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Unsere Tribüne · 1925-08-03 · 10 (03.08.1925) · p. Seite 3

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
10 (03.08.1925)
Date
1925-08-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 Unsere f rlbäne Seite 3 in erster Linie ein Initiativ-Fonds sein, ein Investitionsfonds für alle diejenigen kooperativen Unternehmungen, welche einzig und "allein unter der Verantwortlichkeit der Arbeiterschaft geschaffen werden sollen und müssen. Bei der Gründung solcher Unternehmungen ist ständig eine gewisse Gefahr für die Unversehrtheit und Sicherheit der investierten, Gelder vorhanden. .Obwohl der P. A. F. jedes ihm/ vorgelegte wirtschaftliche Projekt sehr ernst unteiv suchen muß, obwohl die P. A. F.-Verwaltung alle; Maßregeln ergreifen triuß, um die Unversehrtheit der investierten Summen zu sichern, ist es doch ganz klar, daß gerade der P. A. F. und nicht die Arbeiter- Bank die Verantwortung für das Gründlingskapital neuer Unternehmungen tragen muß. Erst nach dem ■'P. A. F. muß auch die Arbe'iterbank den neuen wirtschaftlichen Unternehmungen der Arbeiterschaft zu ■Hilfe kommen. Es ist daher sonnenklar, daß die Arbeiterbank nicht dazukommt, bei der Gründung neuer Unternehmungen mitzuwirken, da der P. A. F. finanziell zu schwach ist, um für'erste Investitionen beizutragen. Dies'e Frage ist bei den Sitzungen der Verwaltung wiederholt berührt worden, sie kann nur durch ein spezielles Uebereinkommen zwischen dem P. A- F. und der Arbeiterbank über ihre ökonomische Tätigkeit in Palästina gelöst werden. .Obwohl .ich auf die ökonomische Tätigkeit das Hauptgtewicht legte, weil Palästina sich jetzt im Prozesse eines intensiven Aufbaues befindet und die Arbeiterschaft eine Möglichkeit haben muß, sich jetzt feste ökonomische Positionen auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens zu sichern, muß ich hier doch betonen, daß es dem P. A. F. möglich gemacht werden muß, in einem größeren Maßstab der Schaffung von Arbeiter-Kulliirinstitutionen in Palästina und der Erhöhung des. kulturellen und gewerkschaftlichtechnischen Debensstandes der Arbeiterschaft izu dienen. Palästina wird .immer mehr ein Einwanderungsland, und der P. A. F. muß daher der palästinensischen Arbeiterschaft in ihrer gewerkschaftlichen Organisierung helfen. , Niemand von vuns macht ein Geheimnis daraus, daß die Arbeiterschaft danach strebt, eine politische Macht im Lande zu werden. Der P. A. F. muß stark genug ^s'ejn, um der palästinensischen Arbeiterschaft am Errjn'gen des politischen Einflusses im Lande zu helfen, ohne dem es sehr schwer sein wird, die Aufgaben zu verwirklichen, welche die Poale-Z'on alier Länder für Palästina vorhaben. i M. Singer: Der Poale-Zionismus in Westeuropa. In der Flitze des Gefechtes um die Meinungsverschiedenheiten in unserer Weltbewegung, haben wir fast völlig übersehen, daß der Poale-Zionismus in Ortschaften, wo er noch vor kurzer Zeit als „Fremdkörper" empfunden, bodenständig geworden ist. Das bezieht sich auf Westeuropa. Vor dem Kriege ga|b es auch in mehreren Städten .Westeuropas poälezionistische Organisationen, aber sie bestanden zur Gänze aus1 Genossen aus Osteuropa, die sich dort vorübergehend aufhielten. Als Kurios umpflegten wir auf die einzelnen westeuropäischen Genossen, die unseren Organisationen angehörten, hinweisen. Fleutzutage sind es nicht mehr einzelne. In Deutschland und in Wien gibt es eine stattliche Zahl von Organisationen, die zum großen Teil aus westeuropäischen Genossen zusammengesetzt sind. Die .Wahlen für die jüdischen Gemeinden in Deutschland und in Wien haben neuerdings bewiesen, daß unsere Werbetätigkeit unter den jüdischen Arbeitern und der jüdischen Jugend von Erfolg begleitet sein kann. Und wenn auch das Eindringen unserer Idee in Westeuropa noch nicht im erwünschten Tempo vor sich geht, ist es hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß wir bis jetzt unserer Tätigkeit in Westeuropa nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt haben. Die 7. .Weltkonferenz müßte versuchen, diesen Fehler gut zu machen. Die spezieilen Bedingungen und Möglichkeiten unserer Tätigkeit in Westeuropa müssen ernstlieh erwogen werden. Die Kulturtätigkeit in der jiddischen Sprache, die in allen Ländern einen Hauptbestandteil der Tätigkeit unserer Parteien darstellt, kommt für Westeuropa fast nicht in Betracht. Die Leistungen auf diesem Gebiete müssen bei den günstigen Bedingungen so minimal sein, daß sie mit der Tätigkeit in Osteuropa keinesfalls verglichen werden können. Meiner Meinung nach ist es zwar nicht ausgeschlossen, daß in unserem Schulprogramme für Westeuropa der Unterricht der jiddischen Sprache aufgenommen werde, aber zurzeit ist es lediglich Zukunftsmusik. Das bezieht sich wohl hauptsächlich auf die westnicht aber auf die osteuropäischen Juden in Westeuropa, tinter denen man izweifellos für die Erhaltung dest Jiddischen erfolgreich wirken kann. Wir haben uns [beispielsweise sowohl in -Deutschland als auch in Oesterreich überzeugt, daß 'durch die Erhaltung und, Förderung des jüdischen Theaters viel zur Erhaltung der jiddischen Sprache beigetragen werden kann, Auch •auf die westeuropäischen 'Juden übt die Pflege der # jüdischen Theaterkunst eine gute Wirkung aus. Es steht also fest, daß die Kulturtätigkeit in jiddischer Sprache in 'Westeuropa von minimaler Bedeutung, aber noch immer wichtig genug ist, um ihr unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Das^soll aber noch nicht besagen, daß Wir in Westeuropa überhaupt kein eigenes Schulprogramm aufstellen 'können und müssen. Ich will hier nicht die Frage aufwerfen, ob wir selbständige jüdische Volksschulen oder bloß Erga'nzimgsschulen fordern sollen, aber es ist für mich außer Zweifel, daß wir in der Schulfrage positive Forderungen erheben müssen. Auf dem Gebiete sozialer Tätigkeit ist eine Betätigung in Westeuropa nicht minder notwendig, die Möglichkeiten sind hier sogar größer als in Osteuropa. Das können wir nicht bloß bei der allgemeinen Hilfstätigkeit sondern auch bei der Regulierung der Wanderung und bei der Umschichtung konstatieren. Dank dem besseren Verständnis für soziale Tätigkeit, sind in dieser Beziehung die Möglichkeiten hier größer als in Osteuropa. Außer den erwähnten Aufgaben fällt uns noch eine wichtige Aufgabe zu: Die Demokratisierung des jüdischen Lebens, aller jüdischen Institutionen. Aus dem Angeführten folgern wir deshalb, d a ß w i r u n s i n W e s t e u r o p a a n der' T ä t i g k e i t d e r j ü d i s c h e n G e m e i n d e n b e t e i 1 i g e nmü ssen. Da in dieser Frage Meinungsverschiedenheit herrscht, müßte die 7. Weltkonterenz darüber entscheiden. ■ ' Die Tätigkeit für Palästina muß in Westeuropa nicht bloß auf die materielle Unterstützung des Aufbauwerkes beschränkt bleiben, sondern kann auf das Gewinnen zahlreicher Arbeiterpioniere, die am Aufbaue Palästinas mitwirken sollen, ausgedehnt werden. Die jüdische Jugend Westeuropas verdient unsere größte Aufmerksamkeit und wir werden nur dann in der Lage sein, sie in unserem Sinne zu beeinflussen, wenn wir uns künftighin mit zufälliger Tätigkeit nicht begnügen, sondern System in unsere Arbeit bringen y erden. Es wäre verfehlt, wenn wir nicht auch auf die negativen Momente unserer Tätigkeit in Westeuropa hinweisen würden. Abgesehen von der erwähnten Kulturtätigkeit unterscheidet sich Westeuropa in noch einem wesentlichen Punkte von Osteuropa. Die Juden bilden in Westeuropa eine kleine Minderheit und es kann deshalb zumindest für die nächste Zeit, keine Rede von politisch nationalen Forderungen, von nationaler Autonomie sein. Unsere Organisationen verlieren deshalb ihren selbständigen, landespolitischen Charakter. Und da wir keine selbständigen politischen Aufgaben haben, ist es wohl am zweckmäßigsten, daß wir uns den sozialistischen Landesparteien anschließen. Allerdings unter der Bedingung, daß wir in internen jüdischen Angelegenheiten unsere Selbständigkeit beibehalten. Aber dieses Weniger hat seine Vorteile. Durch unseren engeren Kontakt mit den sozialistischen Landesparteien, sind wir imstande, die sozialdemokratischen Juden in unserem Sinne zu beeinflussen und für unsere Bewegung die allgemeinen sozialistischen Parteien zu gewinnen. Die Bedeutung dieser beiden Mo-; mente darf sicherlich nicht erst nachgewiesen werden. v Unserem Wunsche, auf der Weltkonferenz die Richtlinien für unsere Tätigkeit in Westeuropa zu bestimmen, darf nicht mit dem Einwände begeg-i net werden, daß diese Frage lediglich die Organisan tionen in Westeuropa, nicht aber die Bewegung als Ganzes betrifft, weil mit der Anpassung unserer Tä? tigkeit an die Verhältnisse in den verschiedenen Ländern die Interessen der Gesamtbewegung verknüpft sind. Der Umstand, daß man sich bisnun bei uns mit diesem Probleme nicht befaßt hat, hat unsere Position in Westeuropa erheblich geschwächt. Die bisjetzige Tätigkeit unserer Landesparteien und Organisationen in Westeuropa trägt einen Charakter der Zufälligkeit.' Sie muß in die Bahnen einer festen systematischen Linie geleitet werden. Die 7. Weltkonfcrenz wird sich mit dieser Frage befassen müssen. Berl Locker: Jüdische Probleme in Amerika. Reisenotize n. Der europäische, insbesondere der osteuropäische jüdische Intellektuelle, der Amerika zum ersten Mal besucht, bringt ganz bestimmte Vorstellungen über das jüdische Leben in diesem großen Land' mit. Nach einiger Zeit des Aufenthalts in Amerika bemerkt man jedoch, daß diese Vorstellungen falsch, schief, besten* falls veraltet sind. So vor allem die allgemein angenommene Vorstellung über den wirtschaftliehen Charakter des jüdischen Lebens in Amerika. Diese muß der „Grüne" schon in Newyork revidieren. Für uns in Europa ist im ökonomischen Sinne der Begriff „Amerikanischer. Jude" fast identisch mit dem Begriff Schneider geworden. „Juden bekleiden Amerika", so pflegt man gewöhnlich die wirtschaftliche Rolle der Juden in diesem Lande zu charakterisieren. In den letzten Jah-' ren ist jedoch offenbar in dieser Beziehung ein gro-' ßer Umschwung eingetreten. Die jüdische Arbeiterschaft ist auch jetzt noch zum größten Teile in der Nadelindustrie beschäftigt (und ihre Zahl geht noch in die Hunderttausende), aber ihre Monopolstellung in dieser Industrie hat längst aufgehört und die einst fast rein jüdischen Produktionszweige sind zu internationalen geworden. Es arbeiten darin Polen, Italiener und andere Elemente. Diese Tatsache spiegelt sich auch natürlich in den Gewerkschaften (Unions) ab. Die Führerschaft ist noch immer fast durchweg jüdisch. Die Mitgliedschaft jedoch nicht mehr. (So bilden die jüdischen Mitglieder der „Amalgamated ClothingWorkers Union" (Männer-Schneider)" in Newyork gegen 38 Prozent gier gesamten Mitgliedschaft. Es folgen die Italiener mit 30 Prozent, in Amerika Geborene mit 11 Prozent, Polen mit 7 Prozent usw. Da im allgemeinen die jüdischen Arbeiter in höherem Maße von der Organisation erfaßt sind als die nichtjüdischen, so dürfte die jüdische Arbeiterschaft im ganzen etwa ein Drittel der gesamten Arbeiterschaft in der Männerkleiderindustrie ausmachen.) Das jüdische Kapital hat sich in den letzten Jahren über neue Produktionszweige ausgebreitet, und zwar auch das aus der Einwanderung1 der letzten 40 Jahre stammende ostjüdische Kapital, nicht nur das; alte westjüdische „Jahudimsche". In erster Reihe fällt die bedeutende Rolle des jüdischen Kapitals in den Bauindustrie auf. Ganze Städte verdanken ihm' ihre Entstehung. Die jüdische Arbeite jedoch ist ihm .nur in geringem Maße in die neuen Produktionszweige gefolgt. Von einer Verdrängung der jüdischen Arbeit aus der Nadelindustrie durch nichtjüclische Elemente kann nur in beschränktem Maße gesprochen werden. Gewiß spielt jedenfalls in der ersten Zeit das Hineinströmen billiger weiblicher Arbeitskraft aus der italienischen, polnischen un'd sonstiger Einwanderung die Rolle eines Verdrängungsfaktors. Viel wichtiger scheint jedoch die allmähliche freiwillige Räumung der Arbeitspositionen durch die jüdischen' Arbeiter, die zu höherer sozialer Stellung aufsteigen. Man kann von einer beständigen „Emigration" aus der Arbeiterschaft in andere Berufe sprechen. Man „übersiedelt" aus den Fabriken ins Geschäftsleben. Wenn die jüdische Auswanderung aus Osteuropa nach Amerika im ökonomischen Sinne in hohem Maße die Verwandlung des einsitgen kleinen Händlers, Maklers, Intellektuellen un'd unqualifizierten Arbeiters in einen Schneider war, so bemerkt man hier, daß diese Verwandlung für einen bedetenden Teil nur eine vorübergehende ist. Nach x einiger Zeit verwandelt sich der Schneider wieder in einen Geschäftsmann, Veisicherüngsagenten oder ähnliches. Der verstorbene Dr. Nachmann Syrkin hat diese Erscheinung in der ihm eigenen Art folgendermaßen charakterisiert: „Jeder jüdische Arbeiter trägt einen Kramladen im Kopf. Bei einem großen Kopf ist es ein Departement-Store (Warenhaus)". Der bekannte jüdische Drang nach Selbständigkeit vereinigt sich hier mit dem amerikanischen Businesgeist und der amerikanischen Aufstiegsgelegenheit. Und wenn das gegenwärtige Arbeitergeschlecht trotzdem zum großen Teil bei der Lohnarbeit bleibt, wird je-

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