Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 9 (23.07.1926)
- Date
- 1926-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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II* fei« b* Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, IL, Blumauergasse l/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . „ 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 9. Wien, 23. Juli 1926. 3. Jahrgang. Die politische Korruption 8er „Wiener Morgrazcifung". Die „W. M." ein Feiad der Arbeiterschaft. — Herr Dr. Plascnkes zittert um sein: Mandat. — Herr Dr. Walämaatii, der Ex-Minister, der niemals1 Minister war. — Die Verteidigung des Kollmann. —- Die Freundschaft mit den Pogrfomheldein. — Die Beschimpfungen des1 Gen. DoDtoebargf. — Die „W. M." und die freigebige Hand des Ministers' Kollmaam. — Gegen die Baii tätigkeilt der Gemeiaide Wien, — Das „Volk der Bibel". — Das' Ignorieren des Aufmarsches der Arbeiter. — Die Stellung der S. D. im der Judenfrage — eAtifä Ausrede1. — Das1 Vefrhalten der „M. M." in Palästinafi-agein. — Verleumdung der jüdischen Arbeitel'-So-lidarisisru'nig mit dem Vermfce der jüdischein' 'Häusferbesitaör. — Kampf der Presiste unlseter FejLnidet Wir haben oft an der Hand der journalistischen Auslassungen der „Wiener Modenzeitung" nachgewiesen, wie diestes .Organ der Wiener bürgerlichen Zionisten täglich die Interessen der arbeitenden judischen Bevölkerung Oesterreichs verrät, und daß es sich bei jeder sich darbietenden Gelegenheit-die Klassensolida/ rität deä jüdischen Geldsackes mit dem reaktionärantisemitischen deutschen Bürgertum kundgibt. Einige Zeit — wohl aus! Angst Vor ihrem! herannahenden Ende . — hat es den Eindruck erweckt, als! ob! diese Zeitung diese ihre Kampfmethode aufgegeben habe. Wir nahmen es stillschweigend zur Kenntnis und hofften,, die Zeichen einer politischen Neuorientierung! ehestens deutlicher konstatieren zu können. Nun "haben uns' die letzten Wochen belehrt, daß die „Wiener Morgenzeitung" ihrej alten Kampfmethode treu bleibt. Den Einfluß auf die Leitung dieser Zeitung haben seit einiger Zeit die Herren Dr. Leopold Plaschkes und Dr. Israeli Waldmänn gewonnen. Das; Interesse des1 ersteren an der zionistischen Tageszeitung besteht wohl darin, sich das Mandat im Gemeinderat möglichst zu sichern. Herr Dr. Pasl'chkes irrt. Es gibt kaum ein ungeeigneteres 'Mittel' für die Werbetätigkeit unter der jüdischen Bevölkerung1, Wiens! als die „Wiener Morgenzeitung", deren politische Tendenz1 den krassesten Gegensatz zu den Interessen der jüdischen Volks- Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Bemeiode Wies Idii Feuer- und EinbruchversicherutigfürWohnungen - Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 Telephon 67-5-40 Serie massen bildet. Herr Dr. Israel Waldmann, der noch vor sehr kurzer Zeit 'denselben Standpunkt wie wir vertreten hat, bem'üht sich, politische Karriere feu machen (es ist ja geradezu belustigend, wie diesen Herr sich im Bekessy-Bl'atte zu Reklamezwecken Ex- Minister titulieren läßt, ohne jemals Minister gewesen zu sein) und benützt jede Gelegenheit, um1 sich vernehmbar 'zu machen. Diese beiden Herren würden uns aber sonst nicht im 'geringsten interessieren, wenn die Zeitung, die;unter ihrem Einflüsse steht und die als Sprachorgan des) nationalbewußten Teiles der jüdischen Bevölkerung betrachtet wird, nicht eine Schande für jeden anständigen Juden bedeuten würde. Und nun zu den Tatsachen: Die Affäre der Gerdzuwendungen der Regierung an die Zentralbank der deutschen Sparkassen ist ja ein Fall unerhörter Korruption. Die große Rede, did Danneberg im Parlament über diese Angelegenheit gehalten hat, war eine ungeheure Leistung und außer den etlichen Blättern der/tChristlicbsozialen und Haken kreuzler 'hat die gesamte PreSSe die große Bedeutung dieser Rede eingestanden. Diese Rede war eine Tat, die Wucht, die ihr innewohnte, Jiat die Regierungsparteien geradezu niedergeschmfettert und sie zur Kapitulation vor den Anträgen der Sozialdemokratie gezwungen. '; ' Was wäre für eine Zeitung, die angibt, die Interessen der jüdischen Bevölkerung).zu vertreten, nähe-" liegender, als in dieses Dunkel, das alle Judenfeinde1 — vörri Hakenkreuzler bis zu den Banknotenfälschern; Horthys — umhüllt, hineinzuleuchten und die Pogromhelden zu entlarven? Kam die „Wiener Morgenzeitung" dieser Verpflichtung nach? O nein, sie tat das Gegenteil. Sie fiel über Danneberg her, warum* er es gewagt hat, den Beweis zu führen/daß die Antisemiten aller Gattungen mit den Geldjuden gemein^ Same Sache machen, dagegen spart sie nicht mit Worten der Anerkennung für die Ausführungen des lächerlichsten \ {aller Finan'zminister, des Kollmann. Diese Zeitung, die sonst so sittlich tut, hat kein Wort der Anerkennung für die Säuberungslarbeit, die die; Sozialdemokratie und ihr Sprecher geleistet, sie breitet vielmehr ihre schützende Hand über die vereinigten Judenfeinde. Wenn es! sich um einen Kiam pjl der Arbeiterschaft gegen Reaktion und Großkapital 'handelt, stellt sich jieder klassenbewußte jüdische Bürger auf die Seite der Arbeiterfeinde. Von dieser Taktik bis fcur Parole des Sieghardt j „'der keline Pogrom ist lieber als die große Vermögensabgabe" ist ein kurzer Weg. ' ■ : Es fällt übrigens auf,, daß Herr Kollmann, den eine so freigiebige Hand für die bürgerliche5 Presse hat, die rGünst der „Wiener Morgenzeitung" genießt. .Ueber 'die Defraudation von Steuergeldern zur Sanierung verkrachter ynternehmungen der Christlichsozialen und Hakenkreuzler, der Herren Rintelen, Wutte et cönsortes findet die „W. M." kein Wort der Verurteilung, 'dagegen entrüstet sie sich1 über den Bau des Amalienbades durch die Gemeinde Wien. Die; Sanierung dieser Spekulationsbanken hält sie wohl für produktiver, als die Bautätigkeit der Gemeinde Wien. Gerade Juden, denen so oft Unrecht zugefügt wird, sollen Sinn und Verständnis dafür haben, wenn in einem Prol'etarierbezirke, dessen Einwohner Jahrzehnte hindurch die größten Entbehrungen erdulden mußten, ein so herrlicher, kulturfördemder Bau errichtet wird. Die bürgerlichen Nationaljuden, die sich1 gerne alb Volk der Bibel' bezeichnen, sollten doch} zumindest der sozialen Tätigkeit der Gemeinde Verständnis entgegenbringen. N Und wenn diese Zeitung noch die Stirn hat, sich als Sprechorgan der gesamten jüdischen Bevölkerung — also auch der arbeitenden —- zu bezeichnen, ist das nicht politische Korruption? Der Aufmarsch der wehrfähigen Arbeiterschaft in der Ringstraße hat ein lautes Echo in der gesamten' Presse des Inlandes gefunden, auch die wichtigsten demokratischen Zeitungen des Auslandes würdigten diese imposante Demonstration. Und es ist ja auch begreiflich. Man muß nicht erst Sozialdemokrat Sein, um' einzusehen, daß die Arbeiterwehr der wirksamste Machtfakotr in der Bekämpfung der Reaktion bildet. Jeder wahrhafte Demokrat jtst sich' darüber klar, daßj nur das wehrfähige Proletariat berufen und geeignet ist, die Republik zu schützen. Aber was schert sich) ein bürgerlicher National Jude um' Demokratie und: Republik. Mag jsein, jdaß die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung am1 gestände und an der Entfaltung der, Demokratie und an''jeter Niederrin^ung der Reaktion interessiert ist, als-ExponentJdes Bürgertums!und das ist die „Wiener Mofgen'zleitung" — ist ihr .der, 'Kampf gegen die verfluchte Sozialdemokratiei vieli Richtiger und dringender, als1 die Verteidigung deri Interessen der Mehrheit der jüdischen Bevölkerung! dieses Landes, v , , Ueber den imposanten Aufmarsch' der Arbeitetr schaft, seine Tendenz und Bedeutung schwieg sicWidie „Wiener Morgetfzeitung" r— in stillschweigender Har- BOMam0MramoMamG!jm»mojmamojmamQmfrmQj^ liebensversidierungssGesellsdiaK § Wien, I., Riemergasse 2 Telephon 79*5:65 Serie Telephon 79*5»65 Serie Aktien-Kapital S 4,000.000. — Versicherungsstand am 1. Jänner 1926 über 600 Millionen Schilling. Samflidie Arten von Bebens« und Renfenuersidierungen, Unfall», Huto unö Haftpflidituersidierungen. Heim Prämien- Versicherung ohne ärztliche Untersuchung Tagesprämie; 20 6rosdicn bei 20iahriger Uershnerungsflaucr, 30 Groseben bei 15j3hrlger üersfdierungsöauer. Leistungen der Gesellschaft: Im Bblcbfnsfalle sofort na* dem Toöe: 1000 S oder 5 Ulertel (125 Prozent) der insgesamt enfridifefen Prämien, le nartöem, welcher Befrag hSner ist. Im Erlebensfälle: 1750 S bei 20jäbriger Dauer, 1850 S bei ttjahrigtr Dauer. Kostenloser Einschluß der Prämienbefreiung im Invaliditätsfalle. Kostenlose Unfallversicherung auf die doppelte Todesfallssumme. Kostenlose Ausfolgung einer Heimsparkasse! Prospekte unö nähere Hushünfte bei Oer DJpeftfion oöer bei Jcöcp Gzsdiäftsstelle. <zmd9imam&m>9<wmeMam<&09QMomimomQMdmcMi)*