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Unsere Tribüne · 1925-08-15 · 11 (15.08.1925) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
11 (15.08.1925)
Date
1925-08-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint*zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, IL,' Blumauergasse. 1 /II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljähr.. 12.000 K halbjähr. . . 24 000 „ Einzelne Nummer 2000 Kronen Nr. IL Wien, 15» August 1925. 2. Jahrgang. Die siebente Weltkonferenz. Während diese Zeilen niedergeschrieben werden, steht . die siebente Konferenz des Weltverbatides ,F|oaita Zion vor ihrem Schlüsse. Zwar ist die letzte Redaktion der wichtigsten Resolutionen noch nicht beendet, ab eiwir dürfen bereits mit völliger Gewißheit behaupten, die Bewegung wird aus dieser Konferenz nicht gespalten, sondern konsolidiert hervorgehen. In einer der wichtigsten Streitfragen — die Vereinigung mit den sozialistischen Zeirej-Zion — scheint die friedliche Lösung bereits gefunden worden zu sein. Wir wollen hier einiges aus dem bisherigen Verlauf der Weltkonferenz mitteilen. Die Eröffnungssitzung. Mittwoch, den 5. August, gegen 8 Uhr abends, wurde die siebente Weltkonferenz im Theatersaale des Hotels ...Post", eröffnet. Die geschmackvoll geschmückte Bühne, mit den Bildern von Borochow, Marx, Lasalle und Viktor Adler versehen, der dicht gefüllte Saal, besonders •die reichlich vertretene Jugend, machten auf alle Anwesenden einen unvergeßlichen überwältigenden Eindruck. Nach Absingung der „Schwieh" durch unseren Chor «unter Leitimg des Dirigenten Lampel, hielt Gen. 4K a. p 1 an s(ky die 'Eröffnungsrede. Der Redner entrollte ein Bild von der Erstarkung der Reaktion in der Welt und von der Rückwirkung dieser Erscheinung, auf;:d,iie Gestaltung1 des Lebens der Juden. Er wies auf den einzigen Lichtpunkt in unserem1 Leben, auf den Fortschritt in der Palästinasiedlung hin. Aber mit der fortschreitenden Entwicklung in Palästina, werden neue Probleme aufgerollt, geraten wir in einent scharfen Kampf, gegen die bürgerlichen Elemente in •der zionistischen Bewegung. Wir müssen uns für diesen iKampf rüsten. Unsere Bewegung muß schlagkräftig und aktionsfähig sein. Das soll die siebente Konferenz unseres Wcltverbandes in die Wege leiten. Gen. Juris hat in einer längeren Rede das Andenken Tunseres verstorbenen Fuhrers Nach mann Syrkin gewürdigt. Kaplansky gedachte der seit "Her siebenten ■Konferenz dahingeschiedenen Genossen. Im Namen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterrcichs hat Genosse Tomschik die Konferenz begrüßt, den Gruß der Vereinigung für soziale jüdische Tätigkeit überbrachte Gen. Dr. Edwin Bader. Schriftliche Begrüßungen langten von der Soz. Arbeiter- Internationale, von den meisten der Internationale angeschlossenen Parteien, von der zionistischen Exekutive, von Eduard Bernstein und mehreren Landesparteien, itoid einzelnen Genossen ein. Die Genossen, Ben-Zwi (PaJbtinaä) Malkin (Po^ len) und Hemlin (Amerika) überbrachten die Grüße ihrer Landesparteien. In vorgerückter Stunde wurde die Eröffnungssitzung geschlossen. Die nächste Sitzung wurde mit dem Tätigkeitsbericht des Verb.-Büros und des Arbeitsamtes in Palästina -ausgefüllt. Die Diskussion über den, Bericht wurde in zwei Sitzungen abgeführt. Manchmal gerieten die Vertreter verschiedener Meinungen scharf aneinander, In den folgenden Sitzungen wurde über unsere Stellung auf dem Zioitisten- und Sozialisterikbngreß beraten. lUeber die äußerst interessanten Referate und Debat- •'tjen werden wir (ausführlich berichten. Viel Zeit nehmen natürlich die Verhandlungen in .(den Kommissionen in Anspruch. So viel sich jetzt übersehen läßt, scheint eine Einigung der verschiedenen Richtungen in den Kommissionen erzielt worden zu sein. Anschließen^, an die Konferenz tagt auch eine Beuratung der jüd.-soz. Jugendorganisationen, t , Anläßlich des bevorstehenden XIV. Zionistenkongresses und der verschiedenen Vorkonferenzen wird diese Nummer „Unsere Tribüne" vorwiegend den Problemen und Forderungen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas gewidmet. Bemerkungen zur Tagung der N. F. Konferenz. Wird die Arbeiterschaft Palästinas genügend vorbereitet zur Konferenz des Nationalfonds kommen, die vor dem Zionistenkongreß tagen soll? Es ist uns bekannt, daß der N. F. vor einiger Zeit im Zusammenhange mit dieser Konferenz einige Beschlüsse gefaßt hat. Diese Beschlüsse sollen der täglichen Arbeit in Palästina als Plattform dienen. Es ist bedauerlich, daß der N. F. es nicht für notwendig^ erachtet hat, diese Beschlüsse in Palästina zu veröffentlichen, damit die interessierten Kreise zu den Vorschlägen Stellung nehmen könnten. Von der lebendigen Teilnahme der breiten Oeffentlichkeit hängt ja der Bestand und die Entwicklung des N. F. ab; es ist deshalb inicht zu billigen, daß die wichtigen Vorschläge der Oeffentlichkeit nicht mitgeteilt wurden. Dies ist umso bedenk, licher, wenn man sich vor Augen hält, daß in derij Konferenzen des N. F. in der Regel' die von der Leitung eingebrachten Vorschläg^^üfc& angenommen werden. Und der Geist des Prögrammes des N. F. entspricht keinesfalls den Bedürfnissen der jüdischen Arbeiterschaft und der wirklichen Lage im Lande. Außerdem entbehrt es auch der notwendigen Eindeutigkeit, um falsche Ausdeutungen und Entstellungen zu vermeiden. v . Der erste Punkt besagt: Der N. F. ist das Instrument der jüdischen Bodenpolitik in Palästina: in Land und Stadt. Dementsprechend sollen vor allem große Flächen ländlichen Bodens erworben werden, um der zionistischen Organisation die Verwirklichung großzügiger Wixtschaftspläne zu ermöglichen. 'Hier wäre vor ^.llem' auf den Widerspruch! zwischlejoj der theoretischen Zielbestimmung und der praktischen Folgerung dieses Punktes hinzuweisen: Die allgemeine Formulierung, idaß der N. F. das Vorbereitungsinstrument der jüdischen Bodenpolitik in fLaihä und Stadt ist und in der Folgerung heißt es: „dementsprechend, sollen vor allem große Flächen Bodens in den Kolonien erworben werden".. Außerdem wird, nicht ausdrücklich erwähnt, daß der N. F. das unmittelbare Organ der Zion. Organisation im Lande ist. Demselben Punkte könnte man auch entnehmen, daß der N. F. berechtigt ist, Boden an verschiedene Gesellschaften und auch an. Einzelne, unabhängig von der Zion. Organisation zu übergeben. Es. ist nicht nötig, im einzelnen zu untersuchen, welche Mängel und üble Folgen es nach sich; ziehen könnte, wenn der.N. F. sich für berechtigt hielte, jedem an ihn Herantretenden Boden zu übergeben, auch; unter sehr günstigen finanziellen Bedingungen. Denn wir müssen uns vor Augen halten, daß die These des nationalen Bodens gewisserrnaßen zur Schaffung nationaler Siedlungen verpflichtet und daß die Zion. Organisation heutzutage unmittelbare Trägerin dieser Aufgabe ist. Der Zion. Organisation muß das Auswahlrecht unter den Bewerbern auf Nationalfondboden eingeräumt werden; Wenn auch keine direkte Hilfe der Zion. Organisation beansprucht wird, so werden doch schließlich alle jene, welche sich auf dem' N.-F.-Boden. ansiedeln wollen, in größerem oder geringerem Maße später auf Mittel zur Ansiedlung angewiesen sein. Es ergibt sich also, daß. dieses Moment der Versorgung mit Boden unmittelbar dfurch den Keren Kajemeti später entscheidend sein kann für die Entgegennahme von Ansiedlungsmitteln durch den Keren Hajessod. g Wichtiger ist der Teil des ersten Punktes, der davon handelt, der Zion. Org. die Verwirklichung von Plänen der „Einrichtung von Wirtschaften" zu ermöglichen, weil nicht erwähnt wird, daß es sich um Arbeiterwirtschaften handelt. Man muß verstehen, daß das Fehlen der Bestimmung „Wirtschaft von Arbeitenden" nicht zufällig ist. Es mag sein, daß der Begriff „Arbeiterwirtschaft" aus Angst ivor einer Verwechslung, der Arbeiter mit der Organisation der Arbeiter (Histadruth) vermieden wurde, aber tatsächlich besagt die Bezeichnung „Arbeiterwirtschaft" lediglich, daß es eine Wirtschaft arbeitendei- Menschen ist, unabhängig; davon, ob sie irgend einer Organisation angehören oder nicht. Es darf aber auf keinen Fall geduldet werden, daß eine Wirtschaft des N. F. nicht selbst Arbeitenden zugewiesen wird. Im zweiten Punkte heißt es: Der N. iF. soll eine städtische Bodenpolitik nach einer fest umrissenen Methode führen, mit dem Zweck,, für die Gründung von Vorstädten in der Nähe der Städte Boden zu erwerben, dessen,Preis dem des landwirtschaftlichenjJBodens naheist. Dieser Punkt gleicht dem vorhergehenden an Unklarheit und an inneren Widersprüchen. Die Einschränkung, daß der Preis des Bodens dem' ländlichen Bodenpreis angemessen sein soll, macht die Durchführung; des ersten Punktes m bezug auf die Massenansiedlung; -\ in der Nähe der Stadt völlig unmöglich Und raubt uns " auch die Aussicht, den Kampf gegen die Bodenspekula-* tion erfolgreich zu bestehen. Damit lassen wir dieser beschämenden Erscheinung, die sich in den letzten zwei« Jahren unter der jüdischen Bevölkerung breit gemacht hat, freien Spielraum. Es könnte so aussehen, als ob wir die Bodenspekulation von vornherein billigen. Dieser Punkt beweist das Fehlen jeder Bodenpolitik und befindet sich in völligem Widerspruch zu den Grundsätzen des N. F. Ferner spricht dieser Punkt über die Gründung von Vorstadtsiedlungen, unter denen man Schechunoth wie Tel Nordan, Mechüsrej Diroth verstehen kann,; die aber, nicht in unserer, vielleicht auch nicht in der Absicht der Antragsteller gelegen hat. Unsier Plan ist, daß in der Nähe der Städte Arbeitersiedlungen mit teilweiser Landwirtschaft errichtet werden, um der arbeitenden Familie eine wirtschaftliche Aushilfe zu sichern und sowohl im sozialen als auch im erzieherischen Sinn selbständige Siedlungen zu schaffen, nicht aber die Stadt zu vergrößern. »Wir vermissen eine Bestimmung, die dem N. F. bei der Erwerbung von Boden besondere Rechte sichern, soll. Die finanziellen Möglichkeiten Verden im Verhältnis zu den Erfordernissen des Bodenerwexbes stets beschränkt sein. Daraus könnte für den Gedanken des Erwerbes großer zusammenhängender Bodenflächen, der im ersten Punkt enthalten ist, große Schwierigkeiten entstehen, wenn nicht dem N. F. ein, .Monopol auf Bodenankauf in gewissen Gegenden eingeräumt wird Diese Bestimmung könnte auch der Bodenspekulation, die in der letzten Zeit so verderblich im Lande wuchert, eine . Grenze stecken. Der dritte Punkt lautet: Der N. F, ist ein Bodenfond. Er muß sich deshalb auf den, Erwerb von Boden beschränken. Der Umfang der derzeit unumgänglichen Ausgaben soll auf die ersten Mehomtionsarbeiten beschränkt werden. Der Kongreß soll den Umfang dieser Ausgaben im Prinzip bestimmen. Gemäß diesem Punkte wird unsere Lage sich künftighin so gestalten wie bisher, und die lebenswichtige Frage unserer landwirtschaftlicheni Tätigkeit, wer die* Kosten der Urbarmachung, Parzellierung, Bjewässerungi

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