Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 11 (05.12.1924)
- Date
- 1924-12-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Unsere Tribfine Seite 3 [apitalism.us in Frage, Aber auch ntir diesen zu iirdern, waren die früheren Regierungen unfähig, diees Werk mußten sie Mac Donald und der Arbeiter-; artei uberlassen. Werden die hier gestreuten Samen, 1 iui. nachdem weder die Konservativen regieren, rüehte bringen? Das wird die nahe Zukunft zeigen mi>sen. Es ist schwer, das zu glauben, da in einem ehr wesentlichen Punkte, in der Frage Rußlands, ler Arbeiterregierung der Todesstoß versetzt wurde. Die Arbeiterpartei die als Minderheit des Wohlx-oltens der Bürgerlichen bedurfte, kann aller Voraussicht nach nur wieder zur Macht gelangen, wenn sie die Mehrheit erlangt. Die bisherige Entwicklung war geradezu ein Siegesmarsch. Aus der kleinen Abgerrdnetengruppe, die vor dem Kriege beinahe nur ein rlügel der liberalen Partei war, ward im Jahre 1922 bereits die zweitstärkste Partei, die die Liberalen überflügelt hatte, die führende Oppositionspartei, im Jahre 1023 die Regieningspartei. Sie hatte kaum die Tradition des Zweiparteiensystems zerstört und ihre Existenz als dritte Partei vor dem Forum der Geschichte angemeldet, als sie auch schon zu hoffen begann, das Zweiparteiensystem wiederherstellen zu können, durch Zerstörung der Liberalen. In der Tat scheinen "lliese Wahlen eine Etappe zu diesem Ziele zu sein. Denn die Arbeiterpartei hat ungeachtet des Sturzes ihrer Regierung weit mehr als eine Million Stimmen gewonnen und besitzt beinahe zwei Millionen mehr als die Liberaeln. Dennoch dünkt es uns verfrüht, mit einer Vernichtung der Liberalen in absehbarer Zeit zu rechnen. Denn wenn ihre Kraft zum Herrschen nicht mehr langen wird, so sind sie doch zu stark, um als dritte Partei zu verseil winden. So darf die Arbeiterpartei nicht auf einen leichten Sieg hoffen, .sie steht vor derselben Aufgabe wie der Sozialismus .in den industriell entwickelten Ländern: aus eigener Kraft eine sozialistische Mehrheit zu gewinnen. Die durchgefallenen Misrachisten lugen und hetzengegenKaplansky. Die „tfroratreuen" Zionisten, Misrachisten genannt, sind als die schäbigsten Ausbeuter und die wütendsten Scharfmacher bekannt. Um über ihre ver- . achtungswürdigen Taten hinwegzutäuschen, belieben sie es, mit den sozialen Ideen der Bibel zu prahlen. I Als ob diese Ideen sie von der Pflicht der sozialen $ Betätigung entheben würden. Diese „Thoratreuen" offenbaren bei jeder Gelegenheit ihre niedrige Gesinnung. Besonders haben sie es auf Gen. Kaplansky abgesehen. Dieser Mann, der jahrelang für Palästina hervorragend tätig ist, ist den Misrachisten ein Dorn im Auge.. In der letzten Nummer ihrer Wochenschrift hetzen sie. wieder gegen Genossen Kaplansky. Es heißt dort u. a.: „So ■z. B. hat Herr Ing. Kaplansky, Führer der Poale-Zion und allmächtiger Diktator der zionistischen Exekutive, sich während seines kurzen Aufenthaltes in Wien, an der jüdischen sozialdemokratischen Wahlkampagne aktiv beteiligt, ohne daß ihm hieraus von zionistischer Seite ein Vorwurf gemacht worden wäre,, während Dr. Bader und andere von der Organisation ausgeschlossen wurden." Die. Misrachisten suchen nach verschiedenen Ausreden, um ihre Wahlniederlage zu beschönigen. Haben sie doch immer von ihren „thoratreuen Massen" gesprochen und uns als kleines Häuflein hinzustellen versucht. Am Ende erreichen sie nicht einmal die '■ Hälfte unserer Stimmenzanf, bei den Kultuswahlen. Oh. diesen Schlags, den wir ihnen "versetzt ,haben, sinnen diese Herren nach „Vergeltung" und in ihren Mitteln waren diese Herren nie wählerisch. Aber diese Hetze strotzt von solchem Blödsinn, daß jede Polemik überflüssig ist. Als ob Gen. Kaplansky je von seiner Gesinnung ein Hehl gemacht nätte, oder glauben diese „Oesinnungstreuen", daß ein Beamter der zionistischen Exekutive kein Recht zur politischen Betätigung hat. Die ^sozialen Ideen der •^ibel" reduzieren sich bei diesen „Thoratreuen" auf rkm bekannten Grundsatz: Wessen Brot ich esse, dessen Gott diene ich. Das interessän teste an dieser Hetze ist aber, daß •die Behauptung über Gen. Kaplansky völlig erlogen äst. Vom Leitartikler (-?s) der misrachistischen Wo- .chenschrift heißt es, daß er sich sehr oft im berauschten Zustande befindet, das ist wohl sein gutes Recht, 4ber in solchem Zustande darf man doch diesen Herrn nicht auf andere loslassen und die Oeffentlichkeit mit «einen „erdichteten" Hetzärtvkeln behelligen. Oder ist man in diesem Zustande erst recht thora- ^en?.... . , . . :!f Das „Memorandum des Herrn Goidberg" oder „Der Wolf im Schafspelz".*) Aber auch in anderer Hinsicht ist der Vorwurf gegen die zionistische Leitung, in diesen Memoranden, soviel man ihr auch mit Recht vorwerfen mag, nicht gerade besonders stichhältig. Der Verfasser tut so, als habe man das Budget schlecht verwaltet, indem man es nicht richtig verwendet habe. Aber, und das ist für dieses ganze Elaborat typisch, es wird nur versteckt angedeutet und nicht gesagt, wie man denn in dem bestehenden Rahmen anders hätte vorgehen können. Alles darüber Gesagte ist nichts als leere Phrase. Entweder man schlägt vor, daß das zionistische Budget im wesentlichen für industrielle Zwecke verwendet werden soll; dieser Vorschlag wäre zwar von löchriger Schlüssigkeit, aber klar; tut man das nicht, so ist es zumindest sonderbar, so zu tun, als fiele die Schuld der mangelnden Indusnieinitiative im wesentlichen auf die zionistische Arbeit im Lande, und nicht auf das Privatkapital selbst, oder die noch unentwickelten Bedingungen des Landes.; In Wirklichkeit ist aber all dies garnicht das Wesentliche für den Verfasser. Herr Goldbergy.der so von Planmäßigkeit schwärmt, ist Mitteilnehmer an jenem Unternehmen, das unter dem Namen „Lemaan Haifa" Boden kaufe in und um Haifa durchgeführt hat, in glattem Gegensatz zur zionistischen Organisation und dem offiziellen Instrument der Organisation Chewrat Hachscharat haijschuw, das gegründet wurde, gerade um der Bodenspekulation und der Preissteigerung durch Konkurrenz Einhalt zu tun. Die Tatsache der Teilnahme eines Mitgliedes des großen Aktionskomitees an diesem Unternehmen hat einigermaßen Verwunderung erregt, aber den vollen Beifall von .„Doar Hajom" gefimden, der dazu berufen ,ist, den Gedanken der Bodenspekulation mit allen Mitteln zu fördern. Wir können zwar in diesem Lob Planmäßigkeit finden, nicht aber in den Taten eines Mannes, der so für eine planmäßig1 arbeitende, einheitliche, starke zionistische Organisation schwärmt. Ob der große Raum, den Haifa und die Akkoebene in1'.dem Memorandum, im Zusammenhang mit diesen Käufen stehen, bleibe dahingestellt; angefragt sei nur noch, ob die Eifrigkeit, mit dea* .n$in. die.: Tabakfabrik des Herr Lublincr, ausgerechnet nach Akkko, das gänzlich ohne jüdischen Jischuw ist. verlegen wollte, auch mit diesen Plänen im Zusammenhang steht? Wir sind überzeugt, daß diejenigen, die Herrn Lubliner in dieser Richtung beeinflußten, dies nur getan haben, weil sie in ihrem guten .Herzennicht dulden wollten, daß man in einer jüdischen Stadt jüdische Arbeitskräfte bei der Tabakbearbeitung anspuckt, weil man doch im Interesse des nationalen Aufbäus diese Löhne niedrig halten muH. was sich, um den Eifer anzustacheln, auf die Gehälter der Beamten selbstverständlich nicht bezieht. Auch die Prediger der neuen Großindustiie werden, das sei bei dieser Gelegenheit gesagt, sicherlich schon darum für Akko sein, weil sie die Verhältnisse in der „privaten Großindustrie" in Erez Israel natürlich auch von der sozialen Seite betrachtet haben. Ihnen wird bekannt sein, daß in der Zementfabrik „Nescher", 10 km von Haifa, in der im Augenblick 240 Bauarbeiter arbeiten, der Leiter nur 250 Pfund monatlich erhält; dafür betrachtet er aber die Arbeiter als seine Untergebenen und seine Feinde, denen verboten ist, sich zu versammeln und zu organisieren; in den Baracken der Arbeiter ist es verboten, nach 10 Uhr Besuch zu empfangen (es wird kontrolliert); der Besuch der Stadt Haifa war zeitweilig mit Erlaubnisschein verbunden. Dafür winkt dem folgsamen Arbeiter aber auch königlicher, Lohn, die Absiedlung durch die Gesellschaft; und . mit geschickter Politik' versteht man es schon, sich die nötigen Vertrauensleute und Spitzel unter den-240 zu verschaffen, dadurch, daß man nur die 50 Folgsamsten anzusiedeln verspricht. -; . Und in der „Silikatfabrik" haben laut einer Berechnung des „Hapoelhazair" im vergangenen Jahre die Direktoren, die auch in den Arbeitspausen ihr Gehalt weiter erhielten, 2500 Pfund Gehalt bezogen, während die gesamten Arbeiter (mehr als 65 an der Zahl) sich mit insgesamt 2400 Pfund begnügen mußten. Und. ähnlich sieht es in ,der „großen Mühle" und an anderen Orten aus. ♦) Siehe Nummer 10. Dies alles spricht selbstverständlich gerade nach der Meinung der dem Memorandum nahestehenden Kreise für die Aussichten der Privatindustrie, *) denn das sind die Methoden der jüdischen Plutokratie, überall und auch die Amerikaner gehen, wenigstens) in Erez Israel, erfolgreich auf diesem Wege, wie die Gehaltsskala der „Hadassah" beweist. Das tut natürlich nichts, wenn man Berechnungen über Verschwendung in,der zionistischen Organisation anstellt, wie der Verfasser des Memorandums, der mit genialer Großzügigkeit nach 14tägigem Besuch im Lande 25 Prozent Verschwendung herausgerechnet hat, (wir wollen hier nicht davon sprechen, daß wir (aber sicher nicht Herr Goldberg), die Gehälter in der Zionistischen Organisation für zu hoch und manche Ersparnis für möglich halten, aber sicher in anderer Richtung als Herr Goldberg; ob gerade 25 Prozent, wagen wir nicht aus der Luft zu erfinden). Wir sind jedenfalls der Meinung, daß die Arbeiterschaft alle Ursache hat, dieser Art Großindustrie mit allem Mißtrauen gegenüberzustehen und ihre bisherigen Mißerfolge einem System zuzuschreiben, das offensichtlich das Ideal der Brandeisgruppe, des Doar Hajom-und des MemorandumVerfaSSiers gemeinsam ist. (N. B. Die „ethische" Brandeisgruppe, die nicht genug übei Verschwendung klagt, nimmt nur 9 Prozent von ihren Hypothekenschuldner und hat ihren Beamten gegenüber eine besondere Ethik, die selbst diese Beamten öfters nahe an Streiks bringt. 1 All dies nur.zur Beleuchtung nebenbei. Würde der Verfasser des Memorandums uns klar heraussagen, was er will, so könnte man mit ihm auch gerader diskutieren; da aber seine Methode die ist, halbe Andeutungen, unbewiesene Zahlen und irgend-, welche Phrasen, zu bringen, die positiv nur in einer Richtung sind, daß sie so tun, als habe man bisher in allem gegenteilig gehandelt: so erscheint die beste Antwort auf dieses. Memorandum die, auszusprechen, daß -nur weniges bisher geboten wurden, was an Scheinheiligkeit und Unaufrichtigkeit dieses Elaborat übertraf. , t; ( ■ i i 1!.'!!'' :! - Würde nämlich der Verfasser aussprechen, was'' er wirklich sagen will und was er nicht ungeschickt zwischen den Zeilen andeutet, so-würde* das folgendermaßen aussehen: „Die wichtigste Aufgabe der Zionistischen Organisation, ,di$...von, 3.^1»%^ .kälten (der Verfasser will „keine Fachleute und keine Parteileu te'';;i:;i:) offenbar sind nach seiner Ansicht die ihm nahestehenden Leute gänzlich unparteiisch; wunderbare Wege geht oft die Logik der ,Parteilosen') autokratisch zu verwalten ist, ist die Schaffung von Großindustrien; auch die Landwirtschaft darf zwar nicht vernachlässigt werden; „sie muß aber ausgehen von der Erzeugung bestimmter Produkte und deren Absatz," Die Hauptsache ist d[e kaufmännische Absatzorganisation gewisser Artikel. Daher „darf es keinesfalls c[en einzelnen Gruppen überlassen bleiben, nach ihren sehr geringen Kenntnissen ihre Wirtschaften einzurichten." Nebenbei, als wenn heute jede Kwuzah täte, was sie wollte; aber es kommt,ja darauf an, durch ganz leise Verschiebungen gerade diesen Eindruck zu erwecken). Weg — das ist die nicht, die gesagte Konsequenz - mit der autonomen Wirtschaft der Kwu/oth der Arbeiterschaft, die ja zunächst, möglichst vielseitig, einmal die eigenen Bedürfnisse der Wirtschaft, jenseits vom Außenmarkt zu befriedigen trachten; kaufmännischer Geist, Privatinitiative sei der Leitstern der Landwirtschaft;das einzelne Produkt, die Fabrikmarke, schafft die Majorität im Lande." Zum Teufel ist der Spiritus, der Revach ist geblieben (wenigstens nach der Meinung des Memorandumschreibers). jetzt verstehen wir auch das Lob der Ica und ihres Systems. Zwar finden wir bei ihr keine nationalen Gedanken, aber dafür den Haß gegen die Kwuzoih; zwar nimmt die Ica nicht Teil an den Sorgen der Alijah, und fragt zumindest nicht, ob es heute aus politischen Gründen vielleicht besser sei, 300 Menschen mit etwas weniger Eqiripierung als 100 mit voller Equipierung anzusiedeln; dafür.aber bietet das alte, „bewährte" System der Siedlung von, Sichron jaakow auch heute noch volle Gewähr der Privatinitiative (besonders in > den Fragen der Zer- *) l>«r Verfasser des Memorandums rechnet sehr filgerichtig diu „Arbeiterfragen" zur „Wohlfahrt"; übrigens» erfindet er dieses Departement, das heute nicht existiert.1, da es heute noch keine getrennten derartige!! „Arbeiterfragen" gibt, in weiser Voraussicht dessen, was bei Ver-. wirklichung seiner Pläoe gescherten wird, aus seinem «uropääsch geschulten Kopfe* V **) Alle gestrichelten Stellen sjnd Zita!«.