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Unsere Tribüne · 1925-03-02 · 4 (02.02.1925) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
4 (02.02.1925)
Date
1925-03-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Unsere Tribüne Nr. 4 ius 9er Wiener jü ifüilfls« Die politischen Beamtenmaßregelungen in der Seitenstettengasse. Die schlechten Ratgeber der Geineindemajorität, wie überall versteckt hinter den Rockschößen unverantwortlicher Drahtzieher, haben die jüdische Gemeinde nunmehr endgiltig auf die falsche Bahn gedrängt. Anstatt normalisierter Beziehungen des Vorstandes zur Beamtengewerkschaft, ist es den jüdischnationalen Antreibern nunmehr gelungen, die Methoden des industriellen Scharfmachertums zur Anwendung zu bringen. Ein blendender Einfall, wie geschaffen dafür, gerade in der Seitenstettengasse geboren zu werden, sollte hier Schritt machen. Die Majorität beschloß, .sämtliche Führer des Beamtenverbandes in Disziplinaruntersuchung zu ziehen. Da für die Dauer der Untersuchung idas Amt eines Personalvertreters nicht ausgeübt werden kann, heißt das, die Verbandstätigkeit wird einfach sistiert. Bewerkstelligt wurde dieser Einfall durch eine offenbar von den Jüdisch - Nationalen veranlaßte Denunziation der Verbandsleitungsmitglieder. Noch ist nicht klar, wer den traurigen Mut zu dieser Schandleistung gefunden hat, wenn aber die Anzeichen nicht trügen, scheint Herr Fuchsgelb dahinter zu stecken. Wenigstens tragen die Disziplinarankündigungen des Präsidiums einen auf den Ehrenschutz des genannten Herrn fürsorglich Rücksicht nehmenden Charakter. Die Sache ist aber viel ernster, als die Herren der Majorität glauben. Die Disziplinaruntersuchung gegen die gesamte Gewerksehaftsführung ist ein so unerhörter Fall, daß der gesamten jüdischen Bevölkerung Wiens ein Licht aufgehen muß über die Rückständigkeit der Gemeindeverhältnisse. Statt Förderung einer Beamtengewertechaft ihre Bekämpfung mit den dümmsten und veraltetsten Mitteln — das Urteil der Denkenden unter den Wiener Juden wird in diesem Falle sich rückhaltslos für die Gewerkschaft entscheiden. Die jüdischen Arbeiter und Angestellten aber, haben die Herren wieder einmal1 —s bis zum Ueberdruß richtig kennen gelernt. Die Niederlage des Herrn Guido Fuchsgelb. Seit Jahren ist Herr Fuchsgelb daran gewöhnt, die wichtigsten Verwaltungsentscheidungen der Gemeinde nach seinem eigenen Gutdünken herbeizuführein. Einbläser der Majorität, könnte er sieh in vergangenen Tagen den Spaß leisten, kritiklos seine Willensmeinungen von der Gemeinde aum Gesetz erhoben zu sehen. Nun kommt es mit der Zeit auch anders. Die erste Gelegenheit traf sich in der vom Vertreterkollegiuni verfügten Entlassung von neun exmittiertem Lehrern. Initiator dieser prächtigen Idee war wieder einmal Herr Fuchsgelb. In altgewohnter Weise wurde niemand befragt, nieiht einmal das Schulinspektorat, und Fuohsgelbs Wille ergoß sich wie ein Blitzstrahl über die verdutzte Lehrerschaft. Aber das Blatt wendete sich. Der völlige Unsinn der fuohsgelbschen Eingebung wurde zu Tage gefördert, zunächst durch die Vertreter der „WaMvereinigung". Die Lehi-erschaft setzte sich zur Wehr, die Fachleute mußten schließlich doch befragt werden und das Vertreterkollegium hob den Beschluß wieder auf. Herr Fuchsgelb möge sich dies zur Lehre nehmen für eine weitere Zukunft. Es könnte noch ganz anders kommen. Die Zeiten, wo gewählte Vertreter der jüdischen Bevölkerung; mit den Akten der Sekretäre in der Seitenstettengasse zugedeckt werden konnten, sind endgültig vorüber. Auch Herr Fuchsgelb wird sich daran gewöhnen müssen, die Richtschnur seines Handelns in dem Willen der jüdischen Bevölkerung- Wiens zu sehen. „Denket an Grünbach!" Dieser Ruf erscholl in den Amtsräumen der . . . israelitischen Kultusgemeinde in der Seitenstettengasse. Aber nicht, um den Opfern kapitalistischer Scharfmacherei proletarische Hilfe zu leisten, dehn der diesen Ruf erschallen ließ, war der Steueramtsleiter der isr. Kultusgemeinde. Es war nämlich so: Im Steueramte der Kultusgemeinde sind seit längerer Zeit — manche schon länger als zwei Jahre — Hilfskräfte in Dienst, die einen Tageslohn von 3—4 Schillingen beziehen. Jetzt droht diesen Hilfskräften in der Zeit der furchtbaren Arbeitslosigkeit, entlassen zu werden- Da haben sich die Bedrohten zusammengetan und wollen sich gewerkschaftlich organisieren, um sich vor der Willkür der Kultusgewaltigen schützen, zu können. Der Amtsleiter, der ein sehr schönes Gehalt bezieht, als ©r vom Vorhaben seiner Hilfskräfte erfuhr, versammelte sie um sich und warnte sie vor der Gewerkschaft mit der Drohung, daß sie das Schicksal der ausgesperrten Arbeiter in Grünbach ereilen könnte: Denket an Grunbach! war der warnende Ruf des Herrn. Wir hoffen, daß die Hilfskräfte sich nicht werden einschüchtern lassen, aber es ist tief beschämend, daß in der Ivultnsgemcindo Angestellte auf diese Weise niedergehalten worden sollen. Dn.« löbliche Präsidium der Kultusgemeindc, das behauptet, den Angestellten nicht feindlicli gegenüber zu stehen, möge diesen noblen Herrn daran erinnern.-daß wir nielu mehr in der alten Monarchie, sondern in der demokratischen Republik Oesterreich leben. Eine Blamage der Wiener Kultusgemeinde. In der ersten öffentlichen Sitzung de? neugewählton Kultus vors tan des hat der Herr Präsident, Prof. Pick eine umfangreiche geharnischte. Einwendung gegen ein angeblich geplantes Vorbot des rituellen Schlachtens eingebracht. Die naiven Zuhörer sollten in Staunen versetzt werden, wie energisch sich die Kultusgemeindo gegen diesen Ucbergriff zur Wehr setzt. Das war aber nicht bloß ein Schlag ins Wassor. sondern eine schändliche Blamage. Wir haben diese Verordnung im Original gelesen und uns überzeugt, daß die rituelle Schlachtung ausdrücklich nicht gemeint ist. Die Kultusgemoinde aber hat sich diese Mühe nicht genommen, sondern ihre Einwendung auf Grund einer ungenauen Zeitungsnotiz eingebracht. Die Landesregierung wird wohl viel Respekt vor dieser autonomen Institution empfunden. Herr Generalsekretär. Guido Fuchsgelb darf sich auf diese gründliche Arbeit viel einbilden. Wie die Jugendgruppe der „Union" Mi glieder wirbt. In der letzten Nummer der „Veröffentlichungen der Union deutschösterreichischer Juden" lesen wir: „Der Ball hat der „Union" sicherlich viele neue Anhänger für ihre Jugendgruppe geworben..." Bei der sonstigen Inhaltslosigkeit der „Union" dürften die Bälle wirklich das einzige geeignete Propagandamittel sein. Werbeversammlungen der „Vereinigung" in den Ortsgruppen 16-17, 12-?5 und 20. In der letzten Zeit hat die Vereinigung für soziale jüdische Tätigkeit in einigen Bezirken gut besuchte Werbeversammlungen abgehalten. In der Ortsgruppe XVI-XVII haben die Kultusvorsteher Dr. Bader und Dr. Glanz über ihre Tätigkeit in der Kultusgemeinde berichtet, der Vorsitzende der Exekutive, Gen. Arnold Pick und Gen. Dr. Spitzer haben über die nächsten Aufgaben referiert. Es wurde auch in dieser Versammlung eine provisorische Leitung der Ortsgruppe konstituiert. Die Versammlung in der Ortsgruppe XII-XV im Cafe Mariensäle wurde zu einer einhelligen Massenkundgebung für die Vereinigimg und ihre Mandatare. Der Vorsitzende Gen. Alois Goldstein hat in' einer kurzen Ansprache auf den Zweck der Versammlung, hingewiesen, die Kultusvor« Steher Moritz und Dr. Glanz haben über ihre Tätigkeit in der Kultusgemeinde berichtet, Sekretär Singer hat über die nächsten Aufgaben der „Vereinigung" referiert. Unter stürmischem Beifall der Versammelten ist der Antrag des Herrn Vogelfänger, der den Mandataren der „Vereinigung" das volle Vertrauen ausspricht, angenommen worden. Nach einer kurzen, sehr temperamentvollen Aufforderung der zweiten Vorsitzenden Gen. Fleischmann, für die „Vereinigung" unter den Frauen eine lebhafte Agitation zu entfalten, wurde die Versammlung, geschlossen. Dienstag, den 3. März findet in der Brigittenau eine Versammlung, statt, in den nächsten Wochen wird die öffentliche Werbetätigkeit auch in den anderen Ortsgruppen aufgmommen werden. „Der Neue Weg." Monatsschrift der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion in Deutschland. Jede Nummer 2—3 Druckbogen stark. Abonnement für sechs Monate, einschließlich Porto M 2*50; einzelne Nummer Pf. 40. Redaktton und Administration: „Der Neue Weg", Berlin N 24. Auguststraße 17. Erhältlich auch in der Administration „Unsere Tribüne". Vereinigung für soziale jüdische Tätigkeit. Ortsgruppe XII-XV. Jeden Donnerstag zwanglose Zusammenkunft im <Jnf6 .,Central". . XV., Mariahilferstraßc 152. Mitgliederaufnahm? und Zuschriften an den Obmann: Alois Goldsfcsin. XV., Taleassc 1. Aktion f ir den Palästina-Arbeiterfonds in Polen, Rumänien und Deutschland, In Polen, Eumänien und Deutschland werden in den nächsten Wochen. Sammel- und Propagandaaktionen für den P. A. F. durchgeführt. Nach Polen soll zu diesem Zweck."" eine Delegation aus Paliistina kommen, in Rumänien wird die Aktion Chawer Dr. J. Schapira, bis jetzt Redakteur dos „Jüdischen Arbeiters" in Lemberg leiten. In Deutschland wird die Aktion durch ein Massenmeeting in Berlin, in dem u .a, auch Eduard Bernstein und Reichstagspräsident Lobe als Redner teilnehmen werden. Eine Arbeitsgeräte-Aktion für Palästina in Amerika. Un&ero Bruderpartei in Amerika trifft Vorbereitung zur Durchführung einer großangelegten Aktion für die Sammlung von Arbeitsgeräten für die jüdische Arbeiterschaft in Palästina.. Die erste Aktion dieser Art vor etwa drei Jahren konnte bereits einen großen Erfolg aufweisen, heuer, da bedeutende jüdische Gewerkschaften für die Sache des arbeitenden Palästina gewonnen wurden, darf man mit Sicherheit erwarten, daß der Ertrag dieser äußerst wichtigen Aktion noch größer sein wird.; Kvvuza Poale Zion in Wien. Im Rahmen der Wiener Chaluz-Organisation hat sich eine Kwuza aus Mitgliedern der Poale-Zion gebildet. Don Grundstock dieser Kwuza bildet eine Gruppe von acht5 Genossen und zwei Genossinnen aus Lemberg, die in. den letzten Tagen in Wien eingetroffen ist. Zu ihr haben sich einige Genossen aus Polen und Wien gesellt. Wir heißen diese Chawerim aus Lemberg, in unserer Mitte willkommen und begrüßen die Gründimg der ersten Kwuze Poale-Zion in Wien. Literarischer Abend. Samstag, den 28. Februar, fand im Arbeiterheim ,.Bonochow", ein litea^ri&ch-^nnisikalischer Abend, unter Leitung des Gen. Singer, statt. Nach einleitenden Worten spielte der Klaviervirtuioso Herr Lampl in meisterhafter Weise jüdische Melodien und. die Frau Dr. Schattner sarngv bei vollendeter Begleitung des Herrn Leitoer, herrliche jüdische Lieder. Die größte Ueberraschung des Abends bildete die Vorlesung, des jungen jüdischen Schauspielers, Gen, Mehlmann. -Sed|ple künstlerisch vollendete und abwechslungsreiche Interpretation der Werkevon Perez, Kulbak und Lejwik, fanden lebhaften, verdienten Beifall. Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Feuer- und EinbruchversicherungfürWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 40,000.000 K oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 Tel. 67-2-72.67-401,69-0-63 Kostenloser Unterricht im Sticken und Stopfen! — Lager von Knopfpresson und Zugehör! — Reparatur-Annahme! IX., Liechtensteinstraße 27, VI., Gumpendorferstraße 67, IV., Wiedner Hauptstraße 8 — Telephon Nr. 16-5-65 Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glanz, XVIII., Weimarerstraße 19/10. — Druck: „Adria" Wien, IL, Taborstraße 52 B.

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