Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 10 (03.08.1925)
- Date
- 1925-08-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Unsere Tribüne [ Nr. 10, Die Vereinigungsbewegung in ihrer heutigen Form ist nur eine Episode in der ideologischen Krisis, mit der Achduth Haawodah sich fast seit ihrer Begründung abkämpft. Wie die ganze Poale-Zion-Bewegung, strebt Achduth-Haawodah zu einer Arbeitergesellschaft in Palästina. Sie weiß, daß ein jüdisches Palästina nur auf einer jüdischen Arbeiterklasse aufgebaut werden kann. Diese muß aber erst gebaut •werden. Es wird eine Zeit kommen und sie ist nicht mehr fern, in der Borochows Prophezeiung sich erfüllen wird und die Arbeiteremigration nach Palästina ein „stichischer Prozeß" werden wird. Die Zerstörung des jüdischen Mittelstandes in Polen und ilOsteuropa beschleunigt diesen ,Prozeß. Aber einstweilen bildet sich die palästinensische Arbeiterklasse aus anderen Quellen, vor allem aus der Jugend ver- 'Schiedener Schichten, die sich „proletarisiert" und „pröduktiviert". Und es entsteht für uns die Frage: Nach wem muß unsere Bewegung sich ideologisch orientieren? Nach der Arbeiterklasse, die in Palästina entsteht, nach der jüdischen Arbeiterklasse, die historisch (wenn auch noch nicht heutzutage) der TTräger dieses Prozesses, nach der internationalen Arbeiterklasse, die unser natürlicher Verbindeter in der jüdischen Revolution ist, die wir schaffen? Oder nach der Jugend, von der der jüdische Arbeiter in Palästina stammt? Mit anderen Worten, soll unsere Ideologie durch Ziel und Richtung dieses Prozesses bestimmt werden oder von seinem Ausgangspunkt? Sollen wir nach vorwärts oder nach rückwärts' denken? Sollen wir uns bestreben, mit allen unseren Kräften der Jugend, die zur Arbeit übergeht, den proletarischen und sozialistischen Geist einzupflanzen, oder .sollen wir uns dem' geistigen Rüstzeug und der sozialen Betrachtungsweise anpassen, die sie von jener Seite des Rubikon mitbringen? Es wäre ungerecht zu glauben, daß Achduth Haawodah dieses Problem nicht versteht. Prinzipiell steht Sie als lebendige Arbeiterpartei auf dem Standpunkt i '/der ganzen Poale-Zion-Bewegung. Aber praktise.lv wird sie ständig von der Furcht getrieben, daß unsere Mission uns nicht geinigen wird, daß die Jugend sich nicht in unserem Geiste erziehen lassen wird, überhaupt solange sie noch im Golus ist und man ihr Konzessionen machen muß. Daher der Drang, /immer wieder die Orientierung nach rückwärts zu revidieren und die Sehnsucht nach einer mechanischen Verständigung mit der Jugendbewegung in ihren verschiedenen Formen: Zeirej-Zion, Hechaluz, jHitachduth' usw. Von dieser Hemmung kann uns einerseits eine starke Poale-Zion-Bewegung befreien, die den palästinensischen Genossen mit Taten beweisen wird, daß ihre Befürchtung unbegründet ist. Dazu ist die vereinigte Anstrengung aller Parteien im Dienste des Verbandes notwendig. Andrerseits. . wiederum muß sich Achduth Haawodah von dem •zickzack-artigen Schwanken zwischen einer sozialistischen Arbeiterbewegung um Palästina herum und einem Jugendbund als Hilfsliga für die palästinensische Arbeiterschaft befreien. Und die Gefahren der heutigen Situation, besonders im Zionismus verlangen überhaupt keine Aktion? Gewiß verlangen sie die Schaffung einer so weit als möglich geeinigten Arbeiterfront. Aber man soll dies nicht mit untauglichen Mitteln versuchen. Man soll die Koordination für proletarische Palästinaarbeit, welche wir in dem Komitee für das arbeitende Palästina begonnen haben, so effektiv wie nur möglich gestalten. Man muß einen starken Arbeiterblock beim kommenden Zionistischen Kongreß schaffen, geradeso wie wir es beim: zwölften Kongreß getan haben. Dazu sind keine Verbindungen, mit ideelen Opfern nötig. Und auch hier in Palästina ist keine geeinigte politische Partei möglich, die alle ideologischen und methodologischen Gegensätze, die die palästinensische Arbeiterschaft trennen, wie Nationalismus und Internationalismus, Moschaw und Kwuzah usw., in sich vereinigen und abschaffen soll. Mir scheint es und ich habe es schon auf der Konferenz in Machlath Jehuda gesagt, daß gerade in Palästina ein Platz für eine Arbeiterpartei nach dem Muster der Labour Party und der belgischen Arbeiterpartei vorhanden ast — als eine Föderation aller politischen Parteien und ökonomischen Organisationen (Siedlungsgmppen, Gewerkschaften) für den politischen Kampf der Arbeiterklasse. Hiemit wäre die praktische Frage der gemeinsamen Aktion zu beantworten, dort wo sie möglich ist, ohne Aufgeben von Prinzipien. Es ist hohe Zeit, daß die Genossen diesen Vorschlag erwegen sollen. Efraim Bloch-Blumenfeld (Tel Awiw): Unsere Tätigkeit für den Palästina-Arbeiterfonds. Wir stehen vor der Weltkonferenz und vor der Konferenz für das arbeitende Palästina, wir müssen uns deshalb jetzt darüber klar werden, .wie es um den Palästnai-Arbeiterfonds bestellt sei, welche Aufgaben seiner harren und welche Aussichten er hat. I. Bis vor zwei Jahren ist der P. A. F. bloß von den Vertrauensmännern des Poale-Zion-Verbandes verwaltet worden. Die Beschlüsse der VI. Weltkonferenz ermöglichten unseren Delegierten auf der Gründungskonferenz des Komitees für das arbeitende {Palästina in Karlsbad dem beschlossenen Statut zuzustimmen. Die P. Z. haben sich mit einem Viertel der Stimmen in der Verwaltung begnügt, die übrigen Stimmen wurden zwischen der „Allgemeinen Arbeiterorganisation" und (den andern Gruppen, die. im Komitee mitzuarbeiten versprachen, aufgeteilt. Unser Weltverband hat durch diesen Entschluß seinen Willen für die gemeinsame Palästinaarbeit bekundet. 'Für uns Poale-Zion, die den P. A. F. gegründet, 'für ihn jahrelang mühsam gearbeitet, war es wahrlich nicht leicht, auf den größten Teil unseres; Einflusses in der Verwaltung zu verzichten. Ich wage daran zu zweifeln, ob irgend eine andere Gruppe imstande wäre, so viel Verständnis den Bedürfnissen des Landes entgegenzubringen und die in der jüdischen Arbeiterschaft entstandenen neuen Organisationen und vor allem die herrliche Entwicklung der palästinensischen Arbeiterschaft so weitgehend zu berücksichtigen. Dem guten Willen der palästinensischen Arbeibeiterschaft haben wir volles Vertrauen entgegengebracht, den Parteien der Golusländer haben wir Vertrauen auf Vorschuß gegeben. Wir nahmen an, daß die neuen Teilnehmer an der Verwaltung des P. A. F. sich dem Lieblingskinde unserer Weltbewegung, dem einzigen proletarischen Fonds für praktische Arbeit in Palästina gegenüber loyal verhalten und ein Minimum an väterlicher Liebe und Hingebung für ihn aufbringen werden. Wir durften wohl annehmen, daß nach Ratifizierung der Karlsbader Vereinbarung, d. h. in einigen Monaten die Parteien ihre Ambitionen und Streitigkeiten um den P. A. F. zumindest so weit zurückstellen werden, daß eine geeinigte energische Arbeit für den proklamierten einzigen zentralen Arbeiterfonds einsetzen wird. Zwei Jahre sind gewiß keine lange Zeit, aber sie genügen doch, um die gemachten Erfahrungen zu würdigen und den Wert der Karlsbader Vereinbarung für unsere tägliche Arbeit einzuschätzen, um uns über die Organisatiönsform und die Aufgaben der nächsten Zeit Klarheit zu verschaffen. Wir beschränken uns hier bloß auf den Palästina-Arbeiter-Fonds. Was hat uns die Erfahrung im Laufe der zwei Jahre gelehrt? Erstens, daß wir P. Z. die Parteien, die die Karlsbader Vereinbarung gezeichnet, zuviel idealisiert haben. Wir mußten erfahren, daß Parteien sich nicht so leicht und rasch von wirklichen oder eingebildeten Antagonismen, die im Laufe von Jahren genährt wurden, losmachen können. Es wird noch viel Zeit verstreichen müssen, bis wir alle rückhaltlos gemeinsam für den einzigen zentralen Fonds werden arbeiten können. Bloß der Poale-Zion-Verband hat die Vereinbarung ernst genommen und sie genau und loyal eingehalten, obwohl wir oft das Unrecht, das in erster Reihe Palästina aber auch uns durch die offene oder verhüllte Verletzung der Karlsbader Vereinbarung durch die änderen Parteien zugefügt wurde, zähneknirschend hinnehmen mußten.. Und solchen Verletzungen sind wir überall begegnet. Sowohl die Sitzungen 'des zentralen Komitees für das arbeitende Palästina, als auch die Sitzungen der gemeinsamein Verwaltung des P. A. F. in Tel-Awiw beweisen, daß unsere neuen Beteiligten sich viel mehr mit unfreundlicher Kritik des P. A. F. als mit dem Suchen nach neuen Wegen und Mitteln für die Ausgestaltung des P. A. F. beschäftigt haben. Einige Parteien betrachteten den P. A. F. nicht als den Fonds dem die Karlsbader Beratung große Aufgaben für . die Arbeitersiedlung in Palästina zugedacht, sondern hauptsächlich, vielleicht auch ausschließlich als eine Institution der gegnerischen 'Poale-Zion und deshalb (gilt es, diesen Fonds mit allen Mitteln zu diskreditieren und keinesfalls für ihn positives zu leisten. Wenn zumindest die „Histadrutf der Vereinbarung rückhaltlose Treue bewahrt hätte, würde ihre Autorirtät genügen, um die Parteien zu einer Tätigkeit für den P. A. F. zu zwingen. Leider hat aber auch die „Histadrut" -ein geringes Verständnis für die Einhaltung der Karlsbader Vereinbarungen bewiesen. Auch die Haltung der ,,Histadrut", vielleicht ihre Halfung in erster Reihe, nährte die Zweifel der Parteien, ob der P. A. F. wirklich der einzige zentrale Fonds Tür die proletarische Tätigkeit in Palästina ist. Am deutlichsten kam es zum Vorschein an der Haltung der „Histadrut" bei der Aufteilung der Gelder der Gewerkschaftsaktion in Amerika. Es darf deshalb nicht Wunder nehmen, daß in den letzten zwei Jahren hauptsächlich und in manchen Ländern ausschließlich die Poale-Zion eine Tätigkeit für den P. A. F. entfaltet haben und ,daß die Aktionen des'Komitees für das arbeitende Palästina für den P. 'A. F. nicbt gelungen sinci. Ich weiß nicht, wie andere Parteien nach solcher Erfahrung gehandelt hätten, für mich und wahrscheinlich auch für die ganze Weitbewegung ist es klar, daß wir eine Zersplitterung unserer" Kräfte bei der praktischen Arbeit nicht herbeiführen dürfen. «Wir müssen auch künftighin dem Gedanken der koordinierten Tätigkeit für das arbeitende Palästina Treue bewahren. II. Die bisjetzige Form des Komitees für das arbeitende Palästina ist meiner Meinung nach absolut unzweckmäßig. Die Komitees waren leider eher politische Diskutierklubs als Organe zur Organisierung praktischer Tätigkeit. Es war auch verfehlt, dem ausländischem Komitee die zentrale Leitung der praktischen Tätigkeit für den P. A. F. zuzuweisen. Meiner Meinung nach müßte die Zentralverwaltung, an der sich alle Gruppierungen, die für den P. A. F. wirkliche Arbeit leisten, beteiligen sollen und die die höchste Instanz für die Komitees im Ausland bilden soll, nach Palästina verlegt werden. Das Komitee, •im Auslande hätte bloß die Durichführung der Aktionen, die in Palästina beschlossen werden, zu übernehmen. Nun handelt es sich darum, welche Form die geeignetste wäre, um alle Arbeitsmöglichkeiten für den P. A. F. im Auslande zu erschöpfen. Sollen wir bei der bisjetzigen Form der Parteikoordinierung bleiben, oder nach einer erweiterten Form suchen?Diese Frage ist von großer Bedeutung. Von ihrer richtigen Lösung hängt die praktische Arbeit des P. A. F. ab. Die größte Aufmerksamkeit messen wir dem Gedanken der Gründung eigener Verbände Tür den P. A. F. (manche Genossen wünschen Verbände für die gesamte Palästinatätigkeit), welche alle Genossen, alle Juden, die für das arbeitende Palästina Sympathien hegen, erfassen soll, widmen. Das Statut des legalisierten P. A. F. bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit für die Schaffung solcher Verbände. Selbstverständlich wird man diesen Verbänden auch gewisse Rechte einräumen müssen. (Das Statut des P. A. F. behandelt auch die Rechte und Pflichten der; P. 'ALE.* Mitglieder.) Ich wüßte keinen Grund, der die Mitglieder der Poale-Zion und aller anderen Parteien, die auf das arbeitende Palästina orientiert sind, hindern könnte in diese Verbände einzutreten und dort tonangebend zu werden. Meiner Meinung nach werden) sich diese Verbände einer großen Popularität erfreuen und ein stets wachsender finanzieller und moralischer Faktor für unsere Palästinatätigkeit werden können. Und der P. A. F. bedarf großer Mittel. Noch jetzt ist der Grundgedanke der Poale-Zion, die den P. A. F. geschaffen haben, richtig. Die Aufgabe des P. A. F. ist es, dem jüdischen Arbeiter in Palästina in der Einwurzelung und Befestigung im Lande, auf ökonomischem, kulturellem und politischem Gebiet zu helfen. Seit jener Zeit, da diese Wahrheit zum erstenmal gesagt wurde, hat sich vieles verändert, sowohl in Palästina als auch in der jüdischen Arbeiterwelt überhaupt. Im Zusammenhang damit hat sich auch die Methode der P. A. F.-Arbeit in Palästina geändert. Nicht geändert hat sich, ..jedenfalls nicht verkleinert, der Inhalt seiner Arbeit. Im Gegenteil, die Aufgaben des P. A. F. sind mit dem Wachstum der palästinensischen Arbeiterschaft gewachsen und dringender geworden und der P. Ä. F. muß diese Aufgaben erfüllen durch die palästinensische Arbeiterschaft und jhre Organe. Der P. A. T. muH