Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 12 (06.10.1925)
- Date
- 1925-10-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V.b.b. Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und! 7 Administration:^ Wüen, IL» BMn&werUastfe Postscheckkonto Nr» 3&042 Bezugspreis: vfcWeljähMfc.S 12.- haHtfSfortg . . 24.- Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 12. Wien, 6. Oktober 1925. '& Jahrgang. -r* ''T"^'" ^f1 r'iHM'TYii Die schwarze Hand. Die Schurkenstreiche des Misrachi in Palästina. Die toratreuen Zionisten, die misrachistisdheti Heuchler haben immer beliebt, von der sozialen Gerechtigkeit der Bibel zu faseln, mit besonderer Vorliebe pflegten sie den Arbeitern, den „vaterlandslbsen Gesellen", „nationalen Verrat" vorzuwerfen. Und nun können wir in den letzten Monaten ein hübsches Kapitel des Anschauungsunterrichtes der „sozialen Gerechtigkeit" und des „nationalen Patriotismus" dieser religiösen Huchler wahrnehmen. Der „Misrachi" marschiert in Palästina an der Spitze der Feinde der Arbeiterschaft. Die Zerstörung der Histadrut, die nahezu alle Arbeitenden des Landes umfaßt, ist geradezu ein Programmpunkt des Misrachi geworden. Die „Thoratreuen" scheuen vor keinem Mittel zurück, um diesen Punkt ihres Programme© zu erfüllten. (Sie organisieren Streikbrecher, verleumden die Arbeiterorganisation und ihre Führer auf die niedrigste Art, sie denunzieren die' Arbeitervertreter und erreichen, daß viele von ihnen monatelang im Gefängnis schmachten müssen. iUnd all das im Namen der Religion, der sozialen Ideen der Bibel. Das misrachisrische Gesindel in Palästina hat sich sogar -getraut, den Schiedsspruch 'eines Gedichtes, das 'mit ihrer Zustimmung-, unter Vorsitz; des Kolonel Kish eingesetzt wurde, abzulehnen. Man mußte die größten Autoritäten einsetzen, um sie ,zur Annahme dieses Schiedsspruches zu bewegen. Aber kaum einige Wochen nach der Fällung des Schiedsspruches, der das niederträchtige Treiben der Misrachisten in Palästina vor der jüdischen Oeffentlichkeit gebrandmarkt hat, unternähmen die religiösen Heuchler einen neuen schurkischen Streich. Die Herren Misrachisten vermuteten — und 'nicht mit Unrecht — daß man unter dem Regime des jetzigen Oberkommissärs General Plümer den Verleumdungen, gegen Arbeiter zugänglicher sein wird. Und so haben sie es erreicht, daß auf Grund ihrer Denunziation bei einem völlig unbedeutenden. Anlasse englische und arabische Polizei jüdische Arbeiter in Chaifa und Umgebung überfielen und rücksichtslos gewütet haben. Auf . offener Straße hat man eine Jagd auf Arbeiter veranstaltet, sie geprügelt, in Fesseln gelegt und in den Arrest geschleppt. Kranke hat man aus den Betten ins Gefängnis gezwungen. .Unter dem Verwände der Ausnahmsgesetze haben die von den Misrachisten. auf die Arbeiter gehetzten Polizisten, die Arbeiter wie Schwerverbrecher behandelt. Ob dieser niederträchtigen Tat des Misrachi und des unmenschlichen Verhaltens der Polizei geht eine .Welle! Selbsthilfsorganisation jfiäfscher Ar- ■ [ gelter und Angestellter ^lÜT$£Ti l i .Ii in.....in ....... « . .i I ji Am 1. November werden unsere *p! AÖEND-KURSEI! # i eröffnet. .1; Der Unterricht umfaßt folgende Gegenstände:! { Sprachen: Hebräisch, jiddisch, deutsch, ■; englisch. ■ | Wissehsctfait; 'Jüdische Geschichte; Physik ■; ijnä. Chemie im täglichen Leben; Soziologie; ■ i Pa$stjna, Land und Leute; Buchhaltung und i | Rechnen. 'S ' Einschreibungen ab 10. Oktober jeden Abend!! von 7—9 Uhr. i der Empörung durch die jüdische Arbeiterschaft Palästinas. Ein. ordentliches englisches Gericht hat inzwischen die Unschuld der verhafteten Arbeiter verkündet, aber die "Roheit der Polizei muß gesühnt und idem Misrachi muß dieses niedrige Handwerk gelegt werden. Die bürgerliche Presse — die „Wiener Morgenzeitung" inbegriffen —, die bei. den geringsten Anlässen über den Terror der Arbeiter Zeter und Mordio schreit, enthält sich jeder Aeußerung. Aber die Herren (des! Misrachi mögen sich in acht nehmen. Wenn sie fortfahren werden, sich solcher Kampfmittel zu bedienen, wird die jüdische Arbeiterschaft zu entsprechenden Abwehrmaßnahmen greifen. Wenn die schwarze Hand der religiösen Heuchler die Arbeiterschaft fortgesetzt herausfordern wird, werden sie die Kraft und die-Wucht der Arbeiterfäuste zu spüren bekommen. Das Verantwortungsgefühl der jüdischen. Arbeiterschaft gemahnt sie zu äußerster Vorsicht. Aber die Geduld der Arbeiterschaft ist zu Ende. Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina und in den Golusländern wird :$hr Recht und ihre Würde zu verteidigen wissen. Die schwarze Hand sei getarnt! j^'......j]^^ | 1 Einer unserer führenden Genossen, der sich große Verdienste um unsere Bewegung erworben hat, ging dahin. "Leon Chasanowitsch war einer der fähigsten Jünger und Mitarbeiter unseres Führers Borochow. Er verstand es, die Lehre des Poale-Zionismus den »Massen der jüdischen Arbeiter mundgerecht zu machen. Er war einer der ersten äußerst talentierten Populärisatoren unseres Gedankens in Wort und Schrift. Es war in erster Reihe das Verdienst des Dahingeschiedenen, daß wir in Galizien und in der Bukowina richtige Massenpärteaein aufweisen könnten. Chasanowitsch war vielseitig". Er hat sich nicht weniger mit der Frage der jiddischen Sprache und Kultur (Czerhowitzer Sprachkonferenz) 'als mit dem Probleme der jüdischen Kolonisation (Kajppf gegen die I. K. A. in Argentinien) befaßt. Er war ein Mann von schöpferischer Initiative. Er war einer unserer begabtesten Journalisten lind zählte zu den gewagtesten und beliebtesten Rednern. Im Kriege hat er sich' große Verdienste um unsere Aufnahme in die sozialistische Internationale erworben. In den allerletzten Jahren war Chasanowitsch in unserer Bewegung nicht aktiv, er hat sich der Tätigkeit der Produktivierung der jüdischen Massen zugewendet und seit Monaten hat er in Karpatht>-Rußliand im Auftrage der Gesellschaft „Ort" unter de[ dortigen Bevölkerung gewirkt. In Bolchovice, einem Dorf in Karpathorußliand mit einer überwiegend jüdischen Bauernbevölkerung, hat Leo Chasanowitsch der Tod ereilt.; Leo Chasanowitsch hat sich einen würdigen Platz in der Geschichte des Poaleziopismus gesichert. Wien, I., Schulerstraße 118, Tel. 73-2-41 liefert gegen TEILZAHLIfN« Schuhe, AnzOge, Kleider, M&ntel, Dimtn-Modell hüte, Wische, statt. Weißwaren, ferner Stoffe, Seide usw. M. Jarblum: Die Poale-Zion-Delegation auf dem Internationalen Sozialistenkongreß itt Marseille* Offiziell als Delegation Palästinas, faktisch aber als Delegation des Weltverbändes Poale Ziöh, tetand sie bloß aus 3 Personen, Ben-Zwi, Palästina, M. Janrblum, Paris, -und. Dr. Sokal, Wien. Dies trotz) des Rechtes auf ir Mandate. Dies hat sdbstVerstäridlixih die Axbeit in den Kommissionen', die oft zur s^ben Zeit tagend sehr erschwert. Mit großer Mühe gelang es aber sloch; sich fast an allen Arbeiten in allgiememeh: Fragen z& b'eteibgen und wo es not tat, auch speziell jüdiseWei Angelegenheiten zu berühren. Die erste Frage, die uns berührte, war eine orgän# satörisch-finanzielle. Das 'Büro der Internationale toat" die angeschlossenen Länder in drei Kategorien eiaxgeteut; die ihren MitgEedäb'dtrag in einem bestimmten Ver-j hältnis zur Valuta ihres Landes entrichten' soHien. Palästina figuriert in der ersten Kategorie zusarnmeA rm£ England und Amerika und noch' einigen, reichen Lände*n> in der zweiten Kategorie stehen Länder mit mi^ltmäßiig«r Valuta wie Frankreich, Belgien, und in' der letzteii - Deutschland iiiid die sfeftf^ klärte nun, däß der Weitverband Poafe Zion, den Pialästina vorstellt, aus Mitgliedern der Länder aller dre| erwähnten Kategorien besteht, deshalb sei es Um Platzte; Palästina in die 3. Kategorie dnzurdhen. 'Dieser Vorschlag würde angenommen. Dann kam die Frage der Zeire Zion, die sich nocfi vor dem Kongreß an das internationale sozialistische Büro mit der Bitte um Aufnahme in die Internationale gewendet hatten. Das Gesuch wurde dem Maridatskomitee des Kongresses übergeben, das sich an die Podle-Zion.- Delegation wendete. In deren Namen erklärte Genosse Sokal, daß die Zeire-Zion sich mit Poale^ZLon. vereinigt haben und damit diese Frage erledigt sei. vAußerdem gaben die Genossen Ben Zwi, und Jahrbmm dem Vorsitzenden der Mandatskommission Krisrjien sowie 'Fritz; Adler die nötigen Auklflärungen.;, Im Namen der Mandatskommission erklärte Krispien, im Plenum des Kongresses folgendes über diese Angelegenheit: „Die Kömmission hat das Gesuch der Zeirefr Zion Um Aufnahme in die Intematiönale behandelt; das Gesuch ist schon lange beim Büro eingelangt, jetzt aber ist die Vereinigung der Zedre-Zion mit der Peale-Zioni unter dem Namen „Allweltldcher jüdischer Arbeiteryerband Poale-Zion (vereinigt mit dem Z. S. Verband) istt einem Verband zustandegekommen. Damit ist diese Frage erledigt. Diese Vereinigung stellt einen Fortschritt dar; den wir mit Freuden begrüßen 'und ein Beispiel, das andere Länder nud Parteien nachahmen mögen". In der Kommssiioh für den achtstündigen Arbeitstag schlug Genosse Ben-Zwi 'vor, es möge statt Samstag nachmittag heißen, die Arbeitsruhe beginne am Nachmittag vor dem Feiertag jedes Volkes, mit der Begründung, daß in Palastina die Araber Freitag,, die Juden Samstag ruhen. Der Antrag wurde von der Kommission nicht angenommen, jedoch gab der Vorsitzende der Kommission, Tom Shaw, in der Plenarsitzung eine diesbezügliche Erklärungab. In der Kommission über die Arbeitslosigkeit brachte Gen. Jahrblum zwei Zusatzanträgie ein, den ersten zum Punkt Emigration. Es wurde ein Zusatz der palästinejöl sischen und belgischen, Relegation angenommen, wonaidjj die Arbeitergesetze auch auf die fremden Arbeiter fun'd1 Emigranten Anwendung finden sollen. In ihrer ©nd' gültigen Fassung lautet die Resolution: „Der Kongreß, kann sich jetzt nicht mit dem gründlichen Studium" des Problems der Ein- und Auswanderung befassjejna