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Unsere Tribüne · 1925-11-26 · 14 (26.11.1925) · p. Seite 4

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
14 (26.11.1925)
Date
1925-11-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Unsere Tribüne Nr. 14 Im Einvernehmen mit der „Histadruth Haowdim Haiwrim Haklalith" (Allgemeine Jüdische Arbeiter-Organisation) ist in Wien von den unterzeichneten {Gruppierungen* ein „Komitee für das arbeitende Palästina" gebildet worden. Als seinen ersten Schritt unternimmt das Komitee die Schaffung eines Vereines der Freu nde des arbeitenden Palästina.. Jeder, der mittun will am Aufbaue eines auf progressiver sozialer Grundlage errichteten arbeitenden Palästina, wer die große Bedeutung der jüdischen Arbeit und der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina zu würdigen versteht, trete dem Vereine der Freunde des (arbeitenden Palästina bei! Komitee für das arbeitende Palästina, Wien. Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation: Poale Zion. Zionistische Arbeitspartei „Hitachduth". Zionistische Sozialistische Partei „Zeire Zion". „Hechaluz", Oesterreichischer Landesverband. 'Jüdischer Jugendverband Tcheleth-Lawan. Histadruth „Haschomer Hazair", Wien. Siegfried Alt mann, Direktor des israelitischen Blinden- . Instituts; Dr. Edwin Bader, Kultus Vorsteher, Vorsitzender des Klubs der Mandatare der Vereinigung für soziale Tätigkeit in der Kultüsgemeinde:; Adolf Böhm, Präsident der Keren-Kajemeth-Kommissiton; Prof. Dr. Ludwig Braun, Primarius des Rothschild-Spitales; Dr.' Rosa -Buchmil (Jerusalem-Wien), Delegierte des Hauptbureaus des Keren-Kajemeth; Oberrabbiner Prof. Z. P. Chajes; Dr. Leo Goldhammer, Vizepräsident der Keren-Kajemeth-Kommissiion; Dr. Bertold Herzig, Obmann der Vereinigung für soziale jüdische Tätigkeit; Dr. J. Robinsonn, Primarius des Rothschild-Spitales; Mendel' Singer; Dr. Sau! Sokal; Dr. Michael St>el\n- .b'erg; Dr. Chaira Tartakower; Dr. Israel Waldmann. Die Landeskonferenz des „Keren Kajemeth" in Oesterreich. Sonntag', den 8. •November, fand im Ingenieur- und Airchitektensaale eine Landeskonferenz des österreichischen Keren-Kajemeth statt. Außer jdem Bericht© dies Leiters, Herrn Dr. Tartakower, hielt Herr Adiolf Böhm ein sachliches) Referat über ,die Bodenpolitik des K. K., Frau Dr. Buchm.il sprach mit ehrlicher Begeisterung über die bisherigen Leistungen und die nächsten Aufgaben des Keren- Kajemeth. Die 'Vertreter unserer Organisation» die zum ersten Male zu einer Landeskonferenz eingeladen wurden, übten scharfe Kritik an;der bisjetzigan Tätigkeit des K. K. in Oesterreich. Insbesondere tadelten (sie den Zustand, daß der Keren-Kajemeth fast zur- Gäiqz/e der Vormundschaft des zionistischen Landeskomitees unterstellt ist. Dieser wichtige Bodenfonds wird sich erst dann in Oesterreich entfalten könjnien, wenn ict alle Kreise der jüdischen Bevölkerung umfassen und von ihnen mit verwaltet werden Wird. Die Vertreter der Provinz, insbesondere Herr Piskaty (Linz), schlössen sich der Meinung unserer Vertreter an. Herr Piskaty sagte ju. a.: „Man darf den Keren-Kajemeth Kien Mittelstand-Zianisten allein nicht überlassen." Wird es gelingen, die engherzigen Parteiinteressen zu übenvinden und den Kei-en-Kajemeth in Oesterreich zu einem wahrhaften Volksfonds' auszugestalten? Die Herren des Landesikornitees mögen sich die; Sache überlegen, bevor es zu spät wird. Nach der Besprechung der bevorstehenden Chanukah- Aktion wurde die Wahl des Direktoriums' viorgenomnien. Als Vertreter unserer Organisation «Wurde Dr. Lduard Bloch gewählt. Aus dem arbeitenden Palästina. Sieg unserer Genossen in Palästina. Bei den Wahlen ,in die Arbeiterräte der Städte hab^n über 8000 jüdische Arbeiter teilgenommen. Ueberall hat unsere Bruderpartei „Aclidut Hauwoda" melu* als zwei Drittel der Stimmen erhalten. Wir gratulieren unsere« tapferen Genossen in Palästina! Eine Ausbeuterorganisation in Palästina. Vor einiger Zeit (hat in Tel-Awiw ein© Konferenz der Arbeitgeber getagt. Es wurde eine Organisation geschaffen, die in erster Reihe die „Histadruth" zu bekämpfen hätte und die Forderung eines zwölfstündigeu Arbeitstages durchzusetzen. Gab es doch vor nicht zu langer Zeit Illusionisten, die; an einen Klassenkampf in Palästina nicht glauben wollten Konferenz der Kwuzoth. In Beth-Alfa hat in der vergangenen Woche eine Konferenz aller Kwuzoth stattgefunden. Der Verlauf der Beratungen war sehr lebhaft, besonders heftig war der Zusammenstoß zwischen dem ,,Gdud" und den anderen Kwuzoth. Wir werden über diese interessante Konferenz noch ausführlich berichten. Solel-Boneh-Arbeiten. (Stand der Arbeit am 1. August 1925.) Im zweiten Jahre seit Bestehen der Gesellschaft, in den ersten drei Monaten (Mai bis Juli), liat sie Auftrage in verschiedenen Orten des Landes im Gesamtbetrage von L. E. 86.603 — erhalten. Und zwar: Im Kreis1 Jaffa L. E. 49.702.-—, Haifa L. E 26.143.—, Jerusalem L. E. lo!358.830, Tiberiaa I». E. 1400.—, zusammen L. E. 86.603.830. Dieser Betrag enthält Bauarbeiten für L. E. 76.158.830, öffentliche Arbeiten für L. E. 10.445.—. Darauf entfallen: Für kommunale Institutionen L. ,E. 10.625— (Stadtrat Tel-Aviv L. E. 7000), für Kolonisationsgesellschaften (Zion-t)ommiqnwelth, Meschek) L. E. 21.850.—, für private Gesellschaften wxifL Siedlungen (Pal.-Hotelges., die großen Muehlen, A. P. rC, Silikat u. a.) L. E. 11.520, für Mnzelpersicnen L. E. 37.263.830, für Nationalfond und Keren- Hajes'od L. E. 3970.—, für Verschiedenes L.; E. 1375.—, zusammen L. E. 86.603.830. " Große Aufträge. Von großen Aufträgen, die der Gesellschaft im obenerwähnten Zeitabschnitt erteilt. wurden, sind nennenswert: Bau einer Schule und Kindergärten: i. A. deö Stadtrates von Tel-Aviv, Bau des Hotels „Paltin" in Tel-Aviv, der Mazoth-Fabrik der „Großen Mühlen" in Haifa, Bauten und Chauseen in Afule (neue Stadt im Emek), verschiedene Arbeiten in der neuen Gartenstadt „Herzlija", Brückenbau am Jordan (Odgia) und bei Mozah i. A. der Regierung usw. Die letzten Aufträge (Ende Juli bis 15. August): Bau des städtischen Kifimikenhauises in Tel-Aviv, einer Chausee im Kfar Iwri bei Jerusalem i. A. des Misrachi, Drainags, Bauten und Chauseen in Afule und Herzlija.. Die Zahl der Arbeiter, die am 1. August bei den Arbeiten des1 Solel-Bonleh beschäftigt waa*en, betrug 1715. [Gesamtbetrag der Aufträge "für die 15 Monate des Bestehens des SolelBoneh: in den ersten 12 Monaten L. E. 221.109.—, in den letzten drei Monaten L. E. 86.603.830, zusammen L. E, 307.712.830. Die erste Million. Die Summe der Aufträge, die bis zum 1. August dieses Jahres der Genossenschaftlichen Bau-Unternehmung der jüdischen Arbeiter in Palästina erteilt worden sind, beträgt L. k 1,000.000. Bus Oer Wiener jütischen Gemeinde. Die Niederlage der „Union". Die „Mehrheit" ohne Mehrheit. In eine ganz lächerliche Situation brachte sich am Mittwoch, den 18. November, in öffentlicher Gemeindesitzung der „Klub der Altliberalen", alias Union. Es ist eine (offenkundige Tatsache, daß diese Griuppe, die sich aus> demokratischem Gernegroß t um in oller Bescheidenheit die „Mehrheit" nennt, diese ihre Mehrheit oller bestenfalls gerade noch zu Beginn einer Sitzung beisammen hat, eine Stunde später schon laicht mehr. Die Regierungsfähigkeit dieser Gruppe wird lediglich durch einige Nachtwächter aufrechterhalten, die das Ehrcnpunt übernehmen, bis zum Schluß der Sitzung auszuharren. Von einer Klubdisziplin ist bei dieser Gruppe nichts bemerkbar. Daß ein solcher Klub auch seinen eigenen Bundesgenossen hereinfallen kann, 'zeigte sich in der Mittwochsitzmig, und zwar überraschenderweise gleich zu Beginn, noch vor dem Eintritt des traditionellen Wegschleichens der Unionisten aus dein Sitzungssaal.- Im Einlauf befand sich ein Einladungsschreiben der Pester Neologengetneinde zu ihren Jubiläunisfeierlichkciten. Stricker brachte beim Verlesen dieses Stückeis den Protest der Zieiüsten gegen eine deputative Beteiligungan Feierlichkeiten der Budapester Gemeinde vor, wobei er die jüngste Schandtat des Budapester Gememdovorstandes, den in der numerus clausus-Frage der Horthy-Regierung geleisteten öffentlichen Beistand zum Besten gab. Melirere Union-Redner traten dem entgegen. Genosse Dr. Glanz wendete sich zunächst gegen die Zionisten mit dem Bemerken, daß, wenn jüdische Angelegenheiten im Weltmaßstab besprochen werden sollen, dann müßten in allererster 'Linie die 'ZionQslen für die im sogenannten Ausgleich in Polen begangene Schandtat zur Verantwortung gezogen werden. Der vorliegende Anlaß sei zu einer politischen Erörterungall weltlicher jüdischer _ Probleme viel zu geringfügig, seine Partei sei gegen ein© deputative Beteiligung und an dieser Frage gänzlich desinteressiert. Die politische Abrechnung mit unseren Gegnern gehöre in eine andere Debatte. Gegen einen Brief, der der Pester Judengemeinde, nicht dem Vorstand, .eine günstige Entwicklung wünsche, könne niemand etwas einwenden. Hierauf geschah etwas für den Kultusvorstand Typisches, Gewohnheitsmäßiges. Irgend ein Regisseur der Union der sich des Sieges sicher fühlte, rief: „Abstimmen", obwohl gar kein Antrag im Sinne der Geschäftsordnung vorlag, auch Stricker gar keinen Antrag gestellt hatte, sondern sich mit der Einverleibung seines Protestes ins Protokoll begnügen wollte. Der Präsident ließ jedoch gleich abstimmen, gewohnheitsmäßig hoben sich 15 Hämd?, der Antrag, der kein Antrag war, war unterlegen. Darüber größte Bestürzung der Unionisten, Couleurscliacher, endlich Sitzungsnnterbrechung. Sodann erschien wieder die „Union", und gab a,bermals im Namen der in der Minderheit gebliebenen „Mehrheit" eine Protesterklärung gejge'n die Vorstandsmitglieder ab, die zu einem solchen Budapester Gemeindevorstand keine Deputation entsenden wollen. Der Protest endete in folgendem lapidaafen Satz: „Gleichzeitig ist ©a der Wunsch der „Mehrhei t", daß die Sitzung geschlossen werde." Da die wirkliche Mehrheit im Saale den verunglückten Unionisten ihren Leidentrost nicht mißgönnte, wurde die .Sitzung geschlossen. Man entfernte sich, 'ohne von der Tagesordnung der zwei •Sitzungen (öffentlichen und vertraulichen) auch nur einen Punkt erledigt zn haben. Die Zionisten versuchen natürlich in der Tagespresse, aus ihrer billigen Heidentat neuen Nimbus zu gewinnen), der die Tarsache verdecken ,s'oll, daß sie abgewirtschaftet haben. Sie werden sich-auch nicht durch Demonstrationenretten. Die wirklichen Interessen der jüdischen Bevölkerung werden durch solche Manjöver nicht verdeckt werden. Die ganze Welt weiß heute, wie die Zionisten die jüdische Würde behüten, wenn es* auf sie allein ankommt. Aus unserer Organisafion. Abendkurse. Die Abendkurse für jüdische Arbeiter und Angestellte sind heuer feierlich eröffnet werden. Im Lesesaal des Arbeiterbeims versammelten siefh |sämtliche Tei'linphmer. Die Wiener Kultusgemeinde war durch den Vize-Präsidenten 'Herrn Dr. Ohrenstein, vertreten. Die „Vereinigung für soziale Tätigkeit" hat .Gen. Dr. Glanz delegiert. Die Anwesenden begrüßte in herzlichen Worten Gen. Singer, der auch auf die spezielle Bedeutung der Bildungskurse für die jüdische Arbeitersc|haft hinwies. Als Vertreter des Lehrkörpers spraejh Ing. Orünjbetrg über die Wichtigkeit der fremden Sprachkenntnisse im' Zusammenhange mit der Emmigration. Als letzter ergriff das Wort der Lehrer der hebräischen Sprache, Prof. Gelernter, welcher seine Lehrmethode skizziert hat und einen warimen Apell an die Zuhörer richtete sich voll und ganz dem Unterrichte zu widmen. Mit der Festsetzung des Lehrplanes ist die schöne Feier beendet worden. Versammlung. Der Bericht über die VII. Weltikonferenz des allweltlichen jüdischen Arbeiterverbandes Paole-Zion ist in einer jaan 7. November abgehaltenen Mitgliederversammlung vom Gen. Dr. Glanz erstattet worden. Der Referent hat die in der Konferenz aufgetauchten Probleme einer Prüfung unterzogen, die Stellung der Landesparteien zu den einzelnen Fragen genau geschildert. Die vollste Aufmerksamkeit hat, der Referent der Vereinigungsfrage gewidmet. Der strittige Punkt, die Sprachefrage, hat diesmal durch die entgegenkommende Haltung unserer *Palä.stinagenossen eine glückliche Lösung gefundein. Es wurde auch zu den Fragen des XIV. Zionisten-Kongresses in klarer und deutlicher Weise Stellung genommen. Ueberhaupt stand die Konferenz im Zeichen der Konsolidierung und praktischen Arbeit und kann von diesem Standpunkt aus als erfolgreich bezeichnet werden. Verein der Freunde des arbeitenden Palästina. Der Verein der Freunde des arbeitenden Palästina hatte für Samstag, den 11. d. M., die erste Werbeversammlung einberufen. Trotzdem die Versammlung internen Charakter trug, erwies sich doch der große Saal des Arbeiterheimes für die Versammelten als zu klein. Den Vorsitz führte Gen, Schüler (Hechalutz). Als erster referierte Gen. Singer, welcher die Aufgaben des' Vereines skizzierte und zur gemeinsamen intensiven Arbeit aufrief. Dr. Steinberg (llitachdudth) zog eine Parallele zwischen der vierton Alijah und der produktiven Leistung unserer Kwuzoth. Als letzter wies Gen. Bier er (Hechalutz) /dio Vorteile einer geregelten vorbereiteten Massenemigration nach, gab ein Bld der durch unsere Institutionen geführten Aufbauarbeit (Hainaschbir, Solei boneh, P. A. F.) und sprach den Wunsch aus, daß der Verein der Freunde des arbeitenden Pallästina, eine Vertretung der Histadruth Haowdim Palästinas im Gohrs werde. Nach den Aiisführunjgen ^dor Referenten haben viele Genossen den Beitritt erklärt und sich zur aktiven Mitarbeit gemeldet. F. Abonnenten für „Unsere Tribüne" werben, heißt Mitkämpfer für unsere Bewegung gewinnen. Eigentümer, Verleger, Herausgeber iundi verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glanz, Rechtsanwalt, Wien, XVIII., Weimarer&tr. 19/10. — Druck: „Adria", Wien, IL, Taborstr. 52b.

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