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Unsere Tribüne · 1925-03-02 · 4 (02.02.1925) · p. Seite 3

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
4 (02.02.1925)
Date
1925-03-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 Unsere Tribüne Seite 3 liclien Vorgang zu analysieren. Der Boden von Afule ist von einem Konzern gekauft worden, der sich aus der „Gesellschaft Hachsdrarath Hajischuw", „Meschek" und „Zion Coumon wealth" und anderen zusammensetzt. National ist dieser Kauf von unschätzbarem Wert, der Boden liegt im Mittelpunkt des Ejmek Jlesreel und ist deshalb geeignet, daß auf ihm eine neue jüdische Stadt entstehe, derer die landwirtschaftlichen Siedlungen von Ejmek so dringend bedürfen. Afule ist auch ein wichtiger Knotenpunkt der Bahn Haifa-Ejmek-Damaskus und besitzt ausgezeichnete Perspektiven vom Verkehrsstandpunkt. Im Kreis von Afule liegen Merchawja, Balfouria, Nahalal, En-Charod, Tel-josef, Beth-Alfa, Kfar-Jecheskel und dne Zahl von Siedlungen, die im Gründen sind. Auch historisch ist der Ort von Wichtigkeit; es finden sich noch Reste der allen jüdischen Stadt „Arbal". Wie . gweöhnlich bei solchen Käufen, genügt es nicht, daß laut dem Kontrakt der Beelen Juden gehört. Der Boden muß auch noch in Besitz genommen werden, und zwar deshalb, weil er zur Zeit des Kaufes zum Teil von Kleinpächtern besiedelt ist, die sich seit längerer oder kürzerer Zeit mit dem Boden verbunden haben. Juristisch hat der Käufer das Recht, die Kleinpächter vom Boden zu entfernen; und so hätten Nicht-Juden in diesem Falle auch gehandelt. Aber aus Gründen des nationalen Ausgleichs, außer dem 'Moment de'r sozialen Gerechtigkeit, kommt zu dem Kauf noch das Problem des friedlichen Ausgleichs mit den fellachischen Pächtern hinzu. Auch in dem Fall von Afule geschah das. Man kam mit ihnen übereil], daß jede Familie an einem anderen Ort Pachtboden im Ausmaße von 100 Dunam bekommt, also so viel, als zur Erhaltung einer Familie; gehört (nebenbei bemerkt, bejkommt eine jüdische Familie in einer Arbeitersiedlung auch nicht mejhr als 100 Dunam als Pacht vom Nationalfonds)., Außer dem Boden bekommt jede fallachische Familie auch Bargeld, das ist eine Art „Abfindungssumme", für die Verbesserung des 'Hauses, die sie angeblich während ihrer Pachtzeit durchgeführt hat, wie auch als Uebersiedlungskosten, bis zu 50 Pfund, jedenfalls nicht weniger als 25 Pfund, welche ein Minimum sind. Die Lage des Fellachen wird also durch den Kauf keineswegs verschlechtert,-dazu befreit er sich noch von der ewigen Sklaverei 'Unter dem Effendi und wird ein freier Rent- Pächter auf jüdischem Boden bei unvergleichlich besseren .Bedingungen. Es ist klar, warum; die Juden rechnen mit der öffentlichen Meinung und anderen nationalpolitischen Momenten, für den arabischen Effendi .gibt es gar keine Gründe zur Rücksicht. So geschah es auch in Afule. Man kam1 mit allen Familien zu einem Uebereinkommen und es blieben nur 13 Familien, welche mit der Geldsumme nicht einverstanden .waren und mehr verlangten, in der Komitee geplante jiddische Theater existiert und wir haben drei Monate im Jahr in Wien gutes jiddisches Theater, könnte nicht daneben, ja brauchten wir denn nicht auch für die übrige Zeit ein kleines Theater, das etwa zweimal in der Woche,-immer an denselben bestimmten Tagen, sagen wir in der Riemergasse spielt, Theater oder Kleinkunst, oder vielmehr Theater und Kleinkunst, wo etwa alle zwei Wochen ein gut ausgeführter literarischer Abend uns mit den Schöpfungen der jiddischen Literatur in Kontakt erhält, wo einmal im Monat ein Abend jüdischer Musik stattfindet wo überhaupt das jüdische Wien eine Art von geistigem Asyl hätte, in dem es seelische Stärkung und Erfrischung fände. Eine solche Stätte jüdischer Kunst wäre ein Strich eroberten Bodens auf dem Gebiet jüdischer Kulturpolitik. Wir me.-sen darum die ein/.eliien' Darbietungen nicht mit kaltem ästhetischen Blick bloß auf ihren künstlerischen Wert hin, wir schätzen sie, weil sie uns mit einem Stück jüdischen .Lebens, das uns hier in Wien Tag für Tag mehr entgleitet, wieder verknüpfen. Das ist es, was wir mit der „Gildenen Pawe" meinen; ■ ist sie schlecht, so ist es Pflicht jedes Einsichtigen, sie besser machen zu helfen, da sie doch keineswegs so schlecht ist, daß man nicht auf dieser Grundlage weiterarbeiten könnte. Da sie kein Geld hat, soll man ihr die wirklich geringen Mittel, die sie braucht, verschaffen und sie zeigen lassen, was sie zu leisten imstande ist. Ein Abseitsstehen aber ist in keinem Fall entschuldbar; das jüdische Wien ist nicht so reich an Kräften, daß es mit ihnen verschwenderisch umgehen dürfte. Helft der Pawe, das zu werden, was sie sein soll, ihr helft damit der jüdischen Kultur eine Zufluchtsstätte, ein geistiges Heim der jüdischen Seele geschaffen, ig. Spekulation, daß die Juden doch1 für jeden Fall werden nachgeben müssen. Diese 13 Familien bekamen auch je 100 Dunam Boden. Der Streit ging nur um die Höhe der „Entschädigungssumme". Das Recht, in Afule zu pflügen, hatten sie nicht mehr. Nach den 'hiesigen Bräuchen wird ein Boden kauf dann per- ' fekt, wenn er das erstemal!' von dem neuen Eigenü türner gepflügt wird. Die obengenannten Kaufgesellschaften hatten den Boden den umliegenden kooperativen Arbeiterdörfern zur Beackerung überlassen, natürlich mit dem Recht, die Früchte der Arbeit für sich, d. h. für die Arbeiter, zu behalten. Diesen Moment nützten die unzufriedenen Araber aus und bewarfen die jüdischen Arbeiter mit Steinen. Es ist auch aus der Bibel bekannt, daß Steinwürfe durchaus keine brüderliche Demonstration sind, im Orient, wie einst bei den Juden und noch heute bei den Arabern, ist das eine Art von Todesstrafe.. Die Juden warfen natürlich die Ueberfallenden zurück. Dabei fiel ein Schuß und ein Araber wurde getötet. Die Juden setzten darauf ihre Arbeit fort. Von der Regierung wurden in den jüdischen Dörfern von Haus zu Haus Durchsuchungen vorgenommen und keine Waffen gefunden. Nebenbei hatten die jüdischen Arbeiter, die zu der Arbeit gingen, die ausdrückliche Weisung erhalten, ohne Waffen zur Arbeit zu gehen. Man nahm eine Anzahl von Juden und Arabern fest, in erster Reihe natürlich die Verwundeten von beiden .Seiten. Nach der Einvernahme ließ man die Juden frei außer zweien (unter den zwei „Juden" befand sich ein Araber, der schon lange bei der jüdischen Gesellschaft arbeitet). Wer den Araber erschossen hat, weiß man bis heute nicht, ob das ein 'Jude war oder ein Araber. Das ist alles. Die Gemüter haben sich schon seit langem beruhigt. Sogar die Familie des getöteten Arabers hat sich aus eigenem Antrieb an die Juden um Frieden gewendet, zu dem sie bereit ist, sofern sie eine gewisse Geldsumme als Entschädigung (erhält. Das ist das'beste Zeichen, daß sie den Todesfall als zufällig und unbeabsichtigt ansieht, da sie sonst. nach Blutrache dürsten würde. Und wie die Familie den Todesfall auffaßt, ist der ganze Fall Afule nicht mehr als ein zufälliges Ereignis. Es ist aber wichtig, den Hintergrunddieser Vorfälle zu Verstehen — dann hören sie auf, Zufall zu sein und werden vorbedachte und beschlossene Provokation. Schon seit langem ist die Stadt Nazareth, die bis zum Krieg von den frommen russischen Pilgern gelebt hat, gegen eine jüdische Stadt im Emek. Die ultrachristliche Stadt, die durch das Versiegen des Zustromes von .Pilgern aus Rußland — ihrer wichtigsten Einnahmsquelle — verarmt ist, hat sich oftmals an Juden gewendet mit der Aufforderung, sich in der Stadt ansässig zu machen. Aber, bewußt ocler unbewußt, geht hier ein fortwährender Prozeß von Konzentration und Autonomie in dem neuen jüdischen Jischuw vor sich. Anstatt ein Teil von Nazareth zu sein, ziehen sie es vor, eine hundertprozentige jüdische Stadt in Afule zu gründen. Das christliche Nazareth war bereit, die Hauptstadt des jüdischen Emek-Jesreel zu werden, sie sieht also in der neuen jüdischen Stadt ihren gefährlichen Konkurrenten. Den Geschmack jüdischen Geldes hat sie schon einmal gekostet— als man die Straße Afule-Nazareth baute — und es fällt ihr nun schwer, darauf zu verzichten. Einerseits also die Bewohner von Nazareth, andererseits ,die Agenten des christlich-mohammedanischen Ko-mitees haben die unwissenden Fellachen aufgehetzt. Uebrigens ist auch das kein Zufall. Die unzufriedenen Familien sind Christen und der Führer des Dorfes, der Muktar, ist ebenfalls Christ. Damit wird der politische Hintergrund der Ereignisse klar. Unterdessen geht die jüdische Arbeit in Afule weiter und das ist das wichtigste. Alles übrige sind Kleinigkeiten, die Hauptsache ist: Eine neue jüdische Festungim Emek entstellt und wird gesichert: Afule. caMBgagg^^ Gedenkabend zu Ehren des zehnten Sterbetages von J L, Perez. . Anläßlich des zehnten Sterbetages des großen jüdischen Dichters J. L. Perez, veranstaltet unsere (). iniisation am. 29. März, um halb, 8 Uhr abends, im Saah> t L*r Kunstspielö „Pau", I., Picmergasso 11. einen Godenkabcnd, unter Mitwirkung der besten jüdischen Künstler Wiens. twwyatt^m Spende für den Palästina-Arbeiterfonds. Klaviervirtuose, Herr Lampl, 5 Schilling. Wie die „Wiener Mörgenzeitung" gegen Arbeiter und Beamten hetzt (Zuschrift eines Lesers.) Gestatten Sic mii', daß ich mich vorher legitimiere. Ich bin Beamter, politisch nicht organisiert, stehe wohl clor Sozialdemokratie nahe, bin aber jüdisch national. Durch einen Freund, der Pcale-Zionist ist, bin ich auf „Unsere Tribüne" aufmerksam gemacht worden und' ich lese sie sehr aufmerksam. Ich halte mich nicht für berufen, ein Urteil über Inhalt und Art der Aufsätze? in ihrer Zeitung) abzugeben. Ich enthalte mich des Tadelns wie des Loben«. Eines muß ich aber dennoch zum Ausdrucke bringen: ihr Kampf gegen, den ausgesprochenen a,rbeitei~feindlichen Kurs der Wiener Mörgenzeitung" macht ihnen Ehre. Zur Schandeder Rädelsführer von heute sei es gesagt, daß diese Zeitung einstens wahrhaft demokratisch und fortschrittlich war; zur Ehre so mancher Zionismen sei zugegeben, daß in der Partei selbst große Unzufriedenheit über die Taktik der .,Wiener Mörgenzeitung" in den letzten Jahren herrscht. Ich will, sie hier auf einige besonders gehässige Ausfälle der ,,Wr. Morgenzeitung" aufmerksam machen: Tn der Nr. 2117 vom lt. Jänner 1925 lesen wir in der Rubrik „Volkswirt" u. a. folgendes: „Während die Christlichsozialeti und Sozialdemokraten in demagogischer Liebedienerei für die unproduktivein Schichten in der niederösterrcichischen Wirtschaft, d i e Beamtenschaft, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit das Wert ergreifen, fällt es ihnen nie ein, die Rolle des Handels gebührend zu berücksichtigen." Abgesehen von der Unwissenheit oder Verlogenheit des Schreibers, wenn er behauptet, daß die Christlichsoizialen und Sozialdemokraten sich des Handels nicht annehmen, ist es eine unerhörte Vermessenheit, die Beamtenschaft als unproduktive Schichte zu bezeichnen. Wie denken darüber die Beamten, die der zionistischen Partei oder den J ü d i s c h n a. t i onalou angehören? / Im selben Artikel wird gegen die Konsutmgenossen-, schaffen gehetzt. Es werden völlig unbegründete Verdächtigungen gegen die Koin/sumgenossetischaften ausgestreut und es wird so dargestellt, als ob diese Institutionen os besonders auf den Ruin des jüdischen Kaufmann- Standes abgesehen hätten. (Ich erachte diese Ka.mpfmethode als Krebsschaden für die Masse arbeitender Juden diesen' Stadt, dieses Landes und wenn „Unsere Tribüne" keinen anderen Verdienst aufzuweisen hätte, als daß sie die pseudo-demolcratischen Jüdischnationalen der „Wiener Morgenzeitung" zu demaskieren sich bemüht, darf sie schon deshalb allein die Förderung seitens aller arbeitenden Juden beanspruchen. Sollten sie es für richtig erachetn, gestatte ich ihnen, diesen Brief in ihrer werten Zeitung, zu veröffentlichen. Ein Beamter. |B e ,m e> r k u n g d e> r R e d a k t i o n. Wir haben die Zusclu-ift eines Lcsea-s fast ungekürzt wiedergegeben. Wir versichern dorn Einsender, wie auch unsere übrigen Leser und Freunde, daß wir demnächst noch. so manches Interessante aus dem Dunkel der „Wiener Mörgenzeitung''' ans Licht heben werden. Die täglichen Hetzereien der- „Wiener Morgenzeitung". Einige bürgerliche Zeitungen verbreiten die Nachricht, daß die Gemeinde die Erhöhung, des '-Straßenbahntarifcs plant, die „W. M." greift diese Nachricht mit besonderer Freudeauf und konstatiert mit boshafter Schadenfreude, daJ5 sich nunmehr die Wiener Gemeinde nicht mehr wird rühmen können, die billigste Straßenbahn in Europa zu haben. .Die Gemeinde dementiert am nächsten Tag. diese Nachricht und versichert, daß sie an eine Erhöhung des StraJ.lenbahntarifes nicht denkt, die „W. M." aber ■ schreibt darüber: Einstweilen keine Erhöhung des Straßenbahntarifes. Dar snzialdemokratiseIio Abg. Julius Deutsch hat in Magdeburg auf der Tagung des republikanischen Reichsbanners eine Rede für den Anschluß Oesterreichs an Deutschland gehalten, die Wiener Mörgenzeitung" erfrecht sieh, ihn zu verspotten und tauft; ihn in Dr. Großdeutsch um. Es ist eine unerhörte Frechheit, daß sieh die jüdischnationalen Chauvinisten V:; trauen, SeoC;11, ^io Vereinigung des deutschen Volkes aufzutreten. Das deutsche Volk schert sich wohl wenig um dies:) Krähwinkel-Politiker, aber die freiheitliche jüdische Bevölkerung sollte diesen Herren endlich den verdienten Fußtritt geben. Die unsauberen Geschäfte eines Thoratreuen. In der Gesellschaft um Herrn Sklarz, die Wollersdorf ausgeplündert hat, figuriert auch Herr Heinrich Pappenhein"), der den Staat uan viele Milliarden geschädigt hat. Dieser Herr zählt zu den Stützen, der thoratreuen Aguda. Laut Mitteilung des Wiener „Abend" bilden die sogenannten Pappoimeim-Verträge eines der unsaubersten Kapitel in der Wöllersdorfer Schmutzaffäre. Sonst nehmen diese Herren den Mund voll von der hohen Ethik des Judentums, wenn es sich aber um das liebe Geld handelt, entpuppen sie sich als ganz gewöhnliche Plünderer. So sind die Vertreter des religiösen Judentums beschaffen.

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