Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 11 (15.08.1925)
- Date
- 1925-08-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Unsere Tribüne Nr. 11 -TfitfTIl -| tll-ifttl «des Wegebaues iisw. tragen soft, Särihril steb „vorläufig1* gelöst werden. Die Art dieser*' Losung' birgt" in. si£h •die Gefahr immerwährender Verzierungen. Jede Förderung nach einer der erwähnter! Ausgaben di,e eine Siedlung stellen wird, wird in jedem einzelnen Falle behandelt werden müssen. Sie kann angenommen oder auch abgelehnt werden. Diese Unsicherheit bedeutet eine große Gefahr für das Gedeihen unserer landwirtschaftlichen Tätigkeit, und sie muß von Grund aus geändert werden. Es muß eine endgültige Funktionsverteilung zwischen Keren Hajessod iund N. F. festgesetzt werden. Von vornherein muß feststehen, welche. Mittel zur Ansiedlung notwendig sind, für welchen Teil der Ausgaben der K. H. und für welchen der N. F. aufzukommen hat. Der Siedler darf nicht in die peinliche Situation geraten, daß er nicht weiß, ob er zwecks Erlangung der für. die Ansiedlung notwendigsten Mittel sich an den N. F. oder an den K. H. zu wenden hat. 6 Der vierte Punkt weist dem Kongreß die Aufgabe zu, die Grundsätze der Bodenpolitik der Zion. Org. festzusetzen, die für alle ihre Institutionen und auch für die Kolonien, die irgendwie die Bodenpolitik des Landes beeinflussen können, verpflichtend sein soll, festzusetzen. Der Grundgedanke dieses Punktes ist zweifellos richtig, aber anstatt des abstrakten Wunsches, daß der Kongreß Grundsätze festlegt, wäre es viel praktischer, konkrete Vorschläge einzubringen, damit man weiß, was mit diesen Grundsätzen beabsichtigt wird. Vielleicht würde es auf diese Weise gelingen, der immer weiter um sich greifenden Landplage der vielen Agenturen zur Vermittlung von Bodengeschäften, die die Öffentlichkeit irreführen und die Neueinwandemden rücksichtslos ausbeuten, Herr zu werden. Per folgende Punkt behandelt die Notwendigkeit •einer Zusammenarbeit der wirtschaftlichen'Institutionen im! Lande, und1 es ist abermals nicht klar, was damit gemeint ist. Eine zentrale Instanz des N. F., K. H. und der Banken ist gewiß besser als nichts, aber die öffent- ■ liehe Kontrolle über das Wirken dieser Institutionen und ihre gegenseitigen Beziehungen wird dadurch nicht er-, reicht werden, , Wenn greifbare Aenderungen in unserer zionistischen Tätigkeit, besonders in denjenigen Zweigen, in denen völlige Anarchie herrscht, die eine Gefahr für die Er- . reichung unseres Endzieles bedeutet, herbeigeführt weriden sollen, müßte man gründliche Arbeit leisten und sich nicht mit Paliativen begnügen. Eine derartige zentrale Institution müßte alle in der Kolonisation tätigen und ihr nahestehenden Kreise, sowie Vertreter der am I ' {Gange der Arbeit •unmittelbar Interessierten erfassen, damit die national-gesellschaftlichen Interessen wirklich gewahrt werdenkönnen. Es wäre unzulässig, daß zu dieser Institution keine Vertretung des Waad Leumi und der organisierten Arbeiterschaft zugezogen werdien. Die P. J. K. A. als kolonisatorisch tätige Gesellschaft soll übrigens auch herangezogen werden. Sollten ihre Vertreter im Lande nicht zustimmjen, dürften wir es dennoch nicht; jaufgeben und ,uns /unmittelbar an ihre Führer im Ausland, wenden. Zum siebenten Punkt, der die Verknüpfung, der Sammeltätigkeit der zionistischen Fonds behandelt, muß der Verbindung der Propagandaarbeit des Nationalfpnds mit idem K. H. widersprochen werden. Jeder dieser Fonds hat seinen eigenen Weg zur Verwirklichung seiner speziellen Aufgaben und man soll ihre Propagandarn ethoden nicht yennengen. Es gibt hiefür weder einen finanziellen noch einen anderen Anlaß. Was wirklich notwendig ist, ist die Schaffung einer gemeinsamen Instant des N. F. und des K. Hi., welche die Tätigkeitsgebiete! und Methoden beider Fonds abzugrenzen und darüber zu wachen hätte, daß sie nicht in Konkurrenz gegeneinander geraten. Als Vorbedingung betrachten, wir die A^nderung der Haltung des N. F. der öffentlichen Meinung gegenüber. Aufrichtig schließt das Programm mit der Bemerkung, daß es noch der grundsätzlichen Zustimmung der Ejssfcutive. bedarf. Aber die Verfasser irren, wenn sie glauben, daß die am Bestehen und der Entwicklung des N.,(F. .direkt Interessierten sich von jeder Einflußnahme bes^iftgen^assen werden. .- A. Harzfeld, •••■•••■•■■«•«■■■■■•■■«^••■■■■■■«■■■«■■■«■■MMtiiiiMRMMaN Um:-; ü: ..- 'm(«. ,,' - : ' . ■ ■ ■ ,; Abonnenten für „Unsere Tribüne11 werben, helM Mitkämpfer für unsere Sewegung gewinnen. ^uv><^|.v^i_ß B< J. Täbertkin:<* Die Klassengegensätze in der Kolonisationstätigkeit In der letzten Zeit wird viel über d.ie# neue 'Situation im Zionismus und in Palästina gesprochen. Man versucht von verschiedenen Seiten die Bedeutung des einwandernden Privatkapitals einzuschätzen, auf die damit verbundenen Gefahren hinzuweisen und die Beziehungen zwischen den Arbeitern und der Privat-,,Initiative" zu klären. Dieses Problem verdient zweifellos eine gründliche Erörterung. Was ist der Charakter und das Wesen dieses privaten Kapitals? Wandert es wirklich ein, bekundet es wirtschaftliche Initiative oder ist es abermals eine Einwanderung von Privatkapitalisten, die für sich nationale Mittel beanspruchen? Jeder Versuch, die neue Situation objektiv zu würdigen, bringt verschiedene Meinungen und Zweifel zutage, aber was für uns alle feststeht, ist der Gegensatz-' zwischen dem Arbeiter und dem Besitzenden bei der Verwirklichung der zionistischen Kolonisation in Palästina. Es ist klar, daß dieser Gegensatz immer bestanden hat und daß sich jetzt der Gegensatz zwischen den beideni Kolonisationsmethoden der bürgerlichen-privaten und der arbeitenden-nationalen besonders zugespitzt hat. Wir sind uns auch darüber klar, daß die Organisation der Arbeiterschaft nur proletarische Kolonisationstätigkeiit, die die Ansiedlung großer arbeitender Massen bezweckt, betreiben kann und daß wir im Kampfe^ um diese Kolonisationsmethode auf. keine Unterstützung gewisser Autoritäten oder gewisser Kreise, auch wenn sie „gute" Zionisten sind, rechnen dürfen. Wir können in dieser Frage nur auf unsere eigene Kraft bauen. Das gilt Übrigens auch in allen anderen Fragen, wie zum Beispiel in der Bodenfrage, die mit der Gründung der Arbeitersiedlungen in der Nähe der Städte zusammenhängt. Und wenn ich auch' nicht einsehe, daß der Bodenwucher in der Form', in der er sich jetzt im Laiide breitmacht, eine unumgängliche Begleiterscheinung des eingewanderten Privatkapitals ist, wie' Herr Wilkansky nachzuweisen versucht, ist es für mich außer Zweifel, daß wir nicht nur dem Klassenkampfe nicht entgehen sondern mit der bürgerlichen Kolonisationsmethode einen harten Wettkampf auszutragen haben werden. Und in diesem Kampfe — auch innerhalb des Nationafonds -— können wir uns nicht auf andere Kreise, sauf Autoritäten verlassen, weil ies in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung in sozialen Fragen keinen „rein" wissenschaftlichen Standpunkt gibt, und es wird Wilkansky bestimmt nicht gelingen, Herrn Soskin oder anderen bürgerlichen Autoritäten mit fachwissenschaftlichen Argumenten die Vorteile des Prinzips des Selbstarbeit nachzuweisen. Im1 allgemeinen irrt Wilkansky wenn er meint, daß es ihm als Autorität in landwirtschafüichen Fragen gelingen wird, im Nationalfond und in der Zionistischen Exekutive unsere Forderungen durchzusetzen. Hier han-, delt es sich nicht um' landwirtschaftldch-teChnische Fragen, sondern um soziologische Anschauungen und deshalb' sind die Klasseninteressen ausschlaggebend. Unsere Bedeutung in den ahgemein zionistischen Institutionen war stets unserer Beteiligung am Aufbaue Palästinas angemessen. Dagania und Merchawia sind geschaffen worden, nicht weil man besonderes Vertrauen zu dieser Siedlungsform hatte, nicht dank der wissenschaftlichen Begründung dieser Siedlungsmethode, sondern weil man mit den Arbeitern, die damals die einzigen, iri Betracht lammenden Siedler waren, rechnen mußte. Dagania entstand, weil man unseren Interessen Rech-1 nung tragen mußte und wenn man auf die Interessein des Bürgertums Rücksicht nimmt, werden Siedlungen in seinem Sinne geschaffen. Wir sollen uns auch dar-, über klar sein, daß wir jn der Leitung des Nationalfonds' keine Mehrheit bilden können, unsere wissenschaftlichen Autoritäten können uns auch nicht zu unserem Ziele verhelfen, der einzige Ausweg ist: Kämpf 'für die Interessen der Arbeiterschaft in der Kolonisationstätigkeit. Gewiß gibt es in der Auffassung der Probleme des Nationalfonds — Nationalisierung des Bodens, Bodenkauf, Ansiedlung — Meinungsverschiedenheiten, die im Gegensatze zwischen bürgerlichen Zionisten und Arbeitern begründet sind. In der Psychologie des Bürgers erscheint die „Erlösung des Bodens" lediglich als Bodenkauf und der bürgerliche Ziohist sieht in der Tätigkeit des Nationalfonds hauptsächlich eine Anregung für den\,nor-> malen" Bodenkauf. Der bürgerliche Zionist ist deshalbder Meinung, daß der Nationalfond sich beim Boden1-' kauf auf jene Gebiete beschränken soll, für die' die' Privatinitiative noch nicht gewonnen wurde. l>{,/ Das .Vertrauein zur Privatinitiative und^däs,*, Miß-i trauen zur Initiative und Tätigkeit des arbeitenden Volkes hausen tief in der Seelie des Bürgers und ("wir dürfen von vornherein dessen gewiß sein* daß die Mehrsheit der Leitung des Natiönalfonds sich für einen anderen Weg als defi unseren entscheideil wird. Das äußerst jwicht'ge Prob'öm der Schaffufcg konzentrierter Siedlüm gen auf großen Flächen, die Möglichkeit, durch eine solche Siedlung wichtige Positionen in der Nähe der Stadt zu schaffen, findet kein Verständnis bei dieser Leitung. , Wir dürfen auch nicht hoffen, daß uns die Aufklärungstätigkeit der Verwirklichung unserer Ziele näheirbringen wird. Wir glauben nicht daran, daß es uns" gelingen kann, die Arbeitersiedlung, die nur auf nationalem Boden und mit nationalen Mitteln möglich ist. durch eine logische Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Leitung des Nationalfonds zu verwirklichen. Auch unsere Vertretung auf dem Zionistenkongreß, bei einem gemeinsamen Vorgehen der Hitachduth, Poale-Zion und Zeirej-Zion, wird es nicht durchsetzen können, denn hier enscheidtet die Zahl der Schkulim. Wir müssen eine, direkte Vertretung der Arbeiterschaft des Landes, der Einwanderer und Chaluzim, die angesiedelt werden sollen, eine Vertretung der Arbeiter-Organisation Palästinas im Nationalfond fordern. Die Forderung von Arbeitersiedlungen in der Nähe der Städte (Schechunot Owdim) darf nicht der Logik der Leiter des Nationalfonds überlassen werden, darüber kann auch nicht die Zahl der Schkulim entscheiden, die tausenden jüdischer Arbeiter in der Stadt, die vom Nationalfond Boden für ihre Ansiedlung in der Nähe ihrer Arbeitsplätze fordern, müssen ihre Forderungen durch ihre unmittelbaren Vertreter verteidigen können. Nur eine Vertretung der Histav druht wird imstande sein, die Interessen der Arbeiterschaft mit der notwendigen Hartnäckigkeit zu verteidigen. Wir müssen sofort eine Aktion in die Wege leiten... um eine Vertretung' der Arbeiterklasse. in den Institutionen, die über die Bodenfrage zu entscheiden haben; durchzusetzen, Verschiedene Momente haben dazu beigetragen, daß wir in unserer Tätigkeit in der Histadruth daran vergessen haben, uns auf die Arbeiterschaft, die hinter im» steht, zu stützen. Wir müssen uns jetzt bemühen, <$sr: Histadruth den Charakter einer Bewegung für Arbeiter-- kolonisation wieder zu geben. Ich beantrage deshalb, daß' gemeinsam mit den Forderungen für Schchunot Owdim,. wir unsere Forderung von der Konferenz in Chaifa wieder,- erheben sollen: eine Vertretung der Histadruth in der . Leitung des Nationalfonds. Und wenn wir diese For derungen nicht auf Grund der Satzungen der Zionistischen Organisation erheben können, so werden wir es tun auf Grund des Kräfteverhältnisses in Palästina und in der Kolonisation. Wir werden diese Forderung erheben und ihre Erfüllung erreichen, wenn die Histadruth zu diesem Zwecke eine öffentliche Aktion organisieren wird. Dow Ber Malkin (Warschau): Unsere Stellung zum N. F. Die idealistische Idylle, die einstmals den Zionismus; zu beherrschen schien, ist längst vorüber. Die Schwäche- Palästinas hielt jedoch bisher die zionistische Bourgeoisie* ab, mit ihren wahren Absichten herauszutreten. Ausdiesem Grunde war der Interessenkampf innerhalb der zionistischen Organisation ein mehr zurückhaltender undd . verborgener! Diese Zeitperiode gehört bereits der Geschichte an. Palästina ist schon längst nicht mehr das. Land, Sin dem hur Opfer gebracht werden. Palästina, kann jetzt auch schon Profit abwerfen, und darum habenauch schon ein lebendiges Interesse nicht nur die ideenbewußten jüdischen Arbeiter und die idealistische Jugend, sondern auch die Bourgeoisie. Der Klassenkampf im Zionismus ist nun klarer und schärfer geworden. Die jüdischen Arbeiter, die oftmals:, in 'schlechten Jahren mit Geist und Körper in dem. brachen Lande einen Weg gebahnt hatten und die Cha,v luzim, die Lieblinge aller zionistischen Redner, müssen, jetzt mit Mühe und Not jedes Pfund dem zum Fertigen; hinzugekommenen jüdischen Bürgern aus den Händeni. reißen. Und am liebsten würde dieser jetzige „Ver- / bindungsfad^n';^,;der sogenannte Mittelstand, all dieses- Fertige mh^am^d^n Geräten verschlingen. Wenigstens trifft, er Vorbereitungen hierzu. Der Rahmen der .zionistischen Organisation und ihrer Institutionen,. ist-dhmr<z.uj eng. geworden, und er bemüht sich, ihn zu sprengen.!; Die.-zionistische^ Organisation ist zu einer Zeit: aufgebaut« wordenjiint- ,der; (dias rinteresse für Palästina», an das Herz appellierte und nicht an die Taschen. Dähef'siiid ihre GrundlagönriVctk*sd.embkratische und ihx% Bestrebungen nariÖn^le^fWä\h^ Zeit aber ist das Herz abgestumpft worden, und die Tasche erwachte zum Leben. Jetzt schreien die Ernüchterten,.