Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 14 (26.11.1925)
- Date
- 1925-11-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Unsere TrifrOne Seite 3 lose Probleme bemüht. Nichtsdestoweniger kann schon heute voni hr ausgesagt werden, daß sie eine neue Aera der Kolonisation eingeleitet und sich in Palästina durchgesetzt hat. Das heutige zionistische Kolonisationssystem basiert einerseits auf den Kwuzot, andrerseits auf den Moschwe Owdim (privatwirtschaftliche Einzelbetriebe). Aehnlich wie die Kwuzot, haben auch die letzteren wichtige wirtschaftliche und soziale Funktionen zu erfüllen, aber sie waren und wären ohne die ersteren bis auf den heutigen Tag nicht möglich gewesen. Die späteren Besitzer der Einzeliwrtschaften haben sich erst in den genssenschaoftlichen Betrieben jenes landwirtschaftliche Können angeeignet, ohne welches sie zur selbständigen Führung ihrer Wirtschaft nie befähigt gewesen wären. So .erklärt es sich, daß an die Gründung von Moschwe Owdim (seit 1923) allmählich geschritten werden konnte, nachdem die Genossenschaft ein gewisses Alter schon erreicht hatte. Die Kwuzot und die Moschwe Owdim sind jetzt die beiden tragenden Säulen des zionistischen Kolonisationssystems in Palästina. Wer an einer von ihnen rüttelt, bringt den ganzen Bau, das bisher Vollbrachte und seine Fortführung, in Gefahr. Im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise und der wirtschaftspolitischen Praxis der antisemitischen pol; nischen Regierungen hat im letzten Jahre eine stärkere Einwanderung mehr oder weniger bemittelter Elemente mach Palästina eingesetzt. Seit dieser Zeit sind die Kwuzot von einer in der bürgerlichen Klassenideologie wurzelnden feindlichen Stimmung umbrandet. Nur in den seltensten Fällen — es mangelt aber auch nicht an solchen — sind sie Objekt direkter Angriffe.' Will man ihnen ihren an und für sich bescheidenen, von Jahr zu Jahr kärglicher bemessenen Anteil am zionistischen Kolonisationsbudget — gegenwärtig etwa 5 Prozent des Etats für, Landwirtschaft — strittig machen, wird „zielbewußte Förderung der Industrie, des Handels, des Handwerks" verlangt, fordert man ausgiebigere Unterstützung „der städtischen Siedlung", werden Klagen über „Zurücksetzung des besitzenden Elements" geführt. In Wirklichkeit heißt, all das: „Nieder mit den Arbeitersiedlungen! Weg mit den Kwuzot!" Diese Rufe werden immer häufiger, immer lauter. Die jüdische Arbeiterschaft muß ihnen im Interesse des Zionismus immer schärfer, immer energischer entgegentreten. Sie erfüllt diese Pflicht mit um so größerem Enthusiasmus, als jene Positionen, die sie in Palästina geschaffen und nun zu verteidigen . hat, vom Geiste des Sozialismus umhaucht sind. In diesem Kampfe ist das genannte Buch Ruppins ein willkommener Genösse. Die jüdische Kolonisation in Rußland. Aus Moskau wird berichtet: Die Bodenfläche, die die Sowjetregieinmg für die jüdische Kolonisation bereitgestellt hat, betrügt 201.000 Desjatinen. Davon liegen 132.000 Desja- .tineü. in der Ukraine, 10.000 in "VVeißrußLand, 27.000 in der jKrim. Die übrigen 32.000 Desjatinen 'liegen autfh in der Krim1, werden aber erst in einigem Jahren der jüdischen Koloni-? sation übergeben werden. Gegenwärtig prüft die Sowjetregierung die Möglichkeit einer Uebergabe von weiterem 450.000 Desjatinen an die jüdisch© Kolonisation. Im Jahre 1925 wurden 4525 jüdisch© Familien auf einer Mäche von "25.000 Desjatinen angesiedelt. I Im nächstein Jahr hofft man weitere 6930 Familien auf Boden ansiedeln zu können, der gegenwärtig kolonisationsfähig gemacht wird. Im Ja,hr 1925 entstanden im Chers'oner Kreis 30 neue Kolonien mit ungefähr 80' Familien in jeder Kolonie, in Kriwa-Poig 12 Kolonien, in der Krim 16 Kolonien. Holz wurde für 1000 Häuser beigestellt, 630 Häuser sind schön fertiggesbellt, 45 Brunnen wurden ge- . graben. In den neuen Kolonien werden bereits 42 Traktoren benützt. Im Frühling dieses Jahres wurden 160 Desjatinen mit Weintrauben bepflanzt, gegenwärtig wird eine weitere Anpflanzung von ^50 Desjatinen' mit .Wein vorbereitet. In kurzer Zeit werden 18 Mühlen und 15 Molkereien ihre Arbeit beginnen. Die heurige Ernte der neuen Kolonien betrug 1,000.000 Pud Getreide und 800.000 Pud Heu. Die Kolonisten verkauften 100.000 Pud Korn höherer Qualität, 40.000 Pud Oelsamen und 300.000 Pud Heu. Das Agro-Ivint hat in dieser seiner Tätigkeit im vergangenen Jahr 1,600.000 Rubel für die jüdische Kolonisation in der Krim ausgegeben, die Sowjetregierung hat 900.000 Rubel aufgewendet. * Unsere Bruderpartei in Rußland über die jüdische Kolonisation in der Krim. Das V. B. versendet folgende Kundgebung der Z. S. in Rußland über des Kolonisationsprojekt in Rußland: Wenn auch die Möglichkeiten zur Kolonisation begrenzt ■ sind und die schwere Existenzfrage des russischen Judentums nicht lösen kann, schon gar nicht zu reden von der Lösung unserer national-politischen Probleme; wenn auch jetzt die Möglichkeit Voll Produktivierung in anderen Zweigen in den Städten nicht vernachlässigt werden darf tma es auch jetzt noch aktuell und notwendig b'eiben wird, die Emigration aus Rußland überhaupt und inslvjsondere die potentiell ungeheure, aber künstlich unterbundene Palästina- Emigration zu organisieren lind zu erleichtern, muß doch klar anerkannt werdein, daß die Tatsache, daß Tausenden von Familien der Uebergang zu produktiver Landwirtschaft ermöglicht wird, für sich allein so wichtig und nützlich ist, daß jeder jüdische Sozialist sich voll und ganz an der Durchführung dieser Sache aktiv beteiligen muß. Unterstützung und Beteiligung an der Durchführung des) Kolonisati'onsprojetktes bedeutet aber auf keinen Fall, sich von sachlicher Politik loszusagen, auch dort, wo der richtigen und nötigen (Sache nicht gedient wird. Durch unser* Schweigen werden wir schädliche Erscheinungen decken und ihre Schädlichkeit noch verstarken. Durch irnseren Kampf unld unsere Kritik erzwingen wir die Verbesserung von Fehlern. Unld hier muß auf zwei Hauptmomente hingewiesen wer/den, die von uns; scharf bekämpft werden müssen. Die. „Jewsektia" (Sektion der 'jüdischen Kommunisten) versucht Idie Koloinjsatiori als Instrument Ges politischen Kampfes auszunützen, den sie mit dem zionistischen Gedanken führt. Man verbreitet Lügen übet die Lage in Palästina, über die Tätigkeit der Arbeiterinstitutionetn u. dgl. Man versucht das Projekt der Kolonisation in Rußland als Gegenprojekt auszuspielen, daß sozusagen die gefallene zionistische Idee ersetzein soll. Unsere Partei deckt überall die Nebenabsichten der Jewsektia, auf, gibt richtige Informationen über die Lage in Palästina, wobei sie in keiner Weise die großen Schwierigkeiten, auf die wir stoßen, verschweigt. Gleichzeitig aber würdigt siie die heroischen und mustergültigen Leistungen und Erfolge der pal. Arbeiterschaft und klärt über die günstigen Perspektiven der Erstarkung und Entwicklung im Lande auf. Unsere Partei in Rußland verbreitet Aufklärung über die große Bedeutung des Kokmisatiodsprojektes, betont aber gleichzeitig, daß die Kolonisation nur rusfsischen Juden zugute kommt und auch unter Ihnen, wie bereits' erwähnt, nicht allen, die es benötigen, und daß diese Kolonisation keine Beantwortung unseres national-politischen Problemes darstellt. Die Partei betont, daß alle diese Produktivierungsprozesse mit der Pal. Kolonisation nicht im Widerspruche stehen, sie auch nicht ersetzen, jedoch gemeinsam mit ihr und nur in Verbindung mit ihr den großen Erneuerungsprozeß darstellen, für deren Verwirklichung die zion. s'oz. Bewegung kämpft. Der zweite Punkt, den die Partei hervorhebt, besagt: Die öko'nimischen Möglichkeiten der Kolonisation in Rußland sind mit den politischen Bedingungen im Lande eng verbunden. In einer Zeit, in der Kooperativen nicht registriert werden, weil sie' hebräische , Namen tragen — in der aus den registrierten Kooperativen. Arbeiter entfernt werden, weil man sie der Sympathie mit einer dar zionistischen Gruppierungen verdächtigt :— von unserer . Partei gar nicht zu reden; wenn in ,,Oset" (Gesellschaft für Unterstützung der jüd. Kolonisation) alles, auf solche „gesellschaftliche" Orrundlagen aufgebaut ist, wie die Bestimmungen der zentral-kommunistischen. Instanzen, wenmr man den (neuen Kolonisten nicht erlaubt, ihr Werk selbst aufzurichten, sondern sie der Herrschaft der Joint-Angestellten und Gendarmen der Jewsektia unterwirft; wenn kein freies' Zusammenwirken bestehen kann >— wie kann ohne ein solches eine freie Wirtschaft aufblühen? — in einer solchen Zeit kann nicht von einer gleichen Behandlung jüd. Kolonisten mit der übrigen Bevölkerung in' Rußland die Rede sein. Unter solchen Bedingungen wird es nicht möglich sein, auch nur jene verhältnismäßig großen Möglichkeiten auszunützen, die objektiv vorhanden sind. Unsere Partei hält es daher für nötig, gleichzeitig mit der Vorbereitung der Kolonisten zur Kolonisation auch ihren Kampf um die Bedingungen zu organisieren, die es ermöglichen sollen, die Kolonisation möglichst erfolgreich durchzuführen. Was müssen unsere Parteien im Ausland tun? Dasselbe. Beteiligung und sogar Initiative in der Arbeit, aber gleichzeitig verlangen, daß nicht nur die Herren vom Joint, die Paul Nathans und andere Assimilatoren und Plutokraten, sondern auch die breite jüdische Oei'fentlichkeit zur Leitung dieser Arbeit herangezogen werden soll. Gleichzeitig müssen sie auch verlangen, daß die breite Oeffentlichkeit in Rußland selbst zur freien Leistung und Arbeit herangezogen werde. Die gerechte Kritik darf nicht übertrieben werden und bei niemandem eine Gegnerschaft zu dieser wichtigen und dringend notwendigen Aktion der Kolonisierung "in Rußland hervorrufen, — die Anerkennung dieser Angelegenheit darf aber nicht dazu führen, daß die freie und auch zur Kritik berechtigte Mitarbeit durch die Betriebsamkeit auf der einen Seite und Mithilfe zu antizion. Tendenzen von der anderen Seite unterbunden werde. Unsere amerikanische Poale-Zion-Partei, die als erste sich mit der Notwendigkeit, eine Antwort auf diese Frage zu geben, befaßt liat, hat tatsächlich den richtigen Weg beschritten: Sie ging zur Konferenz in Philadelphia, sie kämpfte zusammen mit anderen Sozialisten für die möglichste Demokratisierung der Leitung: Sie trat offen gegen die feindlichen Absichten, die einige Assimilatoren von rechts und links mit dem. Projekt verbinden, auf, s"ie hat sich aber bereit erklärt, die Produktivierungsarbeit in Rußland, soweit es möglich und nötig ist, zu unterstützen, An alle Freunde des arbeitenden Palästina! Die Leistungen der jüdischen Arbeiterschaft beim Aufbaue Palästinas sind «oft von verschiedenen Seiten als hervorragend bezeichnet worden. Persönlichkeiten, wie Prof. Weitzmann, Dr. Ruppin, Albert Einstein und Ramsay Ma cdo na 1 d, die Gelegenheit hatten, die Leistungen und Schöpfungen der jüdischen Arbeiterschaft an Ort und Stelle einzuschätzen, haben einmütig den unvergleichlichen Opferwillen, die schöpferische Initiative und die überwältigende Energie der palästinensischen Arbeiterschaft hervorgehoben. Unter den schwierigsten Bedingungen hat sich die jüdische Arbeiterschaft in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, im .Handwerk und in der Industrie die Wege gebahnt. Und wenn wir heute bereits auf einen Grundri stock jüdischer Arbeiter, die in den wichtigsten Zweigen der Produktion des Landes Wurzel' gefaßt haben, hin-, weisen können, so ist dies erst durch das Netz der w i r tschaftlichen und kulturellen Institutionen,' welche die jüdische Arbeiterschaft im Lande geschaffen hat, ermöglicht worden. In der „Chewrath Owdim" sind alle Siedlungen^ Kwuzoth, Produktivgenpssenschaften > und sonstige Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft zusammengefaßt. Auf einige dieser Institutionen wollen wir hier kurz hinweisen: Die große Baukooperative „Solei Boneh", die sich! rühmen kann, für die ungeschulten jüdischen Arbeiter geradezu im Sturm den Straßen- und Häuserbau erobert zu haben, ist heutzutage der größte Unternehmer |des Baufaches im Lande. Der „Solei Boneh" beschäftigt zurzeit über 1700 jüdische Arbeiter; die Bauten, die 'er bis jetzt aufgeführt hat, stellen einen Wert von einer! Million Pfund dar. Der „Palästina-Arbeiter-Fonds", die jüngste Tochtergesellschaft der „Chewrat Owdim", die Institution, die bahnbrechend in der Kolonisation des Oberen Galiläa und auf dem Gebiete der Produktivgenossenschaften war,- geht jetzt daran, große Arbeiterheime in Chaifa und Tel-. Aviv zu errichten. Der P. A. F., der vom Weltverbande Poale-Zion geschaffen wurde und nunmehr in den Besitz, der Iiistadruth (Chewrat Owdim) übergegangen ist, setzt seine Pioniertätigkeit fort. Zuletzt, aber nicht in letzter Reihe, wollen wir der Zentralstelle für kulturelle Tätigkeit „Waadath Hatarbuth" gedenken. Die „Waadath Hatarbuth" begleitet den Arbeiter vom Momente seines Betretens des palästinensischen Bodens, während seiner Wanderung von einer Arbeitsstelle zur arideren, bis zu seiner endgiltigen Niederlassung auf dem Lande, oder in der Stadt. Auf dem Gebiete der Erlernung des Hebräischen, das eine wichtige Voraussetzung für die Vereinheitlichung des Jischuw bildet, kann sie auf große Erfolge hinweisen. Aber sie begnügt sich nicht damit allein. In die entlegensten Sied-, lungspunkte trägt die W. H. das gedruckte und gespro-« chene Wort der Bildung und Aufklärung durch Bücher, und Lehrer. Der Erziehung der jungen Generation der" jüdischen Arbeiter — zweifellos eine der wichtigsten und verantwortungsvollsten Aufgaben — widmet sie die größte Aufmerksamkeit. Die Arbeiterpolitik der organisierten jüdischen Ar-, beiterschaft, insbesondere die Klassengemeinschaft zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern ist bereits! heutzutage einer der wichtigsten Faktoren bei der Ver-; ständigung zwischen Juden und Arabern. In diesem schweren und verantwortlichen Kampf dürfen wir die jüdische Arbeiterschaft Palästinas nicht! allein lassen. In allen Ländern der Diaspora sollen organi-i sierte Kreise gebildet werden, die sich als Freunde des! arbeitenden Palästina bekennen und der jüdischen Ar-« beiterschaft Palästinas in ihrem schweren Kampfe beizustehen bereit sind. Einen solchen organisierten Kreis) wollen wir auch in Wien ins Leben rufen. mit kostenlosem Stickunterricht! NAHMASCHINEN FAHRRÄDER 1925 Knopfpressen und Zugehor SPORT» und T0URISTENHRT1KE& IX., Liechtensteinstraße 27 VI., Gumpendorferstraße 67 IV., Wiedner Hauptstraße 8 Tel. 16=5,6* unö 16=5=65 Reparatupannahme