Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 9 (01.07.1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Unsere Tribüne Seite 3 tfeitfoßia gab man sich noch der Hoffnung bia, daß es den einvraja^erradeitt Chaluzim. mit Hilfe des» aatkmaleu Kapitals gelingen wird, unsere natioinafe Wirtschaft van Gr und aus auf kollektivistischer Basis aufzuba;.-:;* v".ä soziale Revolution zu überspringen. Aber im Laute der Zeit ist diese Hoffnung zerronnen. Heutzutage ist es uns allen — zumindest deüjeinig'eh, die ihre Augen vor der palästinensischen Wirklichkeit nicht schließen, 11111 ihre Träume zu bTÜten — klar, daß auch in Palästina das Errichten einer kapitalistischen Wirt^haftsorduung und somit die soziale Revolution unvermeidlich ist. Der Arbeiterschaft Palästinas fällt also, wie den Arbeitern aller anderen Länder, die Aufgabe zu, für die Venvirklichungder sozialen Revolution tätig zu sein. Wie können wir nun an der täglichen revolutionären Tätigkeit teilnehmen? Die soziale Revolution ist das Resultat eines langwierig-en und unaufhörlichen Klassenkampfes, der mit dem Kampfe um bessere Arbeitsbedingungen begirint und mit der Abschüttelung der politischen Macht der Beourgeoisie durch einen bewaffneten Aufstand abgeschlossen wird. Der Proletarier wird in diesen Kampf stychisch, durch seine wirtschaftlichen Interessen, gedr^gt. Manchmal nimmt er an diesem Kampfe teil, ohne sein weites Endziel zu erkennen. Wir a.ber im kommunistischen Wirtachaftsbetrieb kommen mit dem kapitalistischen Arbeitgeber überhaupt nicht in direkte Berührung, wir haben somit keine Möglichkeit, am direkten Klassenkampfe, der zur sozialen Revolution führt, tseilzunehmen. Die Nichtbeteiligung am täglichen Klassenkampfe ruft eine Schwächung des Klassenbewußtseins herwar und lockert die Verbindung des 'Arbeiters im kollektivistischen Betriebe mit den Lohnarbeitern. Daraus erwächst eine zweite Gefaiir — eine Gefahr für das1 Wesen unserer kollektivistischen Betriebe. Wird das Moment des Klassenbewußtseins bei den Genossen geschwächt, dann geraten auch die Ziele des Klassenkampfes für den Zeitpunkt nach der sozialen Revolution in Vergessenheit. Die materielle Sicherung das Betriebes wird zur Hauptaufgabe, zum Selbstzweck und wird nicht mehr als Mittel für die Verwirklichung der Ziele der ganzen Klasse betrachtet. Hindurch schwinget aber auch die innere Kraft, die die Genossen befähigt halt, ihre eingewurzelten individualistischen Neigungen zu überwinden, der Gegensätze tmtereinander Herr zu werden und (nach neuen Wegen zur Bestimmung der Beziehungen zwischen dem einzelnen und der Gesellschaft zu suchen. Dieser Prozeß der Degenenenrag kann für den kollektivistischen Wirtschafts betrieb eine Krise heraufbeschwören, -die vorerst im Verlassen des Betriebes durch die Genossen und dem steten Wechsel der Mitglieder zum Ausdrucke gelangt, die aber dann auch zur Aufteilung des kollektivistischen Betriebes in individualistische Betrielje und zur völligen Zerstörung xmsever Wirtschaftsform führen kann. Wir können im Lande auf eine stattlich© Zahl landwirtschaftlicher Betriebe hinweisen, die eine ähnliche Entwicklung dw'chgeraachib haben. Der „Gdud Haawora" bildet zurzeit die einzige Eom im Lande, die dieses Problem zu lösen versucht. Er stellt einen lebendigen, tatsächlichen Kontakt zwischen den Arbeitern im landwirtschaftlichen kollektivisti sehen iBetriebe und den Arbeitern m 'kapitalistischen Unternehmungen her. Dieser Kontakt kommt in verschiedenen Formen, von denen jede eine Teillösung des Problems darstellt, zum Ausdinck. .1. Die persönlich-organisatorischen Verbindungen, die «ich im Austausche der Arbeitskräfte und der gemeinsamen Leitung bestehen, sichern die psychologische Gemeinsamkeit und das gegenseitige Verständnis unter den verschiedenen A bteilungen (landwirtschaftlich-kollektivistische, ■städtische Lohnarbeiter.) .Bai der Lebensstandard aller Mitglieder auf Grund einer gleichen Aufteilung aller Einnahmen und Erträgnisse best-immt. wird, entsteht das faktische und unmittelbare Interesse jeder Abteilung an dem Gedeihen aller anderen Abteilungen. In dem Maße, als wir immer mehr und mehr diese Methode des .,Gdud" uns zu eigen machen, gestalten wir immer -enger und enger unseren Kontakt mit den anderen Teilen des Proletariats und es wächst unsere Beteiligung an ihren Kämpfen. Das berechtigt unsauch, uns als aktive Mitkämpfer am Werke der allgemeinen Revolution des Cfesanitproletariats zu betrachten. Tagesordnung der siebenten Weltkonferenz des Verbandes Poale Zion. Das Ver'ban'dsbüro beschloß, der siebenten Weltkonferenz folgende provisorische Tagesordnung •vorzuschlagen: 1. Berichte: a) des Verbandsbüros, b) des Arbeitsamtes in Palästina. 2. Die gegenwärtige Lage in Palästina und unsere Aufgaben. 3. Der 14. Zionistenkongreß. 4. Koordinierung der Tätigkeit für das arbeitende, Palästina un'd die Verwaltung des Palästina-Arbeiter-Fonds. 5. Jugendbewegung: a) die Organisierung der jüdischen Arbeiterjugend; b) Allgemeine jüdische Jugendbewegung und Hejchaluz. -6. Der Kampf für die nationalen Minderheitsrechte der Juden jn jd'er Diaspora. 7. Vereinigungsfrage. 8. Der internationale sozialistische Kongreß. 9. Reorganisierung des Welhrrbandes. 10. Hilfstätigkeit. 11. Wahlen. Die vierte Konferenz der Poale Zion in Deutschland. Erfolgreiche Tätigkeit. — Das eigenartige J ugen d problem. — Die freundliche Aufnahme seitens der deutschen Genossen aus Thüringen. Am 31. Mai und 1. Juni tagte in Jena die vierte Konferenz der1 Poale-Zäon-Organisationen in Deutschland. Die Konferenz war sehr gut sbeschickt, besonders fiel die große Zahl der aus Deutschland stammenden Genossen auf. Das ist wohl; ein Beweis, daß der Poale- Zionismus in Deutschland tiefe Wurzel geschlagen hat Aus dem Berichte ist zu^ersehen^. daß unsere Genossen auf allen Gebieten des jüdischen Arbeiterlebens aktiv sind. In den Emigrations- und Hilfsinstitutionen sind unsere Genossen tätig. Bei den! Wahlen in den Landesverband der jüdischen Gemeinden in Preußen waren wir die einzige sozialistische Gruppe. Mit Rücksicht auf die geringen Geldmittel, die uns' zum Zwecke der Agitation zur Verfügung standen, können wir die Wahl von zwei Vertretern als Sieg bezeichnen. Die Propaganda- und Sammeltätigkeit für das arbeitende Palästina mußten unsere Genossen zum großen Teile allein durchführen. Als eigenes' Landesproblem ist das Verhältnis, zu der jüdischen Jugendbewegung zu< bezeichnen. Die jüdische Jugendbewegung ist sowohl von sozialistischen, als auch' von nationalen Motiven beherrscht. Doch konnte sie sich bis jetzt'zur Synthese des Poalezionismus noch nicht durchringen. Sie pendelt noch immer zum Teile zwischen bürgerlichem Zionismus und sozialistischer, sogar linkssozialistischer Anschauung. Die Konferenz beschloß unsere Taktik gegenüber der Jugendbewegung darauf einzustellen, daß sie ehestens ganz in unser Lager übertreten soll. Die bisjetzigen Resultate berechtigen zu den besten Hoffnungen. Den Glanzpunkt der Konferenz bildete das Referat des Genossen B. Locker über die Lage in der Bewegung und die Aufgaben der siebenten Weltkonferenz. Besonders hervorzuheben ist noch die außerordentlich freundliche Aufnahme, die die .deutschen Genossen Thüringens unseren Delegierten bereitet haben. Die „Sozialistische Kultur", die mehreren Parteizeitungen Mitteldeutschlands beigelegt wird, war ausschließlich den Problemen des arbeitenden Palästina gewidmet. Die Begrüßungen der sozialdemokratischen Gruppen und Vereine waren in einem warmen freundschaftlichen Tone gehalten. Der Berichterstatter der sozialdemokratischen Presse bezeichnet die zwei Tage der Konferenz als tiefes inneres Erlebnis. Die vierte Konferenz unserer Bruderorganisation zeugte von der Erstarkung und von der Zunahme an Einfluß des Poale-Zionismus in Deutschland. Wie die russischen Bolschewiki den Sozialismus verwirklichen.;Esf gibt wohl noch' heute ^Kommunisten, die der Welt einzureden versuchen, daß die Diktatur über das Proletariat in Rußland zur Verwirklichung des Sozialismus führt. Es verlohnt sich deshalb, ab und zu in die Wirtschaftspolitik der Sowjetunion Einblick zu gewähren. Am 13. April äußerte sich Rykow in Leningrad Vertretern der Presse gegenüber wie,folgt: „Weder der staatliche noch der gemeinwirtschaftliche Handel werden imstande sein, ihr Kapital in dem Maße zu erhöhen, daß' sie ihren Warenumsatz, entsprechend dem allgemeinen Wachsen der ganzen Wirtschaft, sichern können. Es' entsteht also im jetzigen Momente noch dringender als früher die Notwendigkeit, die Beziehungen zwischen staatlichem und gemeinwirtschaftlichem Handel einerseits und dem Privathandel andererseits auf der Grundlage der freien Konkurrenz herzustellen. Es darf deshalb auf keinen Fall geduldet werden, daß dem Privathandel im administrativen Wetje Hindernisse in den Weg gelegt werden." (Pravda Nr. 85.) In der siebenten Konferenz der Sowjets des Kreises von Moskau hielt Kamenew eine Rede über die Politik der Regierung den Bauern gegenüber, in welcher er unter anderem folgendes gesagt hat: „Wir sind für die möglichst weitgehende Erweiterung des kaufmännischen Charakters der Landwirtschaft, wir sind für die Industrialisierung des Dorfes, damit das Dorf in die Lage komme, die nöti- Zoblet den roten SdichclT^"'" ss^s^e^-a:^^ gen Mittel aufzutreiben. Nur entwickelte Bauern, die reich sind und Vermögen aufhäufen, können gute Konsumenten der Industrie sein und die Existenz unserer Industrie sichern. . . .;Wir müssen Verhältnisse wiederherstellen, die dem; Biauer ermöglichen sollen, die Produkte seiner Arbeit nach Belieben zu verwenden. Nur unter diesen Bedingungen, nachdem wir die Steuerabgaben aufheben und die Hindernisse der früheren Periode („aus der Periode des militärischen Kommunismus") aus dem Wege räumen werden, wird es zu erreichen sein, daß' im Dorfe Vermögen aufgestapelt werde." (Pravda Nr. $5.) Eine Rede, die Bucharin am 17. April in Moskau hielt, schloß er mit den Worten: „Den Bauern, allen Bauern müssen wir sagen: Bereichert euch! (Sperrdruck in der i}Pravda".) Entwickelt euere Wirtschaft und fürchtet euch nicht vor Verfolgungen!K Den Trost mancher Kommunisten, der lautet; mögen die Besitzenden Schätze aufhäufen, wir werden sie dann enteignen, bezeichnet Bucharin als Phantasiegebilde von Kindern. 'Da wird wohl mancher Kommunist stutzig werden. .Welches Resultat ein politisches Regime, das sich im krassesten Gegensatze zur .Wirtschaftsordnung des1 Landes befindet, zeitigen kann, kann für keinen sozialistisch Denkenden zweifelhaft sein. Nur rücksichtsloser Bonapartismiis kann die soziale Rückwärtsentwicklung der Wirtschaftspolitik der Sowjetmachtr haber verschleiern. Demnächst werden wir einige sehr lehrreiche Daten und Ziffern über die Zusammensetzung der: kommunistischen Partei Rußlands veröffentlichen. Notizen. Eine Schlappe der zionistischen Politiker. Wir haben vorausgesagt, daß nach' dem Siegesrausch anläßlich der Eröffnung der Universität in Jerusalem ein Katzenjammer im zionistischen Lager eintreten wird. Nun beginnt es die zionistische Bewegung bereits in allen Gliedern zu spüren. Sie haben die Reise Balfours1 und das Beschicken der Universitätseroffnung durch mehrere Regierungen als großen politischen Erfolg aus'posaunt. Einige Wochen' später mußte die zionistische Bewegung eine, Schlappe ertragen, die die ganze Ohnmacht ihres politischen Einflusses vor aller1 Welt offenbart. , An Stelle des scheidenden Oberkommissärs Herbert Samuel ist Lord Plumer zum Verwalter Palästinas ernannt worden. Ist die Nominierung eines Offiziers an sich nicht besonders' sympathisch, so ist die Art, wie dieseNominierung zustandegekommen ist, ein Schlag ins Gesicht der verantwortlichen politischen Führer der zionistischen Bewegung. Wochenlang vorher haben die führenden zionistischen Organe über die in Betracht kommenden Kandidaten, für den Posten des Oberkommissariats Vermutungen und Prophezeiungen ^ausgestreut. Unter den zahlreich genannten befand sich der wirklich ernannte Lord Plumer nicht. Nicht genug an dem, mußte die zionistische Leitung gestehen, daß sie die Ernennung des neuen Öberkommissärs erst aus den — Zeitungen erfahren hat. Die zionistische Leitung, die doch als „Jüdische Agentur" betrachtet werden soll, wurde nicht nur nicht zur Meinungsäußerung bezüglich der Ernennung herangezogen, sie wurde nicht einmal früher von ■ ■■■■■BHGIGBI&giMMHai BB3■ O UCBfiiSit HilOB ■■■■■■■■■■■■ Anläßlich der 7. Konferenz unseres Weltverbandees wird in den ersten Tagen des Monats August eine Fesfnumtner von „Unsere Tribüne" erscheinen. Bedeutende Führer der deutschen und französischen Sozialdemokratie haben ihre Mitarbeit bereits zugesichert. Die Führer unseres Verbandes werden durch Aufsätze vertreten sein. Vorbestellungen dieser Nummer, die besonders für Werbezwecke geeignet sein wird, werden bereits entgegengenommen. Da diese Nummer in einer viel vergrößerten Auflage erscheint, wird den Interessenten angeraten, Inserate in dieser Nummer einzuschalten. ■ ■■BlllllBBRIIIIIIIHailll