Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 8 (05.06.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Es wurde eine umfassende Aufklärungsarbeit geleistet und die Mitglieder wurden sowohl beruflich, als auchpsychisch und geistig für Palästina vorbereitet. Der Berichterstatter gedachte des guten Einvernehmens mit den Arbeibcrgruppierungen und tadelte in scharfen Werten das feindselige Verhalten des Zionistischen Landestbmitees der Organisation gegenüber. Wir besprechen an anderer Stelle den Konflikt des Zionistischen Laudeekomifce-os mit der Clialuz-Organisation. Die Refera.fce und die Debatten der gut .besuchtet Landeskonferenz standen auf respektabler Höhe. Unter anderem wurde auch beschlossen, den Eintritt in die ,,A11-, gdm. jüd. Arb.-Org." (Histadrut) in Palästina als obligat für: alle Mitglieder des Chaluz zu erklären. Die Handlung der Leitung in den Fällen, die die feinfdselige Haltung des Zionistischen Landeskomitees hervorgerufen haben, hat die Landeskonferenz einstimmig gutgeheißen.; Außer der poalezionistischen Kwuzah „Borochow" wohnto der Konferenz eine Delegation unserer Organisation bei. In unserem Namem hat Orenosse Orechow die Landeskonferenz begrüßt, Aus 9er Weltbewegung. Die siebente Weltkonferenz in Wien. 23s .scheint bereits festzustehen, daß die siebente Konferenz des Weltverbandes Poale-Zion in Wien in der ersten. Woche des Monats * August tagen wird. Ein ^Vorbereitungskomitee aus Wiener Genossen wird in den nächsten Tagen, gebildet werden. Genossen und Genossinnen, die freiwillig mitzuarbeiten bereit sind, werden ersucht, es dem Sekretariate mitzuteilen. Eine Ausstellung jüdisch-sozialistischer Literatur in Wien. Anläßlich des in Wien stattfindenden XrV. Zionistenkngroesses und der siebenten Konferenz des Weltverbandes Poale Zion wird eine Ausstellung von Zeitungen, Broschüreli und Büchern jüdisch-sozialistischen und poalezionistischen Inhalts in allen Sprachen veranstaltet. Anregungen und Erklärungen zur Mitarbeit werden dankend entgegengenommen. i Adresse: Verbandsbüro Poale-Zion, II., 'Blumauerg. 1/2. Die Rolle der Kenntnis der hebräischen Sprache bei der Qualifikation für Palästina. Bei der Auswahl der für Palästina geeigneten Emlwanderer,, wird, außer der beruflichen und ideo-; '. logischen Vorbereitung, auchdie Kenntnis der hebräischen. «Sprache berücksichtigt. Im folgenden; legt ein Genösse, der uns im Palästinaamte vertritt, seinen Standpunkt in dieser Frage klar. Wir wer- , den uns zur Stellung des Genossen Sorokin noch ' äußern.. Die Redaktion., Die ökonomische und politische Entwicklung des jüdischen Volte in den letzten Jahrzehnten hat die besten Männer des jüdischen Volkes für, den Zionismus als Rettung vor der völligen Assimilation an die (Wiirtsyölker gewonnen. Unter Zionismus' wird verstanden; das jüdische Volk nach Palastina zu bringen, 'um' 'dort geeint durch Sprache» und Kultur wiederaufzuleben; für unsi Poale-Zion (bedeutet Palästina überdies eine zu schaffende ^iQrimale ökonomische; Basis, auf die wir durch normalen Klassenkampf den Sozialismus erkämpfen sollen. Nach meiner Meinung kann sich' das jüdische Palästina aus "historischen und ökonomischen Grün- .den nur mit Hilfe der hebräischen Sprache entwickeln. Sogar der überzeugteste Jiddischist wird nicht behaupten können,!daß eine zweisprachige Entwicklung des jüdischen Palästina möglich ist. Dies schließt je-' doch nicht aus, daß in den palästinensischen Mittel und Hochschulen das Studium aller Idiome der im Golus entstandenen Kulturgüter gepflegt werden soll1. Hingegen soll in den Volksschulen der Unterricht aller Gegenstände nur in der hebräischen Spräche erfolgen. , Im Namen, des1 im Aufbau begriffenen geeinten palästinensischen Judentums hat "der Hebraist in Palästina das 'Recht zu fordern,, daß; die Juden nur hebräisch sprechen, daß das« öffentliche! Leben nur von der hebräischen Sprache beherrscht werde, und daß man unter allen Umständen trachte,-daß die Presse in der hebräischen Sprache erscheine. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Menschen, die konsequent denken, eine andere alls die hebräische Sprache für die normale Entwickelung des jüdischen Volkes in Palästina vorsehen. Die Bedeutung der Golus-Kultur |in ihren vielfachen Idiomen will ich darum nicht herab1 setzen. Im Gegenteil: diese Kulturen dienen als leuchtendes Bqs'piel dafür, daß die Juden trotz ihrer Verfolgungen imstande waren, in einer eigenen selbstgeschaffenen Sprache das geistige Leben zu verkörpern und zu erhalten. Diese Sprachen werden sich im' Golus noch so lange erhalten und weiter entwickeln, als die Juden in der Diaspora fähig sein werden, ein eigenes nationales Leben zu erhalten. Es ist darnach unklug, sogar schädlich, wenn der Hebräist die Golussprachen für den Golus nicht anerkennen will und sie bekämpft. Das Gegenteil sollte der Fall sein, denn solange (die; Juden in, den Golusländern'als selbständige Nation existieren, sind diese Sprachen der beste Kitt, der wenigstens das völlige .^jifgehen in den um- . gebenden Wirtvölkern herauszuschieben imstande ist. Der Hebräist, der ein jüdisches Palästina will, soll! trachten, diese Sprachen zu schützen, um noch länger Zuzug [aus dem;Galuthjudentum"zu erhalten. Denn der; Jude, der nun auch der Sprache seiner Väter entzogen 'und sonach durch Sprache und Umgebung] seinem Wirtsvolke sich anpaßt, ist viel schwerer für das nationale jüdische Ideal zu gewinnen., Ausnahmen, sind natürlich nicht ausgeschlossen. - iWas das palästinensische Judentum und seine) Hebraisten betrifft, haben sie allen Grund vor dem' Einwandern fremdsprachiger Elemente auf der Hut zu sein. Denn die Entwicklung jeder Nation zum' geschlossenen Volkskörper ist Hand in Hand gegangen' mit der Entstehung und. Entwicklung der Volkssprache.'Ich bin überzeugt, daß die Juden Palästina^ dies nur durch die hebräische Sprache werden schaffen können. Es kann also dem1 Palästinenser garnicht gleichgültig Sein, ob' die Ankommenden hebräisch; sprechen oder nicht. Der Hebraist hat das yRecht zu fordern, daß die Juden aus den Ländern des Golus,. die nach Palästina wollen, die hebräische Sprache beherrschen, ja, auch zu verhüten, daß, nicht hebräisch Sprechende ins Land kommen sollen. Nun liegen aber die Dinge einmal1 so, daß nicht jeder nach Palästina emigrierende Jude im. Golus1 die Möglichkeit hatte, die hebräische Sprache zu erlernen. Wir können und dürfen, demnach nicht Juden, die die hebräische Spra-' che ' nicht beherrschen und nach Palästina wollen, zurückweisen, denn Jeder Emigrant hilft jetzt mit, das jüdisfche Land aufzubauen und die jüdische Bevölkerung zu vergrößern! Ich bestreite nicht, daß, wenn große, nicht hebräisch sprechende Volksmassen ins Land kommen, sie die hebräische Kultur gefährden könnten. Nun ist dem vorläufig nicht so und anderseits wird die 'Gefahr schon darum überschätzt, weil wir im' Lande bereits eine hebräisch'sprechende Masse, eine hebräische Lehrerschaft, eine hebräische Volksschule und andere Erziehungsinstituti&nen haben, an denen die hebräische Sprache die einzige Unterrichts^ spräche ist. Außerdem kommen nach Palästina viele verschiedene Sprachen führende Menschen, die schon durch das praktische Leiben allein gezwungen sein werden, eine Sprache zu sprechen,.und zwar die hebräische. " Im1 Interesse Palästinas und im Hinblick auf die hohen Ziele, die die Paläs'tinafreuride aller Schattierungen zu verwirklichen haben, sowie um1 Möglichkeiten zu Konflikten auszuschalten, bin ich im allgemeinen gegen die entscheidende Einschätzung der Kenntnis der hebräischen Sprache bei der Qualifikation für Palästina. Nehmen wir aber zum Beispiel an: wir haben vor uns zwei jüdische Erdarbeiter, die mit Ausnahme der Kenntnis des Hebräischen beide guten Eigenschaften besitzen, bin ich selbstverständlich dafür, daß, zuerst der fahren soll, der hebräisch spricht. Pjnehas S or.o kin. Erste-Maifeier unserer Organisation.!Am 1. Mai demonstrierten unsere Genossen, bei zahlreicher Beteiligung von Ghaluzim, unter Vorantragung der poale-zionistischen Fahne. Wir marschierten mit dem 2. Bezirk über den Ring und nahmen am großen Platze vor dem Burgtheater Aufstellung. Nach Schluß der Feier, um 12 Uhr, maiischiorten wir in geschlossenem Zuge zu unserem Arbeiterheim in der Blvunauergaas©, wo sich der Zug nach Absingen der Internationale auflöste. Die in jiddischen Lettern gehaltene Aufschrift unserer Fahne erregte großes Aufsehen. Am Abend veranstalteten, wir eine künstlerische .Feier, im Saale der Toynbee-Halle, XX., Denisgass© 33. Als Festredner sprach Gen.-, Dr.. Sokal. Er betmte in seinen Ans führungen die Notwendigkeit der Stärkung des intevnatio nalen Geistes in den sozialistischen Parteien aller Lände Nachher las der, unseren Genossen und ^Freunden gut bt kannte Gen. &eo Halpern (Regisseur dor Gildenen Paws mit tiefer Empfindung revolutionäre Dichtungen. Der zweit Teil des'Abends wer den Gefallenen des 1. Mai in Jaffa g widmet. Gen.* Singer hielt die Gedünkrede. In warme Worten gedachte er der Helden des 1. Mai und erinnert hauptsächlich an den gefallenen hebräischen Dictit-.u- Cirair %renner, an den Dichter der ewig traurigen, pessimistisch« jüdischen Galuthscele, der unter dem Eindrucke des voi den jüdischen Arbeitern zu neuem Leben erweckten Pahi stina eine so starke Wandlung durghgemacht' hat, ein Wanfllung zum hoffnungsvollen, frohen, freien Leben un< dadurch symbolisch für das Leben in Palästina wirkt. Chawe Leo Kaufmann erzählte dann seine persönlichen Eindruck von den Kämpfen am 1. Mai 1921 in Palästina. Nach den Gen. Halpern aus Jiskor (Gedenkbuch für die Gefallenen ii Jaffa) vorgelesen hatte, ging die Feier unter starkem Beifal der zahlreich erschienenen Zuhörer zu Ende. Anläßlich der' Geburt eines Sohnes -gratulieren herz liehst» dem Obmanne, Genossen und Freunde M. Singet die Genossen und Gemossiniren.: Andermann L. Brawer B. und' Fi;au . Dr. Bernay Ad. und Frau Dr. Bloch Ed. und Frau tCenstochowski M. und Frau . : l Drucks Rosa und Salomon Dr. Drimmer M. und Frau Diamandstein Osias und Frau Dr. Gaster Emil und Frau ßoldstaub Josef ( /; Geller R. und Familie Dr. G-oldschmidt und Frau ,; Henig Jakob - iHorowitz Wolf Halpern Jechiel _ ' ' < Jungermann J. und Frau Kupfer Chaim. Klinghof er und Frau ' ■ , Kretschmar S. und Frau Leitner M. und'Frau Leitner Samuel '' Dr. Lamm Josef; Mayer Salem und Frau i «Ludmer Frieda -! } Rottenstreich C. und Frau Radoschytzki S. und Frau , , Dr. Spitz , Georg ' ' : . '"Scharrer Bernhard . ■ . Dr. Sokal S. und Frau ■ " ■ Schwarz Josef und Moritz i Dr. Sommerstein Chaim 4 ' | ' , Schattner Eisig Salitry^Oh. . . i! Sorokin Pinchos und Frau Schippner Heinrich und Frau '\ j)r. 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