Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 6 (18.07.1924)
- Date
- 1924-07-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Unsere Tribüne ■ ■ -i i mrTunmrr» rir Timm Seite 3 Im Mittelpunkte der Arbeiten steht jetzt wieder — nach der Periode des Straßen- und Häuserbaues — die Landwirtschaft in den Kolonien. Nach dem Gelingen des ersten Versuches der Gesellschaft „Maabar" in Petach-Tikwa besteht die Möglichkeit, auch in anderen Kolonien oder Ortschaften wie Atlit (wo eine größere Zahl Arbeiter in der Salzfabrik, bei Fischfang beschäftigt ist) Hunderte von Arbeitern anzusiedeln. Die neue Methode, die darin besteht, daß Arbeitergruppen gewisse Arbeiten übernehmen, hat sich als1 geeignete Grundlage für das Einbürgern der jüdischen. Arbeit inTSlen Kolonien bewährt* Auch das Verhalten der Kolonisten hat sich gebessert, da die Gruppen ihrer Verantwortung gewachsen sind. Es erfordert wohl noch größere Beträge, um die neuen Gruppen in den Kolonjen zu sichern und die Gruppe „Maabar" auf 400 zu erhöhen, damit sie Ökonomiischer arbeiten könne. Aber im künftigen Jahre wird zweifellos Platz für Hunderte neuer Arbeiter in den Kolonien vorhanden sein. — .! ' ' Wie sich die Lage bei der Tabakarbeit gestalten wird, kann man noch nicht voraussehen. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß 60 bis 65 Prozent der Arbeitet,'äte; beim Tabakbau beschäftigt sind, auch zur Wiinterzeit dort Beschäftigung finden werden. Sollte man mit Beginn des Winters die Arbeiten Rutenbergs oder andere Reserveorbeiten in Angriff nehmen, darf man ,mit einer erheblichen Verkleinerung der Arbeitslosigkeit im Laufe des Winters rechnen. Vieles hängt vom Tempo der Einwanderung ab, eine größere Einwanderung regt die Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten, in den Kolonien an. Auch im Winter, als die Arbeitsgelegenheäten geringer werden, Wörden arbeitswillige Arbeiterpioniere Beschäftigung finden. Und sollte man größere Arbeiten in Angriff nehmen., werden viele. Arbeiter Arbeit finden. Wir wollen am Schlüsse noch hinzufügen, daß man die Nachrichten über die Arbeitslage in Palästina, mit Vorsicht aumehmen soll. In Palästina gibt es keinen absoluten, objektiven Maßstab für Arbeitsmöglichkeiten, täglich offenbaren sich neue Arbeitsmöglichkeiten auf Gebieten, die die Einheimischen bis. jetzt gar nicht beachtet haben. Besonders dürfen sich die Chaluzim von den Nachrichten über Arbeitslosigkeit mcht entmutigen lassen. Der Hechälutz muß stets' bereit sein, für Palästina vorbereitete Arbeite^ die mit der Lage im Lande vertraut sind, nach Palästina zu schicken. Der Zustand dieses Sojm^niepcs darf sich nicht wiederholen. Andererseits aber dürfen nicht Arbeiter kommen, dienur eine ge-wiss^5 Arbeit und nur in einer bestimmten Stadt ~- was leider sehr äft vorkommt — anzunebftien bereit sind. Wenn die Erfüllung ihres Wunsches nicht möglich ist, jammern sie, daß man sie irregeführt hat. . » i*-... . mmmymm^rmm .. .. i.1: - .. 0.'..;.J Die Konferenz der Achdut Haawodah. Bei der 4. Konferenz der Aehduth-Haawodah, die vom 12.—20. Mai in der kooperativen Kolonie En- Oharod stattfand, war das Verbandsbüro durch die Genossen Locker, Kaplanski und Rubasehoff vertreten. Es war das erste Mal, daß das Verbandsbüro mit einer verhältnismäßig großen Delegation sich an der Konferenz der Landespartei Palästinas beteiligte. Außerdem waren selbstverständlich auch die Mitglieder des palästinensischen Arfoeitssekretariats, die Chawerim Blumenfeld, Ben-Zwi und Katznelson auf der Konferenz. lim Mittelpunkte standen 'drei Fragen: JDic. politische ^g|ey \<lle Siedlungsproble^io und die Stellung zu den Beschlüssen der 6. Weltkonferejnz. Zu dem Punkt „Kolonisatorische und politisch« Forderungen" referierte Kaplanski. Seine Vorschläge, welche in ihren Grundzügen auch die Meinung der übrigen Mitglieder des Verbandsbüros ziun! Ausdruck brachten, wurden von dar Konferenz als Basis für 'ihre;pqlitis,chen Resolutionen angenommen. Größere Meinungsveirschiedenheiten zeigten sich nur in der Frage der Konstitution und Selbstverwaltung ifür Palästina, Kaplanski vertrat den Standpunkt, daß wir die Initiative zu einen! direkten jüdiseh'-arabischen Ausgleich %tif^rond*€e^ Verwaltung mit genügenden, wesentlichen Garantien für die Freiheit der jüdischen Einwanderung, Kolonisation und nationaler Autonomie ergreifen sollen, unter Anerkennung des internationalen Regimes in Palästina, das im Mandat zum Ausdruck kommt. Die Diskussion auf der Konferenz zeigte, daß die Partei diesen Weg nicht betreten will, weil sie der Ansicht ist, daß mit ihm die Gefahr der Majorisierung der jüdischen Minorität und neue Schwierigkeiten für die Einwanderung verbunden sind. Jedenfalls aber bedeutet die Resolution der Konferenz über Selbstregierung und die Beziehungen, zu den Arabern einen Schritt nach vorwärts. Sie drückt zum ersten Mal mit großer Klarheit aus, daß der Ausgleich zwischen den zwei Nationen im Land mit der Verständigimg, Verbindung und gemeinsamen Aktion der jüdischen und arabischen Arbeiter in Dorf und Stadt eng verbunden ist. Sie bevollmächtigt den Waad Hapoel, Vorschläge für die gewerkschaftliche1 Vereinigung der jüdischen und arabischen Arbeiter auszuarbeiten. Deklarierend, daß Achduth-Haa'wodaJh als Fundament und Voraussetzung für diie Entwicklung der Selbstverwaltung des Landes, die Anerkennung des Rechtes des jüdischen Volkes auf sein nationales Heim, freie Einwanderung, Massenkolonisation und nationale Autonomie ansieht, welche Anerkennung durch die Vertreter der arabischen Einwiohher akzeptiert werden mluß, hat sich die Partei auf die Basis von Verhandlungen über die Möglichkeiten von Entwicklung zur Selbstverwaltung in Palästina gestellt. Die Nachricht einer Telegraphenagentur, Gh. Kaplanski habe in einer Resolution einen bestimmten konstitutionellen Vorschlag gemacht, der von der Konferenz abgelehnt wurde, entbehrt jeder Grundlage. Ebenso hat unser Londoner politisches Komite in der englischen Presse die falschen Informationen des Jerusalemer „Daily Expreß "-Korrespondenten dementiert, wonach Kaplanski ökonomische und Landkonzessionen für die sozialistische Partei Palästinas verlangt und sich dabei auf Ratnsay Macdonalds Zustimmung berufen habe. Es ist überflüssig, zu erwähnen fl&ß die-iMieinimgenmid:Ah des Premiers der britischen Arbeiterregierung bei den Verhandlungen in En-Charod nicht erörtert wurden. Der wirkliche Inhalt der kolonisatorischen Forderungen ist aus den Resolutionen der Sitzung zu. ersehen. Die Vertreter des Verbandsbüros beteiligten sich auch an der Debatte über die Kolonisationsprobleme. In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß Gh. Kaplanski als Mitglied des Wirtschaftsrates: der Zionistischen Organisation eine Reihe von Besprechungen über kolonisatorische, ökonomische und finanzielle Fragen fast mit allen Arbeiterorganisationen des Landes — wie HistadruÜi, Solei Boneh, Merkus Chäklai, Maschbir, Kupath Cholim, Waadath Hatarbuth abgehalten hat und fast alle neue Arbeitspunkte im Emek und Obergaliläa besucht, um ihre Lage und ihren finanziellen Bedarf festzustellen. Eine Reihe von Sitzungen der Verbandsbüromitglieder waren den Angelegenheiten des Palästinaarbeiterfonds gewidmet. Die Auseinandersetzung über die Beschlüsse der 6. Weltkonferlenz und die Beziehimg zum Weltverband war der schwierigste Teil der Konferenz. Rubasehoff referierte über den Stand der Poiüe-Zion-ßeSvegiuig und Katznelson über die Weltkonferonz. Katznelson verteidigte in seinem Referat den Karlsbader Versuch der Palästinadelegation, die Sprachresolution der Weltkonferenz in dem Sinn von absoluter Sprachautonomie für die Landesparteien im Gallith in ihrer kulturellen und Schulpolitik auszulegen. Die Auslegung fand aber keinen Anklang bei den Delegierten. Hingegen hat die Konferenz Klarheit darüber gebracht, daß Aehduth-Haawodah sich mcht auf der Boden der Beschlüsse der Weltkonferonz stellen will. In ihrer Resolution über die Vereimgimgsfrage proklamiert sie das Bestreben dös jüdischen Arbeiters im Land, die hebräische Sprache im ganzen jüdischen Volk zu beleben, als einen Programmpunkt der Aehduth-Haawodah. Indem sie die Vereinigung des poale-zionistischen Weltverbandes öojit dem! z. s. Verband Zeire-Zion verlangt, erklärt die Resolution, daß die Einigung ohne irgendeine Konzession bezüglich der Freiheit der Erziehungsarbeit ittif Gallith in der hebräischen Sprache durchgeführt werden tojiiß. in der Debatte haben die Chaverim! Locker und Kaplanski klar gemacht, daß Vereinigimgsv^rhattdliuigen'hur auf der Basis der Beschlüsse der tWeitkonforjejnz möglich sind; sie warnten die Konferenz vor dein) Gedanken einer hebraisti sehen Offensive auf dasl Gallith, welche nur den Kampf für nationale Autonomie und kulturelle Erziehung im Osten Europas schädigen kann. Auf die Anfrage des Waad Hapoel der Aehduth-Haawodah, ob die Resolution der Weltkonferenz ein Verbot des Hebräischen in Schulen bedeutet, hat die gesamte Delegation des Verbandsbüros folgende ErWärung abgegeben: „Als Antwort auf die Anfrage der Exekutive der Achduth Haawodah, erklären die auf der Konferenz anwesenden Mitglieder des Verhandsbüros: Als Inter-"* pretation zu den Beschlüssen der Weltkonferenz in Berlin, hat der Vorsitzende der Konferenz in ihrem Namen erklärt, daß Minderheiten in den Poale-Zion Parteien das Recht haben, kulturelle und Erziehungsarbeit in der hebräischen Sprache zu .führen und daß dieses Recht faktisch in einer Reihe unserer Landesparteien besteht. Auch in den Beschlüssen des . Verbandsbüros vom Jänner 1923, die in den Beschlüssen der Weltkonferenz in der Frage der Zeire Zion erwähnt sind, wird gesagt, daß ,für einzelne Chawerim und Gruppen von Chawerim, das demokratische Recht der Minorität auf hebräische Kulturarbeit gesichert wird, soweit sie nicht die Erziehungs- und Kulturarbeit ihrer Parteien ad absurdum führt. In Übereinstimmung damit steht an erster Stelle in unserm! »Kampf 'und in der Erziehungsarbeit unserer Parteien in den Ländern, de» jüdischen Massen-Jischuw, . cler jiddisch .redete die Schule, in der Jiddisch Unterrichtssprache ist und Hebräisch als obligater Unterrichts gegenständ in einem Maße geehrt wird, das die Kenntnis der hebräiseähjen Sprache sicherstellen soll. Die Berliner Beschlüsse negieren nicht innerhalb der Grenzen unserer Parteien in den Golusländern de»,, Bestand von Schulen und Erziehungsanstalten, dereo,' Unterrichtssprache hebräisch ist." Die Exekutive hat, ziuhindest in ihrer Mehrheit diese Erklärung für zufriedenstellend befundein und in ihrer ReSolution einen Passus aufgenomjmenj der auf Grund dieser Erklärung alle zionistisch^ozialisl.tis'chen Elemente in Gallith auffordert, sich mit der Poale^Zion- £ Bewegung zu vereinigen und einen zweitein Passus, der erklärt, daß die Vereinigung sich im Rahmen des 'poalezionistischen Weltverbandes vollziehen muß. In dieser Formulierung bedeutete die Resolution einen wichtigen Schritt zur Verständigung zwischen Weltverband und der palästinensischjein Landespartei. Diese Möglichkeit wurde bei der Konferenz selbst zerstört. In einer Nachtsitzung, Montag dein 19. Mai, hat" Chawer Ben Ourion die Resolution der Exekutive und die Erklärimg des Verbandsbüros zur Annahme vorgeschlagen. Seitens einiger Delegierten sind an das,V. B. Fragen gerichtet worden, besonders die Anwendung . dieser Resolution auf die Partei der Zeirej-Zion in Litauen betreffend. Genosse Kaplanski hat itol Natalen, des V. B. erwidert, daß die Resolutionen der Weltkonfef renz nicht besagen, daß die hebräischen Schulen-dieser Partei aufgelassen, oder ,,jiddisch|isiert" werden müßten. Aber wir würden von einer solchen Partei verlangen, daß sie ihre Kultur- und Schultätigfeeit künftighin nicht einseitig hebräisch führen, daß sie jiddische Schulen in genügender Zahl errichten und in ihrer Erziehungstätigkeit der jiddischlein Sprache jene Stelle; ejjiräuWen