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Unsere Tribüne · 1924-08-15 · 7 (15.08.1924) · p. Seite 4

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
1 (1924)
Issue
7 (15.08.1924)
Date
1924-08-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Ättmänien (mit Besisarabren und [Bukowina) 1891.133, Polen 0no.it, GaJizien und Wilna) 739.369, Deutschland 534.148* JJitatien 461.281, ftschechoslotvafcei 155.741. Österreich hat die beschämende Summe von 34.170 egypfe. Pfund; aufgebracht. Ühsere Genossen sind zweifellos nicht unschuldig an diesem geringen Ertrag, wir hoffen, das Versäumte in der nächsten Zeit einzuholen. Aber den Herren der „Hitachdnt" wollen wir in Erinnerung bringen, daß sie die Gründung des Komitees für das arbeitende Palästina dadurch zu hintertreiben versucht haben, daß unsere Beteiligung sie stören könnte, die 1000 Aktien der Arbejterbank, die sie sonst bestimmt absetzen, zu sammeln. Nun ist ihre „Aktion" zu dieser kläglichen Ziffer zusammengeschrumpft. Der Nationalfond erwirbt 50.000 Dunam Boden. Das Direktorium des Nationalfonds ist im Begriff, einen Kaufvertrag über 50.000 Dunam guten Bodens abzuschließen. Dadurch würde sich der Bodenbesitz des Nationalfonds um ein ganzes Drittel, d h. auf 150.000 Dunam, vermehren. Jüdische Arbeiter am Tabakanbau« Von den 2150 jüdischen Arbeitern, die in der Privatkolonisatipn arbeiten, sind 608 bei Tabakanbau beschäftigt, das sind 28 Prozent. Aus dem Sumpf der deutschjüdischen Presse. „Israelchen hat einen Dukaten verschluckt." Auf jenem heiteren Farbstich*) fetalen wir 'piaßt ganze JudenJiämiiie um den ^leinen. versammelt, ä&r lübh -"am Dukaten würgt und, würgt Zum Muild läßt der Karikaturist Rizinus eingießen, .und das im Folklore und Kind^biewußtsew^ Gold reprä^ntieinende Exkrement fällt hier in wirklichen Dukaten in den befrei {gehaltenen Nachltopf. Die Karikatur hat auch1 einen; ernsteren Hintergrund. Für den Kenner der älteren antisemtiilischien, Literatur ist das Thema eine Anklage gegen'die angebliche Erziehung der Judenkinder durch Geld und Gold, doch davon ein andermal. Von dem obengenanniten Bild ist nicht loszukommen, wenn man den Aufsatz „Bösel" im Nummer 4 des* „Zelt" Üesffc, den ©in gewisser: Acher (Höflich?) zeichnet ' Bösel, der Herr des allmächitigen Goldes, ist dort '.eöax „Symptom, Problem" und überhaupt alles, womit ein westjüdischer Literat nur jonglierein kann. Das wichtigste aber, er läßt ein paar Judenijungen wieder mit Geld spielen. Sei es, daß auch in die Redaktion einer jüdischen K uns Izeilschrifl ein paar Dukaten hineintropfen, .sei es aus der einfachen Begteisitferuir^ für das Geld verdienen, das die Literatur „nicht nötig hat, um lebein. ,m können".1 Der .alie selige Benedikt * erleb t hier noch "einige „jungijüdische^ Neuauflagen. „Soll in der neuen Legende des neuen Judentums neben dem Chaluz für einen Bösel kein Platz sein?", .Gewiß ist Platz da, wozu gäbe es sonst westjüdische Kihi^MtscMftein^'' wenn sie nich* ihimi Platz für ' das „Symptom" Bösel zur Verfügung stellen würden?-; : > '" y - Wir haben „Das Zell" nie überschätzt. Wir wissen jju1 gut, daß in einer so weitem Entfernung vom Judithen Volksleben auch' die jüdistehe Kultur nur sehr verschroben und unlebendijg wiedergegeben werden kann. Wir haben aiber diese Zeitschiift älets als eine geistige Bestrebung 'betrachtet, die dem Westjudlen einiges vermitteln kann. Uiid am Ende? Wieder ein paar Judenjungen, dienen Bösels Gold' in Kopf und Maigen herumrollt. <; Die Sache M nicht ernsthaft genug und Herr Acher 2su - unwissend, um die. einzige) wirkliche Goldfrage „Wie* wird man reich?" in, ihrer kul'turmördlerischbn Bedeutung aufzurollen.' Wo die Geschichte der großen Vermögen geschrieben ist (Amerika/), und wo wir sie vor uns gesehen haben (Bösel),, ist sie glefchbedeuitend mit dem Ruin kultureller Volkskräfte. Wir Sozialisten staunen nur immer wieder über die verdrehte Einstellung bürgerlicher Intoiektueller, die aus dem Goldrausch zur Metaphysik des Geldes übergehen und dabei das Lebien des Volkes vergessen. ' -»'*■•• Das jüdische 'Volk wird Bösel, nichts zu danken haben. Seinerkösllachsiten Kulturgüter, Sprache und Kunst, Bitjler "wirkliche geistige Voiksjbesitz der Juden, ist unabhiangig von den Mäzenalen und ^h'rein Literaten. Aber Sjjoch ist" Herr Bösel .'nicht einmal so weit Während Herr Acher am Bösel-Dukaten würgt und würgt, schätzt der Herr des Goldes' die Anbetung seiner Literaten so gering, daß man ruhig sagen kann: Bösel gilbt nur denen, vor denen er Angst;hat. Pas scheinen freilich jn. Oesterreich noch auf mehreren Seiten, etliche zu sein. Israeichfen hat sich umsonst geriert und alteriert, der Respekt' vor dem Geld liegt ihm noch1 zu sehr In den Gliedern.; Er meint'die Metaphysik, das „Symptom", „Problem", äiber in seinen Eingeweiden rollen noch die verschluckten Dukalten. Darum werden trotz „Chaluz" und ian4eref spann\xeiter Pthrasen die Resultate dieselben isean, wie in jenem Büde der M'teren antisjemilischen töteratür; Die ' jüdische Jugend und das Geld als ihr Erzielier und Abgott, Das goldene Kalb in der Bibel und in der jüdischen Kunstzeitschrift.? . „Inn Laufe eines Dialoges hat einerder Spieler den Namen Bösel auszusprechen. Im gAeieh&n Augenblick erheben sich! sämtliche Mitspieler und ziehen den Hut, itfef bis zum Boden." Die Sache ist aber nicht neu. .... », ■ ■ i . ■ ff-'1......•■—rn.i. ,i ■;..,.(/',♦ *) Siehe Fuchs, per Judes|nj,der Karikatur. Heine erzählt den Vorgang etwas anders. Die im Vorzimmer des Pariser Rothschild wartesnden „Mitspieler" ziehen den Hut vor — Rothschilds Nachttopf, den der Bediente hinausträgt. Die infantile Verrnengung von Geld, Gold und Exkrement zeichnet sich dort in den Gesichtern bärtiger, goldgläubiger Juden. So bleibt Israelchen uns immer erhallen, von Nachtlopf zu Nachttopf der Jahrhunderte. FL G. Die „Wiener Morgenzeitung" ist mit Otto Bauer tinzufrieden. Auf der Konferenz des Metallairibeiterv'erbandes hat Otto Bauer eine inhaltsreiche Redte über die Wirtschaftskrise in Oesterreich gehalten. Die „Wiener Morgemzeitung" fällte folgendes Urleil über dfieöei Redle: „Die Ausführungen des Dr. Bauer enthalten nicht viel Originelles, was nicht schon von der volkswirtschaftlichen Literatur bisher erörtert wordlem wäre. Dr. Bauär ist Theoretiker und als solcher versucht er, von einer gewissen höheren Warte der Theorie dad ganze Problem zu erfassen. Dies ist ihm nicht gelungen. Namentlich insoferne nicht, als er die Ursachen, welche für die Entwicklung der Finanzkrise ausschlaggebend waren, die aber in gewisser Hinsicht in der sozialdemokratischen Steuerpolitik ihre Ursache haheni, vollkommen verschweigt. Gerade die Verkenniung der Funktionen des Kapitals von dieser Seile und die auf Schlagwolrie gegründete Auspowerungspolitik pdes Kapitals hat nacht wenig zu dem Nichtfiunk'lnonieren des „Ausgleichsuiechanismus" und dem hohen Zinsfuße beigetragen." Wir wollen hier nicht Otto Baaier in Schutz nehmen, er wird es schon ertragen müsseni, auch! diesen Herreh nicht! zn gefallen, wir möchljen' bloß die Heuchelei der Wiener Zioniisten festnageln. Wenh es ihnen1 in den Kram paßt, rühmen sie sich dessen, daß ihr Herr Dr. Piaschkes die Politik der sozialdemokratischen Gemeindeverwaltung unterstützt, wenn sie sich aber vor den Großbanken als. verlaßliche Bekämpfer der Sozialdemokratie legitimieren wollen1, heulen sie im Chore mit der gesamten bürgerlichen Presse: die Steuerpolitik der Gemeinde, die durch ihre produktive ArbeitelüSenunterstützung viel zur Erleichterung der Wirtschaftskrise beiträgt, sei an der Wirtschaftskrise schuld).. ► Die „Wiener Morgenzeitung" hofft noch immer, Sich dem Großkapital anzubiedern (obwohl ein Versuch bei Bösel mißlungen ist) und durch fette Inserate sich am Leben zu erhallen, aber es wird ihr picht gelingen. Je deutlicher sie sich zu den Feinden der Arbeiterschaft bekennen wird, um so mehr wird' die bereits bedeutend gelichtlete Gruppe ihrer Leser zusanunenSchrurnpfen. Die „Wiener Moigpnzeilungi" wird ihrem verdienten Schicksale nicht entgehen. Auch1 Heuchelei hat kurze Beine. . , i . - ,i . Von jüdischer Volkskultur. Das jiddische Rcjcta im Jahre 1923. Wir gehen hier aus der „Büch'erwellt", dem hervorragenden bibliographischbn Zentralorgan der jüdischen Schulorgandsation Polens, die betreffenden, die Entwicklung des jiddischen Buches veranschaulichenden Zahlen. Das Jahr 1923 bedeutete t für die Bücherproduktion in allen Sprachen und Ländern eine gefährliche Krise,. Trö Uedem auch der jiddische Büchermarkt von den allgemeinen wirtschaftlichen Tatsachen stark gehemmt war, hat die Produktion an Zahl' und Umfang! der 'Druckwerke ihre Höhe ungefähr behaupten, an; Güte des Inhalts und der äußeren Ausstattung aber weit verbessern können. Insgesamt verzeichnen wir 1923 364 jiddische Druckwerke, davon in Polen . 70.6 Prozent, Rußland 5.4 Prozent Deutschland 13.3 Prozent, Litauen 2.1 Prozent, Lettland 1 Prozent, Oesterreich I i Prozent, Amerika 6.5 Prozent. Die großen, wissensChafWichen Zwecken dienenden periodischen Zeitschriften Amerikas sind in diesen Ziffern noch . nicht enthalten. >: Sehr bedeutsam für die geistige Entwicklung der jüdischen Massen ist die Uebersicht über die Gebiete, die die Bücher behandeln. Reine Poesie enthalten 8.5 Prozent, Belletristik 24.4 Prozent, dramatische Werke 8,8 Prozent, Kritik und Lilernt Urgeschichte 4.7 Prozent, Geschichte und Biographie .6.6 Prozent, übrige Wissenschäften. 5.2 Prozent, Politik und Gesellschaft 5.2 Prozent, Statistik 1.6 Prozenit, Lehrbücher 11 Prozent, Kinderumd Jugendliteratur 13.5 Prozent, Sammelbücher 5.8 Prozenit, Verschiedene 4.7 Prozent. i Gegenüber früheren Jahren ist bemerkenswert: Die Bücherzahl in Poesie und Belletristik ist prozentuell im Fallen begriffen, gegenüber den anderen Zweigen (Kritik, Litera t Urgeschichte, Wissenschaften u. a.). Im Jahre 1921 umfassten diese Gebiete zusammen 14;4 Prozent, 1922 sehon 47 Prozent und 1923 (bereits 23.3 Prozent, Hieran offenbart sich , die wachsende Selbständigkeit der jüdischen Masseh, der, Erfolg des jüdischen Schulwesens und die Entwicklung aller der Wissenschaftszweige, die sich mit dem Leben des jüdischen Volkes beschäftigen. Das abgelaufene Jahr hat uns im jiddischen Buch, in der wissenschaftlichen Zeitliteratur, eine Fülle von Publikationen geschenkt, die den höchsten geistigen Besitz des Juden Volkes ausmachen und für jede wissenschaftliche Erkenntnis der LebensverhälUnisse des Judenvol'kes unentbehrlich sind. So wird1 die Kenntnis der jiddischen Sprache und ihrer geistigen Giner zum Erfordernis eines jeden gebildeten1 Judjen, dem das Leb6n seines L Volkes eine ernste Angelegenheit ist. Wir drücken unserem Föhrer, Genossen BERL LOCKER anläßlich des Ablebens seines geliebten Vaters unser tiefstes Beileid aus. Möge er im Kampfe für unsere Idee Trost finden! Jüd. soz.-dem. Arbeiterorg. „Poale Zion" Wien. Redaktion und Administration „Unsere Tribüne" Massenversammlung von Palästinawanderern. Dienstag, den 12. August, tot im Bet-Chaluzim eine Massenversammlung der in Wien anwesenden Durchwanderer stattgefunden. Naeh einem kurzen Referate des Chawer Weinmeb, Vorsitzender der Arbeiterabteilung des* Wiener Raläsliinaarrittes, sind Protesftresoinitio^ien gegen che palästinensische Adininislinailaon und die zionistische Exe- Jtüitive anigenomnien worden. In einer ausführlichen Redehat Chawer Singer die Lage der Durchwanderer in Wien ^■schildert und die zu ergreifende Abhilfe erörtert. Der- Redner hat die Verleumdungen gegen die Arheiterabteilung aufs schärfäle auruokgewiesenv und die Schürer, die -sowohl im Lager des „Misraehi" als in dem Grüppehen jüdi'scher Kommunisten zu suchen sind, als Schädlinge der Durchwanderer gekennzeichnet. In der Diskussion haben viele 'Chiawerim ihre Zufriedenheil über die Einberufung der Versammlung und das Wiriken der Arbei'terabteilung zum Ausdrucke (gebracht.. Die Versammlung war ein voller Erfolg für die Arbei terableil ung. Aus unserer Organisation. SamsKag, den 26. JuM, hat Gentoss» Singer iö .einer• OrganisationsverSammlung über die Konferenzi der Achdut Haawoda und die Lage in der Wel'tibewegung referiert.'. Dier Referent unterzog die wichitigsten R^esolutionen der Konferenz einer genauien Pirüfungi und wieis nach, welchi emiSte Situation die Beschlüsse der palästinensischein. Bruderpartei in der Weilbewegunjg giaschaffen haben'. In der nächsten Zeit treten wir mi die Vorbereitungen des Arbeiterplanes für den kommenden Winter heran. Wir werden wichtige Aufgaben zix erfüllen haben und es ist unibedinigle Pilicht aller Genoslsfenj, sich1 zur Mitarbeit zu melden,. Gen. Fenichi ist von der Leitluingi der Schach>- sek/tion zirückgeitireleni, zu seinem Vertreter wurde Genosse Dr. So mme r s tein gewählt. Das Gerüchit von der Auf-* iöisung der Schachseklion ist erfunden. — Zwecks' Sichtung; und Neueintragung von neu eingelangten Büchern bleibt die Bibliothek vier Wochen geschlossen. Im Monat September wird auch diie deutsche Abteilung; den Lesern zur Verfügung gestellt werden. — Gen. Doktor Oh. Sommerstein ist an Stelle des Genossen Singer vom unserer Orgianjsataon in die Machlakat-Haawoda deat. Faläälinaamtes entsendiet worden. —l. Genossen und Freunde! iViele nahen unteerem Ruite gjefoilgifc und eua Jahresabonnement für „Unsere! Tribüne" eingelzahlt, ab'er eine große Zahl hat ihre Pflicht noch! nicht erfüllt. Wir gemahnen Euch' deshalb: Zahle't das J ahre sab o nnement ein! Die herannahenden K u 11 u s w a W1 e n machbn die- Ausgestaltungi und Verbreitung unseres Orglanes noeih dringender als vorher, deshalb: Werbet für „Unser ei Tribünje"! Die Administration. Wir erhalten folgende Ziustihrift: Wir emuchen um Veröffentlichung folgender Zeilen^ Alle Chawerim, die sich zum Vereine der jüdischisozialistisehen Jugiend (J.- S. J. V.) im Verbände der- Räterepubliken gehörig fühlen, wie auch alle Chawerim und Vereinigungen, die für die Anbellt der J. S. J. V. in Rußland, oder für; die Fragen der 2k)ni|stia0h-spzialistischen Jugend überhaapt Interesise häbeia, werden ersupht,- mit uns auf folgende Adresse in yerbindung zu treten. L. Levite Ejn-Charud Palestine. Mit sozialisltisthem Gnuö , , S. Horowifz» L. Levite (Kia) . Ei. Sehiub. J. Schuh. Tel-Aviv, 27. Juli 1924. Infolge UrlQubsaeelt bannten die letzten Nummern „Unsere Tribüne" nicht pünhlUcb erscheinen. Die Administration. Eij»ntüraeM Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr.' Rudolf Glanz, XVIII.,!lWeimarerstraße 19/10. — Druck: „Adria^ Wien,- II., Taborstraße 52.B,

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