Mannheim
Compact Memory

Unsere Tribüne · 1925-08-03 · 10 (03.08.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
10 (03.08.1925)
Date
1925-08-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2822530-2822543-2822553--105-2822745
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

V. b. b. Organ der jüdischen sik jemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, IL, Blumauergasse l/II Posischeckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljähr.. 12.000 K halbjähr. . . 24.000 , Einzelne Nummer 2000 Kronen Nr. 10. Wien, 3, August 1925. 2. Jahrgang. Zur siebenten Heltfionferenz Oer Poale Zion. Gruß an die Delegierten der siebenten Weltkonferenz. Genossen und Genossinnen aus Nah und Fern, ■wir heißen euch in unserer Mitte herzlichst willkommen! Schwere Aufgaben harren der siebenten Konferenz unseres Weltverbandes. Der Krieg hat das'Wirtschaftsleben der Juden Osteuropas zerrüttet. Die Befreiung unterdrückter Völker, an sich ein progressives Ereignis, übte eine sehr nachteilige Wirkung auf die Juden Osteuropas aus. Was wir seit Jahrzehnten vorausgesagt haben, ist mit grausamer Pünktlichkeit eingetroffen. Jede Umwälzung in den Ländern, wo Juden in Massen wohnen, heischt die ersten und die größten Opfer von den Juden. Die Anomalie des .'Wirtschaftslebens der Juden wirkt sich unbarmherzig aus. Die Zerstörung des Krieges rief eine soziale Gärung in den meisten Ländern hervor. Die Arbeiterklasse wurde in zwei Lager gespalten. Auch die jüdische Arbeiterbewegung, auch wir Poale-Zion wurden von dieser Spaltung nicht verschont. Die Zertrümmerung der wirtschaftlichen Position der Juden in Osteuropa, die Spaltung der jüdischen Arbeiterbewegung mußten natürlich auch unsere Bewegung schwächen. Zur selben Zeit erblüht in Palästina neues jüdisches Leben, entsteht dort eine junge, kräftige jüdische Arbeiterschaft. Das ist ein hoffnungsreicher; Lichtpunkt im jüdischen Leben. Aber der Aufbau Palästinas rollt komplizierte Probleme auf, es entstehen Meinungsverschiedenheiten, neue Schwierigkeiten tauchen auf. Die Zerrüttung des Wirtschaftslebens der Juden, .die Spaltung der Arbeiterbewegung, die neuartigen Probleme beim Aufbau Palästinas bilden den Ursprung der scharfen Meinungsverschiedenheiten in der Poale-Zion-Bewegung. Aber der Poa 1 ezionismus muß all dieser Schwierigkeiten 'Herr werden. Die Aufgaben, die unser harren, sind lebensnotwendig, sie heischen eine dringende Erledigung, deshalb müssen wir unser te> Aktionsfähigkeit bewahren. Im jüdischen Leben hat unser Gedanke gesiegt, es wäre geradezu eine Frivolität, wenn wir jetzt, .wo es gilt, den Gedanken in dife Wirklichkeit umzusetzen, die Aktionsfähigkeit «unserer Bewegung gefährden würden. Die siebente Wfeltkonferenz muß das, alle Parteien einigende Band des Poale-Zion-Gedankens stär- , ken, die Aktionsfähigkeit des Weltverbandes steigern. .Dann und nur dann wird sie ihrer Aufgabe, unserer Ideeoind den jüdischen Arbeitern gegenüber, gerecht werden. In diesem Sinne begrüßten wir euch, Genossinnen und Genossen, und heißen euch herzlich willkommen. Abonnenten für „Unsere Tribüne11 werben, beißt Mitbümpfer für unsere Bewegung gewinnen. S. Kaplansky (Jerusalem). Zur Charakteristik unserer palästinensischen Bruderpartei „Achduth Haawodah". Was wir an der Haltung der Achduth Hawodah in der Allgemeinen Arbeiterorganisation („Histadruth") ständig kritisiert haben, war der sachliche Oportunism!us', die prinzipiellen Kompromisse mit dem yapoel- Hazair, und nur mit dem Hapoel-Hazair, und der ^Mißbrauch der „Histadruth" als Parteikoalition für politische Aktionen. Wir haben niemals behauptet, daß eine unparteiische Organisation wie die Histadruth die politischen und ökonomischen Richtungen ignorieren kann, die in der palästinensischen Arbeiterschaft existieren und den Minderheiten das Recht auf Beteiligung an der Verwaltung der Anstalten der Histadruth verweigern soll. Gewiß, Demokratie und Schutz der Minderheiten > dürfen nicht zur Diktatur von Minderheiten mißbraucht werden. Darauf antwortet man mit der demokratischen Selbstverständlichkeit von der Herrschaft der Mehrheit. Aber die Histadruth kann nicht Idben und sich entwickeln 'durch1 das Prinzip von der Herrschaft einer Mehrheitspartei allein. Noch größere Meinungsverschiedenheiten ergeben sich in der Frage von der politischen Einigung im Lande. Eine Richtung, deren typischer Vertreter in der Konferenz der A. H. in Nachlath Jehuda, Chawer Remes war, ist für jede Vereinigung und unter allen Umständen, wenn sie nur den inneren Frieden in der Histadruth herstellt. Das ist ein klassisches Beispiel für den Standpunkt, daß die politische Partei kein Selbstzweck, sondern nur ein Hilfsmittel für die Histadruth ist. Nicht die Ideale und der Geist der Partei soll in der Histadruth herrschen, umgekehrt, die Histadruth und ihre Bedürfnisse, sogar ihre taktischen Bedürfnisse, sollen über die Partei Macht gewinnen. Damit ist dem prinzipiellen Opportunismus Tür und Tor geöffnet. Das Sichaufgeben für die Histadruth ist der Weg zum Aufgeben der Partei. Mittwoch, .den 5. August, um halb 8 Uhr abends, im Theatersaale des Hotel „Post", (I., Fleischmarkt) Feierliche Eröffnungssitzung der VII. Weltkonferenz'des Verbandes jüdischer sozialistischer Arbeiter Poale-Zion. Donnerstag, den 6. August, um halb 8 Uhr abends, im selben Saale: Großes Meeting. Tagesor d n u n g: 1. Der Kampf der jüdischen Arbeiterschaft um ihre nationalen und sozialen Rechte in der Diaspora. 2. Die Bedeutung des Aufbaues Palästinas für den Befreiungskampf des jüdischen Proletariats. Referenten: J. Ben-Zwi (Jerusalem), D. Ben-Guriom (Tel- Awiw), Dr. S. Gellmann (Lemberg), A. Hemlin (New- York, A. ,S. Juris (Tel-Awiw), Rachel Janait (Jeru- / salem), B. Malkhr (Warschau), S. Kaplanski (Jerusalem), B. Locker (Berlin). Eintrittskarten im Sekretariate, IL, Blumauergasse 1. Woher, wird man nun fragen, kommt überhaupt die eigenartige Tendenz in der Achduth Haawodah,, die Möglichkeit einer Vereinigung mit dem Hapoel-. Hazair ins Auge zu fassen? Und noch dazu gerade in einer Zeit, in der die Reibungen mit ihm fin der Histadruth nicht geeignet sind, eine Atmosphäre friedlicher Nachbarschaft, geschweige denn von Vereinigung zu erzeugen! Zu den schon erwähnten Gründen — innerer Friede in der Histadruth, um 'welchen' Preis immer — muß man noch etliche Momente in Betracht ziehen. Bei einem Teil der Genossen ist der Vereinigungsgedanke eine Art fixe Idee geworden. Sie verlieren jede kritische Fähigkeit, sobald es ihnen scheint, daß sie der Wirklichkeit näherrückt. Es ist eine Art chassidische Erhebung zu einem Lieblingsgedanken. Bei einem Teil der Chawerim stammt die "Neigung zum' Hapoel-Hazair nicht aus ihrer rechten Stellung schlechthin. Aber wie die alte christ- ' liehe Gemeinde ihr „Geheimnis dieser Welt" hatte, so hat der palästinensische Sozialismus ein Geheimnis, das in einer Reihe von Angelegenheiten einschlägt. Was ihn zum Hapoel-Hazair hinzieht, ist .sein hebra-. istischer Fanatismus und seine unbegrenzte Herrschaft' über 'die „Hithachduth",- das heißti.über seine Genossen im 'Golus, Ungeachtet 'dessen, bin ich überzeugt, daß d:r Hapoel-Hazair seine Angelegenheiten in Kontakt mit der „Hithachduth" führt. Er wird kaum etwas unternehmen^ 'das seine Verbindungen mit dem Ausland schädigen "könnte. Anders bei Achduth Haawodah- Es werden Verhandlungen mit einer Partei eines' anderen Weltverbandes in einer Frage, die die Beziehungen der P. Z. zur Hitachduth involviert, geführt. Aber unsere palästinensischen Genossen gehen auf dem Weg des Ignorierens des Verbandes noch weiter. > Man versucht wieder, die Weltbewegung vor eine fertige Tatsache zu stellen. Und dann wundert man sich über das Mißtrauen zur palästinensischen Landespartei, das unter den Poale-Zion-Parteien im Golusl wächst. Die Achduth Haawodah ist mit psychologischer Blindheit geschlagen. Es erinnert mich an jenen Franzosen, 'der einst sagte, daß man die Liebe der Frauen 'durch Ueberraschung oder durch Brutalität gewinnt. So meint, wie es den Anschein gewinnt, die Achduth Haawodah die Hegemonie im Weltverband mit gleichen Mitteln zu erreichen. Sie ist im Irrtum. Die Poale-Zion-Bewegung ist nicht so weibisch. Auf diesem Wege ist man in der Zeirej- Zion-Frage gegangen und hat zerstört, anstatt zu nützen. Miögen die Genossen sich warnen lassen vor der Entfremdung, die systematisch zwischen dem Weltverband und der Achduth Haawodah. von hier aus erzeugt wird. Aus dem Inhalt: S. Kaplanski: Zur Charakteristik der Achdut Haawoda. B. Locker: Jüdische Probleme in Amerika. Efraim Bloch: Unsere Tätigkeit für den P. A. F. A. S. Juris: Kleinbauernsiedlung und Genossenschaft. Ramsay Macdonald: An die jüdischen Arbeiter : in Palästina. ■ J. W. Brown: Die Bedeutung der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas. M. Singer: Der Poale-Zionfsmus in Westeuropa. '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.