Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 8 (05.06.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr., 8 . Unsere Tribüne Seite 3 ■ Wahrheitsgemäß wollen wir auch mitteilen, daß der zionistische Abgeordnete Grünbaum wegen dieser Schweinereif den „Jüdischen Klub" verlassen hat. Die Ausnahme bestätigt eben die Regel'. Herr; Grün- :>aum ist ein weißer Rabe. Wie die Wiener Zionisten die Würde dei; Kultusgemeinde wahren. In einer Versammlung anläßlich der letzten Kultusvahlen hat ,der Vertreter der Kultusangestellten Lehrer Josef Pick dem Vorstand "Korruption und Mißwirtschaft' vorgeworfen. In der Hitze der Wahlbewegung nimmt man solche Veußerungen nicht sehr ernst. Die Herren Zionistein aber, nit Herrn Dr. Plaschkes an der Spitze, in ihrer Feinds'eligccit gegen die Angestellten, liaben einige Mitglieder des Vorlandes in einen Ehrenbeleidigungsprozeß gegen Lehrer Pick nncingehetzt. In der Verhandlung, die am 4. Juni vor dem 5fcrafbezirksgericht I stattfand, wurde der Angeklagte Lehrer 3 Tagen Arrest verurteilt. Es sei hier festgestellt, daß Lehrer. Pick sowohl vor der Verhandlung als in der Verhandlung selbst sich bereit n-klärt hat, die Beleidigung öffentlich 7.uvückzuziehen und :lio Mitglieder d^s Vorstandes um Entschuldigung zu. bitten., Dio Vertreter dor Wahl Vereinigung 4 für soziale Tätigkeit1 aaben sich bemüht, diese Ehrenaffäre auszutragen, um <dio SAÜtuijgetneindc vor neuen böswilligen Ausfällen der juden- 'eindlichen Press© zu bewähren und um keinen neuen Zündstoff zwischen Vorstand und Angestellte zu werfen. Dio von Lehrer Pick formulierte Erklärung hat allen Herren der „Union", unter ihnen auch dem Herrn Präsidenten Prof. Pick, vollkommen entsprochen. Sie waren bereit, lies© Ehrenaffäre gütlich, auszutragen. ( Da griffen die Zionisten, besonders Herr Dr. Plaschkes, ler erbittertste Feind der Angestellten, ein. Herrn Doktor: Plaschkes ist es ganz schnuppe,'ob die Kultusgemeinde wieler in den Kot gezerrt wird, .wenn.er nur sein Mütchen in einem Angestellten kühlem kann. Zur Wahrung der Würde ler jüdischen Gemeinde müßte man die Herren -Zionisten, >esonders Herrn Dr. Plaschkes, davonjagen. Das wird zur h-ingenden' Aufgabe für all© freiheitlich denkenden JudeitC Die Wiener Zionisten erklären den Palästina-Pionieren Krieg. e Das österreichische zionistische Landeskomitee hat der Chaluz-Organisation den Krieg erklärt. Was hat sich denn die Chaluz-Organisation -zuschulden kommen lassen? " s Die Aufgabe der Charuz-Organisation besteht darin, ihre Mitglieder 'beruflieh,, psychisch und geistig Jür die jüdische Arbeiterschaft in Palästina zu erliehen. Und zwar bemüht sich die, Chaluz-Organisation, ihre Mitglieder in ihrer täglichen Betätigung an das Arbeiterleben zu gewöhnen. . Im Sinne dieser Aufgabe hat'die Chaluz-Organisation' ihren Mitgliedern die Pflicht auferlegt, nur Schkulim der Arbeiterfraktionen im Zionismus zu zeichnen. Zu einer Zeit, als in der zionistischen Weltorganisation ein sch.arfe|i* Kampf zwischen den Arbeitergruppierungen und den Bürgerlichen bevorsteht, würde es jeder Rechtdenkende als selbstverständliche Pflicht der Chaluz-Organisation betrachten, sich auf Seite der Arbeiterschaft zu stellen. Die Herren des zionistischen Landeskomitees aber können oder wollen das nicht einsehen. Sie wollen sich mit dem Bekenntnis der Chaluzim 'für die Arbeiterschaft, licht abfinden. v , , Ein zweites unverzeihliches Verbrechen beging die Chaluzim-Organisation. Sie hat es als ihre Pflicht brachtet, ihre Mitglieder /zum' solidarischen Kampfe mit den Proletariern anderer Völker zu erziehen und tat ihnen anempfohlen, am ersten Mai gemeinsam mit der geschlossenen Gruppe unserer Qrgani- »tion ihre Solidarität mit dem Weltproletariate kundoi tun. , , f ' "Da riß dem österreichischen zionistischen Lanieskomitee die Geduld. Die Herren bürgerlichen Monisten bedienen sich wohl! sehr gerne der heroi-» ichen Taten der Chaluzim bei der Werbetätigkeit ür die zionistischen Fonds, sie spenden auch hie md da einige Schillinge für ihre Organisation, aber $ ist für sie selbstverständlich, daß die Chaluzim! :um Danke (ohne Dank gibt eben ein Bürgerlicher meinen Groschen her) sich von ihnen bevormunden; lassen sollen. .iWenn sich aber unsere so oft [gewiesene Jugend zum selbständigen Denken und Haniel'n — und obendrein als bewußte Arbeiter —- auf- "affen, das erträgt ein zionistisches Landeskomitea iuf keinen Fall. / Daß sich diese Herren nicht scheuen,. der Chä> uzim-Organisation die Entziehung der wahrhaft sehr;pärlichen fnianziellen Unterstützung anzudrohen, be7 veist abermals die Schäbigkeit ihrer Gesinnung und hre kapitalistische Engherzigkeit. Daß es vom politischen Gesichtspunkte betrachtet, kaum etwas dümmeres'geben kann, ata*'die Handlungsweise des zio- ^tischen Landdslkomtiees, 'darf nicht wundernehmen, denn diese Partei ist schon längst von allen guten; Geistern verlassen. . Aber die Mühe des Landeskomitees ist völlig vergeblich. Die Chaluzim-Organisation muß sich immer mehr und enideutiger zu einer Vortruppe der klassenbewußten jüdischen Arbeiterschaft Palästinas entwickeln, nur politische Schafsköpfe können sich dieser Entwicklung entgegenstellen. Es wäre sehr traurig, wenn sich eine Chaluz-Organisation durch finanzielle Repressalien einschüchtern ließe. Aber es wird bestimmt nicht der Fall sein. Die Arbeiter-Pioniere;sind viehreifer und selbstbewußter, als die Wiener Zionisten anzunehmen scheinen. Sie werden mit Verachtung über diese Androhung hinweggehen. Die Wiener Zionisten haben aber durch ihr Verhalten der Chaluzim-Organisation gegenüber, einen neuerlichen Beweis ihrer bürgerlichen Engherzigkeit und ihrer politischen Engstirnigkeit geliefert. Bus Oer Wiener jüdischen Gemeinde. Die Tätigkeit der Opposition in der Kultusgemeinde. (Eindrücke aus einer öffentlichen Plenarsitzung.) $' Ich hatte die Gelegenheit, der öffentlichen Plenarsitzung der israelitischen Kultusgemeinde am 10. Mai beizuwohnen und ich will versuchen mit den Genössen und Freunden meine dort empfangenen Eindrücke zu teilen. I Vor allem konnte ich bereits die gute Wirkung, der von den Vertretern der Vereinigung für soziale-jüdische Tätigkeit geforderten und de facto erzielten Oeffentlichkeit der Plenarsitzungen wahrnehmen. Fast alle zur Verfügung stehenden Gästesitze waren besetzt, und mit Interesse folgten die Gäste den Verhandlungen im Plenum. Auch Anhänger' der Zionisten und der „Union" fanden sich zahlreich ein. Es ist zweifellos von Vorteil, wenn einige der Herren der Mehr-* heitsparteien ihre Vertreter an der ,Arbeit sehen können und wenn sie die Forderungen der Opposition! nicht erst von der entstellenden Wiedergabe in der famosen „Wiener Morgenzeitung" erfahren müssen. Es ist aber auch von Vorteil' für die jüdische Bevölkerung, daß die Herren der Mehrheit sich nicht unter sich fühlen, sondern sich von unbefangenen Wählern beobachtet wissen. Das merkt man übrigens hie und da an der Nervosität der Herren der Mehrheit, wenn ihnen die Vertreter der Opposition Wahrheiten ins Gesicht schleudern. Die Oeffentlichkeit der Sitzungen, die die Vertreter der Vereinigung für soziale jüdische Tätigkeit durchgesetzt haben, ist eine wertvolle demokratische, erzieherische Errungenschaft. Die Ausführungen des Genossen Dr. Gl'anz zur Beantwortung der Interpellation bezüglich der Einsichtnahme in die Protokolle und Akten der früheren und jetzigen Verwaltungsperiode, war von geradezu durchschlagender Wirkung. Die sachliche und gründliche Wiederlegung des Standpunktes des Präsidiums' seitens des Genossen Glanz brachte die Herren aus1 dem Häusl. Der Scharfmacher Herr Buchwald hat, wie es ihm geziemt, förmlich getobt. Herr Dr. Ticho brachte seine Empörung über die „Obstruktionsrede" Überlaut zum Ausdrucke. Diesem Herrn scheint die Abstimmungsmaschine die einzige nutzbringende Arbeit des Vorstandes zu sein, jede sachliche Auseinandersetzung bildet für ihn eine Störung. Es ist wohl begreiflich, daß die Abhaltung einer Plenarsitzung einmal im Monate;, che diesen Herren zwei Stunden ihrer kostbaren freien Zeit raubt, ihnen zuwider ist. Aber sie werden sich schon an dieses .„Opfer" gewöhnen müssen. Die Vertreter der Opposition! werden auch diese Erziehungsarbeit leisten müssen. Auch der Vizepräsident Herr Dr. Ornstein, der sonst nobel1 tut, hat seine Noblesse im' „heiligen Kampfe" gegen die Opposition abgestreift. Genosse Dr, Glanz gab ihm deutlich zu verstehen, daß die Opposition auch auf diese Kampfweise eingehen wird und sie sei bereit, gleiches mit gleichem zu vergelten. Herr Buchwald wird man wohl schon: beibringen,, daß er seine Wut gegen die Arbeiterschaft und die Sozialdemokratie nicht in der jüdischen Gemeinde,, sondern im Industriellenverbande austobe. Die vor*, trefflichen Zwischenrufe des Genossen Moritz haben ihm den Appetit zu Ausfällen gegen, die Arbeiterschaft gründlich verschlagen.; fllillliilljllll!!!!iiiii»i>!!;iiiiiiii.!!;iiiiim;^ — . I ■■, ■-.—————■— Ab 1. Juni erscheint in Tel Awrtö' [ kip;;li^tä!^|^ Tageszeitung , unter Redaktion des Genossen B. Katzenelsohn, Die Zeitung wird von der „Allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation" Paliistinas herausgegebene und wird inhaltlich sehr reichhaltig sein. Bezugspreis: Ganzjährig 2 ägyptische Pfund, vierteljährig ein halbes Pfund.1 Adresse: Dawar, Tel Awiw, P., 0, B. 199. Zu beziehen auch durch dio Administration „Unsere Tribüne", II., Blumauergasse 1. jjiiiiii^ mmiimmmwmMm » Schließlich wird allen Juristen der Mehrheit nicht gelingen, die Behauptung des Genossen Dr. Glanz wegzudisputieren, daß sie deshalb den Einblick in: die Akten und Protokolle verweigern, weil sie manches zu verbergen haben. Was mag es wohl1, sein? 1 •- Am Schhtsse will ich noch mit einigen Worten das Verhalteh der Herren Zionisten kennzeichnen. - Ich bin in der Nähe ihres Klubes gesessen und habe die Ueberzeugung gewonnen, daß sie in der Frage der Einsichtnahme in die Protokolle und Akten den Standpunkt der Opposition teilen, aber sie haben sich wohlweislich gehütet, es zum' Ausdruck zu bringen. Wozu sich mit ihren Verbündeten in einen Streit einfassen? Oder haben sie auch Interesse daran, daß aus' den vergangenen Verwaltungsjahren möglichst wenig zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gelange? Diesen Herren ist alles zuzutrauen. Ist doch ihre Arbeit 'im' I^ultusvorstan'de unter der Leitung der Herren Rechtsanwälte Löwenherz und Plaschkes durch einen ganz besonderen Jesuitismus gekennzeichnet. Unsere Freunde in der Opposition dürfen keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um die Herren Altliberalen' und ihre «zionistischen Handlanger zu entlarven. Es .kommt ein Tag der Abrechnung. L. cK. M km arbeitenden Palästina. Die Lemberger Kultusgemeinde für den Palästina-Arbeiterfonds. Den Bemühungen unserer Genossen in Lemberg ist. jes gelungen, bei der dortigen Kultusgemeinde eine Subvention von 1000 Zloty (ungefähr 200 Dollars) für den Paiästina,- Arbeiberfonds zu erwirken. Aehnliche Versuche werden in, fast allen Gemeinden. Ostgaliziens unternommen.! Der Erfolg unser er Genossen in Galizien sollte die Genossen in allen Ländern zu solchen Versuchen anspornen., Das Tageblatt der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Am 1, Juni begann in Tel Awiw das hebraischa Tageblatt der „Allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation" unter dem Namen „Dawar" zu erscheinen. Die Bedaktion liegt „in der Hand des Gen. B. Katzenelson. Anlaßliqh der letzten Tagung der Exekutive der S.Ä'.,Z " ist ein Begrüßungsschreiben an die Redaktion des „Dawar" gerichtet worden, welches unter anderein von Leo Blumy Tom Shaw, Friedrich Adler, Longuet, Renandell, Bracke, Hermann Müller, Krispien, Vandervelde, Henderson, Trewes (Italien), Tsöheretelli, Soukup und Engberg (Schweden) gezeichnet wurde'. i Lassalles „Arbeiterprogramm" in arabischer Uebersetzung. Die „Allgem. Jüd. Arb. Org." („Histadrut") gibt seit kurzer-Zeit einhOrgan in arabischer Spracheheraus;' Die Zweiwochenschrift unter dem Namen „Itachad il Amal" („Die Arbedtervereinigung") ist bestimmt, die arabische Arbeiterschaft" über Ziele und. Aufgaben des arbeitende». Palästina aufzuklären und sio für den gemeinsamen gewerkschaftlichen , und politischen Kampf mit dem jüdischen' Arbeiter zu gewinnen. r In1 diksot* Zwei Wochenschrift wird in Fortsetzungen die XJebergetaung von Lassalles „Arbeiterprogramm"^v«röffentliohtv _ —— ' •'• Wieviel Abonnenten haben Sie für »Unsere Tribüne« sihon geworben?