Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 12 (06.10.1925)
- Date
- 1925-10-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Unsere Tribüne i Nr 12 ,ter kann aber nicht umhin, darauf hinzuweisen, daß durch Üas Verbot der notwendigen Ueberwandenmg aus Lände» mit überschüssiger Bevölkerimg in Länder mit größeren Arbeitsmöglichkeiten, die Frage der Arbeitslosigkeit ihrer Lösung nicht zugeführt werden kann. tt>as . Bestreben menschenarmer .'Bevölkerungen, reiche Zentren allein zu besitze», entspricht nicht dem interinationälen System, zu dem die Kräfte unserer jOrganisatien jangestrengt worden sind, ein solches Bestreben kann in seiner Ausführung eine neue und schwere Kriegsgefahr bilden. Der Kongreß will damit nicht sagen, 'daß die Wanderung dem Zufall individueller Interessen preisgegeben werden soll, er meint im Gegenteil, daß die PUeberwariderung von Bevölkerungsteileri auf breiter inter- Mjationaler Basis organisiert werden soll." Und jetzt ein •Zusatz: „In den diesbezüglichen Verhandlungen zwischen verschiedenen Staaten müssen dem fremden Arbeiter idie gleichen Arbeitsbedingungen gesichert werden wie 'den Arbeitern der Einwanderungsländer." Und zum .Schluß: „Der Kongreß beschließt, die Gewerkschaftsinternationale aufzufordern, gemeinsam mit der sozialistischen ^Arbeiterinternationale das Problem gründlich zu erforschen, um zu konkreter und genauer Durchführung zu gelangen." Zum Punkt, der verlangt, daß das ökonomische Regime der Kolonialländer und vor allem der Mandatsländer, nicht dem Egoismus der Metropolen übergeben werden soll, sondern unter eine wirklich internationale Autorität gestellt' werden soll und unter die des Völkerbundes, wurde der zweite Zusatz von Jahrbhim angenommen, daß die soziale Gesetzgebung auch auf diese •Länder ausgedehnt werden soll. . In der Erziehungskommission hielt Ben-Zwi eine; Bede über die Kulturtätigkeit der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas. In der Kommission für Osteuropa schhig >Jahrblum zum Punkt 3, der von den Rechten der national nicht konzentrierten Minderheiten . spricht, einige Verbesserungen vor, die der Referent Otto Bauer inicht akzeptieren wollte. Dort heißt es, für die nicht konzentrierten Minderheiten muß Gleichberechtigung, freies Benützungsrecht ihrer Sprache und Entwicklung ihres Schulwesens und ihrer Kultur verlangt werden. Nach 'Jahrblum sollte es hier nun heißen: „freies Benützungsrecht der Spräche im öffentlichen Leben und Entwicklung, (ihres Schulwesens auf Rosten des Staates lund 'der Gemeinden." In seiner Erklärung verwies Jahrblum Idarauf, daß im privaten Leben die Juden ja ihre Sprache benützen und ihre Kultur schaffen können, nur (der Staat gebe dafür kein Geld her. Die Juden seien gezwungen, für ihre Schulen Spenden zu sammeln, per polnische Delegierte, Deputierter Niedzialkowski erklärte, für diese Verbesserung stimmen zu wollen. Der Referent Otto Bauenjedoch wollte diesen Zusatz nicht (annehmen, indem er erklärte, daß' erstens , die Resolution sich häuptsächlich mit der Frage der Kriegsgefahr pm, .Osten beschäftige und nicht mit den Einzelheiten der Autonomie und zweitens sei es noch eine offene Frage,, wer die Minderh'edtsschule erhalten müsse. Angesichts dieser Situation zog; Jahrblum seinen Zusatz zurück, inidem er erklärte, ihn der Kommission für nationale! Minderheiten übergeben zu wollen, was das Büro der , Internationale auch bestimmt hat. Otto Bauer erschien als der alte Gegner der jüdischen Autonomie. Besonders konnte sein erstes Argument, die Resolution beschäftige sich hauptsächlich mit der Kriegsfrage und könne daher nicht von konkreten Einzelheiten sprechen, 'die Wirkung einer Verwerfimg des Zusatzes teuf Resolution haben. Auch Abramowitsch war der Ansicht, man müsse den Zusatz zurückziehen und ihn der ^Kommission für nationale Minderheiten übergeben. Im ganzeri hat die Poale-Zioh-Del'e%ätion ungeachtet ihrer geringen Zahl aktiv und frudhtbar' in den Kommissionen des Kongresses gearbeitet. Palästina erhielt 4 Stimmen auf dem Kongreß, d. h. bereits einen Sitz im Exekutivkomitee. Jetzt nach der Vereinigung mit Zeire-Zion wird der Kongreß sich mit der Möglichkeit einer Vergrößerung der Stimmenzahl für die Palästina- Delegation beschäftigen müssen. M. Singer: Nach der siebenten Konferenz unseres Weltverbandes. 1. Der siebenjKin Konferenz unseres Weltverbandes haben viele unserer Genossen mit Bangen entgegengesehen. Wir waren uns alle darüber klar, daß die Situation der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina die Konsolidierung der Kräfte des proletarischen Zionismus in den Golusländern zur dringendsten Aufgabe macht. Die Vereinigungsfrage mit den Zionisten-Soziaiisten (Zeirej-Zion) mußte endgültig gelöst werden, wenn die Zusammenarbeit der Golusparteien mit der palästinensischen Landespartei nicht völlig unterbunden werden sollte. Da die Vereinigung in Palästina selbst seit Jahren Wirklichkeit geworden, war, ergaben sich fortwährend, durch den Umstand der getrennten Parteien; in den Golusländern, ungeheure Schwierigkeiten. Eine Ablehnung der Vereinigung mit den Zionisten-Soziaiisten müßte zu Spaltungen und zur Desorganisation innerhalb unseres Weltverbandes führen. Das würde aber eine Konsolidierung der Kräfte des proletarischen Zionismus unmöglich machen. Eine Schwächung unserer Gesamtbewegung jn den Golusländern und in Palästina wäre die Folge. Das heiße den arbeiterfeindlichen Elementenr im Lager des bürgerlichen Zionismus die Arbeit erleichtern, die jüdische Arbeiterschaft Palästinas und ihre ruhmreichen Schöpfungen den nichtsozialistischen Arbeitergruppierungen ausliefern. Das würde bedeuten, unsere schwer errungenen Positionen in den Siedlungen und Genossenschaften der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas ins Wanken zu bringen. . Das mußte verhindert werden. Deshalb ist die Vereinigung mit den Z ioni s t en,-Soz ia 1 i s t e n i m ' JVt^l^eh^Z^ei t p'un Ifte"z'if ei ne r unumgänglichen Not wendigkei t geworden. IL ( Daß die Vereinigung unvermeidlich sei, sahen wohl die meisten Delegierten ein. Nun galt es für die Vereinigung eine für beide Teile annehmbare Grundlage zu schaffen. Es mußten auf beiden Seiten Schwierigkeiten verschiedener Art überwunden werden. Auf beiden Seiten gab und gibt es zweifellos Teile, bei denen die Trennungsmomente die Momente, die eine Vereinigung zur Pflicht machen, überwiegen. Aber die Tatsache, daß die einigende Formel endlich .gefunden wurde, beweist einwandfrei, daß die überwiegende Mehrheit beider Lager zur Einsicht gelangt, daß das ihnen gemeinsame fm jetzigen Zeitpunkte dominierend ist. Das soll nicht besagen, daß alle Meinungsunterschiede geschwunden seien, sie sind nur als so gernig im' Vergleiche zu den gemeinsamen Bestrebungen erkannt worden, daß ein weiteres Bestehen selbständiger Parteien sinnlös geworden ist. Die Resolutionen der Vereinigungskonferenz, die übrigens von denen der siebenten Konferenz unseres Weltverbandes unwesentlich abweichen, bilden zweifellos eine geeignete Grundlage, die eine gemeinsame Tätigkeit, trotz abweichender Anschauungen, ermöglicht. ,Tipni Loew enthai: „Aus Palästina". Zwei Gedichte. } L Ich reite nach Jaffa heute Nacht lauf meinem Pferd Mohameid, ' Bas einen weißen Sattel hat. ' Siehst du das Feld, Iftas aus [Mondsteinen ist,;' iäort hat mich mein Freund Elieser geküß'tj;; schneller, mein Pferd, durch die Disteln l * iVor uns das nächtige Kürbisfeid : ist von Grillengezirpe erfüllt, hinüber zum Mond, Mohamed, hirtübjer zum roten Mond! 1 Hinter den. Gittern geistert ein fahlgelb* warte nicht Elieser ms Zuckerrohr :s Zelt he*vor; II. Wir saßen im Geddd und jeder schrieb ai Aichabi wusch sich der war auf einmal im Zrif einem andern Brief, hebevoll den Kopf, aaschahaft umwunden. Samuel schlief mit Issatschka starrte \ O dieser Russe leuchtet Er war ein Edeurunn, Sein herrliches Gesipht sonst Arbeitsbrand war heute Abend fchl, Schakale heulten in ■ »ffenem Munde, sich hin. auf in mir! ein Bauer, ein Vezier. und Stahl, gedankenübermannt. Dann schliefen mein > müden Steinbruchhänen. den Sternendünen.' Die Tatsache der Konsolidierung unsere^ß^we^ung muß von allen Genossen mit aufrichtiger Fredde b& .grüßt werden. .- " . III. ■ •:. . : " Wenn auch zugegeben werden muß, daö die . Vereinigungsfrage für uns von großer Bedeutung ist, muß dennoch bedauert werden, daß sie die ganze Energi« der siebenten Weltkonferenz absorbiert hat. Das dürfte, auf keinen Fall geschahen und muß. als Passivum unserer Weltkonferenz gebucht werden.; Der XIV. Zionistenkongreß wurde von allen E»- geweihten Monate vorher als Kongreß des scharfen Klassenkampfes angekündigt und ich glaube behaupten zu dürfen, daß die Arbeiterschaft auf diesem Kongresse viel weniger Disziplin und Kampfentschlossenheit als auf den vorhergehenden Kongressen an den Tag gelegt hat. Das ist zum großen Teile darauf zurückzuführen, daß unsere Genossen nicht genügend vorbereitet waren. Es war allen proletarisch-zionistischen Gruppierungen klar, daß eine der wichtigsten Aufgaben im jetzigen Momente, die Ausgestaltung. des Finanzinstrumentes der Arbeiterschaft Palästinas sei, aber gerade auf. diesem Gebiete haben wir uns eine nicht zu rechtfertigende Leichtfertigkeit zuschulden kommen lassen. Der Beschluß unserer siebenten Weltkonfcrenz, den Palästina-Arbeiter- Fonds in den Besitz der „Histadrut" zu übergeben,) sei wohl zu begrüßen, aber das darf ja bloß als .Voraussetzung für eine gedeihliche Arbeit gewertet werden. Für die Organisierung der eigentlichen Tätigkeit für das arbeitende Palästina wurde blutwenig unternommen. Die zweite Konferenz für das arbeitende Palästina stand meiner Meinung nach nicht auf der gebührenden Höhe. Und auch das muß leider auf unser Konto gebucht werden. Wir haben bereits auf der ersten Konferenz die Wahrnehmung gemacht, daß die Organisation 'für das arbeitende Palästina) nicht viel mehr haben kann, als wir ihr geben. Und wir haben dieser wichtigen Konferenz diesmal sehr wenig an Aufmerksamkeit und Geist gewidmet. Drittens sollten wir begreifen, daß angesichts der Vereinigung die organisatorischen Aufgaben des Weltverbandes an Bedeutung gewinnen müßten. Die bis jetzt getrennten Parteien müssen in eine emhejftUche Bewegung eingereiht werden. Das ist hauptsächlich ein organisatorisches Problem. Aber die siebente Weltkonferenz bewies ein geradezu abschreckendes "XTnverständnis für organisatorische Angelegenheiten. (Als Kuriosum will ich anführen, daß in der Weltkonferenz kein Kassabericht abgegeben und von keinem vermißt wurde.) Die siebente Weltkonferenz ist meiner Meinung nach vielen ihrer Aufgaben nicht gerecht geworden. IV. Was nun? Was Idie Weltkonferenz nicht vollbringen konnte," wird das Verbandsbüro, wird jede Landespartei zur Durchführung bringen müssen. Wir werden mit großem Interesse die Entwicklung in der zionistischen Bewegung verfolgen und unsere Stellung zur zionistischen Organisation prüfen müssen. Wir dürfen es nicht zulassen, daß wir ganz einfach beiseite geschoben werden, wie es auf dem XIV. Zionistenkbngresse teinigemale der Fall war. Wir werden große Aufmerksamkeit und viel Energie dem Ausbaue unseres selbständigen Instrumentes — det Organisation für das arbeitende Palästina — widmen müssen. Die Organisation für das arbeitende Palästina sollen wir als unsere devensive Rückzugsstellung betrachten. Wir müssen in unsere Parteien mehr Verständnis und mehr Sinn für organisatorische Tätigkeit tragen. Die organisatorische Tätigkeit allein bietet die Gewähr, daß wir im gegebenen Augenblicke in der Lage sein werden, den Kampf für die Verwirklichung unserer Losungen aufzunehmen und durchzuführen. Nur wenn die Landesparteien auf gesunder Organisator! sc her Grundlage errichtet sein werden, werden sie in der Lage sein* dem Verbändsbür» die Erfüllung seiner Aufgaben zu ermöglichen. , Noch ist es nicht zu spät, das von der siebenten Weltkonferenz versäumte nachzuhblien. Komitee für das arbeitende Palästina in Wien. Das „Komitee für das arbeitende Palästina" in -Wieß hat seine Tätigkeit wieder aufgeaalommien. Im Sinne' dw Beschlüsse der lümfecreiniz für das arbeitende Palästina wü-d in den nächsten Monaten ein Verein der Freund« des arbeitenden Palästina g^rünjäefc uind. eine Aktion für dien P. A. i\ und den Solel-Bonch orgamisiert werden. Alle. Genossen und Freunde wemden gebetesa, «ich. dem Komitee zur Verfügung zu stellen.