Mannheim
Compact Memory

Unsere Tribüne · 1925-04-06 · 5 (06.04.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
5 (06.04.1925)
Date
1925-04-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2822530-2822543-2822548--080-2822715
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

V. b. b. Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poäle Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration» Wien, II., mm*&8*h* i/» Postscheckkonto Hr. 38.042 Bezugspreis: Vierteljahr.. 12.000 K halbjähr. . . 24 000 „ Einzelne Nummer 2000 Kronen Nr. 5. Wien, 6. April 1925. 2. Jahrgang. Das arbeitende Palästina vom Ge- Dr. Edwin Bader: Sichtspunkte des internationalen Sozialismus.*) Von Reichstagepräsidenten Paul Lobe. Unsere Stellung zur Kultusgenleinde. {Aus einer Rede in der Budgetdebatte.) Ich betrachte den Aufbau des arbeitenden Palästina von drei Geichtsspunkten. Einen allgemein politischen, der auch in der deutschen Politik eine ge- ■wisse Rolle spielt, einen speziell jüdischen und einen Internationalen, der die Durchführung des Prinzips 4er gegenseitigen Hilfe un sder GenosBenschaftsarbe.it betrifft. Vorerst wollen wir den politischen Gesichtspunkt betrachten. Es ist die Rückkehr eines länge Zeit von Xand und Heimat entfremdeten Volkes'zur manuellen .Arbeit in Stadt und -Land. Hier ..beginnt bereits die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus, der auch In unserem Lande unter Hitler und Ludendorf immer wieder auftaucht. Uns handelt es sich aber nicht so sehr um die Parteien, die offen ..entgegen treten, sondern um die, die angeben, keine. Antisemiten .zu sein, und -es doch sintel. Sie sagen: das -jüdische Volk hat sich der Landarbeit und auch sonstiger manueller Arbeit •entzogen und ist nur in den 'Hander und die geistigen Berufe .übergegangen. Das ist eine begrenzte Beurteilung. Zur Zeit, als ich in Schlesien war, mußte-ich bloß über die Grenze nach Sosroowice gehen, um Tausende von Juden, die sich mit manueller Arbeit beschäftigten, zu sehen. Vom Droschkenkutscher bis zum Schneider waren überall Juden zu finden. Es waren sogar viele aus Galizien und Polen, die mehr als einen Beruf gehabt haben. Es' (waren Weber aus; Lodz, die auch Schneider und Schuhmacher warem Auch in Breslau, wo> ich 25 Jahre als' Redakteur ibeachäftigt -war, . habe ich Juden .als (Buchdruckereiarbeiter angetroffen. Diese Beweise genügen aber nicht für den Westen. Hier wies' .man darauf hin, daß viele Juden sich den rein geistigen Berufen und dem Händel gewidmet haben. Wer die'historisiche Entwicklung tarnt, weiß, daß die Juden Jahrzehnte hindurch vom' Lariderwerb, von 'der Urproduktion und auch vom Jiandwerk ausgeschlossen waren und deshalb auf •einige bestimmte Zweige des Wirtschaftslebens angewiesen. Pas sehen wir ja auch z; B, an ostpreußischen Junkern, die.sich gemäß .ihrer Abstammung auf das militärische verlegt haben, dies alles sind aber nur" theoretische Beweise. Hoch über die Theorie $teht das Beispiel, daß die jüdischen Arbeiterpioniere *in Palästina geliefert haben. -Ich weiß,,es' gibt beachtenswerte Gelehrte, die behaupten, es ist vielleicht .gerade der;Beruf der Juden mit ihrem Geist-alles zu durchdringen. Seht doch die länge 'Reihe bedeutender jüdischer Dichter, Maler, Komponisten und Politiker, das soll die eigentliche Aufgabe der Juden sein, tWer, genauer gusjeht, . überzeugt ,sjch, .ab^r.baid, daß. das nicht für alJe, gilt, vielleicht ibjoß kleine Oberschicht. Betrachten wir die Juden in,,Rußland, Polen und Amerika, die ein eilendes Proletarierjeben führen. : i Da kommen wir aber schon zum zweiten Gesichtspunkte, der speziell jüdischen Auffassung. Ich halte es für eine Schwere Krankheit, wenn ein Volk dauernd von der Natur ausgeschlossen bleibt. 'Den Aufbau Palästinas ist ein, Versuch, die Juden, die dauernd von dem Boden und. ihrer Heimat, aus der Für die Beurteilung emesi,#üd|^sirtbVnicht allein die Ziffern maßgebend, der Aufbäu der einzelnen; Posten, sondern vor allem' der Geist des Budgets und dem Geiste dieses Budgets mißtrauen wir schon wegen der Art und .Weise in der-es entstandenes!,Herr.Reg.- Rat Oppenheim erklärt, der Voranschlag sei auf Grund der Ergebnisse des Jahres 1924 entstanden. Das genügt, um uns vorsichtig zu madhen. Denn wir haben keine Gelegenheit, die Ziffern des Jahres 1924 nachzuprüfen. Ctas Präsidium .gestattet uns nicht, auf Grund einer willkürlich .und unrichtigen Auslegung der Paragraphen 16 und 22, Einblicke in die Akten und . Protokolle des Jahres1 1924 zu nehmen. Man, mutet uns zu, unkontrollierte und unkontrollierbare; Daten als Grundlage des Budgets für 1.925 anzuerkennen. .Das müssen wir ^ablehnen,, so wie die undemökratische Verwaltung, ,für welche die (Geheimhaltung der Akten nur ein Symptom ist. Wir glauben,, daß ein Budget so zustande kommen sollfc daß die Kommissionen ihre Bedürfnisse für das kommende Jahr darlegen . und durch Zusammenfassung dieser; Detail-Budgets1 der eigehrtliche Voranschlag entsteht. Die Kommissionen haben die Hauptarbeit zu leisten, Finanzkommission und Vertreterkollegiium aber nur die Redaktion. Statt dessen sehen wir,,'daß die Kommission nicht einmal1 .befragt wenden. Friedhofs^ Versorgungshaus-, Unterricht-, BibTiothekskommissiün sind noch nicht ein einziges Mal! einberufen worden, wobei zu erwägen ist,, daß der Friedhof unter den größten Aktivposten rangiert. Andere Kommissionen, die schon bestehen, .von ebenso großer; Bedeutung, haben absolut keine Gelegenheit, zum' Budget ihres1 Ressorts Stellung zu nehmen. Sie werden mit Details und Akten überhäuft, ersticken in Kleinigkeiten. Nur die Finanzkommission bearbeitet rein finanztechnisch das Budget, balanciert es aus, so gut es geht, und dann bekommt der Vorstand ein Budget zur Hand, das für die meisten Vorstände ein JBuch mit sieben Siegeln ist. Es sollte aber, da fast jeder Vorsteher Mitglied einer, die meisten aber mehrerer Kommissionen sind, der Voranschlag leicht verständlich und {faßbar sein. Aus der Unorientiertheit der Vorsteher und Kommission in der Materie, -die sie .meistern sollten, entsteht nun die Uebermacht des Sekretariats, die wir als schweren Nachteil für die .Gemeinde empfinden. 'Wir sind, das soll ausdrücklich hervorgehoben werden, Freunde der beamteten Arbeit. Wir wissen, daß Organisationen von der Größe der K G. nur mit Hilfe von Beamten vorwärtskommen können, aber wir sind Gegner der Monopolisierung der Arbeit durch die Beamten. Der Vorstand, die gewählten Vertreter, .haben die Initiative zu ergreifen, das Steuer zu führen, das Sekretariat, die Beamten die klaglose Durchführung zu besorgen. Das ist nun unmöglich, wenn der Vorstand .nicht in der Lage ist, über der Situation zu stehen, 'sich immerzu mit/Details herumschlägt. Wir anerkennen gerne die gute Arbeit die das Sekretariat besorgt, glauben aber, daß ein Weniger ein Mehr wäre. Das Budget also ist .nicht nur der jüdischen Menge fremd, dank der Exklusivität jdes 'Vorstandes, nicht nur der Opposition, weil ihr der Zugang zu den Akten verwehrt wird, sondern auch der .Majorität, des Vorstandes, die nicht Gelegenheit ha;t, den Voranschlag, kennen zu lernen, bevor er ihr in Form eines Wus'tes unübersehbarer Ziffern in Sdie Hand kommt. Denn ate solcher repräsentiert sich das Budget jedem Unvoreingenommenen. Ziffern werden wie Waggons auf dem Rangierbahnhofe hin- und hergescho'ben, hier erscheinen, dort verschwinden Hunderte von Millionen, ohne daß man die Ursache weiß. Einem solchen Budget können wir nicht zu-. stimmen. Wir geben zu, daß es'konform den Bedingungen des Statutes entstanden ist. Aber das Statut ist nach unserer Ansicht vollkommen veraltet. Es ist für die sozialen Bedürfnisse einer 'so großen Gemeinde viel Zu eng und unzureichend Und trägt in allem den 'Steinpfeii der 'reaktionären Periode, in 'der es entstanden ist. Es sei nur die Geheimnistuerei in der Kultusgemeinde erwähnt. Wir haben in unserer ersten Sitzung die beffentiichkeitserklärung aller Sitzungen verlangt, durch Aenderung des Statuts. Das wurde abgelehnt Der Präsident hat loyaler weise die *) Aus einer Rede. *s<ie kommen, entrissen :wurden,,.wieder, zu verbinden, Wenn jch mich in die Lektüre dieser Bewegung vertiefe, finde ich ergreifende 'Beispiele von Heroismus*. Allein schon der 'Gedanke, dem Volke das Land wiederzugewinnen, ist von großer Tragweite. Die erste Form' der Arbeit, die Urbarmachung des Bodens^ die Ausrodung erfordert ungeheure Anstrengungen und große Opfer. Diesen Leistungen kann niemand seine Bewunderung versagen. Jetzt werden die ersten Pioniere, die die schwierigsten Arbeiten zu leistenihatten, durch -die Ansässigen abgelöst. Wird es gelingen, in «der Zei,t des .Sturmes das klare Prinzip] gegenseiteg Hilfe weiterzuführen? Hiermit streifen wir schon den dritten Gesichtspunkt. Das Prinzip der 'gegenseitigen Hilfe ist auch von Bedeutung für die große internationale (sozialistische Bewegung. Wif deutschen Sozialdemokraten stehen solchen Versuchen sehr kritisch gegenüber. Aber im jetzigen Abschnitte der Entwicklung gewinnt der Versuch , in Palästina Jfür uns sehr viel an Interesse und Bedeutung. In verschiedenen Formen wird versucht für den sozialistischen Gedanken die Wirklichkeit zu erobern. In Rußland der große Versuch der Zertrümmerung des alten, um einen neuen Aufbau herzuleiten. In Palästina wird ohne^Gewalt versucht, aus einem verwahrlosten Lande frucHfbare Arbeitersiedlungen zu bilden. Wird es gelingen, das'Genossenschaftsprinzip, das1 jetzt, da die Vorbedingungen bereits ' geschaffen wurden, da große 'Ziegeleien mnd Großmühlen bereits vorhanden sind, zum Aufbau einer rationellen Landwirtschaft weiterzuführen? Wird man aufrechterhalten 'können all das> was die Pioniere un schwerster Arbeit aufgebaut haben? Denen die dort arbeiten ufrd allen, die Ihnen solidarische Hilfe leisten und ihre, wertvolle Arbeit fördern, kann ich als 'Sozialdemokrat den 'herzlichsten'Gluckwunsch aussprechen. Möge ihre Arbeit im Interesse des internationalen Sozialismus von Erfolg gekrönt sein. ErühjateNzuheiten in Damen* und Heppenstoffen zu sehp billigen Preisen bei Brüder Schiffmann II., Taborstraße 48 Telephon >7»'-79 *f n «ros •€» öetalll

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.