Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 10 (03.08.1925)
- Date
- 1925-08-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite r> Unsere Tribüne Nr. 1( 1. Die jüdischie Bevölkerung wird davon abgelenkt, daß s'\t sich ihre bürgerlichen und nationalen .' Rechte in Polen im Kampfe gegen die Reaktion erringen muß. sie wird auf den Weg des uns sattsam bekannten „Schtadlunes" geleitet. Das ist imstande, den Kampf Charakter der jüdischen Befreiungsbewegung auszumerzen und wertvolle Energien lahmzulegen. 2. Durch diese Extratour der Jüdischnationalen ist "der Zorn der Ukrainer, dergrößten Minderheit Polens, gegen die Juden mit Recht entbrannt. So hat beispielsweise |der ukrainische Sejmklub nach einer zwei- . tägigen Beratung über die polnisch-jüdische Verständigung eine Erklärung veröffentlicht, in der es u. a. , heißt: „Indem der jüdische "Klub erklärt, auf dem Boden der Unverletzlichkeit der jetzigen Grenzen Polens und der Verteidigung der polnischen Machtpolitik zu stehen, hat er die Grenze der Verteidigung der nationalen Interessen der jüdischen Bevölkerung überschritten und gegen das ukrainische Volk, welches auf seinem Boden die Mehrheit bildet, eine feindliche Stellung eingenommen. Denn die polnische Großmachtpolitik zielt auf die Zerstörung des ukrainischen Volkes hin und bedroht seine Lebensinteressen. Der ukrainische Klub konstatiert mit Mißvergnügen die neue Tatsache' und wird dementsprechend seine Stellung zum jüdischen Klub revidieren." Die gesamte ukrainische Presse drückt ihre Entrüstung gegenüber dem jüdischen Klub aus, ein Teil ' dieser Presse geht zu offener Juden hetze über. Die sehr verbreitete Zeitung „Novy Tschas" leitete ihren Artikel mit den folgenden Worten ein: „Noch im . historischen Polen waren die Juden die Blutegel des ukrainischen Volkes und ein größeres Unglück als selbst die polnische Schlachta." Nicht viel anders als die Ukrainer denken die andern nationalen Minderheiten über die selbständige Aktion der jüdischen Politiker. Nun ist es für jeden politisch Denkenden klar, daß die Juden sich keinesfalls in eine feindliche Stellung den andern nationalen Minderheiten gegenüber drängen lassen dürfen und daß sich die Juden nur im gemeinsamen Kampfe mit den andern unterdrückten nationalen Minderheiten ihr Recht erringen können. Das ist sowohl vom ethischen als auch vom real politischen Stand punkte aus der einzige richtige Weg. 3. Die Juden haben sich der polnischen Reaktion als Werkzeug für ihre Politik des: divide et impere! hergegeben, sie haben' sich hiedurch jeden Rückzug abgeschnitten. Die nationalen Minderheiten werden den Juden nicht mehr vertrauen, die Juden werden für sie der Feind, „ein größeres Unglück als selbst die polnische Schlachta" sein. Die polnische Schlachta aber wird diese Situation der Juden sich zweifellos zunutze machen, um die Ansprüche der Juden heräbzudrücken. Die Juden werden also entweder der polnischen Reaktion auf Gnade und Ungnade^ ausgeliefert sein, oder sie werden den Kampf um ihr Recht, von den anderen nationalen Minderheiten isoliert, führen müssen. Im Lichte der realen Tatsachen sehen wir, daß diese „Verständigung" einen schändlichen Verrat an den Interessen der jüdischen Bevölkerung bildet und daß sie auf die Juden Polens ernste Gefahren heraufbeschwört. Die Jüdischnationalen haben rascher als man erwartet, den Beweis ihrer politischen Kurzsichtigkeit und ihrer nationalen Unverläßlichkeit erbracht. Die jüdische Arbeiterschaft Polens sollte es sich zur dringendsten Pflicht mächen, diese Politik des Verrats der Jüdisch nationalen zu demaskieren und den Kontakt mit der Arbeiterschaft der nationalen Minderheiten enger zu gestalten. L. R. Die Wiener Poale Zion und der Nationalfonds. Die poMüvo Stoliunir der Ponle-Xi >n /.um X.tti.wiilfond-s -stand und .stellt immer unlvsl rihen da. Wir waren .stets und sind auch heule überzeugt, daß der X. F. eine üb< raus wichtige Aufgabe - die Nationalisierung des Bodens beim Aufbaue Pa lästiuari zu erfüllen hat. Wenn es dem X. F. auch nicht gelungen sollte die Nationalisierung des Hodens in Palästina zu verwirklichen, das private jüdische Kapital und dh> engiisclic Verwaltung werden es .nach Möglichkeit zu verhindern versuchen, aber es wird zu mindest wichtige Siedlungspunkte auf nationalisieirtem Boden ermöglichen. Und die Sicherung solcher Stützpunkte ist sowohl für die Entwicklung der Kolonisation, ads auch für die künftige soziale Entwicklung Palästinas überhaupt von großer Bedeutung. Daß clor N. F. der beruioniste Faktor ist, um der Bodenspekulatlou einen Damm zu setzen, wird angesichts des seit einiger Zeit in PaJästina so jäh aufschießenden Bodenwuehers besonders einleuchtend. Auf dem bevorstehenden 1/i ioi listenkongresse werden die Arbeitervortrcter u. a,. auch gegen die Vorsuche, den N. F. von seinen, ursprünglichen Bestrebungen abzulenken, einen, scharfen Kampf zu führen haben. •Wenn wir uns trotzaliedern nur in geringem Maße an den Gelsanimlungden für den N. F. beteiligt haben, so ist es dem Umstände zuzuschreiben, daß der l'aliistitm-Arbeiter- Fonds, der einzige Initial iv-Fonds der jüdischen Arbeiterschaft für Palästina bloß auf miß angewiesen ist und diese Tätigkeit unsere übrigens nicht besonders zahlreichen Arbeitskräfte völligabsorbiert hat. .Das hat aber natürlich unsere grundsätzliche Stellung' zum N. F. niemals beeinträchtigt und so oft sich' eine Gelegenheit darljot. für diesen wichtigen Fonds zu wirken, liaben wir mitgetan. * Die Leitungdos- N. F. in Oesterreich hat sich an die Leitung unserer Organisation mit dem Ersuchen gewendet, daß wir sie lief der Aufstellung von. Büchsen bei unseren Genossen und Freunden unterstützen sollen. Angesichts dessen, daß der F. A. F. die Form der Bücliisensanimlung nicht gebraucht, beschloß unsere Organisafioiisleitimg, dlem Ersuchen des N. F.-Büros entsprechen. In den nächsten; Tagen wird das Bureau des N. F. mit der Verteilung von Büchsen unter unseren Genossen und Freunden beginnen. Im Interesse dieses, so äußerst wichtigen Fonds und im Xanten der 0 l'gani Set t i oli s dis ziplin ersuchen wir alle Genossen und F rehin de, die Büchsen entgegen zunehmen und dafür Sorge zu tragen, daß bei jeder Gelegenheit a.n die Spenden finden N. F. g e d a c h. t w e r d e. Notizen. Ertappt. Die Geschäftemacher der „Wiener Morgenzeitung" prostituieren für ein Inserat den Zionistenkongreß. Die „Morgenzeitung" sieht sich am 21. Juli zu dam peinliehen Geständnis gezwungen, daß ihre Inserat-enabtoiluug am 9. Juli dein Zionistenkongrefj wie irgend ein l>eliobiges 'Schack&robjekt einer anderen Stadt und zwar Prag angetragen hat, versteht sich von selbst, gegen, ein fettes Luserratenpaufichale, um welches in der „Morgenzeitung" für die Verlegung des Kongresses nach Prag Lärm geschlagen werden sollte. Lediglich der Unfall, daß dieses Offert der I-Liikeadcreuzleipresse in die Hände fiel, hat die sauberen Geiäch/Lftsabsüchten dieses Blattes durchkreuzt. Das „Kongreßbüro" schüttelt selbstverständlich die Infamie der .,Morgenzeitung" ab. Wir haben immer gewußt, daß die „Morgenzeitung" so korrupt, feil und käuflich ist wie jede andere bürgerliche Zeitung. Wir verfolgen seit langem die eigenartige Itokianie, die die „Morgenzeitimg" für gewisse Unternehmungen und Regierungen macht und wissen genau, da.ß dahinter nichts anderes' steckt als die regelrechte Miete dieses Blattes durch Interessentengruppen. Daß aber die Verlotterung der .jMorgenzeitung" so weit geht, mit clor Not und Scliande unserer Zeit, der ILakeukieuzlerfuLY';ht, fette Geschäfte zu machen, übersteigt alle Zumutungen. AVährend die zionistische Leitung vor der verantwortungsschwersn Aufgabe steht, Juden, ans der ganzen Welt Vertrauen, einzuflößen, indem sie sich durch Terror nicht einschühtorn läßt, macht die ,,Morgenzcitmig<( ihre eigene Spekulation. Und sie ist uralt, diese Spekulation auf Angst bei Juden. Das beibblatt der Jüdisclrnationaleu, das sich offiziell, ober und unter dein Strich, sehr mutig gebärdet und Makkabäer und Hakoah iuuuet" im Munde führt, spekuliert im weitaus wichtigsten Teil seiner Existenz im Inseratenteil — auf Baisse, auf die feige Angst erschreckter Juden vor den Ilakenkreiwlern. Und sie weiß auch, so gut, daß man ihr Glauben schenJceu wird, wenn sie die Angst der Juden ins Treffen führen wird. Schließlich winkt auch aus der Angst- Spekulationsgewinn, wenn man vom „Geschäft" etwas versteht. Wie die Jüdischnationalen den Hechal bekämpfen. Der Aufbau Palästinas durch die einwandernden jii sehen Arbeiter ist eine Sache, die sieh, nur schwer einem Parteigcseliült der Herren Jüdisch-Nationalen maci läßt. Denn Arbeiter gelangen nun einmal s*t weit, si Arbeiterorganisationen anzuschließen und nicht den v krachten bürgerlichen Jüdisch-Nationalen. Als daher i Ohaluzorganisatiou. die streng unparteiisch ist. bei d Wahlen zum Zionistenkongreß die Parole ausgab, nur <i roten Schoko] zu kaufen und so die Arbeiterintei-.Ys> auf dem Kongreß zu vertreten, sahen sieh die Jüdtsi Nationalen endgültig um die Hoffnung gebracht, die C'hali Organisation als ohnmächtigem Schwanz ihrer L'arteimai vcv zu mißbrauchen. Sie griffen daher sofort zu den sei bigsten Mitteln der Bekämpfung der C'!iaiuznrgunis:tti<> Wie alle richtigen bürgerlichen Brotgeber und Ausbaut versuchten sie dieser Arbeiterorganisation ihre Mittel entziehen. Dieses schäbige Manöver liaben si:1 nun nur in die Gemeinde verpflanzt. Sie ließen von ihrer „Mehrhei (die Nich.t-Jüdisi^h-Nationaleu nehmen am (JhaJuz ja ke aktives Interesse), einen Beschluß annehmen, der es ihm ermöglicht, die Aufwendungen der Gemeinde für Chalu zwecke unter Umgebung der Organisation aufzuteilen, in zwar an Private, die sich mit einzelnem Chainzin» beseh-i tigeu. So ist in letzter Zeit ein Betrag einer Pi ivatpers"' für private Chaluzhüfe übergeben worden. Zu diesem Zwe« haben sie in der Gemeinde einen Kommissär für Chalu angelegcnheiten geschaffen, zu weicher Stelle sie sich natu Hell selbst vorgedrängt luibota. Tatsächlich ist die Chalu Organisation die einzige Körperschaft, die unter einei solchen Ausnahmsrecht steht!. Alle übrigen Vereine Wiei halten die Herreu Jüdisch-Nationalen, der Gemeindeaufsiel durch einen Kommissär für nicht bedürftig. Wir raten den Jüdisch-Nationalem, sich vor allem ut die 'Vereine zu kümmern, in denen ihre eigenen. Partei genossen durch viele Jahre Leluiingsschindeiei betriebe haben und von denen die jüdische Gemeinde bis jetzt über haupt keine Kenntnis erlangt hat. Freilich war das kei Parteigeäcbäft der Jüdischiuationalen und sie hatten es dahe auch mit dein Kommissär nicht so eilig. Li© -UerreP Jüdisch-Nationalen kümmern sich eben auch in der jüdische) Gemeinde nur um ihre Parteigeschäfte. I)e m I' r ä sidium der J üd i s c h en G e m e i n d < aber legen wir dringend mähe, als Kommis s ä r e i n Mitglied d e r n i c h t j ü d i s c h - n a, t i o n a. Ion Partei zu best eilen. Dies ist bei der gegenwärtigen-politischen Kampfstellung der Jüdisch-Nationaler gegen flie Chaluzorganisation ein selbstverständliches Gebot der Anständigkeit. Aus der Weltbewegung. Ein Kampf um die Leitung der Ortsgruppe von Achduth Haawoda in Tel-Awiw. ■' Die Gruppe der aktiven Poale-Zion in unserer Brudsrparfcei Achdut Haawoda, hat es sich u. a. zur Aufgabe' gemacht, die Partei zu aktiviei-en. Sie begann ihre Tätigkeit in der Ortsgruppe in Tel-Awiw, das1 heutzutage im Laude den größten Sammelpunkt jüdischer Aiiieiter bildet. Vor kurzem, fand die Wahl einer Leitung dieser Ortsgruppe statt, das' Ergebnis war: d von den 7 gewühlte» Mitgliedern der Leitung waren Anhänger der aJvtiyeu .Poale-Zion. Durch einen besonders scharfen Meinungsstreit anläßlich der Wahl von Delegiertan zur Parteiberatung, hat die neue' Leitung demissioniert. Es wurde eine neue- Wald ausgeschrieben. Nach einer energischem Agitation aller Richtungen wurden gewählt: & Anhänger der aktiven P. 'A,, 2 Anhänger der Achdut Haawoda und 1 Zeirej Zion. Die neue Leitung entfaltet eine rege Werbetätigkeit und bemüht sich Disziplin und System im die Tätigkeit der Organisation zu bringen. Die Tätigkeit der Poale Zion in Deutschland. Nach der Komferemz in Jena, ist die Tätigkeit in den Organisationen bedeutend lebliafter geworden. In Frankfurt a. M. und in Wiesbaden hat Gem. Locker am1 14. und 15. Juni in großein Versanimlungern gesprochen. Der Erfolg war glänzend. Die Presse bekundete großes Interesse. Die „Frankfurter Zeitung" brachte einen ausführlichen Pericht über die Bede des Gen. Locker und die sozialdemokratische „Yolksstimine" widmete der Versammlung einen großen Artikel. Am 11. Juli sprach Gen. Locker mit großem Erfolg in Köm. Am '10. Juni sprach Gen. Locker in einer gut besuchten Versammlung in Berlin über „Arbeits- oder Profit'äonismus". Am 5. Juli fand in Köhl .eine Kreislconferenz der westdeutschen- Oignnisationen, die an der Konferenz in Jena, wegen der großen Entfernung ungouügefnd Vertretern waren, satt. An der Kreiskonferenz nahmen 15 Genossen aus 11 Organisationen teil. Im Anschlüsse an die Konferenz fanden Versammlungen in Köln, Essen und Hombora statt,, auf denen Genossen Neustadt referiert hat. In Berlin fanden letztens stark besuchte Versammlungen, in denen, die Genossen Locker und Dr. Senator gesprochen haben, statt. NAHMASCHINEN FAHRRADER 1925 und Stopfen! — Lager - Reparatur-Annahme! IX., Liechtensteinstraße 27, VI., Gumpendorferstraße 67, IV., Wiedner Hauptstraße 8 — Telephon Nr. 16-5-65 Kostenloser Unterricht im Sticken von Knopf pressen und Zugehör! JL^SK IV&O PICK Felix Fechenbach — Poale Zionist. Felix Fechenbach, der mutige Freiheitskämpfer, den das reaktionäre Deutschland unschuldig in den Kerker schickte, ist der Foale-Zion-Orgnnisation in Deutschland beigetreten. Er hielt in der berliner Ortsgruppe einen Vortrag, der großes Interesse hervorgerufen hat. Wieviel Abonnenten liabin Sie für »Unsere Tribüne« sdion geworben? .TÜgentühier, Verleger, Heraaisgeber und verantwortlicher Hcdakteur: Dr. Jlndolf Glum, Wien, XVIII., Wehnarerstraße 19/10. Druck: -„Adria,", Wien, 11.. Taborstralie ,V2 b;