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Unsere Tribüne · 1925-07-01 · 9 (01.07.1925) · p. Seite 2

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
9 (01.07.1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Unsere Triböac Nr«? +mmmmmj&tmm Die Aufgaben der siebenten Koaferenz unseres Weftverbaiittes. i. \ (Sprachen- und Vefeifrigtmg^frage.) Die siebente Konferenz unseres Weltverbätitles steht vor mannigfaltigen und recht schwierigen Aufgaben. Vorerst wird die siebente Welttöönferenz den noch immer nicht endgültig gelösten Meinungsstreit in der Sprachen- und Vereinigungsfrage zu erledigen haben. Die Bedeutung dör „Sprachenfrage" für ute9ere Bewegung wirft zweifellos übertrieben. Wer unbefangen . die. kulturelle Entwicklung der arbeitenden jüdischen Massen in Osteuropa beobachtet, kann nicht im geringsten daran zweifeln, daß die jiddische Sprache in der Scnule und in den jüdischen autonomen Institutionen vorherrschend sein müsse. Den kulturellen Aufstieg der arbeitenden jüdischen Massen in Osteuropa Tcann in erster Reihe die Entwicklung der jiddischen Sprache un!d Lijtejratur'lyermittdnAMit derselben, Sicher- 'heit kann man Hebräisch als die herrschende Sprache in Neu-Paläs'tina und auch unter der jüdischen Ar- ' beiterschaft des Landes bezeichnen. Jede Stellungnahme, die diesen Feststellungen nicht Rechnung tragen würde, wäre falsch und ,müßte unvermeidlich zu inneren Widersprüchen und zu Spaltungen führen. Es sei ohneweiters zugegeben, daß der Zustand der Doppelspriachigkeit kein normaler ist, aber es hieße Selbstverständliches unnütz wiederholen, wollte man in unserem Kreise erst auf die unvermeidlichen; Anomalien des jüdischen Lebens hinweisen. Im Uebrigen erachte ich die Doppelsprachigkeit weder für die wichtigste, noch für die störendste Anomalie. Das soll aber nicht besagen, daß! nichts dazu getan werden darf und soll, um diesen Zustand der Doppel- * sprachigkeit erträglicher zu gestalten. Wir würden uns gegen unsere Ueberzeugungen arg versündigen, wir würden ein Verbrechen an den jüdischen Arbei- 'etrii begehen, wenn wir nicht dazu beitragen sollten, daß die jüdische Arberterschaft in Palästina dem geistigen Schiaffen der Mehrheit ihrer volksbewußten Brüser in der Diaspora nicht entfremdet werde und daß die arbeitende jüdische Masse im steten, direkten Kon- '-takte mit den sozialen und .geistigen Schöpfungen /der jüdischen Arbeitersiedlungen in Palästina bleibe. Der Einwand, daß man dazu der Originalsprachen nicht bedarf, ist oberflächlich und nicht stichhältig. 'Die Bedeutung des Hebräischen als Sprache der alten : jüdischen Kultur darf auch nicht außer acht gelassen werden. Um aber die Schwierigkeiten der Doppelsprachig-; fkeit hüben wie drüben erfolgreich erleichtern zu kön- "nen, bedarf es' einiger wichtiger Voraussetzungen. Erstens, dürfen sich unsere Genossen aus beiden Lagern zu einem Sprach-Chauvinismus nicht verleiten lassen. Das widerspricht jeder progressiven und sozialistischen Denkweise. Wenn wir an die Sprachenfrage mit dem Rüstzeug unbefangenen modernen sozialistischen Denkens herantreten, werden wir zweifellos keine gewichtigen Gründe gegen das Lernen und Erlernen der hebräischen Sprache in den Ländern der Diaspora, wie auch nicht gegen die Aufnahme des /Jiddisch in den Lehrplan der Schulen in Palästina 'finden. In der hebräisch-chauvinistischen Stimmung des 'heutigen Palästina (auch Blüten des Sprach-Faschis- Im'us schießen dort bereits aus dem .Boden) ist es sicherlich nicht leicht, mit einer Forderung für Jiddisch aufzutreten. Diesbezüglich würden wir unseren Genossen das notwendige Verständnis entgegenbringen und uns. bemühen, ihnen ihre Aufgabe zu erleichtern. Daß nach Palästina neu einwandernde jüdische Arbeiter, die der hebräischen Sprache noch nicht mächtig sind, den Anspruch erheben dürfen, m ü n d Ii c h u n d schri fliehe Mittteilungen in der jiddischen Spra- / fche-zu eirhalten, wäre für Genossen, die vom Sprach- Chauvinismus nicht infiziert sind, selbstverständlich. Zweitens müßten wir esvaufgeben in der Sprachenfrage unbedingte Prognosen zu stellen. Wir können itrtnso eher darauf verzichten, als es für die Gegenwart wirklich keinen anderen als den erwähnten Ausweg gibt. Wir können also die Entwicklung in dieser Frage ruhig abwarten, ohne ihr mit unseren prognostischen Feststellungen' voranzueilen. II. Die Beilegung ti& Slreites in der Spracherifräsge iftare eine wichtige VofSRiSStetzung für die Erledigung eines zweiten Streites, der in den letzten Jahren viel zu schaffen gab, d. i. d& Vereinrgnngsfrage. Nöch lange" vor der & Weitkonferenz: hat sich der größte und aktivste Teil, der sozialistischen Zeirej- Eion in Polen unserer Partei angeschlossen. Ein geringer Teil aus Polen und hauptsächlich die Partei m Litauen hat sfch dem Anschlüsse an unsere Bewegung widersetzt. Die sechste Weltkonferenz wollte diesen Gruppen den Uebergangzu uns nicht erschweren und hat nach langen Verhandlungen eine Formel gefunden, die beiden Teilen gerecht zu werden sucht. Man konnte wohl unserem Verbände nicht zumuten, daß er eine Partei wie die Zeirej-Zion Litauens, die keine selbständige Politik im Lande führt, ohneweiters aufnehme. Für uns ist die selbständige proletarische Politik unbedingte Voraussetzung. Zugeständnisse in diesem Punkte wären gleichbedeutend mit einem Aufgeben unserer sozialistischen Grundsätze. Es wäre mit ein Beweis, daß die Z. Z. tzu einer wirklich sozialistischen Gruppe noch nicht herangereift sind, wenn sie das nicht einsehen würden. Außer der lebständigen Landespolitik ist es nur noch die Sprachenfrage, die uns von den Z. Z. trennt. Die Z. Z. huldigen noch zumeist dem Hebraismus auch in den Ländern der Diaspora. Das bringt sie in einen Gegensatz mit der Kulturpolitik der gesamten jüdischen Arbeiterschaft Osteuropas. Erfreulicherweise hat die Partei der Z. Z. in Litauen in dieser Frage sich unserem Standpunkte bedeutend genähert. Es wäre zweifellos zu wünschen, daßdie sozialistischen Ze.irej Zion, die in Wirklichkeit .unseren Anschauungen und unserer Bewegung sehr nahe stehen, sich unserem Verbände anschließen sollen. Die Konsolidierung der jüdischen Arbeiterschaft ist heute mehr denn je dringendes Gebot. Wenn die Führer der Zeirej-Zion sich nur über die kleinlichen Parteiinteressen hinwegsetzen könnten, wenn sie sich bemühen sollten, darüber klar zu werden, daß ihre Organisationen in den letzten Jahren sich immer und mehr nach der Richtung ausgesprochen poalezionistischer Gruppen entwickeln, würden sie sich bestimmt nicht scheuen, die Entwicklung zu beschleunigen. Hoffen wir /daß sie diesmal zu dieser Einsicht sich durchringen werden. Schließlich darf man auch das nicht unausgesprochen lassen, daß wenn es wirklich lediglich auf die Zeirej-Zion allein ankäme, diese Frage bereits längst von der Tagesordnung unserer Bewegung'verschwunden wäre. Hinter den Zeirej-Zion steht unsere palästinensische Landespartei „Achdut Haawoda'', die die Verhandlungen und auch die Durchführung der Vereinigung — so paradox es scheinen mag, ist es dennoch wahr — äußerst erschwert. Aber unsere Bruderpartei Achduth Haawoda verdient es, ausführlicher behandelt zu werden. Das wollen wir im nächsten Artikel versuchen. Die 7. Weltkonferenz muß bei der Entscheidung dieser Streitfragen auf das Erhalten der Gesamtbewegung bedacht sein. Unsere Weltbewegung hat im jetzigen Zeitpunkte Atifgaben von ungeheurer Bedeutung für den jüdischen Sozialismus zu erfüllen. Diese Streitfragen bilden seit Jahren einen Hemmschuh für die Entfaltung der in unserer Bewegung schlummernden Kräfte. Wem es mit der Erneuerung und Verfielfachung unserer Tätigkeit ernst ist, ist verpflichtet, zur endgültigen Beseitigung dieser Streitfragen nach Kräften beizutragen. Und werden sich alle Teile der Bewegung auf der siebenten Weltkonferenz dieser Pflicht bewußt sein, wird die Tätigkeit unseres Weltverbandes in den nächsten Jahren eine für die jüdische Arbeiterschaft segensreiche Entfaltung erfahren. M. Singer. < Der 14. Zionistenkongreß. Das Büro des 1.1. Zi mistenk«njgresse<s entfaltet bereits seit einigen W-ocheu eine rege Tätigkeit. .Freitag, den 19. Juni fand im Hot*?.! „Imperial" ein Presseenipfang seitens des Ivongreßbüros statt. Den zahlreich erschieneneu Vertretern der inand ausländischen Presse erteilten programmatische und technische Informationen die Herren Oberrabhiner .Dr. Chnjes, Dr. Oelber und Dr. Hermann. Freiwillige Mitarbeiter für die Vorb'ereituwgen der 7. Weltkonferenz werden ersucht, sich im Sekretariate (IL, Blumauergasse 1) zu melden. Es erregt allgemeine Unxufriedenhe.it, daß die Eintrittspreise, so hoch festgesetzt wurden. Arbeitern und Ang es teilten wird es geradezu unmöglich gemacht, dem Kongreß beizuwohnen. Es ist dio alte und falsche Methode des Sparern mit den Ausgaben für den Kongreß. Das Fernhalten der arbeitenden Schichten von den Beratungen des Kongresses ist, «tbgesehen vorn propagandistischen ^Nachteil, auch rein nicht rentabel. Da müßte noch Abhilfe geschaßte nlfo&rgi. . ,-.«■ tSm ^tmn geschäftiftSJle" scheint übesrhaapt der Vmaiistaitttsg dieses KangJseses 'den. Sterapel aafteöflrfioketb. Im IüÄgfäBgebäude werden jsfasht bloß jüdische Btiohsr, jüdische 3&Etnst und 'Produtet» aus Efläästina* sondern g&hs wahllos Ä^rreachische uaä. «ösländiacshö Waren attsgsesieHfc werden* Öer XIV. Kongreß soll v**n einer Waa?eitflttease umgeben Verden. jSoü das etwa den <31uvr&k*er der 3-räger -des ,>öettea Kurses* aati der zionistiasoiifin Öe%egiaiig symboHsier«&:? Das» ist. milde gesagt, «Öse Cf^hmÄlosigiterfr. Zur Ideologie des „Gdud Haawoda". Die folgenden. Ausführungen sind ein Auszug aus einer Kede, die M. Elkind, einer der Führer des „Gdud Haawoda" (I>ie Arbeiterlegion) am ersten Mai d. J. in der Siedlung des „Crdud" in TeJ-Josef gelullten hat. Der „Cjdud" ist eins kollektivistische Organisation, die sowohl geschlossene Siedlungen, als auch einzelne und Gruppen von Arbeitern in den jStädten umfaßt. Der Auszug dieser Mai-Fest red© wird zweifellos dazu beitragen, in die Gedankenwelt dieser gewiß sehr interessanten Gruppe Einblick zu gewinnen. Der Kampf der Arbeiterschaft urn bessere Lebensbedingungen allem, setzt die Erkenntnis des Klassenbewußt - seins des Proletariats noch nicht voraus. Die tägliche persönliche Not des Arbeiters zwingt, ihm diesen Kampf auf. Erst, wenn dieser Kampf um bessere Lebensbedingungen einzelner oder Gruppen von Arbeitern in einen Kampf gegen die gesamte kapitalistische Wirtschaftsordnung mul für die Errichtung der kommunistischen Gesellschaftsordnung verwandelt wird, wird das Klassenbewußtsein zur unbedingten Voraussetzung. Für uns aber ist die Fragedes Klassenbewußtseins mit dem Wesen 'der Existenz unserer Lebensform eng verbunden. Heutzutage gibt es im Lande keine objektiven Momeute, die zwingen würden, uns für die Form der kommunistischen landwiit.sehaftlichen Genossenschaft ~ zu entscheiden. Die Beschaffung von Arbeitegelegenheiten am Arbeitsmarkt in Palästina ermöglicht den Arbeitern, eine zumindest nicht schlechtere Existenz als die unserige. Die kommunistische Wirtschaftsform idt auch keine nationale Notwendigkeit. Die jüdischen landwirtschaftlichen Genossenschaften entwickeln sich in anderen Formen nicht minder günstig und sogar in größerem Maßstabe, als die Genos-seusSchäften auf ldc|mniunis.tische.r Grundlage. Wir müssen uns darüber klar sein, daß in der kapitalistischen Ordnung die kooperative •oder kommunistische Froduktiongenossenschaft — besonders in der Landwirtschaft und in einem Koloniallan.de — keinesfalls von melrr Erfolg begleitet sein kann, als die individualistische. Hiebet darf nicht vergessen werden, daß die landwirtschaftliche Kolonisation ihr Menschenmaterial vorwiegend aus den Kreisen der Krämer und Handwerker erhält, die von der kleinbürgerlichen Psychologie par excellance beherrscht sind und deshalb zur Form der Eiiuelansiedlung neigen. Die Macht dieser Neigung können wir auch daran ermessen, daß die ersten Gruppen der Arbeiterorganisation, die längere Zeit unter der Flagge der Gemeinwirtschaft gesegelt und die Schule des kollektivistischen Lebens im Lande geschaffen haben, jetzt zum großen Teile der Einzelkolonisation (Moschuw — Kleüibauernsiedlung) sieh zuwenden. Die individin!istisclie Siedlung ist eben den Juden dank ihrer Verga ngenheit, ihi'er Erziehung, die genehmere Form. Um so weniger ist wohl zu erwarten, daß die jetzt ins La::d Kommenden, die zumeist nicht einmal jene sozialen und sozialistischen Träume der einstigen Einwanderer mitbringen, ein Element für die kollektivistische landwirtschaftliche Siedlung abgeben werden. Unsere Siedlungen hahen wohl als 'jüdische, aber nicht als kollektivistisch, o eine nationale Bedeutung. Unsere kollektivistische Wirtschaftsform stützt als'o heutzutage lediglich auf unser Klassenbewußtsein, ist zurzeit das einzige, das uns bewegen kann, trotz großen Schwierigkeiten, die sich uns entgegenstellen, dieser Wirtschaftsform festzuhalten. Im Hinblick auf die etwas noch ferne Perspektive der Arbeiterklasse, die Perspektive auf den Aufbau der kommunistischen Wirtschaftsordnungnach der sozialen Revolution, gewinnt erst unsere Wirtscliaftsform eine große Bedeutung. Diese Bedeutung kann in folgenden drei Punkion zusammengefaßt werden: 1. Das Erwerbe n v on E r f ah r u n g e n h e i d e r G r g ii n i s i e r u n g d er kell e k t i v i s t i s c h e n \Y i r ts c h a f t s b e t r i e b c. Diese Erfahrungen werden nach dtif sozialen Revolution in breitem Umfange angewendet werden können. Sie werden der Arbeiterklasse die Organisierung der Wirtschaft des Landes auf kollektivistische Grundlage erleichtern und hindurch zur Abkürzung der üeberganszeit, vom Ergreifen der politischen Macht bis zur Yergcsollschaftlichung der Wirtschaft, beitragen. 2. D a s B i 1 d e n neue r F o r m e n i n den P> e z i e - hungeai zwischen dem Einzelnen und der besä m t h e i t. z wi s c h e n d e n G e s c h1e c h t e rn , zrxr Familie, zur Erziehung der Kinder u. ä. Die große Bedeutungdieser Versuche wird wohl erst nach der sozialen Umwälzung klar zutage treten, aber einen gewissen Einfluß können diese neuen Lebensformen auch vorher auf die Arbeiterklasse ausüben. 3. Das Schaffen w i r t s c h a f 11 i c h e r u n d o r - ganisatorischer Stützpunkte für die Verwirk 1 i o h u n g ' d e r Sozialisierung der Volkswirtschaft nach der s ozial en Her oluti on. Diese 'historischen Aufgabe», unserer koUektivistischan Wirtscliaftsbetriebe rechtfertigen den hartnackigen Existenzkampf, "dm wir in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, in der Umgebung der bürgerlichen Kultur, führen müssen. Nur durch unser Klassenbewußtsein, dnreh den Glauben an das Ideal, das sich die Arbeiterschaft' vor Jahrzehnten geschaffen hat, befähigt uns hiea». Wie können wir für die soziale Revolution tätig sein? Vor drei bis vier Jahren wären viele ron uns nicht» itewätsiinde gewesen, dies» Frage positir zu beaafeworteiii,. sich Das der au?x:.K*Mm**rMxf*'m*-&m*LS<:m v m*M-**x*>

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