Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 15 (28.12.1925)
- Date
- 1925-12-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 15 Unsere f ribüne Seite 3 eherne Theodor Herzls und Max Nadaus sollen demnächst ich Palästina überführt werden. Aus diesem1 Anlasse wur-?n wieder dcpnofnstrative Verstattungen geplant. Die rbeiterschaft hat nujn angeregt, daß die Ueberführungen berhaupt aufgeschoben werden, wenn es aber nicht möglich;in sollte, alle feierlichen. Veranstaltungen zu unterlassen, ie Stimmung unter den Arabern infolge der Ereignisse i Syrien bietet keinje geeignete Atmosphäre für politische; ranifestationen. Hoffentlich wird die warnende Stimme der jüdischen rbeiterschaft Beachtung finden! In tiefer Ergriffenheit trauert die jüdische Arbeiterchaft Palästinas dem letztens dahingeschiedenen Salamon Friller nach. Schiller, der jahrelang in Lemberg gelebt nd gewirkt hat und dort bereits eine der beliebtesten und •oschätzbesten. Persönlichkeiten war, hat sich in Palästina lern rechten Flügel der Arbeiterschaft, dem Hapowel Hazair, lügesclilossen. Aber Schiller erwarb sich Verelirer und freunde in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung. Sein lerrliches, idealistisches Wesen, seine tiefe Deinkernatur iahen ihm in Palästina unter dein; Lieblingen des neuen fischnw eingereiht. Schlicht, aber herzlich feiert die jüdische Arbeiterichaft Palästinas das sechzig jährige Jubiläum Jehoslchüra Dhankins. Chankin war bereits vor ungefähr 40 Jahren ein Befürworter des 'Erwerbens des palästinensischen Bodens lurch Juden. Chankin ist ein Mann, des hartnäckigen willens und der schöpferischen Tat. Es gab fast keinen Bodenkauf größeren Maßstabes, der nicht auf die Initiative Chankins zurückzuführen wäre. Vor 36 Jahren hat er den Boden für das spätere Bechowioth erworben, seit damals hat er unaufhörlich zu Käufen gedrängt und sie durchgesetzt. Auch die Erwerbung des Emek ist ein .Werk Chankins. Durch sein redliches Wesen erfreut sich auch Chankin einer großen Beliebtheit unter breiten Schichten der arabischen Bevölkerung. ( In Chaifa wurde letztens ein Streik der arabischen Schneider und Tischler durchgeführt. Der Streik wurde vom jüdischen Arbeit errat geleitet und wurde mit einem bedeutenden Erfolge beendet. Unter aindeirelin wurde ein.3 Verkürzung der Arbeitszeit von Ii auf 9 Stunden erzielt. Es wird wohl jedem Denkenden einleuchten, daß diese gewerkschaftliche Tätigkeit nur günstige Folgen zeitigen! kann: durch die Verkürzung der Arbeitszeit der arabischen Arbeiter verschwindet die billigere arabische Arboit und die Erhöhung des allgemein^! Lcbemsstandarts der Arbeiterschaft wird, ermöglicht; zweitens erkennt der arabiate he Arbeiter im jüdischen Arbeiter einen Klasseingenossen und einer Verständigung zwischen dein arbeitenden Juden und Arabern werden mit Erfolg die Wege gebahnt. * Eine der wichtigsten Aufgaben der jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina ist die Eroberung der verschiedepen Arbeitszweigo für die einwandernden Arbeiter. Diese ff ^Tätigkeit wird durch die lohndrückendc billige arabische ' Arbeit besonders er.sch|\vert. Die jüdischen Arbeiter betaühen sich, ihre arabischen Klassengenossen zu organisieren, um das allgemeine Lohnniveau zu heben. Der rechte Flügel der jüdischen Arbeiterschaf t, sieht, darin einen Gegensatz zur Aufga.be der Eroberung der Arbeit. Ueber dieses Thema, ist nun in den letzten Nummern des Arbeit er tagblattes „Dawar" eine interessante Diskussion abgeführt worden, auf die wir noch zurückkommen werden. f Ein zweites, sehr wichtiges Problem', das die Arbeiterschaft in der letzten Zeit viel beschäftigt hat und nofch künftighin, insbesondere auf der bevorstehenden Konferenz der landwirtschaftlichen Arbeiter, heftigen Meinungsstreit hervorrufen wird, "ist die Streitfrage, ob die individuellen Bauerusiedlungen, (Moschaw), oder die kommunistischen Gruppe (Kwurzah) die richtigere Form der Arbeiterkolonisation sei. In der letzten Zeit lüelten beide Eichtungen Beratungen ab und jedewollte für sich das Vorrecht der andern gegenüber in Anspruch nehmen. Es ist bezeichnend, daß unsere Genossen vorwiegend für die Kwurzah und der Hapoel Hazair fast ausnahmslos für den Moschaw eintritt. Produktionsbödingungen wie die Bodenrente1, die Fabrikgebäude', Verkehrsmittel, Rohmaterialien, Kohlen, Maschinen, Werkzeuge usw. 2. Das variable Kapital, das aus der menschlichen Arbeitskraft besteht. Das von einem einzelnen Kapitalisten in ein Unteimehmejn investierte Kapital muß nach Karl Marx als eine Summe zweier Bestand-;. lteile betrachtet werden; das, was der Uintea1n[ehmer in 1 'Pente,!i«n Maschinen, in Kohlen, in Erachten investiert, ist der konstante Teil des Kapitals; und das, was der Kapitalist seinen Arbeitern und Angestellben an Löhnen auszahlt — der variable Teil. Ebenso besteht die Summe der von der ganzen Menschheit in Tfnterniehmungcin investierten Kapitalien auf* einem konstanten -und einem variablen Teil. Das Kapital fällt nicht vom Himmel und wächst nicht auf Bäumen; es wird durch schwere menschliche Arbeit geschaffen. Das gilt vom konstanten, wie vom variablen Kapital. Nun ist klar, daß die Juden' kein konstantes Kapital produzieren, denn sie produzieren keine Gebäude, keine Maschinen, keine .Verkehrsmittel, keine Rohmaterialien, keine. Hilfsmaterialien usw. Die jüdische Arbeit nimmt gar keinen Anteil an der Entstehung und der .Verteilung des konstanten Kapitals. Die ganze jüdische Arbeit dient der Produktion des variablen Kapitals. Und auch da müssen die Juden die Konkurrenz der nichtjüdischen Arbeiter ertragen. Ferner muß bemerkt werden, daß beide Teile dels Kapitals im Wachsen begriffen sind, doch wälchst das konstante Kapital schneller als das variable. Je meinsich die Technik entwickelt, um so mehr wird die Mensichenarbeit durch Maschinenarbeit ersetzt. Einst produzierte der Arbeiter in derselben Zeit fünf-, zehn-, zwanzigmal weniger Arbeit, als er es heute mit Hilfe der Maschine tut. Heute braucht man nur wenige Arbeiter dort, wo früher ihrer Dutzende oder Hunderte erforderlich waren, Je vollkonitniencr die Maschine, um so weniger Menjschen erfordert An alle jüdischen Arbeiter und Sozialisten! An die revolutionäre jüdische Jugend! Genossen! Vor einigen Wochen, am Vorabend des II. Kongresses der Soz. Ar heiter-Internationale, ist an Euch eine freudige Botschaft ergangen: Eine gemeinsame feierliche Konferenz des Allweltlichen soz. Arbeitenerbanldes Poale-Zion und de& Zion. sozial. Weltverbandes hat die Vereinigung beider Verbände unter dem Namen: „Allweltlicher jüd. sozialistischer Arbeiterverband Poale-Zion (vereinigt mit dem Z. S. Verband)" proklamiert. Dieser Vereinigungsakt ist ohne Zweifel von so goßer Bedeutung für die ganze jüdische Arbeiterbewegung, daß alle, die es* sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, für die soziale und nationale Emanzipation der jüdischen Massen zu kämpfen unjd zu arbeiten, sich mit diesem Geschehnis befassen, unjcl sich •Rechenschaft geben müssen, welche Verpflichtungen für sie selbst daraus erwachsen. Genossen! Unsere Vereinigung ist ein Resultat der ideellen Annäherung zweier bis jetzt getrennter Bewegungen, sie ist nicht nur das Produkt des guten Willens einzelner .Führer, sondern aus den schweren Nöten der Zeit entstanden und aus dem Bewußtsein der großen Verantwortung, die die jetzige Stunde auch auf uns legt. Das ökonomische Leben der jüdischen Massen in allen Ländern Osteuropas stellt eine große Zerstörung dar. "Ueber-- all werden die jüdischen Massen schon durch den Gang der ökonomischen Entwicklung allein aus ihren ökonomischen Positionen verdrängt. Da sie hauptsächlich in den schwächsten und unsichersten "Zweigen der Wirtschaft, im Kleinhandel, Verrnittlerturn und in einzelnen Zweigen des Handwerks konzentriert sind, werden die jüdischen Massen mehr und* schärfer von der chronischen ökonomischen Krise, die in den osteuropäischen Ländern wütet, erfaßt. In den meisten Ländern, vor allem in Polen, Litauen und Rumänien wird die schwere Lage der jüdischen Massen durch die herrschenden reaktionären Kreise der Mehrheitsvölker zu einer ihr genehmen ökonomischen Verdrängung und Doklassicrungspolitik ausgenützt, die Hand in Hand mit der ständigen Verletzung der prilmitiivsten Bürgerrechte, mit einer ausgesprochenen Politik nationaler Unterdrückung und Assimilutionszwanges, geht. Je ärger und unerträglicher für große Teile des jüdischen Volkes das Leben in diesen Ländern wird, wo die alten Existenzqucllcin verschüttet und der Uebergang zu neuem produktiven Erwerb fast unmöglich ist, desto dringender wird für große Massen die Notwendigkeit, Möglichkeiten von Arbeit und Existenz in der Auswanderung nach anderen Ländern zu suchen. Aber gerade jetzt sind die Tore der wichtigsten Einwanderungsländer für die große Mehrheit der AusIwan der un/gs bedürftigen, durch unmenschliche Ilmmigrationsgesetze verschlossen.. Und in diesem. -tragiy sehen Dilemma, z[wi sehen dem gewaltig verschärften Aus- 'wanderungshedürfnis und den 'immer geringer werdenden Einwanderungsmöglichkeiten wenden sich die Blicke immer größerer jüdischer Massen nach Palästina,, wo der Pionier jüdischer Arbeit und menschlicher Freiheit einen festen Grund für den Aufbau einer normalen jüdischen Arbeitsgesellschaft gelegt hat. So spielt sich vor uns auf der ganzen Front des die Welt umspannenden jüdischen Lebens eine Kette von historischen Problemen und Aufgaben ab, die zu beantworten nur wir, die jüdischen Sozialisten, berufen sind, wir, die wir uns das Ziel gesetzt haben, im jüdischen Leben die großen Prinzipien und Ideale des internationalen Sozialismus '/ai verwirklichen, wir, die die Solidarität mit der ganzen leidenden Menschheit und den Kampf für die Erhebung und Befreiung des eigenen Volkes harmonisch vereinigen. Uebermenschlich groß sind die Aufgaben, und nur in unserer Einigkeit und Geschlossenheit liegt die Hoffnung, alle Schwierigkeiten überwinden zu können, im Kampf mit dem jetzigen Feind siegen zu können. Im jüdischen Leben und außer ihm: verstärken und organisieren sich die Kräfte1, die uns und unseren Bestrebungen feindlich gegenüberstehen. Die Weltreaktion, die alle ihre Kräfte anstrengt, um ihre Herrschaft über Länder ihre Bedienung. Die Zahl der Maschinen wächst sehr schnell Und dio Relative Zahl der Arbeiter verringert sich immer mehr. So wächst das konstante Kapital auf Kosten des variablen. Das ist eines der wichtigsten Gesetze der Lehre! von Karl Marx. Karl Marx zeigt, wie dio Maschine den Arbeiter verdrängt und wie das variable; Kapital durch das konstante verdrängt wird. Da aber die ganze jüdische Arbeit auf. die Produktion des variablen Kapitals eingestellt, ist, so folgt daraus, daß die jüdische Arbeit immer mehr durch die nichtjüdische verdrängt wird. So lautet der logische Schluß aus Marxens national- .ökonomischen Entdeckungen. Daß unsere offiziellen „Marxisten" ih!n nicht apf rkelnnen, beweist nur, daß ihnen in Wirklichkeit jeder wissenschaftliche Blick auf das jüdische Wirtschaftsleben fremd ist. Die jüdische Arbeit wird verdrängt und muß mit fortschreitender Technik verdrängt werden. Die jüdische Arbeit muß teclmisch rückständig bleiben, denn die Maschine ist ihr größter Feind — auch das ist wiederum eine Folge der Tatsache, daß dio Juden der Natur, dem Grund und Boden entfremdet sind. Zum Glück ist die Ausstoßung der jüdischen Arbeiter keine plötzliche Erscheinimg, sondern ein dauernder Prozeß. Die jüdischen Weber, Schuhmaicher, Möbeltischlea-, Tabakarbeiter, Naphtliagrubenarbeitcr werden in Europa nur langsam durch nichtjüdistehe Arbeit ausgestoßen. So brachte das Eindringen des Dampf Webstuhles in Lodz und in' Bialystok die christliche Arbeit statt der jüdischen mit sich und die jüdischen Weber sind dort so gut wie verschwunden. Eine ähnliche Evolution wachte das Schuhmachergewerbe in Warschau und in Odessa durch; der Uebergang von der Handarbeit zur Maschinenarbeit bedeutete den Uebergang von der jüdischen Arbelt zur christlichen. Die großen russischen Tabakfabriken sind fast ausschließlich zur christlichen Arbeit übergegangen. Von den und Völker zu erhalten — sie hat auch in der jüdischen Gasse Verbündete utxd Mithelfer gefunden. Die jüdische Plutokratie stützt sich auf die Kraft ihres? Geldes, das sie unter die verartmten Massen wirft, um ihre gesellschaftlich demokratische Initiative au timiterdrüeiken, und damit ihr eigenes! (Prestige uir^i ihre eigenen moralisch verkommenen Klassengenossen in den; Läddem der "Zerstörung zu stärken. Die assimilierte Bourgoisie sucht ihren Anteil am kapitalistischem Schacher vor den schweren Schlägen der Verdrängung und Bankerottpolitik zu schützen. Sie ist die erste, die den jüdischen Arbeiter aus den Arbeitsstätten jagt, sie gibt ihre offene Zustimmimg zur nationalen Unterdrückunjgspolitik, sie konspiriert mit den antisemitischen Regierungen gegen jeden Versuch der Demokratisierung des jüdischen Lebens. Der pseudonationale Teil unseres Bürgertums führt eine Politik der Angst und des Verrats der Prinzipien. Er bezahlt jede papierene Zusage von Milderung, und Abschwäohung antisemitischer Politik (mit sklavisch unterwürfigen Erklärungen. Er verrät die Forderung der nationalen Autonomie, er degradiert sich zu einem'willigen Knecht der Regierungen unjä untergräbt die natürliche Interessengemeinschaft der jüdischen Massen mit den demokratisehen Schichten aller Völker umjä insbesondere mit denen der unterdrückten Nationen. Auch der jüdische Klerikalistmus erhebt sein Haupt. Die materiellen Leiden der Volksitaäsfsjen,. ihre politische Machtlosigkeit, die kulturelle Krisis und mystische Verwirrung der Köpfe, die große Teile des Volkes ergriffen hat, bilden eine erwünschte Atmosphäre von allerlei klerikalen Volksbetrügern, ihr stark gesunkenes. Prestige wiederaufzurichten, die Herrschaft des Mittelalters in der jüdischen Gasse zu befestigen. Und diese finsteren; inneren Kräfte finden freudige Mithelfer bei allen Feinden der Volksmassen'. Vor allem bei den herrschenden antisemitischen Kreisen, denen sie als die Peitsche auf den Rücken des arbeitenden jüdischen Volkes dienen. . ,t, Und so wie in den anderen Ländern ist es auch in Palästina. Unsere arbeitenden Genossen, die* Pioniere unserer Ideale in Palästina,, haben den immer stärkeren Angriff des erwachenden Bürgertumsim Lande und seiner Klassen«- genossen und Seelenverwandten außerhalb >Palästinas, abzuwehren. Dieser Angriff ist gegen die schönsten Errungenschaften der Arbeiterklasse in Stadt und in Dorf gerichtet, gegen die Lvwuzah, die städtischen Kooperativen, den Solei Boneh, gegen die Autonomie und freie Entwicklung der Arbeiterwirtschaft, gegen die Freiheit des Lohnjkanrpfcs und der Organisation, die persönliche Freiheit de'r palästiensischen Arbeiterklasse. Kapitalistische Profitgier, kleinbürgerliche Klassenfordern rigeu, klerikaler Machtdurst, sie alle haben sich gegen den Arbeiter in Palästina verschworen. Und sie werden immer offener und dreister, gestützt von der Palästinaadauinistration, die die Arbeiter ihres elementarsten Rechts auf Streik und Lohnbewegung beraubt, die Streikbrecher unterstützt, ehrliche und unschuldige Arb^eilergenossen verhaftet. In diesem gewaltigen historischen Kampf unter den unnormalen und krankhaften Bedingungen unseres Volkslebens mit einer langen Reihe äußerer und innerer Feinde liat der jüdische'Sozialismus nur ein Instrument, das letzten Endes seinen Sieg verbürgt ■— seine Einheit und Geschlossenheit. Die Zeit der Spaltungen ist vorbei, Meinungsverschiedenheiten sind vorhanlden, sie sollen nicht verdeckt werden. Sie sollen anerkannt werden, als geistige' Besonderheit in der großen Bewegung, die einig sein muß im Kampf und in der Tat. Die programmatische Grundlagg des vereinigten Weltverbandes kann alle vereinigen, die an dem großen Kampf zwischen Reaktion und Sozialismus', zwischen Degeneration und Wiedergeburt in der jüdischen Gasse teilnehmen wollen. Genossen! Der internationale sozialistische Kongreß in Marseille hat unsere Vereinigung begrüßt und sie als Muster für die anderen sozialistischen Länder und Völker hingestellt. Dies, war nicht nur eine Anerkennung für diejenigen, die den Mut fanden, sich über fraktionelle Kämpfe und Meinungsverschiedenheiten zu erheben und die erste Vorbedingung für den sozialistischen Endsieg zu verwirklichen — die sozialistische Einheit. Es ist dies auch eine Ermunterung und Aufforderung an alle jene, die in den Hauptprinzipien mit uns einig sind, nicht mehr abseits zu bleiben, sondern durch ihren Eintritt in den vereinigten Naphthagrubcn von Boryslaw bei Drohobicz (Galiziem) wurden die Juden vertrieben. Gleichzeitig finden aber die1 Juden andere Beschäftigungen, emigrieren nach allen möglichen Ländern und gründen dort neue Industrien. Aber, auch in den Einwanderungsländeirn macht sich das Aiisstoßungsgesetz geltend. Wir gründeten in England eine große Kip(nfcflctiotti.sinjtlustrie nach dem Prinzip der Arbeltstellung. Dee Endo ist, daß jüdische Arbeiter dort durch christliche Mädchen ersetzt werden. Auch'Amerika verdankt seine ganze Bekleidungsindustrie dem jüdischen Fleiß, und das Resultat'ist, daß diese den jüdischen Händen immer mehr entgleitet. Langsam, Schritt für Schritt, verringert sich der Prozentsatz der jüdischen Arbeiter in der amerikanischen Bekleidujnjgisdnfdustrie; dagegen wächst die Zahl der italienischen, polnischen, litauischen und irischen Arbeiter. , . , Bisher haben wir gesehen, daß die jüdische ökonomische Struktur an einer Krankheit leidet, die „Natu rem tr fremdung" heißt. Dies ist ein historisches, also stilles;, cln-onisches Leiden. Mit einem chronischen. Leiden kann man lange leben; der jüdische Volkskörper schleppt sein Leiden schon seit zwei Jahrtausenden. Doch hat uns die marxistische Analyse. zu einem anderen, schlimmeren Resultat geführt: wir sehen, daß in der modernen kapitalistischen Gesellschaft diese jüdische Krankheit durch die Ausstoßung kompleziertero und gefahrvollere Formen annimmt. Die tausend jälrrige Krankheit hat statt der btillen chronischen, die akute, fieberhafte Form angekommen. Die, historische Unmöglichkeit des jüdischen Gunsleben ist der Exterritorialismus, das Entrissensein von Grund und Boden. .Diese Eigentümlichkeit, diese abnorme, krankhafte Erscheinung mußte in der kapitalistischen Gesellscliaft einen fieberhaften Charakter annehmen. (Aus „Die wirtschaftliche Entwicklung des jüdischen Volkes".)