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Unsere Tribüne · 1925-08-03 · 10 (03.08.1925) · p. Seite 5

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
10 (03.08.1925)
Date
1925-08-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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4r, 10 Unsere Tribüne Seite 5 iihrer der Sozialistischen Internationale über den proletarischen Zionismus. Was das Verbandsbüro Poale-Zion während des rieges mit seiner ersten Denkschrift an die Soziatische Internationale, unter dem Namen „Die Juden Kriege" begonnen hat, wurde seitdem sowohl m Verbandsbüro selbst, als auch von den einzelnen mdesparteien mit Erfolg fortgesetzt. Die Aufklängsarbeit unter den Sozialisten aller Länder über?ege und Ziele des proletarischen Zionismus hat behütende Erfolge aufzuweisen. Von den englischen Sozialisten haben sich ißer Macdonald auch die S n o w d e n s und W e g dood uneingeschränkt für unsere Bestrebungen aussprachen; Leon Blum von den französischen, .duard Bernstein und Paul L ö b e von den d e u tchen Sozialisten haben sich in öffentlichen Verlmmlungen als Freunde des proletarischen Zionisus bekannt. Auch der ehrwürdige Führer der ruä n i s c h e n Sozialisten Gen. Dr. Gelernter hat rbh zu unseren Freunden gestellt. In den Nordstaaten aben wir seit Jahren in den sozialistischen Führern ie wärmsten Förderer. Aber noch immer gibt es sozialistische Parteien, ie aus Unkenntnis sich gleichgiltig oder ablehnend en außerordentlichen Leistungen der jüdischen Arleiierschaft in Palästina gegenüber, verhalten. Leider laben-auch die führenden Genossen in Oestereich bis jetzt geringes Interesse und Verständnis' lern1 proletarischen Zionismus entgegengebracht. Auf lern bevorstehenden Kongreß der Sozialistischen Arbiter-Internationale sollte unser Weitverband Schritte internehmen, um die Führer sozialistischer Parteien, lie unseren Bestrebungen noch fernstehen, mit den .eistungen des arbeitenden Palästina vertraut zu nachen. Im folgenden wollen wir die Aeußerungen zweier Arbeiterführer, die Palästina besucht haben, wiecler-;eben: * amsay Macd ona1d: fn die jüdische Arbeiterschaft in Palästina. „Als die zweite russische Revolution ausbrach, iabe ich mich zu ihr skeptisch bezogen. Nicht weit ch mit ihr nicht sympathisierte, sondern weil ich n[t ihr nicht sympathisierte, sondern weil ich über- :eugt war, daß sie nicht gelingen wird. Ich glaubte licht an den Weg, den sie dort zur Verwirklichung ies Sozialismus eingeschlagen haben. Nach dem, was ch hier an Ort und Stelle über eure Arbeitsmethoden erfahren habe, bin ich tief überzeugt, daß euer Weg der richtige ist und daß ihr Erfolg haben werdet. Ihr habet vom Fundament angefangen. Ihr arbeitet nach einem wissenschaftlichen System, ihr macht verschiedene Experimente und wenn eines davon nicht gelingen wird, wird euer Bau nicht einstürzen. Indem ihr euch auf die natürliche Grundlage agrikultureiler Arbeit stützt, dringt ihr in die verschiedensten Zweige der Arbeit ein und erobert die öffentlichen Arbeiten in den verschiedenen Indusixien. Auf diesem Weg ist euer Erfolg sicher. Ihr seid bereits ein ökonomischer Faktor im i^ande. Stark ist nicht nur der, der über Kapital und fuber Maschinen gebietet. Die ökonömische Macht gehört dem, der die Arbeit organisiert. In euren Händen liegt die Organisation der landwirtschaftlichen Arbeit und anderer Arbeiten. Geht weiter auf diesem Weg und siegt. Ihr müßt euch mit der kooperativen Bewegung in Belgien verbinden, mit den Kooperativen in Frankreich, England und in anderen Ländern. Tretet mit ihnen in wirtschaftlichen Beziehungen. Dies wird euch kräftigen und euere Lage befestigen. Eure Aufgabelst nicht leicht. Ihr begegnet bereits jetzt und ihr werdet auch in Zukunft allerlei Störungen begegnen. Erschrecket nicht, befestiget euere Arbeit und schreitet vorwärts." „Die englischen Arbeiter - - sagte Mac Donald — wissen nichts von eurer Tätigkeit und ihr müßt euch bemühen, daß den Arbeitern der ganzen Welt und den englischen Arbeitern eure Tätigkeit bekannt wird. Die Arbeiterbewegu'ng in England sympathisiert mit der Rückkehr der Judeta in ihr Land, aber nur wenige ihrer Führer kennen den Zionismus seinem wahren Gehalt nach. Wenn ihr euch an die englischen Arbeiter nur im Namen euerer historischen Forderungen wenden werdet, werden euch höchstens die religiösen unter den Arbeitern, welche möchten, daß die Weissagungen der Propheten sich erfüllen, begreifen. Zu der großen Masse der Arbeiter müßt ihr mit den Taten kommen, che ihr im Lande schaffet. Es ist notwendig, daß der englische Arbeiter wisse, daß wer immer eine Lösung in der Frage der Lohnarbeiter sucht, zum Studium dieser Frage nach Palästina kommen muß: wer verstehen will, wie man Boden nationalisiert, soll sich an euere Kwuzoth wenden. Wer sich für die Gilden-Bewegung interessiert, soll auf die Chaussee Tiberias-Zemach kommen. Der englische Arbeiter befaßt sich nicht viel mit internationalen Fragen. Nicht nur, daß er fremde Länder nicht kennt, er interessiert sich auch nicht für die englischen Kolonien. Aber sobald er über ein neues' System der Lebensversicherung für die Arbeit in Deutschland gehört hatte, begann ersieh für Deutschland zu interessieren. Als er von der Arbeiter regienmg und sozialen Reformen in Queensland hörte, begann er Sich für Queensland zu interessieren. Der englische Arbeiter muß eure Leistungen kennen lernen, dann wird er euch nahe kommen." J. W. Brown, Sekretär des Internationalen Gewerkschaf tsbundes (Amsterdam): , Die Bedeutung der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas. (Aus einer Ansprache an die jüdischen Arbeiter in Tel Awiw.) Ihr habt viele Möglichkeiten. Ihr seid frei von allen Ueberliefertingen, die wir in den verschiedenen Ländern Europas erst überwinden müssen. Ihr baut auf verschiedenartige Erfahrungen, die euere Genossen aus verschiedenen Ländern, wo sie unter verschiedenen Bedingungen, bei verschiedenen Arbeiterparteien gelebt und gewirkt haben, mit sich ins Land bringen. Hierzulande werden dann all die Erfahrungen auf ein Ziel konzentriert: der Aufbau eines Landes auf neuen Grundlagen. Und diese Erfahrung wird von einer Treue und Begeisterung unterstützt, die ihresgleichen in anderen Ländern vergeblich suchen würde. Wenn eure historische Aufgabe lediglich darin bestünde, in Palästina den europäischen und amerikanischen Kapitalismus, mit Hilfe der billigen Arbeit der Araber, ihrer Frauen und Kinder, zu verpflanzen, würde weder ich, noch die internationale Arbeiterbewegung euerer Arbeit soviel Interesse und Sympathie entgegenbringen. Aber mir ist es1 klar, daß ihr von einem hohen Ideal beseel't seid, und daß ihr erstrebt, den Lebensstandard der Arbeiter — der jüdischen sowohl wie der arabischen — auf ein höheres Niveau zu bringen. Und in dieser Beziehung sind bereits in diesem Lande, das im Laufe von vielenUGenerationen dem Rückstände und 'der furchtbaren Ausbeutung ausgesetzt war, erhebliche Besserungen sichtbar. Ich bin dessen gewiß, daß ihr aus Jerusalem kein Manchester und aus Haifa kein Chikago werdet machen lassen. Ich bin dessen sicher, daß ihr den jetzigen richtigen Weg fortsetzen werdet, da ihr von der Bürde der Tradition frei seid. Ich will den Streit der beiden Nationen, Juden und Araber, die in Palästina lebten, nicht unerwähnt lassen. Ich halte mich nicht für kompetent, über die Motive und Ursachen dieses Streites zu sprechen, aber eines müssen wir uns vor Augen halten: es darf nichts unterlassen werden, um zu verhindern, daß der gegenwärtige verworrene Zustand für politische Intrigen ausgenutzt werde. Ich finde nicht Worte genug, um die Wichtigkeit dieser Taktik zu unterstreichen. Wir in der Internationale wissen, daß ihr zwischen Juden und Arabern nicht unterscheidet. Als Arbeiter sind sie gleich. Ihr bestrebt euch, die Lage der Arbeiter im Lande zu verbessern und das wird zweifellos auch zum Nutzen für die arabischen Arbetter sein. Wenn dem nicht so wäre, wenn ich feststellen würde, daß ihr den Aufbau des Landes durch klie billige arabische Arbeit bewerkstelligen wollet, hätte ich ernste Zweifel am Gelingen eueres Werkes. Ihr seid von einer wichtigen Arbeit in Anspruch genommen, aber ihr dürfet euch dennoch nicht in den Grenzen eueres Volkes und eueres Landes einschließen, ihr müßt eine internationale Bewegung sein. Den Anfang machet ihr wohl bei euch, aber ihr dürfet euch nicht von der großen internationalen Bewegung trennen. Heute ist es uns allen klar, daß der Internationalismus keinen Gegensatz zu den nationalen Interessen bildet. Im Rahmen der Internationale ist für wahrhaft nationale Interessen genügend Raums vorhanden, nur engherzige chauvinistische Bestrebungen müssen ausgeschieden werden. In den ersten Jahren unserer Bewegung hatten wir verschiedene Schwierigkeiten zu überwinden. Jede Landesgruppe entschloß sich nur zögernd, ihre Landesinteressen vor den Interessen der Allgemeinheit zurückzustellen, aber in den letzten Jahren können wir das Erstarken des Internationalismus feststeilen. Genossen! Im Laufe meines kurzen Aufenthaltes gelang es mir, die Probleme, die euch beschäftigen, kennen zu lernen. Ich habe viele Orte besichtigt, habe mit Leuten aus den verschiedensten Richtungen — von Oberkommissär Herbert Samuel bis zu den Vertretern der Kommunisten — gesprochen und ich darf wohl annehmen, daß ich nunmehr in eure Angelegenheiten ziemlich eingeweiht bin. Einen guten, Eindruck hat auf mich die Tätigkeit euerer Genossen in den zentralen Institutionen gemacht. Mir scheint, daß ihr die Arbeit auf das erforderliche hohe Niveau gebracht habt. Ich will mich nicht hier über eine künftige Tätigkeit äußern, das habe ich bereits einem Vertreter gegenüber an anderer Stelle versucht. Ich mußte beispielsweise meine Verwunderung darüber aussprechen, daß ihr hierzulande keine Arbeiterschutzgesetze habt. Es gibt keine Rechtfertigung hiefür, daß die Arbeitsbedingungen hier schlechter als in Indien und Japan sind. Ich wunderte mich, hier Kinderarbeit anzutreffen und zu erfahren, daß euere Organisation von der Regierung nicht anerkannt ist. Ich bin dessen sicher, daß die Arbeiterschaft der ganzen Welt und insbesondere die Arbeiterschaft Englands euch im Kampfe um das Arbeiterrecht mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln unterstützen wird. Und es ist. ja selbstverständlich, daß, wenn es euch gelingen wird, die Lage der Arbeiterschaft zu verbessern, alle Arbeiter, ohne Unterschied der Nation und Religion, daran teilnehmen werden. Die Durchführung der Arbeiterseh utzgesetze ist eine unaufschiebbare Notwendigkeit, ihr sollt diese Forderung als ultimative im Interesse der gesamten Arbeiterschaft des Landes erheben. Verständigung oder Verrat? (Zum Abschlüsse der polnisch-jüdischen Verhandlungen.) Nach wochenlangen, anscheinend sehr schwierigen Verhandlungen ist die sogenannte polnischjüdische Verständigung zustandegekommen. Durch feierliche Reden wurde diese Aktion abgeschlossen. Kurze Zeit nach Abschluß der Verhandlungen hat sich Außenminister Skrzynski nach Amerika begeben, woselbst er über einen größeren Kredit an Polen verhandeln soll. Die Tatsache von dem Kredit erhellt den Hintergrund dieser Verhandlungen und macht das Tempo der Verhandlungen, wie die polnischen Politiker den Abschluß geradezu durchpeitschen wollten., erst recht begreiflich. Polen benötigt amerikanischen Kredit und als Beweis der fortschreitenden Konsolidierung Polens sollte die „Vereinbarung" mit den Juden dienen. Nun wäre es ja noch an sich begreiflich -— wenn auch nicht besonders sympathisch —, daß die jüdischen Politiker die Situation Polens zugunsten der Juden ausnützen wollten, wenn diese Abmachung nicht zur Gänze wertlos und nicht mit ernsten Gefahren verbunden wäre. Ist es nicht die größte politische Dummheit, sich vom Herrn Grabski schriftliche Zusicherungen wirtschaftlicher, kultureller und politischer Erleichterungen für Juden geben zu lassen? Derselbe Herr Grabski, der jedes Recht und Gesetz mißachtend seit Jahren einen rücksichtslosen Ausrottungskrieg gegen den jüdischen Mittelstand und die jüdische Arbeiterschaft führt, wird den jüdischen Politikern förmlich über Nacht zu einer vertragsfähigen Person. .Es gehört dazu eine starke Dosis politischer Ignoranz um nicht einzustehen, daß für einen Grabski dieser Fetzen Panier gegenstandslos ist, wenn nur der Zweck dieser Tragikomödie — die Anleihe in Amerika — gesichert ist. Nur die dümmsten Kälber haben zu ihren Schlächtern Vertrauen. Aber diese „Vereinbarung" ist nicht bloß eine politische Dummheit, sie birgt in sich ungeheure* vielseitige Gefahren:

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