Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 5 (31.03.1926)
- Date
- 1926-03-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2822530-2822559-2822564--159-2822808- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Unsere Tribüne - an Disziplin gewöhnt, müßte man sich zunächst an die Hisfcadruth Menden. Außerdem gibt es* ja auch die zioni- ' stische Exekutive, der Nationalrat. Jede dieser drei IustK tutionen könnt« einschreiten, wienn ein solcher Fall sich ereignet hätte. Aber es hat sich eben' nicht ereignet. Die Kolonie Rechowoth wird nicht terrorisiert, rsie hat nicht unter der proletarischen Diktatur au leiden. Und doch ist man beim ersten Schritt zur Regierunggelaufen! . . . Wieü ist das zu rechtfertigen? Und die Anspielung auf die Araber! Die Heuchelei, daß sie nur um die Araber besorgt sind, daß sie ihnen Ruhe und Gedeihen sichern wollen!: Muß man erst diefce Heuchelei entlarven? Weiß man denn nicht, daß es ihnen nur uto die billige Arbeitskraft geht? Es ist Wohl richtig1 und wir wallen daran nicht ver- . gessen, daß wir auch den jüdischen Kolonisten unsere Ächtung nicht versagen dürfen. Auch auf ihre Stirne sind noch die Meirkmale des Dornenkranze» a.us ihrer Ohaluzzeit zu sehen. Und insbesondere dürfein wir, in der Diaspora lebende, ihnen unsere Anerkennung nicht ver- * sagen. Das ist keine Romantik, keine Sentimentalität und auch keine bloße Redensart. Es ist das' Gefühl, daß sie (dort meine Arbeit verrichten, sie leiste^, was ich zu leisten hätte. Und deshalb sind wir ihnen verpflichtet;. Aber darauf haben sie eben nur dann Anspruch, wenn von jenem1 Dornenkranz noch etwas zu merken ist. Wenn "aber plumpe Hände jenes Zeichen auszumerzen sich be- ' muhen und an seine Stelle das Kainszeichen setzen, hören unsere Verpflichtungen auf. Danb sind unsere Schulden gelöscht. Die Herren Bürger aus Rechowioth, insbesondere; jene neunzig, die diese drei mit der Denunziation betraut haben, dürfen nicht vergessen, daJJ ihre Existenz nur; dann ein'eto ßinn für sie und ein Interesse" für die anderein hat, ■wenn 'ihre Taten nicht jenen gleichen, die uns in der Diaspora Schande'und' Schmach bereitet fiaben, wo Jade> \Kaixh i: Denunziant nur zwei verschieden© Benepnuagen für dieselben Personen waren. Vergessen sie abear daran,, dann haben wir in der Diaspora das Wort. »Wir haben dazu nicht bloß das Recht, ändern 'Bftaölil die/ Pflicht. Unser: Erotest muß laut und mächltig lecschaiieny auf da© auch die künftige Generation ihn höre:! ' Man komme uns nicht mit der Austaxle, daß man vorerst beide Parteien anhörten, daißi man .zunächst den, wiahren Sachverhalt erfahren mußte. Hier gibt es Izeine zwei Pairteien ,und wir sind nicht die diritfte. Es gibt nur fedne Partei — die 90 Bürger .au»' Rechtowtotth. Und ein Faktum gibt es bloß: die Dehiun^ziatriOnr Diese Tatsache ist von d&r giegaialfcon. Paläsrfcino/preaaei öfißoatliöh festgestellt worden, es kann also, daran nicht gezweifelt iund nicht gedeutet' werden. Das gesamtezionistische Volk, ist' .die zweite Partei, die zu diesem! Faktum Stellung, nehmteffl muß. Und möglich ist nur - die einzige Stellung^- DaihmJe i iT e-r d a m m » o, g I < Wa» in Rechowtarfch geschefhien? ist, . äst unsere dritte- Zeiratörunig^ Es bedeutet: unsere geistigeni Heiligtümer^ die wir mit soviel: Mühe. tmd Opfer n errichtet,, ah welch® wirf solche schöne Hoffnungen geknüpft haben, in Brand zu stecken! Und werden unsere - Feiödie einer größeren Axtffötität als diese Verfetandirng bedürfen, um den Beweis zuerbringen, welches Unglück wir für die nichtjüdische Bevölkerung des Landes bedeuten? Und die Denunzianten, wie ihre Auftraggeber sind ja wirklich Autoritäten! Wer kann bestreiten, was sie behaupten? . . . Ist das nicht die größte Schandtat unserer Zeit? I S. Kaplansky: ■> \t Die landwirtschaftlichen Siedlungen und die Ar beiterschaf t (Aus einer Rede in der Konferenz: der Landartreitier in Haifa.) ^«.^Was (Jas Programm' betrifft, so ist. man hier über Konsolidierung und Erweiterungder: Kolonisation in einen akademischen Streit geraten. Ich glaube, daß man die Frage im Flusse der Diskussion.künstlich: zuspitzt/ Es ist ja nicht notwendig zu betonen, daß>iicft ganz für die Einführung von Klarheit und systerrratischer Methode in unsere Arbeit bin. Ich habe dieser Frage den größeren Teil meiner Zeit im vergangenen Jahre gewidmet, als wir für den Kongreß die Siedlungs'plärie vorbereiteten. Ich war aber nie der Meinung, cM wir einert fertigen Plan haben, oder daß', man die fortlaufende kolonisatorische Arbeit akademischen Experimenten zuliebe unterbrechen kann.. In unserer revolutionären Arbeit, in dem Uebergange vom Stadt-zum1 Dorfleben und in der'Schaffung) neuer Lebensformieti müssen die Pläne induktiv sein, sie müssen sich auf Erfahrungen der Arbeit stützen — nicht auf'eiiir deduktives^ Dogma.^Unserien.JExperimenten muß ein Maximum von System zugrunde gelegt werden, unser System muß auf einem Maximum von: Erfahrung' 'beruhen. Man. hat hier-gefragt: auf welcher 'Grundlage sind die Schlüssel und die Normen für •den Finanzfredarf der Kwuzoth und der Moschawim. bestimmt worden? Dtase Arbeit wurde unter voller .Mitarbeit des landwirtschaftlichen Merkas und unter Ausnutzung aller Erfahrungen geleistet. , Was die Rolle der landwirtschaftlichen Arbeiterzentrale gegenüber meinem Departement selbst betrifft, so irren diejenigen, die der Zentrale die Rollte •eines Schtaidlan zuerkennen. Man muß zwischen •Sehtadlanuth und Vermittlung unterscheiden. Der Merkas ist dem Departement gegenüber nicht ein Protektor, der Arbeiterschaft, sondern die berufene Vertreterschaft von 80 Prozent aller Mitglieder der Siedlungen des1 K. H. Würde an der Spitze, desl /Departements nicht ein Mitglied der Arbeiterpartei stehen, so müßte man die Hilfe der Zentrale schon vom rein bürokratischen Standpunkte aus schätzen, denn ein zentralisierter Kontakt ist: ja viel1 billiger: (in Arbeit und Ausgäben), als Verhandfungen mit jeder einzelnen Stelle, Und es erübrigt .sich zu betonen, daß ich 'die Vertreterschaft der Arbeiter-O^rganisaÜpn entsprechend zu schätzen. Dieser Partner würde, sons sten und entscheidendsten Partner der Zionistischen Organisation im Werke, der Kolonisation. Und nicht nur ichr sondern auch die? ganze zionistischeij Bewegung versteht es, diese * Partnerschaft der 'Arbeiter entsprechend zu schätzen. Dieser Partner werde sonst — insbesondere nach dem letzten Kongresse — nie damit einverstanden sein, daß an der Spitze des Departements ein Mitglied der Arbeiterpartei steht. Die; ist der beste Beweis dafür, daß man sich Rechenschaft ablegt über den Wert und die Notwendigkeit eines gegenseitigen Verständnisses zwischen der kolo nisierenden Instanz und der Arbeiter-Organisation die das Menschenmaterial liefert und ihr schöpfen sches Talent und alle ihre' Kraft zur Verfügung stellt In Bezug auf die neue Ansiedlung geht hiei etwas Mystisches vor. Die neuen Siedler verdächtiget die Mitglieder der besthenden Siedlungen, und di« landwirtschaftliche Zentrale, der Merkas, verdächtig das Koionisationsdepartement, und ich sollte eigentlicf jemand anderen verdächtigen. Ich habe mich abei schon daran gewöhnt, die Verantwortung auf mich zi nehmen. Es besteht kein Widerspruch zwischen neue Absiedlung und .Konsolidierung. Hätten wir Geld so hätten wir nicht diese ganze; Aufregung. Abe es geht nicht an, in diesem Zustande von Geldmange die Funktion einer unverantwortlichen Opposition zi übernehmen und mit Forderungen, zu kommen, ohnt der Wirklichkeit Rechnung zu tragen. Diejenigen, di< (behaupten, man möge beides gleichzeitig in Angrif nehmen, sollten uns sagen, was zu tun ist, wenn da; Volk keine Mittel zur Befriedigung beider Bedürfnis» zur Verfügung stellt. Die einzige Frage ist: was tu man, wenn keine Mittel vorhanden sind? Meiner Mei nung nach muß man die vorhandenen Mittel de Konsolidierung des bereits Bestehenden widmen. Abe es ist irreführend, von der Konsolidierung des Be stehenden zu sprechen. Man sollte von der Grünt \ 'legung der Anfänge s'precheh. Wir stehen nicht va dem Dilemma, ob wir das' Bestehende erweitem oder ob wir neue Arbeiten in Angriff nehmen sollen Wir stehen vor der Notwendigkeit, das' weiterzu führen, was wir begonnen haben, weil sonst aucl diese Anfänge unserer Arbeit keinen sicheren Be stand haben. Es fragt sich nur, oib1 wir zu End (Fortsetzung auf Seite 4.) verdoppelt. Es heißt, daß die Generalversaimtalung die Aus Zahlung einer Dividende beschließen) wird. Der Solel-Boneh beginnt in dein nächsten. Tagen, mi den Arbeiten auf dem: Boden van Dschedro. Der mit de Haifa Ba.y Development Gomp. abgeschlossene Vertrag te läuft sich auf 8000 engl. Pfund; 400 Arbeiter werden, dar Beschäftigung finden.. — Die Leitung des S. B. hat. be schlössen, ihre Werkstätten für Herstellung von Zemefnt steinen „Namlith" zu vergrößern. Zwecks: Einkaufs neue Maschinen hat sich Jehosch.ua Sätliowsky dieser Tag ins Ausland begeben. Die Konsumgenossenschaft „Haroaschbir", die in de allernächsten Zeit ''eine Konferenz abhalte^ wird, ver öffentlieht den Rechenschaftsbericht, dem! zu entnehmei ist, daß der Umsatz im Jahre 5685 179.243 eogl. Pfun< gegenüber 131.434 Pfund im Jahre 5684 ausmacht. Der extreme Teil der rechten bürgerlichen Vertrete der Stadtverwaltungvon .Tel-Awiw,. mit:,■ dem . frühere Bürgermeister Disinghof an der Spitze; die als Protes gegen die Arbeiterfraktion die Stadtverwaltung verlasse haben, sind reuig , zurückgekehrt. Sie haben durch Intrige und durch eine wüste Hetze in der Presse versucht, di Arbedtermehrheit... kürre zu, machen. Die Arbeiterschaft h? aber alle Angriffeabgewehrt und , die. Aufbauarbeit enei gisch fortgesetzt. Da , mußten, die Scharfmacher das Mit Hilgen ilxrer Obstruktion einsehen und sind zurückgekehrt Inzwischen hat die Arbeiterschaft den Beweis erbracht paß sie auch ohne das Bürgertum' verwalten kann. Di Obstruktion des Bürgertums hat auch gute Früchte g' zeitigt. Das Budget für das Jahr 1936/27 der Stadtverwaltun erreicht die Höhe von 120.000 Pfund gegenüber aOfOpO" Pfund , im Jahis 1922. Diese Zahlen» illustriere Eun besten das rapide Wjtoh^tum dieser reih jüdisch« ' Stadt Palästinas. Am 24. März, wurde in Tel-Awjw die. Frühjahrsimesi des Nahen Ostens eröffnet. Die Eröffnung«red,e. hielt Vi* bürgermeister Genosse Bloch. f Schutzfaarps tendi TnünsjOrdi anien;. — Dasnexce Ge- .; r Jneiadjegieaetz. — . Gäste. — Bodeasteuelraetform. - __Günstige EntWicklunj r <ier Arb^üeriirxstitutionen. — Der Bürgjerliche Elügel der- Stadtov^rwaltung' von ■ -Tel-Awiw gibt a eine Or^taatktiioa auf. — Das Janresbudget. — Die' Messe des Nähen Ostens. •Die Äl^legeini&ieit des j polästihmsiischejai Schutzkarps' Scheint noch imitn»&r nicht au^eikläiTt aus sein. Ein/e- Nachricht widjeirsprioht der andleren. SovieJI sfteht bereits, fest, daß es sich um' eine Truppen hanidfelt,. die hauptsäch-- lieh im ostJoöxJatoäsohen Ge'biet Schutzdienatt zu versahen, jiiaibeia wird. Es iieße sich nodi darüberstreiten, ob:v es. besonders erwünscht ist, dlauß Judöm in. dieses Sohutz- . kiprps eintreten isollen, abbr) es. kaant undi darf nicht, geduldet weadm/'daß deni Jndfen der Eintritt* verboten werden: öoll. . ' , , ' . . ... Die Angelegenheit des) Stehutzkcrpsi« hat übrigens'; auch! ' Ötwias sehr begrüßenswertes; offenbart.' Ostjordanien: und Palästina sollen nunmiehr M ejbi VearwaJLtungjsgiftbiet' vereinigt werden. Dadurch wird'der Entwicklung Palästinas dn großer Vorteil erwuchsen. Da© erl^ uns, abes auch ,' neue Pflichten auf. Es'' gilt nom auch in Ostjoidanien- " Fuß zu fassen, den bxachltegondläa Bodien zu «rwexbe!Dt und zu bebauen., t . Der L'ondioner „Jewish Ximies" wird aus Jerusalem telegraphiert, daß die binnen kurzen* erscheinende Verordnung wegen der Organisier^ der Gemeinde folgende, d^e jüdischen Gemeinden . betreffende Einzelheiten enthalten wird1; Die Jüdische Gemeinde umfaßt alle Männer und Frauen über 18 Jahre. Ausgeschlossen sind nur diejenigen» die ausdrücklich ihren Anschluß verweigern. Exekutivorgane der Gemeinde sind die Asaephath Haniwcharim, ~" äer Waad' Leumi, der Waad Harabbanuth, die lokalea ^ifee und d|e lokalen Rabbinate. Die Assephath HaniwoharinD wir4 alle drei Jahre neugewählt : und hält jedes Jahr eine Session ab, auf der der Waad Leumi mit einer " emjährigen Amtsdauer gewählt wird. Die Aslsephath Hanjw* charim bestimmt Steuern für Erziehung, Erhaltung des JSabbinats und Armenhilfe." Sie kontrolliert auch die jüdi-?sche Statistik im Lande. Zur Bildung einer lokalen Gemeinde bedarf es mindestens 30 erwachsener Personen. In jeder Stadt kann •es nur eine einzige Gemeinde geben. Falls mindestens 30 Mitglieder einer Gemeinde sich als Manorität erklären, können diese einen Teil der Steuereingange für ihre besonderen religiösen und kulturellen Zwecke fordern, und :zwar proportionell zur Zahl ihrer Mitglieder. Dadurch werden die Spaltungsabsichten 'der „Agu- •dah" endgültig zunichte. Auch die Reise ihres Führers Dr. Kohn aus Wien bleib erfolglos. Zu den Osterfeiertagen sind u. a. in Palästina einge- -troffen: Prof. Weizmann und Prof. Franz Oppenheimer. Der erstere dürfte während seiner Anwesenheit im Lande wichtige politische Beratungen, wahrscheinlich auch über die Frage des Grenzschutzkorps, mit Lord Plumer abhalten. Professor Oppenhedmer ist von der zionistischen Leitung eingeladen worden, um ein Gutachten über das neue Siedlungswerk abzugeben. Die Palästina-Regierung hat eine Kommission eingesetzt mit der Aufgabe, ein neues Grundsteuergesetz auszuarbeiten, das an Stelle der veraltete^. Zehentsteuer treten soll. Die Aufhebung der Zehentsteuer ist von der jüdischen Arbeiterschaft schon oft gefordert worden. Hoffentlich wird eine wirkliche progressive Bodensteuerreform' durchgeführt werden. * Sehr günstige Nachrichten sind über die Entwicklung wichtiger Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft zu ver^chnen. Die Arbeiterbank hat ihre Jatoesibilanz pro Oktober 1925 mit einem Reingewinn von 5300 engl.^ Pfund abgeschlossen. Dabei, hat die Arbeiterbahk im! letzten Jahre) ihre Tätigkeit bedeutend erweitert.' Sie hat dea, Produktiv- - genosseiischaften' bedeutende Kredite gewährt und in Tel- Awiw, Qhaifa und Jerusalem Leähkassen der „Histadaith" eröffnet. Die Spareinlagen haben sich im abgelaufenen Jahr