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Unsere Tribüne · 1924-08-15 · 7 (15.08.1924) · p. Seite 3

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
1 (1924)
Issue
7 (15.08.1924)
Date
1924-08-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Unsere TrlbÖne Seite 3 fiierksamkeit. wurde dem Anbau von Gemüse gewidmet^ Iii das Programm der Siedlungen, wurde heuer aucti der Anbau von Tabak den Arbeitskräften entsprechend, aufgenommen. Zu den Neuerungen dieses Jahres soll auch der Ankauf von 50 holländischen Ochsen und Kühen ge» zsahlt werden. Hiedurch ist ein langersehnter Wunsch erfüllt worden: das Erwerben einer guten Gattung von Milchkühen, welche den Molkereien -ermöglichm werden ihre Aufgabe in den modernen Land wirtschaften Ätj erfüllen/Dieser Ankauf hat über 3000 Pfund Sterling erfordert. Um weitere 5000 Pfund Sterling sind Kühe in Damaskus und Beyrnth angekauft und unter den Arbeitersiedlungen verteilt worden. Auch sind viele Maschinen und Werkzeuge gegen Haftimg der Siedlungen, in vielen Fällen durch Sicherstellung der Landwirtschaftlichen Zentrale, oder der Kolonisationjsabteihing der zionistischen Leitung erworben worden. Schwieriger hat sich heuer die Tätigkeit, in der neuen Kolonisation gestaltet. Gestützt auf die Erfahrungen der letzten Jahre, haben wir mit den Vorbereitungen rechtzeitig; im Sommer, begonnen. Wir haben erst die Kwuzot organisiert, dann haben, wir Verhandlungen mit den allgemeinen Koloiüsationsinstitutionen (Nationalfonds, Kolonisations-Departement) eingeleitet und die Ansiedhingspläne zurechtgelegt. Zum ersten Male sind wir auf ein großes Hindernis gestoßen: Mangel an Boden. Es kamen lediglich in Betracht: gegen 1300 Dunam Bodens, den der l\ationalfond in Tal-Adas und in Bob el Nazara übernommen hat, gegen 3000 Uunam |i'n Merchawja, 2000 Dunam in Salona. 4000 Dunam in (■hitin, ein Teil des Bodens in Jasor bei Chaifa, der dem Naliorialfonds übergeben werden soll und eine kleine Fläche Bodens in Dschindschak (700 bis 900 Dunam). Chitin ist dem Misrachi für eine Bauemsiedlung (Moschaw Owdirnj) zugeteilt, der übrige Boden ist der Arbeitersiedlung überlassen worden. Die landwirtschaftliche; Zentrale hat nach sorgfältiger Auswahl der Kandidaten und nach vielen Vei- 'toJandlungen mit dem KolonisatioiißKDepartement den Beschluß gefaßt, auf einen Teil des Bodens in Tel- Adas und Salonia Bauernsiedlungen, auf den weitern Teil Bodens in Tel-Adas, in Rob el Nazara, in Jason und t eilweise auch in Dschindschak „Kwiizut" (Arbei- ^err^en^in^chaften) zu errichten. . Es war nicht leicht diesen Beschluß durchzuführen. Wenn man fü r die Gründimg der Bauernsiedlungen aioch Verständnis gefunden hat, ist man aber der Gründung von Kwuzot sowolü seitens des1 Nationalionds, als auch von der zionistischen Landwirtschaftlichen Exekutive mit Zweifel und Mißtrauen entgegengetreten. beginnt sich zu dieser Zeit bereits einzubürgern. So schreibt Spirodöwitsch am 4. Dezember 1904 unter Nummer 3913 an das Polizeidepartement, er schicke ihm hiemit eine Proklamation unter dem . Titel „An die jüdjscjhe Gesellschaft" zu„ die von der Kiewer •Organisation der „Zionisten-Sozialisten" herausgegeben sei. (Die Proklamation selbst, ist leider in der „Djelo" nicht enthalten.) Zu dieser Zeit wird der Schwerpunkt der Arbeit des Organisationsfcprniteeis und noch mehr des ihm mhestehenden Kiewer „Wiedergeburt"-Zentru'ms in ein anderes Gebiet verlegt. Anfangs Sommer ereignete sich der Homele^Pogrom und in den ersten Herbstnionaten kamen hintereinander die Pogrome in Alexandrien und anderen Städten vor. Da keine Sicherheit bestand, daß nicht aufs neue eine Pogrom welle entstehe, war der Hauptgedanke der jungen revolutionären Gesellschaft darauf konzentriert, wie man hier gehörigen Widerstand beweisen könne. Ueberall müssen Selbstschutz- Organisationen gegründet werden. Sie müssen aber großzügig angelegt sein und organisationeil und finanziell von' einem ' Zentrum geleitet werden. Soll aber* dieses Zentrum ah Ansehen gewinnen, so müssen nicht mir die sozialistischen Elemente, sondern auch die der radikalen Intelligenz zugezogen werden. Es entsteht der Gedanke, eine Selbstschutzkonferenz einzuberufen, an der die Leiter der poalezionistischen Organisationen und eine Anzahl führender Elemente der Äikaleii jüäisefcin Intelligenz und auch bürgerliche Kreise teilnehmen sollen. Auf der andern Seite wird immer klarer, cjaß die geplante Parteikonferenz noch nicht so rasch Vbrkotamen kann und daß es' unmöglich ist, mit der Erfüllung der eleftienfatrsten Partei bedürfnissei noch bis 3ür Konferenz zuzuwarten. (ftor$aet*ung ftrigt.) Das Ergebnis der neuen landwirtschafthtihen Arbeiterkblonisation sieht etwa, so aus.: 1. Die Siedlung Tel-Adas, 40 Familien— 4000 Dunum. 2. Salona, 20 Familien — 2000 Dunam. 3. u. 4. Die Kwuzot Markenhof und Zrifin, .36 Arbeiter --• 2500 Dunam. 5. Kwuza, Ach wa b, 15 Arbeiter, — 700 Dunam. 6. Kwuza Zwi, 14 Arbeiter auf gepachtetem und noch nicht erworbenem Boden. 7. Kwuza Ach wa a -1- 24 Arbeiter gegen .800 Dunam gepachteter Boden (angekauft durch den Nationalfonds, aber auf seinen Namen noch nicht eingetragen). ., 8. Als neuer Punkt kann. auch, die ßauernsiedlung bei Mechawja, weiche um 25 Familien vennehrt, und um 3000 Dunam vergrößert wurde, gezählt werden. Diese Siedlung ist mit Winterbeginn in die Verwaltung der Histadruth übergegangen. Zur neuen Kolonisation kann man eigentlich auch die neuen Arbeiter, die in. Ejn Charud, Kfar Mala.1, Atarot it.a. aufge»- nommen wurden, zuzählen, weil die Vermehrung der Zahl der Arbeiter' durch die Vergrößerung der Siedln ngs fläche ermöglicht wurde. Das reduzierte Budget hat natürlich nicht für die Erhaltung dieser Siedlungen durch das ganze Jahr ausgereicht. Es hat an Nahrung für die Arbeiter und das Vieh gemangelt, man. war nicht, in der Lage, der Regierung die Steuern zu entrichten, und. die privaten Darlehen rückzuzahten, es war auch nicht, möglich, die notwendigen Vorkehrungen für die Ernte zu treffen, fm Laufe von fünf Monaten sind 75 Prozent des Budgets verbraucht worden und deshalb waren einige Siedlungen im März und April ohne Geld und ohne jede Aussicht die ■■.■minimalsten Beträge für die notwendigen Bedürfnisse erhalten zu können. Da. ist noch das Finanz-Departements der zionistischen Organisation in den letzten Monaten mit der Forderimg herangetreten, das Budget um weitere 10 Prozent einzuschränken. Alle Beteuerungen, daß eine Reduzierung des Budgets ohne Gefährdung der gesamten Kolonisationstätigkeit juruhö glich und daß' zur Sicherung der Arbeit bis Jahresende eine Erhöhung des Budgets unbedingt notwendig sei, waren vergeblich. Das Finanz- Departement beharrte auf seine Forderung. So bleibt das Fipanz-Depiartemient die letzte Instanz über unsere Tätigkeit. Weit von der Arbeitsstätte, ohne che Lage übersehen zu können, entscheidet es ..rasch, in s^hwerwiegendiqn Fragen. Am grünen Tisch Wird über die Siedlungen dekretiert. Man greift in die Kompetenz des Kolonisatic^Departeanents, welches allein für die Kolonisiation)stätigkeit verantworte Das Gastspiel des amerikanischjiddischen Kunsttheaters in Wien. Der ErJ'oig des Kunsltheateirs in Wien ist unbestritten. Die dicht gefüllten Häuser, in den heißesten Monaten des Jahres-, das einheitliche Lob der deutschfeu Presse haben est einwandfrei1 bewiesfeaa. Aber auch der größte Erfolg darf 'tun« nicht von dem Versuche abhalten, die Vorteile und Mängel dieses Thfeat'erettiisembles: nüchtern einzuschätzen. Die Zusammenstellung und das Zusammenspiel des BnsemUes sind vortrefflich. Das Frauen-Trio: Äbramowler-A.ppel—Gersten bilden die Zierde dieser Künstler- TatniiMe, ihr durchseeltes Spiel — das eigentlich keinias mehr ist — verleiht jeder Aufführt«]® Glaaiiz und Würde. Schauspieler, wie G<o 1 d 1"aiden, Fried, S lraßber g und insbesondere Mark Schweidt bilden einen gesunden Grundstock des Theaitei-enscmhiies. Die vielseitige Begabung des Direktors M »uis Sc Ii warz liefert den Schlüssel zur Einschätzung des Kunstüieaters überhaupt. Herr Sehwarz ist 'ein korrekter Schauspieler, ein Menschenl'ormer an technischen Mitteln außerordentlich' reich. Aber er ist erdigebanden, ohne höheren Seelnschwang, oh'ne jede Fähigkeit für SUlisrerung.. Das gilt nicht nur vom Herrn Schwarz als Schauspieler, sondern auch als Kegisseur und Direktor. Was hat Herr Schwarz aus „Hinikemann" gemacht? Diesen Schrei gegen die Nac&kriiejgsweM, gegen das Naehkriegs-Deutschland hat er seiner altgöraein-inensehUclijen Symoblisierung, seines großen Kähmens beraubt. Hinkeinann ist in seiner Gestalitung ein bloßes Skelett. des großen,, meiiBchldciieu Kuus'twe«kes,. in dem vier Wände» sseiner Arheiterwohnnng;e^ Vichts hat so deutlich die Begrenztheit des Newjorter jiddisch^ Kumsttt*e&te«& veranschaulicht, wie die Auffiihrun^ de<s .iiinkelich 'sei, über. Anstatt die Läge gründlich zu prüfen und gemeinsam mit uns einen Ausweg zu stieben, entscheidet es über das Schicksal der Siedlungen mit einem einfachen, leichten Nein. Erst ton April, als Chawer Harzfeld von der Sitzung des Aktionskomitees zurückgekehrt war und die Zusicherung einer Anzahlung von 20.000 Pfunde für das nächste Jahr mitgebracht hatte, konnten wir* unsere Kolcnisatio(nstätigkeit fortsetzen. # > Aber trotz aller Leiden und Schwierigkeiten, trotz Geldmangels und Ungewißheit, unbeachtet der Vereinsamung im Kampfe, der wir uns oft bewußt werden, istdie Stimmung bei den Chawerim keine gedrückte. Sowohl in den alten, als in den neuen Siedlungen. Im Gegenteil, es herrscht ein Geäst von Energie und Glauben an die Zukunft. Außenstehende und sogar Gegner müssen zugestehen, daß wir im laufenden' schweren Jahre viel geleistet haben und daß die Arbeiteirkolonisation in. diesem Zeitabschnitte befriedigende Fortschritte zu verzeichnen hat. A. M. Kollar, Mitglied der Zentrale der landwirt.scha,ftl. Arbeiterorganisation. a*'. 1 "' - Alis ctem arbeitenden Palästina. Die Einwanderung nach Palästina im Jahre 1923/24. Von April, .1923 bis einscliließlioii Juni Ld'M sind tt.92t Juden nach Palästina eingewandert. Unter diesen, waren, 4801 Männer, 3440 Prauen, «3090 Kinder. »Unter den .Männern waren 2180 ledige, 88ö verheiratete, 1736 Familienväter, unter deai Frauen 1019 ledig«, 300 verlioiratete, 2121 Mütter. 1674 dieser Eingewanderten sind mit Touristenvisa .ins Land gekommen. Ausgewiesene aus Rußland in Palästina! ari gelangt. Unter den 140 ans Rußland Ausgewiesenen, die das» Schiff „Nowarosyjs'k" nach Paliistina, gebracht hat. befinden sich führende Mitglieder der „^eirej ZioaV, ,,Hitachdut", '„Hedialutz" und „Haachomer flazair". Vertreter der. Arbeiterorganisation haben sie bei ihrer Ankiui t't in' Jaffa herzlich begrüßt. Die Organisierung der Beamtenschaft. Die allgemeine Arbeiterorganisation entfaltet eixie eher-.' gische Agitation für die Organisierung; der Beamtenschaft/ In der nächsten Zeit wird eine Landeskonferenz der Qrga,-j. nisierten Beamtenschaft stattfinden. Die Eingänge der Arbeiterbank. Der geringe Anteil Oesterreichs. Vom 1. Jänner J^is 30. Juni 1924: sind für Aktien, der Arbeiter bank 6659.517 egypt, Pfund eingegangen. Aa der . Spitze steht. Amerika mit 1935;182,. es folgen danii: mianin", Avelclichi übrigejis der in kieinca' Weise eatsprecheirade Namen role Lachten" beii^.egfc wurde. ,s Das Newyorkßir jiddische Kupstflneater ist ein korrektes, aber , einseitii1gHnatuxali]Lsl3Sx^ Thfeafce,r. Dieses KutisiCtihealer eiröffnet uns 'keine Piersp,ektivßn für diei neue jüdische Theatenkunst'. ' '; r ' ' : ■ , i.! : ' ' ■ ' '"':'u<] De*' Vengleichi mit der „Wilnaer Truppe", die im .fcnhre i 1923 in Wien gastiert hat; drängt sich unwillkür-- lieh auf. Ks mag sein, daß einzelne RoUenfächer im Kuns^ läaea-ter besser, als hei dein Wilinaenn besetzt sind. Abet* niohifc darauf allein komml es an. Um wieviel an Farben i-eiciher wai-en doch die Wilmaer. Ah.g&siöhen davon, daft „Sqhwer ein Jude zu sedin" ibei den Wilmaera unvergbichlioh besser ausigiefaJlen ist; brachtein sie uns niclrl am* rJae tglärtöejide Auf fuhr iui|g vö» HiirsX*liibe^.,,Ga^e^ (welahjes iibing©ns jedem Vergleich mit der sehr gelungenen Aufführung von „Des Schmiedes Tochter" dea „KuniSl'tilieateirs'', standliält), soindem auci> die stilisiertea Auffüha^igen von Anskis „Dybuk" und „Tag; und Nacht". Wenn wir einen Vergleicih' zwischen, dem Newyorker jiddischen Kunstlheater und der ,Wilnaer Truppe" zahlen würden, müßleu wir die leitzdeire nicht nur .»1* die der jüdischen.; l^geniai-t nähere, sondern auch pü% die modernere bezeichnen. - * In diesem Zusammentoingie .wolten' wir auch darauf hinweisen, daß die Klage, es jgeibe in ,Wiea kein jüdisches Thealerpublikum ineüir, völlig umbei-echliigl, war. Für ein ernstes jüdisches Theater hat? sich auch in der Sommer^ zeit, trotz der schwerein Wii,tschiat1t«9a,ise, em großes Publikum ig^eluitiden. - '; -, ■ .■> ir> Es wäre sehr zu wünisohefoi, daß der, Frfp|g des amue.- rik^ndsoh-jiddische» Kunatitfaealieins zw Gründung eine«, sbändügen jüdischen Kunstthieaters wa Wien ermuntern so4L .*,', "•• ' ' ■ " i ' " . H 9iftn«r»

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