Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 5 (31.03.1926)
- Date
- 1926-03-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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■p ■■ ■■ e Tnbune Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, II., Blurtiauergässe l/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . , 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 5. Wien, 31. März 1926. 3. Jahrgang. Kunschak und Plaschkes. Die Tätigkeit der Gemeinde Wien ist den Kapitalisten und ihrer Partei im Nationalrat, den Christlichsozialen, ein Dorn im Auge. Und mit Recht! Die Gemeinde Wien nimmt die größten Beträge aus direkten progressiven Steuern ein. Sie besteuert die Reichen, soviel sie kann und leistet für die arbeitende Bevölkerung dieser Stadt auf dem Gebiete der Wirtschaft, der Kultur, der Erziehung,und des Gesundheitswesens, soviel ihr das Budget gestattet. Es sollte eigentlich die Konstatierung allein genügen, daß jetzt, während der katastrophalen Arbeitslosigkeit, die Gemeinde Wien auf ihren Bauten nahezu 12.000 Arbeiter beschäftigt. Wenn man die Arbeiter auf den groß angelegten Straßen- und Kanalbauten und die Arbeiter in den Fabriken, 'die das Material für diese Bauten herstellen, dazurechnet, ist es eine ansehnliche Arbeiterarmee, der die Gemeinde Wien durch'ihr großes Aufbauprogramm Arbeitsgelegenheit verschafft. Was bedeutet im Vergleiche mit dieser Leistung die unproduktive Arbeitslosenunterstützung des Staates! Die Kapitalisten und ihre Vertreter, die Christlichsozialen, sehen mit Recht in der- Wiener Stadtverwaltung ein Bollwerk der - Arbeiterklasse, daher ihre, Empörung. Daher die Wut ihres großen Demagogen Kunschak, der weder vor Verleumdungen, noch vor böswilligen Entstellungen haltmacht, um nur die sozialdemokratische Stadtverwaltung und ihren genialen Finanzreferenten, Stadtrat JBreitner, aus dem Sattel zu heben. In den großen Versammlungen tut natürlich Herr, JKunschak so, als ob es ihm besonders um den übersteuerten Mittelstand zu tun sei, aber es gibt heute' noch kaum eine Gruppe denkender Menschen, die dieses Manöver der Christlichsozialen nicht durchschauen sollte. Es weiß heute bereits jedermann, daß die Herren Seipel und Kunschak im Namen und im Interesse des Großkapitals ihren Kampf gegen.; die Sozialdemokratie führen. Es ist aber nicht uninteressant, daß die Reden 'des Herrn Kunschak den stärksten Widerhall in der- „Wiener Morgenzeitung", die jetzt dem Kommando des Herrn Gemeinderat Dr. Plaschkes unterstellt ist, finden. Die Reden des Herrn Kunschak auf dem,' Parteitag der Christlichsozialen und im Gemeinderat sind fast ungekürzt in der „W. M." wiedergegeben worden, während man die ausgezeichneten großen Reden des Stadtrat 3reitner mit einigen Sätzen abgefertigt hat. , Gegründet 1882 Gegründet 1882 Lebensversicherungs-Gesellschaft Dhfiniv" ifl^nwniA Wien, I„ Riemergasse 2, Telephon 79-5-65 Serie Aktienkapital 4 Millionen Schilling Versicherungsbestand am 1. Jänner 1926 über 600 Millionen Schilling Lebens-, Renten-, Aussteuer-, Unfall-, Haftpflicht- und Autoversicherungen Spricht auch die „Wiener Morgenzeitung" ähnlich wie ihr politischer Freund vom antisemitischen Lager im Namen und im Interesse der kleinen Gruppe jüdischer Kapitalisten dieser Stadt? Dann soll sie offen Farbe bekennen! Wenn aber Herr Dr. Plaschkes und seine „W. M." sich etwa einbilden sollten, daß .£jje im, Namen des jüdischen Mittelstandes, der arbeitenden Juden dieser Stadt zu reden berechtigt sind, dann mögen sie doch einmal versuchen, den Beweis zu erbringen, daß die Steuer- und Wirtschaftspolitik der Gemeinde Wien ein Schaden, oder gar ein Unglück für die arbeitende jüdische Bevölkerung bedeutet. Tun sie das nicht — und sie können es ohne Demagogie nicht einmal versuchen — ist es unsere Pflicht, die bürgerlichen Jüdisch nationalen zu d&- , maskieren, die jüdische Bevölkerung dieser Stadt üb'er die Wahre Tendenz dieser Politik aufzuklären, ihr ■ den Hintergrund der Übereinstimmung, zwischen Kunschak und Dr. Plaschkes zu beleuchten. Der Christlichsoziale wie der bürgerliche Jüdischnationale reden und handeln im Namen und im Interesse des Großkapitals. Als unsere wichtigste politische Pflicht müssen wir es erachten, unserem Kunschak, dem- Dr. Plaschkes et oonsortes den Garaus zu machen. Sch. Rosenfeld (New-York) Eine Schandtat. Wir vei-öffentlichen hier fast ungekürzt einen Aufsatz eines bürgerlichen Journalisten über die Untat der Kolonisten aus Reehiowoth. Seine Worte der Empörung' haben, in. der bürgerlichzionistischen Presse nicht den geringsten Wider- * hall gefunden. Auch die „Wiener MorgenzeitAing", die uns vor einigen Tagen die traurige Nachricht übermittelt hat, daß die Eintänzer in Paris .teuerer -~— werden -(ihre Sorgen .'.. .), hatte weder --Intelresse noch. Raum für die Erörterung, oder auch nur für eine Information über diese Schandtat. Die Redaktion. Wenn man im Stile der Bibel sprechen Sollte, könntat man es .mit dem Verbrechen ' an der Kebsfraü in Gibah vergleichen. Und es wäre keine Uebertreibung. Denn, es wird als nationales Verbrechen bezeichnet werden müssen, wenn nicht die gesamte zionistische Bewegung diese Tat und diese Täter so gründlich, und eindrucksvoll verdammen wird, daß die jüdische Bevölkerung von Palästina - längs Zeit daran denken soll. Der Tatbestand ist folgender: Unlängst geriet ein Kolonist aus Rechowoth in einen Konflikt mit einem Arbeitslosen, eine Erscheinung, did in den alten Kolonien oft genug vorkommt. „Kurze Zeit nachher — erzählt der Arbeiterführer Ben Gurjon — lieiß der Regierungsvertreter Campbell mich und Genossen Apter, gemeinsam mit zwei Vertretern der Arbeiter von Rechowoth, zu sich rufen. Als wir dorthin kamen, trafen wir eine Delegation der Kolonisten aus Rechowoth. Während der Unterhandlungen übergab uns der Beamte ein „Memorandum" in Hebräisch und Englisch, welches ihm im Namen von 90 Einwohnern Rechowoths übergeben und von Gorodiski, Makow und irgendeinem dritten unterschrieben war, zur Einsichtnahme!. Das „Memorandum" , enthielt eine furchtbare Denunziation über die jüdischen Arbeiter und die Arbeiterorganisation, eine Denunziation, die ihresgleichen in der Geschichte der Palästinakolonisation nicht findet. Im „Memiorahdum" wird nämlich ausgeführt, welch gute Beziehungen Jahrzehnte hihdurck zwischen den jüdischen Kolonisten und ihren arabischen Nachharn geherrscht haben, daß die arabischen Nachbarn in Rechowoth stets als Arbeiter beschäftigt wurden, daß sie aus der Kolonie großen Nutzen gezogen hatten usw. bis die jüdischen Arbeiter gekommen sind und die Araber davongejagt haben. Die jüdische» Arbeiter, bedienen sich gegen die Araber verschiedener Terrormittel, sie prügeln sie, machen sich über sie lustig, überfallen sie mit Wnff ein auf offener Straße außerlialb der Kolonie und dergleichen mehreres. Auf diese Weise erregen sie Feindseligkeit zwischen Juden und Araber und stören den Frieden im1 Lande. Und die Schuld an alldem, trägt die Arbeiterorganisation (Histadruth) und ihre Führer. Die Verfasser des Memorandums verlangen deshalb von der Regierung, daß sie alle Mittel gegen die jüdischen Arbeiter und ihre Organisation anwende, umi die Sicherheit des ■ Lebe|ns undl die Ruhe für die Araber in der Kolonie herzustellen." Gefäll,t|ieuch diese Leistung? Ihr, die ihr Gegner def jüdischen;"Arbeit überhaupt und insbesondere der jüdischein Arbeiter seid, könnt ihr die Tragweite dieses 'Schrittes' erfassen? Begreift ihr, welch kostbare» Material unse/ren Gegnern, in" aller ""Herrein Länder'"gelieffisrb wurde? < Allee^ was bis jetzt auf dem Gebiete der Denunziation, gegen unsere Tätigkeit in Palästina von welcher Seite immer, unternommen wurde, ist Kinderspiel im Vergleiche damit;, was hier vorgebracht wird. Die jüdischen Arbeiter werden hier als Banditen charakterisiert, die die Araber auf off einer Straße mit Waffen überfallen! . . . ' Ein altes, schändliches Mittel. Als Herodes1 seine Machtgelüste nicht befriedigen konnte, weil sich ihnr" (diel patriotische Jugend, die es sich zur Aufgabe ^gemacht hat, für die Freiheit des Vaterlandes zu kämpfen, entgegengestellt hat und er «sie nicht vors Gericht zitieren konntiej, weil er kein Beweismaterial gegen, sie hatte, bezeichnete er sie als Räuberbande, die friedliche Syrer überfällt undi machte sie auf. diese Weise vogelfrei . . .. Aber wie verhielten sich die Juden von * damals zu dieser Tat des Knechtes Herodesi? Und wie müssen sich die Juden zu dieser Tat der Gorodiskis, Makowsl und wie immer! jene heißen mögen, die all dieser Denunziation beteiligt sind, verhalten? Es ist nicht ausgeschlossen, daß hie und da ein jüdischer Arbeitsloser sich nicht beherrschen kann, wenn er, ein Hungernder, von der Arbeit entfernt wird und Hie Arbeit einem fremden billigeren Arbeiter zugewiesen wird. Es mag sein, daß der eine, oder der andere jüdische Arbeiter unter der Fuchtel des Hungers einen Fehler begangen hat. Gebührt ihnen deshalb ein Messer in den Rücken? Und nicht bloß ihnen', den „schuldigen", siondern (ler ganzen Histadruth und allen Führern, das1 heißt1: jias ganze Volk, dem . Miotrdechaj entstammt, soll nicht am Leben bleiben! . . . Wenn in diesen Lefuten ein Funke von Menschlichkeit — von jüdischer und zionistischer, Gesinnung ganz abgesehen •— noch viorhanden wäre; könnten sie diese Schandtat, die große Gefahre^, auf die jüdischen Siedlungen heraaifbesehöreiv kann, nicht vollführen. Für diesen Schritt kann es überhaupt keine Rechtfertigung geben. Angenommen, eine Bande Terroristen ist in Rechowoth eingefallen, die jüdischen Arbeiter versuchen durch Terrormittel Arbeit, in der Kolonie für sich' zu sichern. Und die Kolonisten suchen nach Mitteln/' um' sich von dar. Diktatur des jüdischen Proletariats loszu-i machen. Und dazu sind sie berechtigt. Ist denn' die erateJ Instanz der englische Regierungsbeamte? Die „Histadruth" ist ja keine terroristische Organisation und Arbeiter' sind 5««5atioii«tt« FtÄhjahrsangebote ßrÜÖßr SdliffnUHHl H.Jabors(pa6e48 Telephon-Nr. 47.171 En gros - En Detail