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Unsere Tribüne · 1924-12-05 · 11 (05.12.1924) · p. Seite 4

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
1 (1924)
Issue
11 (05.12.1924)
Date
1924-12-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Unsere Tribflne Nr- 11 " Störung von Kwuzoth im Tel Zur und Benjamina, der Beschäftigung von Arabern usw.) Das sind die wahren Gedankengänge dieses geschickten Memorandums, das alles sagt und doch ver-; birgt. Es ist notwendig, sich durch diese Art der Tak-; tik ebensowenig täuschen zu lassen, wie durch die i weit offenere und sympathischere der anderen. Die Arbeiterschaft, die weiß, wem die wahre Neugeburt des jüdischen Lebens zu verdanken ist und wo die eigentliche und einzige Kraft des Jischuw steckt, erkennt die Gefahr mit voller Deutlichkeit. Sie weiß, < daß der Kampf mit diesem Feinde, mit dieser Reaktion, in Wirklichkeit der Existenzkampf des werdenden Erez Israel ist; sie weiß, daß die Verwirklichung des Ideals derer um Doar Hajorn, Goldberg und 'Genossen das Ende der Chaluziuth bedeutet. Sie kennt die Schwächen der heutigen Arbeitersiedlung (eine andere gibt es in Wirklichkeit nicht): sie weiß, daß noch nicht endgültig die Form gefunden, noch nicht die Gefahr der Defizite gebannt ist: sie wendet sich nur gegen die Scheinheiligkeit, mit der getan wird, als sei die Gefahr der Defizite mit der Form der Siedfeng'iVeFbuntfeh (wo ist denn in ds'esen.Frage die „Gewähr" des Barons in den alten Kolonien? Steht die Industrie (besser? Hat „Herr Goldberg" Benjamina geprüft?). Die Arbeiterschaft weiß aber auch, daß die Einführung des autokratischen Systems der Verwaltung, der1 falscheste Weg ist und!tou'unzähligen verheerenden Konflikten führen wird. Die Arbeiterschaft wird der Privatinitiative keine Hindernisse in den Weg •legen, sie wird selbst die Industrie zu'fördern suchen, sie ist für Kreditbanken und Handelserleichterungen, verlangt aber das Lebensminimum der Arbeiterschaft; aber sie wird sich keine Illusionen vormachen, die grundlos sind. Sie wird immer noch der Meinung -»sein, daß Chalu/.iuth der Träger des Zionismus1 ist. und daß Erez Israel noch für lange hinaus ein Land der Wenigen und idealistischen Elemente sein wird; sie wird von den Führern der Zionistischen Bewegung die Erkenntnis verlangen, daß die Tatsache der Chaluziuth, der Alijah idealistischer und freier A'len- "sehen und kleiner Sklaven, zugleich demokratische Selbstverwaltung, allerdings im Rahmen großer zusammenhängender Pläne, für und durch die Arbeiterschaft erfordert. Nur dann kann „auch bei dem vorhandenen Menschenmaterial", wie es so liebenswürdig und vielsagend für die Psyche des Verfassers im letzten Satz des Memorandums heißt, der Aufbau in den Bahnen vor "sich gehen, der allein produktive Arbeit ermöglicht. Die nationale Renaissance wird nur dort geboren, wo die jüdische Arbeiterschaft die Freiheit der Gestaltung des Lebens hat; so fordert 'die Arbeiterschaft in dem schweren, heraufziehenden 'Kampfe, wenigstens die Hilfe derer, denen der Begriff „nationale Renaissance" mehr als eine leere Phrase ist. Es hat aber den Anschein, als ob für gewisse Kreise in Amerika und Deutschland .bereits) jedes Verständnis in dieser Hinsicht fehlt. Für die Arbeiterschaft aber heißt es: Kampf in erster Reihe gegen die gefährliche Touristendiletantik, klare Wirtschaftskenntnis und Berücksichtigung der wirklichen Bedürfnisse, nicht nur des Landes, sondern iiuch der psychischen Eigenart der Menschen, Ueberprüfung der Mängel des bisherigen Systems der Arbeit (die nirgendwo offener erfolgt als innerhalb der Arbeiterschaft selbst; wenn der Verfasser des Memorandums nur die hebräische Arbeiterpresse lesen würde, könnte er sich Argumente, die er selbst zu finden garhTcht Sähig ist, aus dieser Presse holen!); und bei alldem: erbitterter Kampf mit den schwarzen Elementen, die das „neue System" einzuführen bestrebt sind. Es wird ihnen nicht nach Wunsch gelingen, denn ohne die Arbeiterschaft ist heute1 in Erez Israel „leider, leider"; nichts anzufangen. Walter Preuß, Jerusalem. Die Sorgen des Herrn Kultusvorstehers Dr. Plaschkes. Herr Dr. Plaschkes hat einen kleinen Ehrenbebeleidigungsprozeß gegen einen Angestellten der Kultusgemeinde gewonnen und sich dabei das Privatvergnügen geleistet, seinem Gegner 7.6 Millionen Kosten, ca.. 2.5 Monatsgehälter bei der Kultusgemeinde aufzuhalsen. Es sei hinzugefügt, daß Herr Dr. Plaschkes selbst Rechtsanwalt ist, bei'Gericht gewiß nicht schüchtern ist und sich ruhig allein hätte vertreten können. Herr Plaschkes hat aber mit den gerichtlich bestimmten 7.6 Millionen Kronen Kosten nicht genug. Er will 25 Millionen Kronen haben. Das sind rund zehn Monatsgehälter seines Beleidigers. Während nun der Angestellte um Ermäßigung der Prozeßkosten einschreitet, rekurriert' Herr Plaschkes ebenfalls, weil sie ihm viel zu niedrig sind. Hören wir nun, \s-as das Gericht dazu sagt. Landesgericht in Strafsachen. Wien I, U IV 1630/23, Bl. XIV 783/24 Besch l u ß. Das Landesals Berufungsgericht Wien 1 hat heute in nicht öffentlicher Sitzung nach Anhörung der Staatsanwaltschaft über die Beschwerden des Privatanklägers Dr. Leopold Plaschkes und des Angeklagten gegen den Beschluß des Straf Bezirksgerichtes I in Wien vom 6. Oktober 1924, U IV 1630/23/16, womit in der Strafsache gegen Richard Kaiser wegen Ehrenbeleidigung die von Dr. Israel Waldmann angesprochenen Kosten des Privatanklägers mit K 7,673.000.-- bestimmt wurden, beschlossen: Die Beschwerden werden als unbegründet zurückgewiesen, da die Kosten vom Erstrichter gemäß; § 395 StPO, angemessen bestimmt wurden. Wenn auch einerseits dem Privatankläger für die Verfassung der,Klage und für die erste Hauptverhandlung Kosten der Vertretung durch einen Rechtsanwalt nicht gebühren, weil er in diesen Fällen durch einen Rechtsanwalt nicht vertreten wurde, so erscheinen die Kosten im großen und ganzen weder zu hoch, noch zu niedrig bestimmt, weil für die Vertretung bei den beiden letzten Hauptverhandlungen:und die einschlägigen Nebenleistungen wegen ihres an Mühewaltung einigermaßen den Durchschnitt übersteigenden Umfanges mit Grund über die einzelnen bezüglichen Tarifposten so weit hinausgegangen werden kann, daß die. Gesamtsumme der Kosten, wie sie zugesprochen wurden, den Leistungen der Vertretung des Privatanklägers entspricht. . , Wien, am 29. Oktober 1924. Für die Richtigkeit der Ausfertigung: der Kanzleileiter: Unterschriften. Daß 'die Kultusgemeinde den Racheorgien des Herrn Plaschkes nicht Einhalt gebieten kann, ist ein Kapitel für sich. Die Sache erhält noch eine sonderbare .Beleuchtung dadurch, daß die famose Dienstpragmatik für die Kultusgemeinde eine Entlassung des Angestellten vorsieht, der von Exekutionen verfolgt wird. In dieser Beleuchtung erscheinen die Wünsche des Herrn Plaschkes schon' etwas klarer und durchsichtiger. - Diese kleine Episode kann nur dazu beitragen, das Charakterbild des Herrn Plaschkes in den Augen der jüdischen Wählerschaft zu vervollständigen. —mm——— NÄHMASCHINEN Kostonloser Unterricht im Stricken und Stopfen! — Lager von Knöpfpressen und Zugehör!'— Reparatur-Annahme! IX., Liechtensteinstraße 27, VI., Gumpendorferstraße 67, IV., Wiener Hauptstraße & — Telephon Nr. 16-5-65 Das jiddische Käseblättchen, genannt „Jüdische Morgenpost*4. Nur wenige Leute in Wien wissen von der t:d Stenz dieses Biättchens und auch jene, denen die? sogenannte Zeitung ins Haus geschickt wird, kern: zumeist ihren Inhalt nicht, weil man ja einem int-H!: genten Menschen nicht zumuten kann, daß er cii-w Geschreibsel lese. Auch wir haben sie stets ignork- und wenn wir ihr diesmal doch einige Zeilen wklme so tun wir es aus zwei Gründen. Erstens geht es nicht an. daß Freunde der jidd; sehen Sprache sich dieses Blättchen ohne ein Wort de Protestes gefallen lassen. Stil und Inhalt dieses Bl chens sind ein Hohn auf jiddische Sprache und Fubli zistik. Weil ein gewisser Herr mit Namen N. M Racker zufällig Besitzer einer Druckerei und auch sons vermögend ist, gibt er zur Befriedigung seiner /rindi sehen Eitelkeit, dieses Blättchen heraus. Ditser H? der nicht einen Satz in jiddischer Sprache niüd zuschreiben vermag, der ein Stümper schlimmste Sorte ist, fühlt sich geschmeichelt, als Herr Che redakteur betrachtet und angesprochen zu werden Wäre es auch bei einem anderen Volke möglich., daß} irgend ein Herr, bloß weil er reich ist, ohne daß er die Sprache recht beherrscht, oder von Publizistik auch nur eine Ahnung hätte, sich anmaßen soll, Chefredakteur zu sein und sogenannte Leitartikel zu schreiben- So respektlos der eigenen Sprache gegenüber, so unverantwortlich können nur unsere „Patrioten" vom bürgerlich-jüdischen Lager handeln. Derselbe Herr liebt es, sein Blattchen als unparteiisches hinzustellen. Während des letzten Wahlkampfes um die Wiener Kultusgemeinde hat d?tst „Zeitung" das Geschimpfe der Zkmisten, die Hetxe gegen die Angestellten bedeutend übertrumpft. Wir erachten es als unsere Pflicht — und das ist der zweite Grund für unseren Angriff — die arbeitenden Juden, darauf aufmerksam zu machen, dajß dieses Käseblättchen, .„Jüdische Morgenpost" genannt, nicht bloß ein Hohn auf. die jiddische Sprache und Publizistik ist, sondern, daß es die Sache unserer Klassenfeinde vertritt. Unsere Antwort - - ein Fußtritt. Herr Oberbaurat Stricker abgesägt. Den Herrn Stricker hat sein Schicksal ereilt. Er hat die zionistische Partei Deutsch Österreichs zugrunde geleitet und er ist von der Leitung der Partei abgesetzt worden. Natürlich hat er sich im letzten Moment bewegen lassen, Mitglied des Zentralkomitees zu bleiben. Es war hoch an der Zeit, daß der Herr Oberbau rat: Stricker abgesägt werde. Annoncenannahme: Allgemeine Annoncenexpedition, VI., Marian Uferstraße 43. Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der;mhiiiu';;«h!iuii;;;;uii^ mmm Feuer- und EinbruchversicherungfürWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung— Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 40,000,000 K oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 Tel. 67-2-72,67-401,69-0-63 Eiflwtomer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glanz, XVIII., Weimarerstraße 19/10. — Druck: „Adria" Wien. IL, Taborstraße 52 B.

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