Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 10 (04.11.1924)
- Date
- 1924-11-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Unsere Tribüne Seite 3 Pawelka in der Kultus gemeinde. Das Wahtstatut. fliese verbrecherische- Wahlordnung, geeignet, die uden in diesem Lande demokratischen Wahlrechtes lüherlich und zum Gespött der Nichtjuden zu machen, st voll geheimnisvollen Stumpfsinne« und aller der Widersprüche, die jnur eines beweisen, daß der Gesetzgeber sich dabei gedacht hat, zu schwindeln jnd wieder zu schwindeln, bis er die Wahl hinter jich hat. Die kautschukartige Beschaffenheit, dieser aragraphe, die sonst nur den Idiotismus ihrer Urleber verraten würde, erlangt. Lebendigkeit, wenn) lie Herren Kahalsgew. Uigen beginnen, ihre Interpret lationskünste spielen zu lassen. Der Herr Präsident. Nach der Wahlordnung ist er Leiter des Ganzen. Das heißt, wie nach allen „Ordnungen" dieser Art 0t er die spanische Wand, hinter der sich die Unfaßbaren' verstecken, wenn sie von Schwindel zu Schwindel, Gaunerei zu Gaunerei schreiten. Ist es nicht, tief beschämend, daß in diesem Fall ein ehrwürdiger' Greis, ein hochangesehener Mann wie Herr Professor Pick, dazu mißbraucht wird, die niederträchtigsten Wahlschwindeleien mit seinem Namen zu decken? Die Unfaßbaren verstecken sich hinter dem Präsidenten, der hilflos, willenlos' alles unterschreibt, eine richtige Ausstattungsfigur, die ein potemkinsches Dorf für das Ideal der Wahlgerechtigkeit ansieht. Die Wählerlisten. Nach der. Wahlordnung haben sie) in der Zentrale und in den Bezirken aufzuliegen. Die Unfaßbaren abr wollen es anders. Die Wählerliste verschwindet rechtzeitig in den Taschen der Unfaßbaren, in der Zentrale wird nur die Liste des I. Bezirkes, in den Bezirken nur die Bezirksliste aufgelegt. Die edlen Unfaßbaren denken sieh eben, daß ein .lüde andere Sorgen haben soll, als nachzuschauen, ob er im Bezirk tseines jetzigen oder früheren Woluiortes, seines ße- ^chäftigungsortes oder früheren Beschäftigungsortes ngetragen ist. Wahlkomitees aber, die das feststellen wollen — sollen sie rneschugge werden!'Ganze 36.000 Wähler, das dauert vier Wochen, ehe man sie abschreiben kann — freilich, ein hungriger Adressenschrei l>er in den Privatbetrieben der Herren Ktillusforstände darf dazu keine 14 Tage brauchen! Reklamationen. Reklamationen kennt die Knllusgenieinde'nur von einer Seite: wie sie uniniöglich gemacht werden. Das Ansuchen der Wahlveroinigung, die Reklamationsfrist, bis 1 Woche nach Uobergabei der Wählerlisten an die Parteien zu verlängern, wurde mit solcher Eile abgewiesen, daß das Sekretarial, sich bei der Zustellung des betreffenden Schriftstücks Hals und Kopf hätte brechen können. Ein Hinweis' darauf, daß bei allen Wahlen die Reklamationsfrist verlängert wird, blieb unbeantwortet. Freilich kann sich die Kultusgemeitnde hier ja ausreden, daß bei anderen Wahlen die Wählerliste auch aufgelegt wird. Und sie hat Recht. Wer da's eine nicht tut, braucht das andere auch nicht. Wahlvorschläge. Wahl Vorschläge sind dazu da, um mit dem 'Gummiknüppel der Wahlordnung bearbeitet zu werden. Die frechen Verletzungen der in diesem einem Punkt wenigstens dem MensehenversIand sich annähernden Wahlordnung werden noch bei einer anderen Instanz ihr Nächspiel finden! Wo man sich wundern wird, für wie dumm Juden einander halten können. Dals Nachspiel dieser Sache wird aufklärend wirken' — Die Herren Radfahrer. Nach oben den Buckelmachen, um nach unten hesser treten, zu können! In diesem Bild erscheinen iifris die gewissen Herren aus dein Sekretariat, die Zwischenträger und Einpeitscher, Hintertürlöffner und Sorgenträger der Kehilleclique. Ist es doch eine alte Sache, daß regierende Nichtstuer mit den Akten ihrer Sekretäre einlach zugedeckt werden. Die KjahalsheiHefn haben ganz andere Dinge im Kopf, als! sich um die Sachten zu kümmern. Wozu sind die Sekretäre da. Der gekrümmte Radfahrerbuckel wird 2um Schneibpult, auf dem die Herren verständnislos unterfertigen, waö der Herr Sekret«' vorlegt. Nur die winteren Beamten bekommen den Fußtritt der Herren Radfahrer zu spüren. Manchmal aber wird der Radfahrbuckel aufrecht, er steht, in der Wählerversammfrijn1: der ..vereiniglen jüdischen Parteien". Ein treuer Diener seines Herrn. > Der Wahlkampf. Während die Herren der Union sich noch des Tones befleißigen, der im Kampf der Anschauungen daß; Minimum der Selbstachtung wahrt, das Kämpfe fum die Mächt übrig lasse», wenn man selbst noch ijn der Position ist, sind die jüdßs'ohnationalen Demokraten rechtzeitig wierderzuerkennen. Es mag für tiefri Zoologen nicht, unwichtig sein, daß der unbeschreibliche Sauherdenton, mit dem di,e Jüdisch- Inationgalen unsere Männer überfallen, im Wiener Lokalleben (noch heute nicht seinesgleichen findet. Redner speien das einzige Produkt, ihrer jüdischen Erziehung — Eisenbäch — mit solcher Wohllust^auisi, daß das Einschlingen dieser geistigen Nahrung ihnen {noch viel mehr Freude machen muß. Echt geschäftsjüdisch. Mit Geschäftsjuden ist nur goschäftsjüdisch zu reden, auch im politischen Leben und dann erst recht. Ein Versuch unserer Wahl Vereinigung, eine Basis für (die Form des Wahlkampfes zu finden, die gegenseitigen V-öi'sammhuigsstöriingen verhindert, wird von den Herren Gesehäftsjuclen geschäftsjüdisch verstanden. Sie haben ja doch nur ein paar Mandate hajbejh wollen! Und weil sie sie nicht bekommen, halben, machen sie uns weiter das Bestemm! Mit dieser Logik werden Waren-"und Effektenbörsen angetrieben wie Windmühlen, warum nicht auch die Politik? U{nd die Herren Gesehäftsjuden sind zu allem bereit, warten bis noch einer kommt, mit dem sie weiter geschäftsjüdisch reden können. Mit dem Herzen beim Proletariat, mit dem Magen bei der Bourgeoisie. 300.000 .luden! Die „Morgenzeitung" sagt es. Also sitzen sie in Wien und warten. Worauf? Aufgerechnet auf die Kuitusvvahlenl-Aber man wird doch nur 36.000 wählen lassen. Was tun denn dabei die a|ndern,V Nun, die warben! So ist es, wenn die „Morgejnzeil.ung" sich berauscht. Sie sieht einmal 300.000 Juden und läßt sie warten, bis die Bourgeoisie (nach Tisch ist. Wie aber, wenn es anders kommt. 75 Prozent ailler Wiener .luden haben die Nationalrats wählen die Jüdischnationalen samt dem Unionklüngel zum Teufel gejagt- Auch die Kultus^emeinde sieht die Juden wieder! Herr Stricker droht in einer WTäh]erversamml'tJng hat Herr Stricker die Drohung ausgesprochen, daß wenn Kandidaten der „Wahl Vereinigung" in den Kultus vorstand gewählt werden sollten, der KuUnsvorstand aufgelöst werden wird. So tief ist dieser Herr gesunken, daß er zu solchen Einschüchteruagsinitteln greifen muß. Aber dieser sonst so vornehm tuende Herr wird sich doch damit abfinden müssen, daß man ihn und seine Anhänger in der Kultusgemeinde selbst demaskieren wird. Die siegreichen Zionisten. In Abwehr unseres Angriffes auf die Wahlbündnisse der Zionisten mit den allliberalen Assimilanten, wagen die Zionisten zu behaupten, daß sie die Assimilanten hiedurch für die Demokratie! und den Zionismus gewinnen. Nun wollen wir diese Behauptung! ini Lichte zweier Tatsachen untersuchen: 1. Das Bündnis bei den Nationalralswahlen hatte zur Foge, daß die Jüdisdhnationalen sich verpflichtet haben, die Forderung der Anerkennung der jüdischen (Naiont völlig fallen zu lassen. 2. Die Altliberalen in der Kultusgemeinde haben durch Erpressung (so behaupten die Zionisten) die Zionisten gezwungen, die Forderung nach dem allgemeinen Wahlrecht aufzugeben und den Wahlreohtsrauh an zwanzigtausena Kultussteuerzahlern zu begehen. So schauen die siegreichen Zionisten in Wirklichkeit aus'. Wer ist dumm und unmoralisch? Ramsay Macdonafd oder Robert Stricker? In der „Wiener Morgenzeitung" vom 27. Oktober bespricht Herr Robert Stricker in einem Leitartikel die Affäre des Sinowjew-Briefes in England und gelangt zum Schlüsse, daß die .Bedingungen, die Macdonald Sowjetrußland gestellt hat, „dumm und unmoralisch" sind. Wir enthallen uns jeder Qualifizierung einer solchen Behauptung, wir überlassen es völlig dem Urteile unserer Leser. Eine Verstiegenheit des Herrn Stricker. In einer Wähler Versammlung hat Herr Stricker gesagt: „Die Kandidaten der „Wahlvereinigung" sind eine moralisch minderwertige Gesellschaft." Wer sich zu einer solchen Pauschal Verleumdung hergibt, verliert jedes Recht auf Achtung. Herr Piascbkes und die „rote Gefahr". Der heftigste Rufer im Wahlkampfe gegen die „rote Gefahr" in der Kultusgemeinde, ist natürlich der Herr Dr. Plasohkes. Er beleidigt und beschimpft die Angestellten der Kultus gemeinde, er hetzt gegen die Poale-Zion, aber am lautesten und am heftigsten wendet er sich gegen die Sozialdemokratie. Dieser schlaue Herr denkt dabei gar nicht an die Kultus wählen, ihm ist angst und bange um sein Mandat im Gemeinderat, er fühlt .esl ja bereits, daß die rote Flut auch ihn den „letzten Mohikaner" (oh armes jüdisches Bürgertum!) hinwegfegen wird. Das versetzt diesen Herrn Advokaten in Tobsucht. Aber es ist vergebliche Mühe, Herr Dr. Plaschkes, Sie können sich noch so fest an Ihr Mandat klammern, Sie werden abtreten und zwar recht bald. Herr Guido Fuchsgelb, Dieser Herr, der im Kriege ein fescher Regiments« ajdjutajnt war, ist jetzt der erste Sekretär und (der oberste Machthaber in der Kultusgemeinde. Herr Fuchsgelb selbst bezieht ein Ministergehalt, er spricht aiich nie über die Kosten des Sekretariats, aber er hilft den Scharfmachern gegen die Angestellten. Und dieser saubere Herr ist Mitglied der Bnej-ßrit und der eigentliche Leiter der wichtigsten Agenden in der Kultusgemleinde. Sehr bezeiclmend für den ~ sozialen Charakter dieser Institution. Herr Fuchs'golb versteht es auch, sich nach demi Winde zu drehen. Als vor 4 Jahren die Zionisten in größerer Zahl in die Kultus gemeinde gewählt wurden, hat er sich an Angestellte mit, den Worten gewendet: „Jetzt habt ihr das1 Gesindel da!" Heute aber agitiert er für „das Gesindel". Dieser saubere, charaktervolle Mann ist ein würdiger Repräsentant der israelitischen Kultusgemeinde. S»- In Restaurants und Kaffee' häusern verlanget: Werbet flfconnenfe^Miifl sammelt Pressefonds für: 99 U JTI5 ft im-