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Unsere Tribüne · 1925-06-05 · 8 (05.06.1925) · p. Seite 2

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
8 (05.06.1925)
Date
1925-06-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seife 2 Unsere Tribüne Nr. fr Diese Resolution 'wurde in allen Teilen einstimmig abgenommen. Meinungsverschiedenheiten rief nur der letzte Absatz hervor, wo die Resolution feststellt, wer zum Aufbau der Schule herangezogen werden soll. Mit großer Mehrheit •wurde gegen die Stimmen der alleinstehenden Borachow- JFraktion (linke Poale-Zion) in die Resolution ein Passus mtfgenoimmen, „d&ß dip breitestem V-olksmasteeji, welche sozial und kulturell an der. {Entwicklung der jiddischweltlichen Schule und der neuen jiddischen Kultur interessiert sind, herangezogen werden sollen". f Dieser Beschluß hat ein© ungeheure Bedeutung für die weitere Schularbeit. Die Ausstreuungen auf die jiddische Schule in Bolen, sie sei eine Klassenschule, werden hiemit beseitigt und es eröffnen sich ihr die weitesten! Perspektiven, dereinst die Schule der gesamten Nation» zu werden.' ' y Die- Resolution endet mit Hinweisen auf die Notwendigkeit eines verschärften Kampfes gegen die Reaktion, intensiver Aufklärungsarbeit unter den jüdischen und nichtjüdischen Volksmasscn, einer energischen Tätigkeit in den Stadträten für die Erhaltung der Schulen, eines engeren Kontaktes mit der Arbeiterschaft und den aufrichtig demokratischen Elementen der polnischen Gesellschaft und den nationalen Minderheiten. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der' großen Mehrheit des -Kongresses und seinem extremen Flügel zeigten sich auch in der 'Abstimmung über die Resolution über " die Organisationsfrage. Sehr wichtig ist der Teil der Resolution, der feststellt, daß Mitglieder ehr Schul Organisation alle .werden können, die Jiddisch als . Unterrichtssprache und die Weltlichkoit der Schule anüsrkenncoi, und fcla-s 20. Lebensjalir überschritten haben. Ein Durchdringen des Standpunktes, immer mehr Volkselemente zur Schularbeit heranzuziehen, liegt in dem Punkt, daß die künftige Organisation der Elternkomitees ein organischer Bestandteil der jüdischen Schulorganisation werden muß. Indem sie eigenbrötlerische Versuche, neue, besondere Körperschaften, zu gründen, verurteilt, unterstreicht ' die Orgdnisationsresol'ution die Plattform und . Organisationsform1 der jüdischen ' Schulorganisation, die darin besteht, allen. Freundem der jiddisch-weltlichen Schule Gelegenheit zum Anschluß ^u geben. / Von größter. Bedeutung für die Entwicklung der neuen jiddischen Kultur können , die einstimmig ^angenommenen Resolutionen" über jiddisch-wissenschaftliche.-Institute und allweltlichen, jiddischen Kulturkonigre'sse werden. In/dem der Kongreß alle Vorbereitungsarbeüen für das jiddischwissenschaftliche Institut, der Wilnner Kommission beim ■zentralen Bildungskomite© und der Wilnaer Bildungsgesellschaft gemeinsam mit Delegierten der Hauptverwaltung der jüdischen Schulorganisation überließ, hat der Kongreß dör Hauptverwaltung -aufgetragen, mit allem Möglichen mitzuhelfen, daß das Zustandekommen: des -. Kongresses der jiddischen Wissenschaftler als erster Schritt zum Institut noch in diesem 'Jahre ermöglicht werden soll. > Wegen des 'allweltlichen. Kulturkongresses . hat der Schulkongreß beschlössen, das neugewählte Plenum' auf- ' auf ordern,, die Initiative in dieser Sache zu ergreifen/ und alle Vorbereitungen zur Einbcj-ufuug dieses Kongresses zu treffen. Warme Begrüßungen ergingen an den Kongreß von der Liga für Menschenrechte, P. Bliesen und den Kämpfer und Schöpfer neuer' Schulen in Europa., Prof. Hilker, welche dem "Kongreß beiwohnen wollten, "und wegen der Ein-~v anischung des P.P. S. Senators Posser dies nioht ausführen konnten. Die übrigen Resolutionen! enthalten einen Protest gegen die Verfolgung der nationalen Minderheiten " durch die Reaktion in Poleni, besonders ihrer Schulen, öffentlichen .Institutionen und-gegen die "Verfolgung der Arbeiterschaft, besonders der jüdischen, und eine Einschätzung der hebräisschen Universität für die .Kulturbedürfnisse der jüdischen *» Volksmassen. * ' Die Schulorganisation hat sich mit folgendem Manifest an die jüdische * Bevölkerung gewendet: An die jüdischen Massen! In der Zeit yom 19. 'bis 22. April dieses Jahres hat in Warschau der zweite Schulkongreß stattgefunden. An ihm haben dreihundert Delegierte von annähernd 200 Schulen sich beteiligt, an denen 20.000 Kinder unterrichtet werden. \ Der Kongreß hat nochmals feierlich erklärt, daß die einzige 'Schule, die die Bedürfnisse der breiten jüdischen Volksmassen befriedigt, die weltliche Volksschule mit jiddischer Unterrichtssprache Ist. Nur in der freien, weltlichen Arbeitsschule, nur , in der Muttersprache kann ein gesundes, neues Geschlecht erzogen werden. Es ist das' heilige Recht des Kindes, unterrichtet und erzogen pu werden in der 'Sprache seiner Mutter. Zehn Jahre besteht die neue jiddisch-weltliche Schule.. Zehn Jahre schwerer Verfolgungen. Zehn Jahre materieller Pein, def Gleichgültigkeit und — des Hasses. Und doch hat die jiddische Schule durchgehalten. Noch mehr: sie ' ist gewachsen, hat immer tiefer Wurzel gefaßt und sich bedeutend geefstigt. Die neue jiddisch-weit liehe 'Schule ist eine Tatsache geworden, die niemand mehr 7A\ ignorieren wagtl Noch vor vier Jahren hat die ganze polnische Gesellschaft den ersten Schulköngreß mit Stillschweigen über- gangen. Den zweiten Schulkongreß haben Vorsteher aller linken und radikalen Sejm-Klubs begrüßt. Die Vertreter aller nationalen Minderheiten gemeinsam — eine Repräsentanz von .120 nichtjüdischen Sejmdeputierten. Das ist der beste Beweis, daß die jiddische Schule eine mächtige Erscheinung in unserem Leben geworden ist. Die Vertreter der nationalen Minderheiten haben erklärt, daß sie den Kampf für die Schule In der Muttersprache Hand in Hand mit uns führen werden. Unser, Kampf ist ein schwerer, aber ein sicherer^ Wir erstreben die Erziehung eines neuen, gesunden, (produktiven Menschen — eines produktiven Arbeitsgeschleclvts« Wir sind von Feinden umgeben. In der Zeit, in der die Anerkennung der jiddischen Schule begann und der mächtige Ruf der jüdischen Volksmasfeen: „Wir fordern die eigene Schule in der Muttersprache der Kinder" eine Notwendigkeit war, in dieser Zeit kamen die Orthodoxen und verkauften um ein Linsengericht das jüdische Kind.. Für einige Stunden religiöser. Fächer haben sie unsere Sprache verschachert, unseren Kindern die Zunge herausgerissen, das Geschäft der Pplonisation abgeschlossen, vor der Oeffentlichkeit die Abmachung mit dem Minister .StJ "of$a.bski verheimlicht und bereiten sich jetzt vor, auf Generationen hinaus das mittelalterliche, finstere Cheder zu befestigen. * Der Kongreß hat gegen diesen Kuhhandel entsqhieden protestiert, der hier -mit dem jüdischen Kind gemacht werden soll. Im Namen ungezählter tausender 'Anhänger . der jiddischen Schule-,. im Namen der jüdischen Volksmassen, hat der Kongreß feierlich erklärt, daß diese projektierte Vereinbarung den Fehdehandschuh für die jüdische Arbeiterschaft und Demokratie bedeutet. Niemand wird imstande sein, dem entscheidenlden Kampf für (die gerechte Sache Einhalt zu gebieten. Der Kongreß hat festgestellt, daß die Rechtlosigkeit der jiddischen Schule noch unverändert fortbesteht. Außer- . dem ist unsere Position noch geschwächt ■ durch das unerhörte Gesetzesprojektdes jüdischen „Kolo", das verschiedene Unteri-ichtssprachen für das jüdische Kind zuläßt. Der Kongreß hat beschlossen, die jüdischen Massen, Massen 'mögen ihre Stimme mit der Forderung erheben/, zur - Wacht über ihre Schulen .aufzurufen. Die jüdischen daß die jiddisch-weltlichen Schulen in das allgemeine iSchulnetz einbezogen werden. Die Schule für die jüdischen Kinder in der jiddischen Sprache soll vom Staat erhalten und von den jüdischen Massen selbst verwaltet werden. Die Schule muß ferner unterstützt und. verteidigt werden. Alle, denen ' die Zukunft des heuen, jungen Geschlechts teuer ist, alle, die den Ernst der Aufgabe, ein produktives Arbeitsgeschlecht zu erzielen, erkennen, alle, denen die jiddisch-weltliche Kultur nahe ist, sie alle sollen wie ein Mann sich hinter die jiddisch-weltliche Schule stellen. Die junge jiddische Schule "braucht treue,- (ergebene, hingebungsvolle Anhängerschaft. ' Die jiddische Schulorganisation ruft alle wahren Freunde unserer Schule auf. Jeder einzelne soll Mitglied der jiddischen Schulorganisation sein. Jeder einzelne möge seine große Pflicht in dieser historischen Stunde erfüllen! Es ruft die neue jiddische Schule! -Esruft die Renaissance und Erlösung des jüdischen Kindes! Jüdische Schulorganisation. Uebersenflen Sie uns gleidi den fälligen Betrag. Sie ersparen uns damit uiel Geld und Zeit und tragen zur Ausgestaltung unseres Organes bei. Gibt es wirklfch keine Abhilfe gegen den Hakenkreuzterror? *,.» <•-' '» -. Der feige Mord an|^poId .Müller und die darauf folgenden'frechen Provokationen der Hakenkreuzler müßten den Führern- Öer <Partei deutlicher denn je als Beweis erschein eil?-daß die bisjetzigen Abwehrmaßnahmen gegen diese Mordbuben unzulänglich, seien. Die Hakenkreuzler wissen sich im Ramek-Mataja-Waber-Oesterreiich vollkommen sicher. Sie haben: mit Recht Vertrauen zu den „unabhängigen" Richtern.. Und auch die schärfsten Reden unserer Genossen: werden dieses Gesindel kaum einschüchtern. Wenn man dem Treiben dieser Mordgesellen ein: Ende setzen will/ darf man sich nicht auf >Reden allein beschränken. iUm nur ein Beispiel herauszugreifen: was wäre berechtigter und selbstverständlicher, als bis zur gerichtlichen Entscheidung alle- Räume auf dem Schillerplatz — das Nest dieses .Gesindels — zu sperren? Das'würde den Hakenkreuzlern beweisen, daß man ihnen' diesmal ernst an den Leib ^rücken will und der Arbeiterschaft würde sich nicht das Gefühl der Ohnmächtigkeit bemächtigen/wie es jetzt in 'Wirklichkeit — trotz der entschlossenen Reden — der Fallist.. Zur Durchsetzung dieser Forderung bedürfte es. nicht eines Generalstreiks, eine kräftige parlamentarische Aktion würde bestimmt^genügen. Und diese- Forderung ist zweifellos, der Mühe wert. Es mag ja sein, daß gewisse politische Erwägungen unsere Genossen bestimmt haben, von dieser Aktion Abstand zu nehmen. Aber Vorsicht ist nicht immer d'ie Mutter der; Weisheit, manchmal — besonders -in der Politik — lähmt sie die Aktionsfähigkeit der Partei. Und das1, sollte um jeden Preis vermieden werden. Die Partei sollte' mit. der politischen Vorsicht sehr vorsichtig umgehen. Politischer Schacher der polnischen Zionisten. . \ Wir haben wiederholt auf den wirtschaftlichen Vernichtungskrieg, den die reaktionäre polnische- Grabski-Regierung gegen die Juden führt, hingewiesen. Was wäre selbstverständlicher^ als daß die Juden diese reaktionäre Regierung mit der schärfsten Opposition bekämpfen sollen? Aber weit gefehlt. Der jüdische Klub setzt sich'mit Herrn Grabski an den Verhandlungstisch und es' werden bereits Nachrichten verbreitet, daß man dem -„Jüdischen Klub" Ministerposten anbietet. Die polnische Reaktion wird gerne den Juden irgend, ein. Ministerportefeuille abtreten, um nach außen hin Liberalismus' zu heucheln, und im Lande selbst die1 Vernichtungspolitik gegen ■ die Juden weiterhin ungestört fortsetzen zu können.. Der Heißhunger der Herren Zionisten nach Staatswürden kann sie wohl' verleiten, die wichtigsten Lebensinteressen der jüdischen Volksmassen zu verraten. Das ist zwar sehr traurig, aber leider wahr. Duwid Bevgels'C-lia: Aus einer kleinen Welt.*) ■ (Schluß.) Seit damals wohnen hier im Hause David Leisers Schwägerin, Keile Malke, mit ihrem Mann — und sie, B. H., wohnt bei sich in der Küche. Im .Winkel1, neben dem Ofen, wohnt sie. Allemal, wenn in der nahen Kammer Mann un'd tWeib miteinander flüstern, beginnen da in der Küche ihre schuldigen, schielenden Augen nach rechts und nach links herumzuirren und ihre Ohren mühen sich, etwas von dem' Gespräch aufzufangen. Sie fürchtet, man könnte sie davonjagen. Keiner weiß, wovon sie lebt. Man behauptet, sie hätte Ersparnisse, die sie sich noch bei der reichen Schwiegertochter, bei der sie gedient hätte, zusammengespart hätte...... 'Es kommt der Monatsanfang von Elul;.,früh am 'Morgen, nachdem' man in beiden Bethäusern fmit dem Beten fertig geworden ist, geht sie, wie alle iWeiber, den Berg hinauf, auf den Friedhof, zum' Besuch der Gräber. Sie ist noch immer eine Schweigerin, klein, knofchig1, wie ein. mageres - Huhn. Sie verbirgt ihr löcheri- *) Siehe!*r. <$.. . , , /,!-.' '*...' i ges Pockennarbengesicht unter dem' weißen Kopftuch und ihre schuldigen, schielenden Augen schämen sich, einem' Mann ins Gesicht Zw sehen. lAuf den Friedhof kommt sie allein auf weiten, versteckten Seitenwegen. Sie steht lang hinterm Zaun und sieht sich mit ♦ den schielenden Augen vorsichtig um', wie ein verirrter Nachtvogel, rupft vereinzelte Gräser aus und hört, wie'weinende Weiber jenseits des Zaunes die Luft mit ihrem Geschrei zerreißen, die Gräber ihrer gestorbenen Männer bejammern. « Auf dem Friedhof wird es schließlich stilIH Verweinte Weiber gehen auseinander und die iTotenkammer ist auch schon geschlossen; der ganze frühe Morgen, die nach dem zweiten Beten leerstehenden Bethäuser, die zittrige Stimme des ersten Schofarblasen, das alles scheint es, ist so lang, lang vergangen. Damals Steigt B. H. über den Friedhofszaun und siteht einsam stundenlang zwischen <denl verlassenen Grabsteinen. Sie steht vor dem Grabe" David Leisers, des Melämod, und hat ihm nichts zu sagen, er war doch im ganzen'drei Monate lang ihr Mann. .Wenn sie sich an sein Gesicht erinnert, sieht sie ihn/ wie er ohne Aufhören nach den Schüsseln mit Melnoe greift, die sie ihm reicht, wie er sie heiß hinunterschlingt und dabei fette, glänzende Finger hat; und er spricht zu ihr: „Ein herrliches Essen, eine vortreffliche .Melone!" Jetzt liegt^ er da. Inmitten der angesehendsten. Juden liegt er, sie blickt lange auf seinen Grabstein, und entsinnt, sich seiner schon gut. Und plötzlich, fängt sie an zu singen, wie alle Weiber, mit einer/' traurigen Melodie und länggezogen, wie man einen- Tofen beweint: „Du hast Melone gerne gegessen . . . habe ich dir Melone gekocht." . Ringsum rauscht still das junge Friedhofwäldchen. Grillen hüpfen in dem' hohen, nie gemähten Gras herum.. In der Luft träumt noch immer der Seufzer eines weinenden Weibes^ das Echo entfernter,, heiserer Leiden. Grabsteine an den Gräbern* stehen reihenweise, verlassen. Wenn man auf sie blickt, scheint es, als wüßten sie etwas, als hörten sie. Und zwischen, ihnen schwimmt noch immer Beile Henies still weinende Stimme: / /„De hast Melone gerne gegessen . ,. habe iefe dir Melone gekocht." 1 ■ .'

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