Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 7 (15.08.1924)
- Date
- 1924-08-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.-s&äüä&Sssa-ra Seite 2 Unsere THbÖne Nf i, *; ii it imliii i mit 1 tnt ■ Aus absolut wrläßliofaen Kreisen erfahren wir. daß sowohl die israelitische Kultus gern ein de, als Buch die Verwalter amerikanischer Hilfsgeldcr der ..AguÄ* größesre Summen für, die Emigrantenihilfe zugewiesen ImfKJiit' pBs ist eine tuitteftfeihliche Fahrlässigkeit, wenn man dieser [Sippschaft öffentliche Gelder a.n vertraut.! - "Von den Herren der israeKfci$ptaeil Kultusgemeinde, ttie über die Zustände in der''/}ÄgUidfe,w üiJ^ttiiärt sein, sollten, werden wir noch Rechenschaft veSflangöü. Di© Herren" dier „Agtsfcta" gemaiünen wir zur äußefcsfcen. Vorsicht. Wir sind nicht gewillt, ihrem dunklen Treiben ruhig zttüusehen. Die »cftamlosen Ktefetakiiwäftei; .Es ist seh* beschämend, daß sich auch diesmal iüj&ische Rechtsaaiwälte gefunden habeif, die für das Besorgen von Interimsausreisepässen Beträge von 10 Dollars aufwärts eingesteckt haben. Oft. haben die Durchwanderer hungern müssen, um diesen Herren dieses hohe Honorar zu befahlen. Dde Herren Reclitsonwälte. die sich an den armen Menschen bereichern, sind Iwkannt. Wir raten ihnen, ihre . Va.mprrfcätigkeifc einzustellen, sonst werden wir ihnen das saubere Handwerk legen. Die Gramhm^ eines Em&anfeitJfflfokomilee«, die Treibereien der Knltusgemeimte und tfer bür^erlidi«« . Jüdlsdfeen Parteien. Bald nach Eintreffen der jüdiscJien Durchwinde rar hat Herr Oberi-abbiner Dr. Chajes die fJründiing eines Hilfskomites angeregt. Wir haben gleich zugestimmt- In einer Versammlung der Durchwanderer hat Gen. Singer die Aufgaben des Hilfskomitees auseinandergesetzt und auf seinen Vorschlag hat die Versammlung aus ihrer Mitte Vertreter in das Hilfskomite entsendet. Die ersten, die alle möglichen Bedenken gegen ein solches Kotnite geäußert haben,"waren die Herren Zionisten. .Diese Herren, die sonst die (iesarntinteressen aller Juden 7A\ vertreten vorgeben, glaubten aus außenpolitischen Gründen in einem solchen "Komite nicht mittun y,u dürfen. Allerdings" haben die Ziouisten; JEtaren Standpunkt spater geändert, besonders, als die proletarischen Parteien, ausgeschaltet wurden' und die bürgerlichen Herren unter der Aegide der israelitischen Kultusfemeinde untereinander waren. Die Herren der ..Aguda" aben üa.s Komite völlig ignoriert, die wollten sich nicht der Möglichkeit begeben, eigenmächtig über Hilfsgelder zu verfügen. Auch, der „Misrachi" — mit Ausnahme des Herrn Dr. Knopfmacihex, der die Regel l>estätigt — ha-t die Tätigkeit des Hilfskomitees sabotiert. Und die Herren der israeli- Uscehn Kultusgemeinde, die der „Aguda" Geld zur Verfügung gestellt haben, haben dem Hilfskomito jede Unter- Stützung versagt, üeber das Verheilten der Frau Anitta 'liuller »haben wir bereits in der vorigen Nummer berichtet. So haben diese Herren mit vereinten Kräften die Existenz des demokratischen Hilfskoraifes unterhöhlt, um dann ein Hilfskomite von der israelitischen Kultusgemcinde. Gnaden ins Leben zu rufen. Das neu« Hilfskomitee. ■ Im neuen Hilfskomitee hat sich nun die ganze Lieb- . aohaft des jüdischen Bürgertums zusammengefunden. Mit der , Kultusgetneinde an der Spitze sind in diesem Komite nicht nur die bürgerlichen Zionisten und der Misrachi, sondern p,uch die ..Vertreter der mit der Schuld der Emigrantenausbeutung belademien „Agudah". Das Reinlichkeitsgefühl der Herren, die mit den Vertretern der ,,Agudah". die den berüchtigten Herrn Gx-ünberg nicht abschüttelt, in einem Koimite sitzen, kann wohl nicht hoch eingeschätzt werden. Das sogenannte Hilfskomite, von dessen Existenz nicht •viel mehr als ein ■-Aufruf lim 'Geldsarnmftingeu bekannt ist, beabsichtigt die ganze Hilfsaktion in die Bahnen des philantropiscneu Schnorrextums zu leiten. Wir werden dafür Sorge tragen, daß die. jüdische .Öffentlichkeit vöri der Tätigkeit dieser Herren in Kenntnis gesetzt werde. _ iEiue seiner ersten' Taten wollen wir . hier gleich in Erwähnung bringen. Durch die unverantwortliche Saumseligkeit. der Herren des Hil^skomites, schmachten sechs Durchwanderer, länger als zwei Wochen" im Arrest, während drei desselben Vergehens beschuldigte Durch wanderer, die unserem SchnW» anvertraut wurdöbj sdt Mtei Wochen das GeiShgnis v&föös&t haben. Das is^ Wohl nicht die eiMlgte ttöd auch nicht die letzte Untai dieses Hilfskomites. Dife phibntropische Einstellung def bürgerlichen jft«r1iferi l>edinkt schon selbst 'die Schädigung und EntwüiSaigutog-r der Dtircnwanderer. , Die S#lteitf!sft$fflei des MtsftrcM. Die Herren deÄ ,.Misrachi" bemühen sich, die Notlage der Durchwanderen auszunütsseÄi, xim sie für den „Misrachi* zu kapern. Es wird den Emigrämben angedeutet, daß ihr Beitritt zum, Misrachi" ihnen , au/' Einreisebewilligungen nach Palästina verhelfen kann, was den Tatsachen natürlich, nicht entspricht. 5,Misrachi"-Schekel werden jedem Hilfesuchenden aufgezwungen. Und die Herren de» »»Misrachi" brüsten sich noch, daß sie uneigennützig die Hilfstätigkeit leisten. Das Seelenfangen scheint: auch bei unseren Klerikalen sehr beliebt au sein. Einige Wwte an die Dw«fftw»defer. Nun ist es an der Zeit, daß sich die Durchwanderer selbst zur Wehr setzen. Sie dürfen sich von den hohen Herren der israelitischen Kultusgemeinde und der anderen philantropischen Institutionen, nicht einschüchtern und sich nicht zu Schnorrern entwürdigen lassen. Die Emigranten,- Hilfstätigkeit muß den Charakter einer brüderlichen Hilfe in Not tragen. Die Emigranten sollen durch ihre Vertreter dem Hilfskornite ihre Wünsche mitteilen. Wenn sie dorll abgewiesen werden sollten, mögen sie sich an die jüdische OeTfentlichkeit wenden und sie werden gehört werden. Die landwirtschaftliche Arbeiterkolonisation im laufenden Jahre. (Brief aus Palästina.) Als das landwirtsdiaftliche Budget, durch den Zionistenkongreß von. der minimalen Summe von 160.000 Pfund Sterling, die wir gefordert haben, auf .127.000 Pfund Sterling reduziert wurde, waren wir uns im Klaren, daß wir gegen. Jahresmitte in Geldschwierigkeiten geraten werden. Wir hatten, zwei Möglichkeiten: 1. Entweder einen Teil der erstbegonnenen Arbeiten einzustellen, die wirtschaftlichen Betriebe des letzten Jahres einschränken und einen Teil der dort beschäftigten Arbeiter entlassen. 2. Oder den. größten Teil des Budgets auf Ernährung der Menschen und des lebenden Inventars für das ganze Jahr verwenden., was uns ermöglicht hätte, auch mit dem reduzierten Budget ohne besondere Schwierigkeiten unser Auslangen zu finden. Für' die erste Möglichkeit konnten wir uns nicht entschließen, weil, wie bekannt, bei uns ein leidenschaftlicher Drang zur landwirtschaftlichen Kolonisation, herrscht; Unter den h linderten und lausenden Neueingewanderten sind viele Gruppen, die zum' ^w«ck»landwirtschaftlicher Kolonisation organisiert wurden und bei denen die Aussicht, auf landwirtschaftliche Betätigung (die einzige Hoffnung war, die ihnen die schwere Last der Arbeitslosigkeit und des steten Umherziehens von einer Arbeitsstätte * zur anderen erträglicher gestaltet hat. Wir konnten uns aber auch für die lichkeit nicht entscheiden. Unsere jBeniühiiÄ|ral hauptsächlich dahin, diewirtschaftlichen Uri^fehkMtkgeti selbständig £tt jKo4^:fäfa*to&} s^bät eihtfr teil uhdauf keine^aiisWartige 'jRn^^ieOiä.Üii^tijiittfif angewiesen sein sollen* Biege Bemühungen alfein Verleihen den Arbeitern Ausdauer und Mut unter den außerorifentli^hen Schwierigkeiten und trotz aller Jrlindernisöe bei der Arbeit auszuharren. In unserer schweren Arbeit ermutigt, uns die Aussicht,mV wirtschaftlichen Betriebe nach zwei Jahren seltetändig zu machen und die gesellschaftliche Energie Und Initiative zu neuen landwirtschaftlichen Uhternehmtiinigen verwenden zu können. .Wenn.nun ein Jahr verstreichen würde, ohne uns diesem Ziele zu nähern, würden wir selbst den Ast auf den wir sitzen, absägen. infolge dieser Erwägungen] gingen wir daran, unser' Arbeitsprogramm, welches vor Reduzierung des Budgets entworfen wurde, durchzuführen. Wir haben gerne die Last der Sorgen und Mühe für. die* Entwicklung aller Arbeitszweige, im sehr engen Rahmen des bewilligten wirtschaftlichen Budgets, atif unsere Schultern geladen. Gleich nach Jahresbeginn bemühten wir uns, einen großen. Teil des Budgets flüssig zu machen. Besonders große Operationen sind durch die Arbeiberbank, Hatrnaschbir. Amt für öffentliche Arbeiten u. a. für den Ankauf von Kühen, Maschinen und Werkzeugen, für den Bau von Wohnhäusern., für die Beschaffung von Baumaterialien für Baraken und Stallungen, für den Ankauf von Saatgut und Eutter für das' laufende Jahr durchgeführt worden. Und, obwohl es uns1 infolge Geldmanigels — besonders ' in Barem — nicht gelingen konnte, das Programm zur Gänze durchzurühren, dürfen wir feststellen, daß in allen Unternehmungen befriedigende Erfolge erzielt wurden. Unbeachtet aller Hindernisse und Schwietrigkeiteri ist die Arbeit, zur rechten Zeit begonnen und. durchgeführt worden. Der für Getreideanbau bestimmte Boden wurde fast; zu Gänze, mit Winter- und Sommersaat bestellt. Auf den für Pflanzungen zugewiesenen Flächen wurden' Obst, und Waldbäüme gepflanzt. Die Milchwirtschaften entwickeln sich befriedigend, in den meisten Siedlungen bilden sie. bereits einen wichtigen Faktor bei den Einnahmen und bei der Setlbstvefsoi'gung mit Lebensmitteln. In allem. Siedlungen hat die Geflügelzucht gute Fortschritte aufzuweisen. Die neuen Inkubatoren, die die Kolonisationsabteilung der zionistischen Exekutive. eingeführt hat, haben in kurzer Zeit viele llausen.de Hühner gebrütet. Die Zahl der Bienenstöcke ist erheblich gesteigert worden. Viel Auf- Aus den Anfängen des proletarischen Zionismus. . : Aus dem Jiddischen übersetzt von R. G.) <a& i (Fortsetzung.) Kehren wir zur Arbeit, des Organisationskoniitees zurück. Größtenteils handelte es sich, laut den bei der „Djelo" befindlichen Dokumenten, um die Ein* teilung der Referate zur Konferenz, im Brief vom 9. Oktober bestätigt das Organisationskomitee, daß „Möses" (Basiri) die Beziehungen zum „Bund" und anderen revolutionären Parteien, Woladie (Dalman Fabrikant) und „Mechaber" (Ben-Adir-Rasin) das Korreferat über den politischen Kampf übernehmen. Es wird auch vorgeschlagen, die anempfohlene Kandidatur von Groß in Erwägung zu ziehen, eines der Leiter der galiziscihen Poale-Zion, u. zw. für das Referat: „Ziouisrnus als Bewegung und die Methoden, ihn zu idealisieren". Im selben Brief liegt auch ein kurzes Schreiben an Chaim Schitlowsky hei: „Man hat uns berichtet, daß Sie unsere Einladung zur Konferenz der russischen „Arbeiterzionisten" annehmen. Wir schlagen Ihnen vor, auf der: Konferenz das Korreferat über das Thema „Unsere Beziehung zum offiziellen Zionismus" zu halten." Größere Schwierigkeiten ruft das Referat „Zionismus und unser Standpunkt" hervor. Das Referat wurde für Dr. Syrkiu in Aussicht genommen (darüber befinden sich in der „Djelo" zwei Briefe an ihn vom 24. September und einer ohne Datum). Dieselbe Angelegenheit beschäftigte auch mich, und meinen Brief nach Paris voin 9. Oktober. Der engere „Wiedergeburt"- Kreis hatte einen geheimien Grund, sich zu Syrkins Kandidatur für das Grundreferat reserviert zu verhalten. Der durchs Organisationskomiitee vorgelegte Vorschlag, das Referat solle von Syrkin vorbereitet werden, gemeinsam mit Jakob I^eszynsky, welcher, wie wir gesehen haben, in dieser Sache nach Paris fahren sollte, ist J]{achher, wie sieli herausstellte, daß Jakob L. nicht nach Paris fährt, in einem zweiten Brief an Syrkin dahin geändert, worden: „sie können nach Wunsch Mitarbeiter für diese Arbeit suchen, Litwakow und andere, die Sie für nützlich halten und die sich für den Standpunkt der „P. Z." einsetzen." Dies rief aber Zweifel bei uns (der „Wiedergebiu;l"-Gruppe) hervor und in meinem Brief nach Paris werden folgende drei Möglichkeiten zur Erwägung gesteil1: 1. Ihn (Syrkin) überhaupt fallen zu lassen und ihn fcu der „Hochzeit" nicht einmal einzuladen. 2. Das Heferai, an Jakob (Leszynskyj zu übergeben. 3. Das Referat Simon (Dobin-Schimonyi) und Wilhelm zu übergeben. (Letzterer, W. l>atzki, war ein Teilnehmer der „Wrocliergeburt"-.K«nferenz, später einer der Führer der „S. S.", in den letzten Jahren Führer der „Volks-partei". J. B.) Möglicherweise auch noch ein vierter Ausweg: Vielleicht wird „er" (Syrkin) für ein Referat über den politischen Kampf in Betracht kommen. „Uir (Mitglieder der „Wjedergeburt"- Gruppe) werdet korreferieren. Die Redaktion der „Wiedergeburt" soll in der Sache ihre Meinung aussprechen. Jetzt hängt es nur von euch ab. die Sache soll so erledigt werden, wie wir es wollen," in der „Djelo" ist kein weiterer Hinweis vorlianden, wie die Angelegenheit mit den Referaten zu Ende geführt wurde, es fehlt dort überhaupt jedes weitere Material über die Vorbereitungsarbeit zur Konferenz. Am 23. November wird, von Kiew ein Brief ohne Unterschrift nach Charkow geschickt (Beil. Nr. 8145 vom 13. Dezember 19()4), in dem sich folgende Thesen über den politischen Kampf (offenbar für die Konferenz vorbereitet und an die einzelnen Organisationen zur Kenntnisnahme' verschickt) befinden: 1. Der politische Kampf des jüdischen Volkes für seine bürgerliche Gleichberechtigung hat entnationaHsjerende Tendenzen in sich (antinationaiien Charakter), da er als Bestreben; ein festerer, integrierender Bestandteil des russischen Reiches zu werden, seinem, sozialen Gehalt nach, aufzufassen ist, und steht so im Gegensatz zu den Bestrebungen der Sozialisten-Zioiüsteh, das jüdische Volk auf einem autonomen Territorium zu konzentrieren, soweit es sich vom russischen. Staatsorganismus aussondert. 2.. Da die Verwirkhdhung des zionistischen Ideals im Sinne der Kon zentrier ung des größeren Teils vom jüdischen Volk auf eigenem Territorium ein Resultat einer langsamen historischen Entwicklung sein wird, ergibt sieh mit eiserner Notwendigkeit die Frage nach dem Gegen.wartsprogramm, d. h. nach der palliativen Befriedigung der politischen und ökonomischen Nöte des jüdischen Volkes. 3. tu Anerkennung der Notwendigkeil, die physische und kulturelle Ausrottung der Juden als Gesamtheit und des jüdischen Proletariats im Besondern m verhüten, ist eine völlige Demokratisierung der russischen Staatsordnung, die von der Gleichberechtigung der Juden mit dem übrigen Staats'volk begleitet sein muß, anzustreben. Die Partei Zionisten-Sozialisteu hält, es für das zweckmäßigste Mittel, den oben erwähnten Zustand zu erreichen, daß das Proletariat als Avantgarde der revolutionären Bewegung für den Kampf mit der Autokratie organisiert wird. 4. Indem das Endssiel in einem jüdischen sozialistischen Staat erblickt wird, dessen Bestehen nur beim Sieg oder bei der Verstärkung des Sozialismus bei allen Völkern gesichert, werden kann» hält das in der Partei „Zionisten-Sozialisten" organisierte jüdische Proletariat es für seine Pflicht, der internationalen Sozialdemokratie in ihrem Kampf gegen die kapitalisti sehe Ordnung beizustehen. (Der Naane „Zionisten-Sozialisten", der hier als Parteibezeichnung, zum leratenmal offiziell vorkommt,