Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 5 (06.04.1925)
- Date
- 1925-04-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 1 Unsere Tribflne WS i '3& Nr.. 5 Samstag, den 2. Mai 1925, findet eine grolle m Lassalle-Hess-Feier A « ■ *. statt. lieber Lassalle #ird $atidrtalrat G&nosse Ör. Ellenbogen sprechen* Der Sprechchor uhter Leitung der Genossin Karau und noch -andere Kunstkräfte; werden das reichhaltige Programm bestreiten. Auslesern Anlasse wird die nächste Nummer „Unsere Tribüne" vorwiegend Ferdinand Lassalle und Moses Hess gewidmet sein. Wir fordern alle Genossen und Freunde auf» sich für die Werbetätigkeit für die Feier zur Verfugung zu stellen. Sitzungen für öffentlich erklärt^ aber man muß einsehen, daß die Publizität 'der Sitzungen nicht vom Wohlwollen;deS Präsidenten laibhängen darf. [Wir haben beantragt, ein Publikatfo'nsorgan zu schaffen, welches übet die- Arbeitet! im Kultusvorständ (und in den Kommissionen berichten und der Diskussion aktueller jüdische?"Fragen dienensoll.. Unser Vorschlag wurde bisher nich't behandelt- Die Unausgeglichenhejt des Statutes zeigt sich a,uch in der Beamtenfrage. Es ist eine Dienstordnung, ein Pensionsnormaje usw% gar ,3.icht vorgesehen. Dia^u kommt abe!r Uder einzig dastehende (Kampf zwischen Vorstand, und den" Beamten. Es wird versucht, die Gewerkschaft zu .zertrümmern, Disziplinarverfolgüngen und EhrenbeieldigungsWa'gen .jagen einander und darunter leidet .die Arbeit ^des Vorstandes und der Beamten. .Wiir 'haben wiederholt .— 'und| das sei vor alier OeffentlTchkeftkonstatiert — unsere Dienste a'ls ehrliche Vermittler zur Versöhnung angeboten. iWir' Ha^en''wiederhoTt «im- Präsidium .vorgesprochen,* hiajbfcn' verschiedene' Vorschlage erstattet, wie rnaln den Frieden herstellen könnte. Alle wurden, abgelehnt. Wir lehnen hiemit feierlich alle Konsequenzen, ab, die sich aus. dem''KoÄkt zwischen Vorstand ,u;n'd Beamten .jergebbi ...werden:" Die Oeffentlichkeit wird es nie verstehen," daß; «zum Gaudium unserer! Feinde, die Kultusgemeinde.der Ort häßlicher Zwistig-, keiten sein muß. Sie wollen es' sohaben. Sie werden die Verantwortung tragend Sie werden auch die Verantwortung tragen für die Art und iWeise, wie Sie unseren. An trag auf Einsetzng eiuner Kommission'zur Schaffung des allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen .Wahlrechtes ohne.Rücksicht auf die Steuer-, leistung behandeln. Sie wollen den Antrag in Verr igessenheit bringen. Wir erklären Ihnen offen, |daß wir das nicht zulassen werden. Wir und die jüdische Masse sehen nicht ein, daß . es dreierlei Juden gibt, erstens solche, die zahlen und wählen, weitens, die nur zahlen dürfen, und drittens, die weder zahlen,, noch wählen. Es widerspricht „dem judischen demokratischen Empfinden und dem dem Zuge unserer Zeit an diesem unsozialen Wahlrecht festzuhalten.. Wir werden nicht zulassen, daß die Periode» des Vorr Standes vorübergeht, ohne Schaffung des von (uns gewünschten Wahlrechtes. War haben bisher ernst mitgearbeitet und die Tätigkeit des Vorstandes gefördert, so weit' eis än' uns lag. Wir werden sie mit allen Mitteln hindern, wenn das Wahlrecht nicht geändert wird/ •■ y Alles andere tritt an Wichtigkeit diesem . Punkte gegenüber zurück. Wir halben in diesem Belange die Oeffentlichkeit hinter uns. Hier sind..sie in der Ueberzahl', draußen sind wir es. Und wir werden die jüdischen Massien aufbieten und durch Druck von innen und außen dient gutejn Rechte zum Siege verhelfen. Aus allen angteführten Gründen hegen wir Mißtrauen gegen die herrschende 'Majorität in der Kultu* gemeinde und werden gegen das Budget stimmen. Ausschluß aus der Organisation. In der Sitzimg des Orgaiiisataoiisikoinitees am "24:. März wurde der Beschluß gefaßt, Benjamin Meinbach, und Simon Rot, wegen Nichterfüllung Jder Mitgliedspflichten, aus der Organisation auszuschließen. ihren jüdischen Klassetpfrüffern, die ihnen Kultur und? höhere Wirtschaftsformen* bringen, ihre Freunde erkennen und ihnea im Kampfe gegen die .^ffendis Hilfe leisten. Das ist keine Zukunftsmusik, die ersten Symptoms dieser Tendenz sind* bereits .wahminehmen. u ' •Also, Herr Stricke r, nicht die ,.rn&r x i s^t i~ sche" fKoloni sati onsmeth.ode,: sondern die* privatkapitalistische geräft i.m Gegensatze mit den Interessen des jüdiscrh^n Volkes in. Palästina u,nd kann eine etnst'e Gefahr 'für die gedeihliche Entwicklung des jüdische» Jischuw werden. " * M. Singer. Notizen. Zionismus und Klassenkampf. Entgegnung an Herrn . Oberbaurat Stricker. TL Wir haben bereits im Gegensatze zu Herrn Stricker nachgewiesen, daß unser Anspruch auf Palästina sich keinesfalls im Widerspruche "mit den Grundsätzen des Sozialismus — oder, wie es Herrn Stricker beliebt: Marxismus — befindet» - - . ' Nun-.wollen wir uiis * den Fragen der Praxis zuwenden. Herr -Stricker meint, ..daß. man in Palästina rnicht nach dem Programm, einer Klasse, das heißt in unserem Falle: gemeinwirtschaftlich, aufbauen kann. Möge. Herr Stricker zur Kenntnis nehmen, daß gerade wir Sozialisten uns niemals der-Illusion hingegeben haben, daß in Palästina die Periode der kapitalistischen Wirtschaft wird übersprungen werden können., Noch lange befvfor das lehrreiche- Beispiel von Rußland erfolgt ist, haben wir die Möglichkeit der Existenz einer sozialistischen Insel in Palästina verneint. iDle' gemeinwirtschaftliche Kolonisation in Palästina ist aber in erster Reihte, ein Erfordernis der Not. Es war nicht möglich, in der Privat-Kolonisation eine größere Zahl jüdischer Arbeiter dauernd, festzuhalten, weil sie die Konkurrenz mit den billigen, anspruchslosen arabischen Arbeiternnicht aufnehmen, konnten. Es mußten deshalb, wenn man die einwandernden Juden mit der Scholle Palästinas verbinden wollte, Siedlungsformen gesucht und gefunden werden, die die;- jüdische Arbeit ertragreicher gestalten sollen. Das ist bei der Gemeinwirtschaft der Fall. Wir haben es . niemals verheimlicht, daß die sozialprogressive Formder . Gemeinwirtschaft' unsSozialisten besonders nahe ist, weil sie die Herrschaft des Kapitals auf ein Minimum einschränkt. Wir sehen in der Gemein Wirtschaft die Möglichkeit der Entfaltung der schöpferischen Kräfte des Proletariats, hauptsächlich im Interesse der eigenen Klasse und wir erachten sie als Vorbereitungsschule für die Selbstverwaltung der Wirtschaft durch das Proletariat: Aber es ist kern Zufall, daß auch in diesem Falle die wirklichen Interessen des jüdischen Volkes mit denen der klassenbewußten jüdischen Arbeiterschaft im Einklänge sind. Die wahrhaft.nationalen Forderungen können nie im Gegensätze zu den Forde(rungen ..der arbeitenden Bevölkerung der Nation stehen. Das ist nur bei den Natibnalchauvinisten aller Völker der Fall. Hiermit ist für uns' bereits auch die dritte Behauptung des Herrn; Stricker grundsätzlich erledigt. Wir stellen niemals und nirgends. „die: Solidarität der Klassen über die Solidarität der Nation", weil die Interessen von Klasse und Nation für uns keine Gegensätze bilden,.im Gegenteil: in den wichtigsten Punkten fallen sie zusammen-. Was JleiT Stricker in der Frage der Verfassung für Palästina erwähnt, entbehrt jeder Grundlage. Es. war und ist für uns unerscMtterlicher Grundsatz, daß unseren Anspruch auf Palästina niemand strittig machen kann. Es wäre eine Torheit, heutzutage die aufgehetzten, unaufgeklärten arabischen Massen über unser' Recht auf Palästina entscheiden zu lassen. Aber das ist nur eine zeitlich beschränkte Maßnahme. Mit der Entwicklung der jüdischen Siedlungen in Palästina schreitet auch die politische Heranreifung des arabischen Elementes vor. Die arabischen Bauern und Arbeiter,, deren Lage sich durch die jüdische Ansiedlung und Produktivierung des Landes1 erheblich gebessert hat, sie werden in .absehbarer .Zeit Freunde und Mitarbeiter der Juden werden. Allerdings hangt die jüdische^arabische Verständigung in erster Reihe von folgendem Momente ab: wird der brachliegende Boden Palästinas vorwiegend vom privaten jüdischen Kapital erworben werden, dann wird der Gegensatz zwischen Juden und Arabern, verschärft werden. Warum? Das private jüdische Kapital wird natur- und erfahrungsgemäß die billige arabische der teueren jüdischen Arbeit vorziehen. Und wenn Tausende von ausgebeuteten arabische n Arbeitern einer; kleinen Gruppe jüdischer Grundbesitzer gegenüberstehen werden, wird — das lehrt uns die Geschichte aller "Völker,, die Juden eingeschlossen — der Klassenkampf in einen nationalen Kampf verwandelt. Wird aber der brachliegende Boden gemeinwirtschaftlich, bei Ausschaltung von Ausbeutung, bestellt werden, dann .werden die^ arbeitejnden arabischen Massen in ' " v": ' " ' 4*- Zur Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem. Die Gründling einer Universität in Jerusalem ist gewiß, an sich von großer Bedeutung für das jüdische Volk und für den ganzen Orient. Es wäre zwar zu erwägen, ob im jetzigen Zeitpunkte eine Hochschule das notwendigste für die Entwicklung Palästinas, sei. Aber der -Autlxui eines Landes und die Auflebung einer Kultur kann nicht immer nach einem Schema vor sich gehen. Gewisse Seitensprünge sind vielleicht nicht, zu vermeiden. Was an der Eröffnungder Universität aber zum Widerspruche reizt, ist die maßlose pompöse Aufmachung. Wenn man-sich auch an diesen Feierlichkeiten vorübergehend berauscht, der darauf folgende Katzenjammer kann sich sehr nachteilig auswirken.. Daß man dem nicht vorgebeugt hat, weckt ernste Zweifel, an das Verantwortungsgefühl der zionistischen Leitung- Zwischen „Arbeiterzeitung" und „Morgenzeitung". Die „Wiener Morgenzeitung" bringt in großer Aufmachung auf der ersten Seite des Blattes einen Bericht, über die Versammlung „Für 'das arbeitende Palästina" in: Berlin. Warum sie das tat, ist verständlich, sie will den hiesigen Sozis unter die Nase reiben, daß Paul Löbe unefc. Eduard Bernstein sich für den Aufbau Palästinas interessieren und sich sogar persönlich da*bei engagieren. Aber esfälltt ihr nicht ein, zu erwähnen, daß die Versammlung, von den Pöa 1 e-Zion'veranstaltet wurde und daß sich, diese sozialdemokratischen Führer für das Arbeiter- Palästina einsetzen. Aber was am interessantesten ist, daßsie aus dem sonst sehr ausführlichen Bericht die Tätsache,, daß Genosse Singer in dieser Versammlung gesprochen hat,.. und den Inhalt seiner Rede vollständig weglaeslm. „Nichtgenannt soll er werden", denken sie sich undyverschweigen. lieber, daß ein Poale-Zionist aus Wien auf einer - Versammlung gesprochen hat, mit der sie so stolzieren. Eine- Wahrheit ^nicht sagen, denken sie, heißt noch nicht lügen,, — obwohl in diesem Falle beides einander verflucht ähnlich sieht :— und sicher ist sicher. Besser, man malt den Teufel., den Poale-Zionismus, nicht an die Wand. Aber wir werden, sehen, wie lange -diese Taktik möglich sein wird-. Die- Herren werden bald wieder merken, daß wir da sind. * Andererseits ist es richtig, daß die „Arbeiter-Zeitung"- alles unterdrückt, was von der heldenhaften Arbeit unserer- Genossen in Palästina erzählt, und mit großer Vorliebe Nachrichten über Streiks und antizionistische Agitation von arabischer Seite abdruckt. Wir haben kein1 Interesse, daszu verschweigen und wir können nicht einsehen, welchen:. Sinn diese ablehnende Haltung der österreichischen Genossen, gegenüber einem von der Internationale und von den führenden Genossen der anderen Länder anerkantnten Tatsache haben soll. Es gibt ein jüdisches Palästina, das im Aufbau, begriffen, und die jüdischen Arbeiter stehen in einsenv heldenhaften Kampf für die Kultivierung dieses' von der Geschichte bisher vergessenen Landes; und es gibt einejüdische Nation, zu der sich der Hauptteil der jüdischen Arbeiterschaft in der ganzen Welt unumwunden bekennt- und so wird denjenigen Genossen der österreichischen Partei,, die vor dieser Tatsache die.. Augen verschließen wollen, auf die Dauer nicht helfen und sie werden sie sehen uMct anerkennen müssen. Aber je länger sie sich davor verschließen, desto mehr wird es ihnen in den Augen derjenigen. Arbeiter schaden, die in ihrer Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Organisation deren ' Grund zur Unterdrückung; ihrer nationalen Eigenart sehen und die niemals verstehen werden, daß ihr Bekenntnis zum Sozialismus von ihnen eine» negative oder sogar spöttische Beziehungen zu den speziellen. Fragen des jüdischen Volkes verlangt. Sozialistische Kundgebung für das arbeitende Palästina in Bertin. Paul Löbe und Eduard Bernstein als Referenten. Montag, den 16. März, fand im größten Saale de» Berliner Westens eine von der Organisation der Poale-Zion. Deutschlands veranstaltete sozialistische Kundgebung für das arbeitende Palästina statt. Fast 2000 Leute füllten, den Saal und folgten mit großem Interesse den Ausführungen der Referenten, - Als erster hat Genosse Singer ein erschöpfendes Raferat. über das Wesen und die Bedeutung des arbeitenden P<^ lästina erstattet. Seine Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Von der Versammlung stürmisch begrüßt, ergi-iff dann: Reichstagspräsident Paul Löbe das Wort. Seine Aus- Ehrungen, bringen wir an leitender Stelle. Genossen und Genossinnen, rüstet zum ersten Mai!