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Unsere Tribüne · 1925-07-01 · 9 (01.07.1925) · page 1

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
9 (01.07.1925)
Date
1925-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. ■ ■ ' ■■ ■■ Unsen! Tribüne Organ der judischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien ünlveruit^tsbibliothfik« ej„t zweimal monatlich ,/ \71on» 91 •___i_mm Redaktioir und - Administration: Wien, IL, Blumauergasse l/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: Vierteljahr.. 12.000 K halbjähr. . . 24.000 , Einzelne Nummer 2000 Kronen Nr. 9. Wien, 1. Juli 1925. 2. Jahrgang. Zahlt den Roten Schekel! Arn IS. August wird in Wien der 14. Kongreß der zionistischen Weltorganisation eröffnet. Dieser Kongreß wird in noch höherem Maße als seine Vorgänger zürn Schauplatz des Kampfes um Inhalt und Charakter des Aufbaues Palästinas in den nächsten Jahren werden. Die Gegensätze der Interessen und Ideale der verschiedenen Klassen und Schichten in Palästina und im gesamten Zionismus haben sich in den letzten Jahren außerordentlich zugespitzt. Unter dem Eindruck der in der ganzen Welt erstarkten Reaktion und gewisser Vorgänge im jüdischen Leben selbst, : ist die auch vorher schon vorhanden gewesene Eifer- . sucht und Mißgunst gegen die Errungenschaften der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas zur offenen Feindschaft, zum brutalen Angriff übergegangen. Die Mehrheit der entscheidenden bürgerlich-zionistischen Verbände Polens und Amerikas, sehr bedeutende organisierte Kräfte in anderen Ländern, und insbesondere auch der klerikale Misrachi treffen alle Vorbereitungen, um auf diesem Kongreß den sogenannten „Neuen Kurs" durchzusetzen. Der Hauptangriff wird gegen die „kostspieligen kommunistischen Experimente" gerichtet werden. Die genossenschaftlichen Kolonien, der Stolz der jüdischen Arbeiterschaft der ganzen Welt, die Stätten, des großen Ringens unserer Pioniere um neue Formen der Arbeit und des menschlichen Zusammenlebens sollen womöglich abgebaut werden, jedenfalls aber nicht mehr die bisherige Rolle in der Aufbauarbeit spielen. Dagegen sollen die Gelder des Keren Flajessocl und des Nationalfonds für die „Kolonisierung" nichtarbeitender", auf die Ausbeutung billiger feliaehischer Arbeitskraft spekulierender Elemente verwendet werden. Das nennt man „private Initiative". Genau so in der Stadt. Keine Förderung der genossenschaftlichen Initiative der Arbeiterschaft: Zuriickdrängung insbesondere des Solei-Boneh, der großen verdienstvollen Baugilde zugunsten privater Bauspekulation! Keine Arbeiter-Gartenstädte — wohl aber Förderungder Häuser- und Bodenspekulation, deren verheerende Wirkungen schon jetzt weite Kreise auch unter den bürgerlichen Zionisten mit Schrecken wahrnehmen. In der Einwanderung: Zurüekdrängung des Chahiz zugunsten des arbeitsunfähigen und arbeitsunwilligen „Mittelstandes". Abschaffung der Arbeiter- Abteimngen in den Palästina-Aemtern! Und als Sonderwunsch des Misrachi, dem die .Heroide des neuen Kurses weitherziges Verständnis entgegenbringen: Etablierung des' religiösen Gewissenszwanges als Flauptgrundsatz des Aufbaues! Und die Propheten der „privaten Initiative" mit nationalen Mitteln pochen dabei nicht so sehr auf ihre eigene Kraft, wie auf die Bundesgenossensehaft der «nichtzionistischen großbourgeoisen, plutokratischen, orthodoxen und assimilatorischen Kreise, die durch die Erweiterung der Jewish Ageney nunmehr zur entscheidenden Beeinflussung der zionistischen Arbeit herangezogen werden sollen. Gegen diese.Pläne gilt es, sich zu rüsten! Der Weg zu ihrer Abwehr ist: Eine mächtige Arbeiterfraktion auf dem XIV. Kongreß! Wir rufen alle arbeitenden Juden, wir rufen insbesondere die organisierte jüdische Jugend, die im arbeitenden Palästina die Erfüllung ihrer eigenen Ideale sieht, auf, sich sofort das' Wahlrecht zum Kongreß zu sichern durch die Entrichtung des Roten Schekels! Für Selbstaroeit, für .die Kwuzah — gegen Bodenspekulation und Fellachenausbeutung! Für jifLas sozialistische Palästina — gegen die Stinnesierung des Zionismus! Für Chaluzioth — gegen Galuthisierung Palästinas! Für (dien einzig wahren Zionismus, den Zionismus der Arbeit! Das ist der Sinn unseres Kampfes auf dem Kongreß! Der Rote Schekel ist unsere Waffe! |Es ist unserem Verbandsbüro gelungen, bei der zionistischen Exekutive eine Verlängerung des Endtermines für fdiie Ablieferung der Schkulim durchzusetzen. Die kurze Frist muß für eine energische Agitation ausgenützt werden. Jeden Dienstag und Samstag ab halb 8 Uhr abends erteilt Genosse Sorokin Auskünfte und nimmt Abrechnungen 'der Schkulim entgegen. Die bereits gezeichneten Schkulim müssen sofort verrechnet werden. Jede Unpünktlichkeit bedeutet eine Schwächung unserer Fraktion auf dem Zionisten kongresse. Arbeiterprobleme auf dem 14. Zionlstenkongreß. In wenigen Wochen wird der jüdischen Arbeiterschaft eine große Kampf aufgäbe zufallen: Die zielbewußte Zusammenfassung aller ihrer .Fraktionskräfte zur Durchsetzung der Forderungen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas auf dem Zionistenkongreß. Das Bild der letzten Jahre hat sich gewaltig verändert. Erlebten wir auf dem letzten Kongreß noch manche bewußt oder zufällig arbeiterfreundliche Abstimmung, bürgerlicher Gruppen, so wird dieser Kongreß von Ueberraschungen dieser Art verschont bleiben. Das bürgerliche Judentum fast aller Länder hat sich ge- einigt, nicht zuletzt auch in Palästina, und das Band dieser Einigung ,Lst wie überall so auch hier der Kampf gegen die klassenbewußte Arbeiterschaft. So lange noch mächtige bürgerlich-reaktionäre Kräfte gegen den Zionismus auf dem politischen Kampfplatz auftraten, brauchte man die Arbeiterschaft und mußte man sich Zurückhaltung auferlegen. Nun, da der bürgerliche Zionismus sogar mit der Agudah übereingekommen ist, bleibt nur mehr der Klassenfeind übrig, die jüdische Arbeiterschaft. Hier sei bemerkt: mag die Gestaltung der jewish Agency heute schon vollendete Tatsache sein, für uns jüdische Arbeiter aber ist es unumstößlich klar, daß das Erstarken der bürgerlichen, Reaktion auf allen Gebieten öffentlich-zionistischen Lebens in erster Linie zurückzuführen ist auf die Einigung der jüdischen Bourgeoisie in der Jewish Agency. Die Aufrichtung der Plutokratie, der reinen Geldsackherrschaft im öffentlichen zionistischen Leben bringt notwendig jene Mißachtung des Lebenskampfes der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas mit sich, die wir in den letzten Monaten so erschreckend überhandnehmen sahen. Unter solchen Vorzeichen gilt es die Kampfobjekte zu betrachten, um die auf dem Kongreß gestritten werden wird. Die Arbeiterorganisation Palästinas verlangt, daß aus den öffentlichen zionistischen Mitteln die Arbeiterkolonisation planmäßig weitergeführt werde. Bescheiden genug ist die Forderung nach Absiedlung von 500 Familien bewährter, in der Landwirtschaft Palästinas erprobter Arbeiter und Arbeiterinnen. Von bürgerlicher Seite wird diesmal ein Versuch gemacht, die zionistischen Finanz- und Kolonisationsinstitute; der'Arbeiterkolonisation, zum1 gro.ßtenl.Teil zu entziehen, un!d sie zur Ansiedlung eines aus Polen zu. importierenden' Kleinbürgertums zu verwenden. Der entschlossene Kampf der Arbeiterschaft gegen alle diese Versuche wird dem Kongreß geradezu seinen Stempel aufdrücken. , Hand in Hand mit den gewalttätigen Verstößen der Beourgeoisie gegen die Arbeiterkolonisation gehen auch ihre Versuche, der Arbeiterschaft jedes Bestimmungsrecht über die Einwanderung zu rauben. Die Arbeiterabteilungen an den Palästinaämtern, die darüber zu wachen hatten, daß der produktive Arbeiter unter allen Umständen bei der Einwanderung bevorzugt werde, sollen nach den Plänen der Bürgerlichen aufgelöst und die kleinbürgerlichen Elemente durch Erteilung von Visa bevorzugt werden. Schon haben die bürgerlichen Zionistenkonferenzen einzelner Länder Beschlüsse dieser Art gefaßt und der Kongreß wird die Fortsetzung dieses Kesseltreibens gegen die Arbeiterämter bringen. Endlich soll die Chaluzorganisation, die sich mit der planmäßigen Vorbereitung jüdischer Arbeiter für. Palästina befaßt, aller Mittel zur Erfüllung dieser Auf-, gäbe beraubt werden.; Den gleichen Existenzkampf führt die Arbeiterschaft auf kulturellem Gebiet. Die Bildungsarbeit der. jüdischen Arbeiterschaft — die breiteste Volksbildung des Landes — erfährt von der« zionistischen Organisation keine Förderung, wohingegen die bürgerlichen Erziehungsinstitutionen Palästinas bisher ansehnliche Mittel der zionistischen Organisation verschlungen haben. Mit diesem Zustand gilt es zu brechen. Die Arbeiterschaft hat das volle Recht, das Erziehimgsbujdget für das Volk allen anderen kulturellen Aufwe n d u ngen voran zus te 1 len. So sind die Kämpfe auf dem Zionistenkongreß: ein getreues Abbild der Klassenkämpfe aller anderen: Völker und Länder. Die .jüdische Arbeiterschaft weiß sich geschützt durch die Solidarität der Arbeiterklasse aller Länder und Völker. Im Zeichen dieses Klassenbewußtseins werden sich die Kämpfe abspielen und ein wesentliches beitragen zur Stärkung der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas. R. (j. Neues aus dem Wiener Palästina- Amte, Aus dem Wiener Palästina-Amte wird uns berichtet, daß seit der Rückkehr des Leiters Herr Dok-, 'tor Blauer aus Palästina dort ein „neuer Kurs" sich breit macht. Dieser „neue Kurs" äußert sich besonders darin, daß der Herr Leiter ein feindliches! Verhalten der Arbeiterabteilung (Machlakat Haawoda) und dem Hechaluz gegenüber bekundet. Fliebei soll Flerr Dr. Blauer völlig eigenmächtig, bei Außerachtlassungiler Beschlüsse des Präsidiums, vorgehen. Im Interesse dieser äußerst wichtigen Institution wollen wir hoffen, daß es unserem Vertreter gelingen wird, die rechtmäßige Ordnung im Palästina-Amte ehestens wiederherzustellen. ■ ■ | Elegante und dauerhafte 2 | Euxuss bbö Strapazsdiuiic i ■ kaufen Sie preiswert im jj : Schuhhaus Habermann;; I. Schulerstraße 18. Telephon 73-2-41 ■

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