauergasse 1, zu haben. B. Locker: Jüdischeund Palästina-Fragen auf dem Weltwanderungskongreß. ,Um es gieidh vrcraegzlunehrrien: Der Kongreß hat zu speziell jiidisidhieai Fragten nicht Stellung genommen, jwie er überhaupt über keine1 einzägfe ein bestimmtes Land oder Volk betreffende Sonderfragie irgendetwas be^hlbssen hat. Nach dreitägiger Debatte im Plenum, in :der neben den allgemeinen. Streitfragen, Farbigenfragen, freie Einwanderung oder ßnwanderung^estrebungien und andere mehr . — die einzelnen Delegationen ihre speziellen Probleme zur Sprache bringen konnten, hatte die Kotarnisision vollauf zu tun, um für |den letzten Kongreßvormittag die allgemeinen Resolutionen in einer allen annehmbaren Form vorzubereiten. Alle'Spezialfragen mußten notgedrungen Zurücktreten, ebenso Iwie mancher an sich gute und vernünftige allgemeine [Vorschlag. Der Kongreß bedeutet keinen Abschluß, sondern einen Anfang1. Seine Arbeit wird von einer ständigen Kommission des Internationalen Gewertechaftsbundes unW der Sozialistischen Arbeiter- Internationale und dann von weiteren Kongressen fortgeführt .werden. Die Delegationen der Poale1 Zion (vereinigt mit 'den Zionisten-Soziialislten) sowie der palästinensischen „Histadruth" haben denn auch bereits in der Kongreß komm ission angekün digt, daß sie ihre besonderen;VorsChl!äge dieser ständigen Kommission überreichen werden. Innerhalb''der erwähnten, durch Verlauf und Zeiteinteilung, des Kongresses gegebenem Grenzen hat das jüdische .Wanderungsproblem in dessen Beratungen einen erheblichen Raum eingenommen. Die lauf dem Kongreß von j'üidisCher Seite gehaltenen Reden sowie die überreichten Denkschriften sind ausf ider Tagespresse in den Hauptzlügen b'eaknnt. .Weniger bekannt dürfte die nicht geringe Vorarbeit sein, die' den Boden für diese Erörterungen auf deirrt Kongreß vorbereitet hat. Ueber diesje stall im nachstehenden kurz berichtet werden. Ab erste hatte die „Histadruth Haowdim'' Gelegenheit, sich mit dem 'Kongreß zu befassen. (Dieser war ursprünglich als Kongreß der Gewerkschaften allein gedacht.) Sie hat s'chon im' Januar dsi. Js. in einer - recht umfangreichen Antwort auf den Fragebogen der (vorbereitenden Kommijsteio'n die gesamten Probleme der Palästina-Einwanderung: | Kolonisätion, städtische Siedlung, Vorbeireitung der Einwanderer, Arbeiterbewegung und ArbeiterwirtsChäft, jüdisch1arabische Beziehungen, die Politik der Mandatsregie1rung usw. eingehend behandelt und eine Reihe von Vorschlägen .formuliert. Deren wichtigste gehen dahin, daß die internationale Arbeiterbewegung den Kampf der palästinensischen Arbeiterschaft um: die freie Einwanderung der Juden nach Palästina und die Forde- (Fortsetzung auf Seite 4.) Palästina-Rundschau. Die Zahl der jüdischen; Arbeiter. — Die! Ent- . wicklung der Produktionsge^oslseinistehiaftetti. — Die VeaTgrößeruug der Arbeitersiedlungen. — Günstige Bilanz1 des.:. „Solei Bornen". — .-— Neue Anstalten der Arbeiter - Krankenkasse.— Die pohtische Selbständigkeit des Jischiäjy, — Zwischenfall mit General Storrs. — Der Verrat des jüdischen Bürgertums'. — Attentat auf . die EFziehungstätigkeit der Arbeiterschaft. — .Die Sowjetxegierung für die hebräische; Universität. Gegen Ende 1921, als : die „Hi&tadmth" gegründet * wurlde, zählte sie keine vollen 5000 Mitglieder. Mit dein Zunehmen der ^^vatnldtelruin'g stieg auch sie Zahl ihrer JtfitgHedet. Im Jännei* 192ä Araren 7586, Juli 1923 — S50Ö, Jän!ner 1924 — 10.085, Juli 1924 — 11.500, Jänner 1925 14.755, Juli 1925 — 16.500, Jänner 1926 — 18,663 und endlich Juli 1926 — 21.615 Mitglieder. Auf die Fachorganisationen verteilen sie. sich wie folgt: Landwirtschaft 6400, Häuserfiuid Stiußeinjbau 5060, Baumaterialien 580, Stcinarboite'r 301, Holzarbeiter * 997, Druckerei- und.. Karbonagearbeiter 365, Schneider -198, Weber 200, Lederbranche 185, Bäcker 216, Handels- und B\ireiaü- BJü&estellte 1142, Bahnarbeiter 884 (unter ihnen 420 arabische. Mitglieder), Post und Telegraph 78 (22 Araber), Bureaudiener 46, Friseurs 51, Buchbinder 16, Fleischhauer, Kellner und Restiamnntangeistellte 306, Lehrer 133, Krankenpersonal 279, Phannazeuten 80, Kunsitgewerbe 120. Inder Zahl 21.615 sind die Flauen und Kinder der Arbeiter, inwiefern sie selber nicht in, einem Arbeitsver^ tLältnis stehen, nicht inbegriffen. Man darf deshalb annehmen, daß eich die Zahl der in. der „Histadruth" organisierten Arbeitersöhaft auf 40.000 Seelein beläuft, Mit dem Wachsen der jüdischen Arbeiterschaft im Lande wächst auch ihre Initiative und ihre konstruktive Macht. Ein deutlioher Beweis hiefür ist die Entwicklung der Produktionsgenossenschaften der Arbeiter in dein letzten Jahren. Gegen wartig; bestehein in Tel-Aviv 36 Produktionsgenossenschaften mit 526 Arbeitern (im Jahr& 1923 waren ihrer 17 mit 207 Arbeitern), in Chaifa 10 mit 120 Arbeitern (im Jahre 1923 2 mit 95 Arbeitern), in Jerusalem 7 mit 83 Arbeitern (im Jahre 1923 6 mit 51 Arbeitern), in den übrigen' Städten 3 mit 20 Arbeitern (im Jahre 1923 nichts). Die Produktionsgenossenschaften verteilen sich auf folgende Branchen: 17 Betriebe für Schl'osserea, Installierungen (ujnd Elektrotechnik, 3 Tischlereien, 3 Druckereien, 5 Schneiderwerkstätten, 3 Schustergeüi'ostiseiiischaften, 6 Betriebe für Baumaterialien!,, voth Vbiis 3 CTCtniossensehaften für Bäckerei, Tapisea-ie, Transport, Wäschietrdi, Friseure, Gärberei, Sattlerei und Buchbindierei. Es existieaw demnach im Lande 56 Arbeiter-Produktionsgenioaseinfechaften mit 748 Ai'beitern, gegen 25 Genossenschaften mit 308 Arbeitern viom Jahre 1923. * In den letzten drei Monateni sind in Tel Awiw sechs neue Druckereien, eröffnet worden. * Wie der „Haaretz" meldjet, sind vor kurzem die Verhandlungen zwischen den Vertretern, der Kolonie Kinereth und der Pica übei" die Vergrößerungen der Kolonie Kinetreth zu Ende gefüllt worden. Anfang 5687 werden weitere sechs Kolonisten angesiedelt wejrden, und zwar auf dem Teil des Bodens „Um Djuni", der' im viorigen Jahrej durch die) Pica erworben wurde. Das Arbeitez'städchen „Schchunath Boi-iooh'ow" in der Nähe von Tel Awiw, Wiehes vom Palästina-Arbeiteirfonds' geschaffen wurde, zählt gegenwärtig 80 Familien mit 340 Seelen; die 300 Dunam-Boden besitzen, Jetzt ist man an die: Vergrößerung des Städtchens' helranjgeti-eten. Die Mitglieder haben gemeinsam mit dem Nationalfonds' weitere 350 Dunam-Boden für 180 Familien, erwforben. Das Städtchen hatte längere Zeit untejr dem Mangel ungenügender Wasiseirv'e'rsorgung zu le)i)den, jetzt hat es bereits einen Brunnen, de!r genügend Wasser liefern kann. Der Brunnen soll durch elektrische Kraft auis Buteinbergsi Kraftstation betriebein wedidetoi. Einetwealen fehlen noch Motor und Pumpe. Erst wenn die Wasserleitung in Betrieb gesetzt werden wird,- wird die Vergrößerung der „Schchunath Bowochow" realisiert werden könjnen. * Am 3. Juli fand in Jerusalem 'die ziweite JahreSver'- sammlun'g des Solei Boneh statt. Die der Veirsammlung vorgelegte und vion ihr bestätigte iBilanzj deis "Solei Boneh für 1925 schließt mit ernjem Berngewinln von 3086, nach" Abschreibung von 5082 engl. Pfund, ab. Die Vea-sammlung beschloß, 10 Pnozetnjt' desi Pveingewin|n,eis sitatutengemäß der 'Chewrath Haowdim zu überweisen^ weitej-e 10 Prozent-zur Erleichtenmg' der Arbeitslosigkeit und den Rest für den Reservefonds zu verwende|n. * In Tel Awiw macht sich schon seit langem das Be* dürfnis nach einem zweiten Krankielnlhauis'e, insbesondere für geburtshilfliche Zwecke bemerkbar, da das Hadassah- Krankenhaus mit seinen wenigein Betten für eine Bevölke* rung von 40.000 Einwiohnern nicht ausreicht. Die Vereinigung der Aerzte der Kupath Oholimhat daher, die Einrichtung eines neuen Knynkenha.useft vorläufig nur für Entbindungen und Frauen(kra|n^heiten besohloslsejn. Die Vor^ bereitenden Arbeitern sind beredts' in die Wege geleitet, so daß das Krainjkenhaujb voria^iohtlich noch im Juli eröffnet werden wird1, 1 (Fortsetzain^ ^uf Seiite 4.) /

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