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Unsere Tribüne · 1924-11-04 · 10 (04.11.1924) · p. Seite 2

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
1 (1924)
Issue
10 (04.11.1924)
Date
1924-11-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Unsere Tribflng Die Partei des Verrats. Zur Charakteristik der Wiener Zionlsten. Die Wiener Jüdischnationalen beliebe« es, in der Polemik mit ihren Gegnern sich aufs hohe ftoß von Moral und Ethik zu setzen. Sie bilden sich avoM ein, daß man ob ihrer schönen Worte, ihre niedrigen, verräterischen Handlungen vergessen wird. Aber weit gefehlt. Sie sollen sich überzeugen, daß sich die jüdische Bevölkerung über ihren wahren Inhalt im Klären ist. Wie haben 'doch die Jüdischnationalen Jahre hindurch für die Anerkennung der jüdischen Nation in Worten gekämpft! Als es aber galt, für den Herrn Stricker ein Nationalratsmandat zu ergattern, haben sie sieh verpflichtet, niemals die Frage der Anerkennung der" jüdischen Nation auf zuwerfen, oder zu unterstützen- Hat irgendwoin einem Lande eine jüdisc'hnafionale Partei so leichtfertig den wichtigsten Grundsatz eines Programmes einem Mandate zuliebe verraten? Die Wiener Jüdischnationalen bilden hier zweiefllos eine Ausnahme in der ganzen Welt. Die [lerren^rfrecüien sich jetzt, im Namen Theodor Herzls ihren „Kampf" für die Kultusgemeinde zu führen. Herzl hat an eine Eroberung der Kultusgemeinden, m it Hilfe der breiten jüdischen Wählermas.sen, gedacht, seine unwürdigen Anhänger aber, haben sich mit den Mauscheis verbunden, um gegen die breiten jüdischen Massen die Macht der liberalen Assimilanf.en zu erhalten. Die Jüdis'chnationaleiii haben nicht nur nichts unternommen, um in der großen Wiener jüdischen Gemeinde das allgemeine Wahlrecht einzuführen, sie haben zum Wahlrechtsraube an 18.000 Steuerzahlenden tätige Mithilfe geleistet. Ohne die Stimmen der Jüdischnationalen könnte dieser Wahlrechtsraul) nicht beschlossen werden. Die Herren, die den Gedanken der Eroberungder Kultusgemeinde auf so schmähliche Weise verraten haben, erbringen nur noch den Beweis ihrer völligen Demoralisierung und Korrnmpiernng, wenn sie sich trauen, den Namen Theodor Herzls Jm diesem Wahl- Jkampfe zu nennen. Und diese Verräter der wichtigsten Grundsätze ihres eigenen Programmes, wundern sich noch, daß ihnen ihre Anhänger massenhaft davonlaufen. Es ist - ja im Gegenteil fast unbegreiflich, wie anständige, denkende Juden in Gesellschaft dieser Mandatenjäger und Verräter bleiben können. Wir sind auch überzeugt, daß diese verlotterte Partei ihrem völligen Verfalle entgegengeht. Moralisch hat sie ihre Existenzberechtigung bereits verwirkt, der organisatorische Zusammenbruch kann nicht mehr lang© ausbleiben. Die Wahl am 9. November wird es einwandfrei beweisen. Die Partei des Verrats wird von den jüdischen Wählern die ihr gebührende Antwort erhalten.' M. Jakobsohn. Herr Oberrabbiner Dn Chajes! Wir haben an Ihnen stets den aufrechten, denkenden Menschen zu schätzen gewußt. Ihrem Wirken für das Wohl der Ärmeln haben wir stets (unsere. Ane|rk|e^uhg gezollt. Obwohl uns von Huven eine {Weltanschauung trennt, haben, unsere Vertreter oll Ihrer Meinung in Punkte soziale Fürsorge zugestimmt. IWir wußten es auch zu würdigen, daß Sie sich bis jetzt jeder Aueßeruhg über die Kaimpfmethode Ihrer GeiS'iniiung'sgemosjsein enthalten haben. Nun haben Sie Isich aber bewegen lassen, den bedrohten vereinigten jüdischen Parteien beizuspringen („Wiener Morgenzeitung" vom 31. Oktober) und Zeugenschaft für ihre Eignung in den Kultusvorstand abzulegen. Darüber müssen wir unsere Verwunderung aussprechein. Herr Oberrabbiner! Ist es wahr, daß Sie die Verräterpolitik der Wiener Jüdischnalionalen billigen V Sie haben nichts dagegen einzuwenden, wenn dieselben Herren, die sich vor nicht langer Zeit bereit erklärten, die Anerkennung der jüdischen Nation weder anzustreifen, noch zu unterstützen, nur um Mandate zu ergattern, jetzt den Kampf um die Kultusgemeinde zu einem Mandathandel mit den Assimilanteu degradieren? Deuten Sie auch auf diese Weise die Parole Theodor Herzls bezüglich der Eroberung der Kultusgemeinde? Wir haben es begriffen, daß Sie das Schweigen vorgezogen haben, da Sie aber das Wort ergriffen haben, fet es Ihre moralische Pflicht sich aufrichtig jufcd eindeutig zu äußern, wenn Sie es verhindern wollen, daß Ihre Worte als Akzeptierung der Politik ides Verrats, die die Wiener Jüdischnationalen betätigen, mißbraucht werden. Wir begreifen es, daß Politikaster vom Schlage eines Stricker oder Plaschkes mit Öberflachliclikeiten u^d niedrigem Geschimpfe über ihre Gegner die Öeffentliclikeit zu täuschen versuchen, aber Sie, Herr Oberrabbiner, Sie als' Gelehrter, als mutiger, aufrechter Jude, als Vorsitzender der zionistischen Exekutive, Sie sind verpflichtet Ihre Meinung eindeutig und klar zum Ausdruck zu bringen. Oder sind Sie am Ende mit Ihren Gesinnungsgenosse nauch in diesen Fragen einig? Die Oeffentlichkeit hat das Recht, restlose Aufklärung von Ihnen zu verlangen, sind Sie doch nicht bloß Angestellter der .israelitischen Kultusgemeinde, sondern einer der prominenten Repräsentanten des Judentums. Herr Oberrabbiner Dr. Chajes, nach den gemachten Aeußer im gen, dürfen Sic|pich nicht mehr; im Schweigen hüllen^, säe sind zur Erteilung der Aufklärung verpflichtet-. Die Wiener sozialdemokratische Poale- Zion und die Kuituswahien. Ijjnsere Orga,rusaüon bildet einen 'teil der „Wahlvereinigung für soziale Tätigkeit in der Kultusgemeinde". Ans Gründen der Zweckmäßigkeit und nach einer Mejrpiä&ügung in den grundsätzlichen Fragen, sind wir der „WahlVereinigung" beigetreten. Unsere wichtigsten Forderungen für die Kultusgemeinde sind in die Wahlplattform der „Wahlvereinigung" aufgenommen worden. Die Kandidaten dieser Vereinigung (Gen. Dr. Rud. Glanz ist einer der-Spitzenkandidaten) bilden eine vollständige Garantie, daß sie im Sinne dieser Grundsätze in der Kultusgemeinde werken werden. Die „WahlVereinigung" ist zum großen Teile auch unser Werk, alle Genossen und Freunde sind vorpflichtet, vorbehaltlos, all ihre Kräfte in den Dienst dieses für uns wichtigen Wahlkampfes zu stellen. Es gilt, wie disziplinierte jüdische Arbeiter zu handein. An die Arbeit, Genossen 1 Die österreichische Sozialdemokratie und die Kultuswahlen. Die Wiener Jüdischnationalen zerbrechen sich den Kopf darüber, wie sich die österreichische Sozialdemokratie zu den Wahlen in "ttie •Kultusgemeinde verhält. Sie tun so, als ob sie nicht informiert wären und hören mit ihren Sticheleien nach links nicht auf. Nun wollen wir, nicht nur zur Befriedigung der Neugierde dieser Herren, sondern zwecks Aufklärung der Wähler den Sachverhalt rückhaltlos aufklären. Die Österreichische Sozialdemokratie steht den Wahlen völlig ferne. Die Gründe sind allen einleuchtend und bedürfen keiner weiteten Erörterung. Aber, es ist selbstverständlich, daß die Kultuswähler, die Sozialdemokraten sind, sich nicht den Scharfmachern der „vereinigten jüdischen Parteien" und auch nicht den diversen toratreuen reaktionären Gruppen, sondern der- Wahlvereinigung für soziale Tätigkeit in der Kultusgemeinde anschließen. Und wenn solche sozialdemokratische Wähler ihre Gleichgesinnten auffordern, für die sozial-progressive und wahrhaft demokratische Gruppierung zu stimmen und zu werben, erfüllen sie nur eine selbstverständliche Pflicht. Allerdings ist die Erfüllung einer solchen Pflicht etwas den jüdisch-nationalen Verrätern Unbekanntes und Unbegreifliches. Aber es wird diesen Herren nicht gelingen, die jüdische Wählerschaft irrezuführen. Die Wahlvereinigiing für soziale Tätigkeit in der Kultusgemeinde ist eine völlig selbständige Gruppierung. Sie ist die progressivste, die aufrichtig demokratische und daher ihre Anziehungskraft auf die freiheitlich denkenden Teile der jüdischen Wählerschaft. Der Schwindel mit dem Wahl rechtsraub. Es ist ein ergötzliches Schauspiel, die tapferen t}u(ndesgenossen der Union und jüd. Nationalen in ihrejn Versammlungen sprechen zu hören, wie der eine dem anderen die Schuld für die Mißetaten in die Schuhe schiebt, sodaß die Wähler im ersten Augenblick nicht leicht unterscheiden können wer von beiden der betrogene Betrüger ist. Die Herren von deir Unionclique verteidigen getreu ihren reaktionären Prinzipien, ihre „YVahlreform" mul weisen mit Entrüstung ein allgemeines Wahlrecht zurück. Die Jüd. Nationalen schwören heilig, daß sie das nicht durchsetzen konnten, weil sie in der Minderheit waren und behaupten, daß bei einem energischen Versuch der Durchsetzung dieser Forderung ihre Bunedsgenossen gedroht hätten, ihre Mandate im Vorstand niederzulegen, wodurch die Kultusgemeinde zugrunde gerichtet worden wäre. Es ist zunächst unwahr, daß durch die Verwirklichimg TSBssmssmmmmmmm Werbet und fttimmet fiir di*,,Wahitf4riiitldtififl für soziale Tätigkeit In der Kultusa«m«incto<4. 'i i, i Tf W ■'- r^T" dieser Drohung die Kultusgemeinde zugrunde gegangen wäret, denn die Kultusgemeinde besieht aus ihren, über 200.000 Mitgliedern und nicht aus dieser, reaktionären Clique in der Kulfusgenreinde. Aber wir fragen die jüd. Nationalen 1. wer hat sie gezwungen für jeöen Teil der Wahlreform zu stimmen, der eine Verschlechterung bedeutet, indem sie caf. 20.000 Steuer- Kahlem, die im laufenden Veirwalhmgsja.hr die Steuer entrichtet haben und nach doV alten Wahlordnung das Wahlrecht hatten, nunmehr aber ihres Hechtes beraubt wurden, es sei denn, daß sie wirklich zu Lakaien der Unioncliqiie hera.bgesun.keti sind. 2. Wenn sie der Ansicht, sind, daß" die ['rrtonclique wegen einer zweifellos gerechten und berechtigten Forderung, die sie auch auf ihren« Programm geschriebein haben, es gewagt hat, mit. einer Drohunn 1«zu kommen, die die Kultusgemeinde zugrunde gerichtet hätte, so war es ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit Ivei den jetzigen Wahlen den heftigsten Kampf gegen diese Clique zu führen und den Wühlern zu sagen, daß diese liberale, in Wirklichkeit reaktionäre Partei, bereit war die (iemein.de zugrunde zu riebien, wegjen eines demokratischen Wahlrechtes, daß bei allen Kulturvölkern, insbesondere in diesem! Staat und in dieser Stadl, schon längst ein geführt ist — und solange an die Wähler zu appellieren, bis der letzte Mann dieser Clique aus der Kultuslslube verjagt, wird. Anstatt dessen, haben sie mit diesen Feinden einen WahJpakt auf (Irund des bisherigen Besitzstandes geschlossen, ihnen garantiert, daß sje künftighin die Mehrheit über sie haben, werden und damit auch garantiert, daß die Forderung nach dem allgemeinen. Wahlrecht, nicht erfüllt wird, werden, können. - - Diese, Tatsachen sind bezeichnend für die Beschaffenheit dieser Partei. Und angesichts dieses moralischen Verfalls, wagt es noch das Leibblatt dieser Herren uns vorzuwerfen, daß wir aus persönlichen ehrgeizigen Gründen Mandate erstreben, um im Trüben zu fischen. Die Lügen der „Vereinigten jüdischen Parteien", .In der „Morgenzeitung" schwefelt der Leitartikel über die Kuituswahleh und erdreistet sich, den Leserin folgende bewußte Unwahrheit vorzusetzen: ,',300.000 .luden sind vor die 'Aufgabe gesetzt, einen {neuen Kultusvorstand zu wählen, aber der offizielle Bericht der Kultusgemeinde gibt bekannt, daß zirka 36.000 Steuerzahler das Wahlrecht haben. Kaum 12 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung und dann werden sich die Herren als die Repräsentanz des gesamten Judentums Wiens schimpfen lassen. Die davongelaufenen Zionisten. Die „Wiener Morgenzeitung" klagt jämmerlich, daß einzelne Zionisten ihnen davongelaufen sind und bei uns als Kandidaten figurieren. Wir glauben \edoch, dieser Stoßseufzer -war zu früh, soll sie noch den Wahltag abwarten und dann wird sie erfahren können, daß nicht nur Einzelpersonen, sondern daß die Wähler in Massen davonlaufen werden, dann gilt aber nicht nur zu.weinen, sondern mannhaft die Konsequenzen zu ziehen. Allenfalls aber, sich bei den Liberalen zu bedanken. Pawelka-Wanlen. P a w e l k a - W a h 1 en: Die Herren haben ein verlötetes Gewissen. Wählend sie die OeffentlichbeSt scheuen und je weniger Wähler zur Urne gehen lassen wollen, haben sie es noch zuwege gebracht, unsere, ihnen mitgeteilten Kandidaten von der Liste zu streichen, warum? Darüber könnte Pawelka Auskunft geben, der solche Dinge gut versteht. Die Wähler werden ihnen aber die richtige Antwort geben. Im Zeichen Palästinas. Die Herren Zionisten wollen den Wählern einreden, daß sie das Bündnis mit ihren Gegnern nur Palästina zuliebe eingegangen sind. Ks wäre ja nicht uninteressant ,zu erfahren, wie sie sich mit den Agudisten in der Palästinafrage geeinigt haben. Lügen haben kurze Beine____

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