Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 6 (18.07.1924)
- Date
- 1924-07-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seffe 2 i Mh" niiäfiiil'Tf TUtunw i "i n iiiirnnrii 'form rmi Unsere Tribüne mm iii ii idmimri himMh jMti Das zweite Verschulden betrifft,<8& Jb&Ä&irtiÄg des jüdischen Nalionalrales. Auch «fef würde ,^Sftfe -Äsü|e Gelegenheit für die Lega!isierui^,;di^^. xv0A&B ln*filution versäumt. Und jetzt, nach ^i^Äffüi^ <fei jüdischen Ministeriums, gibt es üb6rtiau|$ kein aWraanntes zentttües Organder Selbstverwa!|Öä|5.f * j; \ Es blieben nur noch die dipölÜMscttiÄ ju^chen Kultusgemeindcn (Khiles) die SÄfl^lfeit;K^itÄ die christlich-demokmtische Partei Iföü bereits im Parlament einen Gesetzvorscblag eingebracht, wonach den KuUtisgettieinden das Bestcueruügsrecht emtzogien werde.;Es soll auch zulässig sein, daß in jeder Ortschaft mehrere Kultusgememden bestehen. .Dadurch würden die jüdischen „Khiles" zu privaten Institutionen, ohne jedes OeffentUchkeitsiecjit^ Die Immatrikulation soll wieder den Rabbinern übertragen werden. Es herrscht wohl ikeindarüber, daß im jetzigen reakiionäjren Parlament dieser Vorschlag zum Gesetz erhoben werden wird und dann wird jede Spur von „Autonomie" ver - schwunden sein. Und um das zu erreichen, hat die jüdische Fraktion im Parlament,ihre Opportunitätspolitik verfolgt und ist so ort in Abmachungen mit den christlich-demokratischen Reaktionären eingegangen. Jetzt scheinen aber auch die Führer der Parlamentsfraktion einzusehen, daß ihre Politik völligen Schiffbruch erlitten hat. Dos beweist die Erwiderfung auf den Vorschlag der christlich-demokratischen Partei, daß die J|uden ihr Kabinett, — da die Koalition mit der litauischen Volkspartei jetzt in Brüche gegangen ist — unterstützen sollen'und daß sie als Gegenleistung bereit sind, das jüdische Ministerium wiederherzustellen, den Nalionalrat anzuerkennen und den, Gesetzvorschlag1 die Kuli usgenreindlen betreffend1 zurückzuziehen. Die Antwort der jüdischen Fraktion war eine ablehnende, sie schenkt —<- heißt es dort — den Versprechungen der Reaktion keinen Glauben und die Interessen des Landes sind den jüdischen Vertretern, wichtiger als die Zugeständnisse der christlichen Demokraten. Inzwischen wütet im Lande die Reaktion. Die alleinigen Machthaber sind die katholischen Klerikalen, die jede freie Regung unterdrücken. Das ganze Land ist in einen Polizeistaat; mit katholischer Diktatur verwandelt worden. Die Arbeiterbewegung ist vielfacher Verfolgung ausgesetzt. Die jüdische Kulturliga ist .aufgelöst worden., Mehrere jüdische Arbeiterführer, auch solche, die sich an der Landespolitik nicht beteiligt haben, sind verhaltet wörden. Auch andere Kulttldnstilulionen der jüdischen Arbeiter sind geschlossen worden. Die Arbeitergpwerksfchaül1 wird nicht geduldet. . M ..... ,Die einzigen, die^gegen diese Diktatur dpr Reaktion mtiti^en (Protest erheben, sind die litauischeil Sozialdemokraten, die eine ernste Öppdsilioin im Parlamente bilden. Ihre Wirkung ist aber jeine geringe. Von den 78 Mandaten des Parlamentes haben: die SoziaIdemokrateai bloß acht und ihre/Wirkung im Lande ist auch sehr beschränkt. Das ,ist wohl darauf zurückzuführen, daß Litauen ein Agrarland ist, die Städte — zumeist kleine — bilden bloß 10-'Prozent der allgemeinen Bevölkerung und daß das Land industriell wie kulturell sehr rückständig ist. Das bewirkt auch; daß die Massen dem Einflüsse des Klerus, der die Kirche für seine Parteizwecke mißbraucht, unterworfen sind. Dies die gegenwärtige allgemeine Lage in Litauen. In seiner politischen Reaktion hat Litauen alle Nachbarn bereits übertroffen. .1. Briki. Der Arbeitsmarkt in Palästil im Jahre 1924. (Von Unserem Berichterstatter.) * , Das Ende der Arbeitslosigkeit. — Die QtUppk „Maabar". - Übt Tabakanbau. — Ungenügeitde Einwanderung. — Die Absichten für die tiäcftfttfe Zeit. — Die Einwandernden schaffen ArbeHk möglichkeiten. Im Winter 1923-24 hat hauptsächlich in. Tel-Awijw, aber auch in Jerusalem, große Arbeitslosigkeit geherrscht: Die Ursache war ~- das Unterbrechen der Bautätigkeit zur Winterzeit, weil die Hypothekenbanken ihre Tätigkeit, eingestellt nahen und Aussichten auf neue Arbeit noch nicht vorhanden waren. Die Zahl der Arbeitslosen hat. zeitweise 1500 erreicht. „. Den ersten Ausweg aus dieser prekären Situation hat eine Grüppe.von 200 Arbeitern (Maabar) angebahnt. Diese Arbeiter, meist aus Tel-Awijw, haben sich in Petach-Tikwa niedergelassen und dort als ökonomisch selbständige Gruppe (Knouzah) größere Arbeiten übernommen. Nach vielen früheren mißlungenen Versuchen, gelang es dieser Gruppe, dank der guten Leitung Erfolg zu ernten. Zurzeit, sind in Petach-Tikwa 800 jüdische Arbeiter für längere Zeit beschäftigt und weitere 150 sind laut Beschluß der dritten Konferenz der allgemeinen Arbeiterorganisation von Tel-Awijw in andere Kolonien geschickt worden. Die Aussichten auf Arbeit im Frühling und Sommer 1924 Waren zu Beginn des Jahres nicht sicher, aber im Februar eröffneten sich neue Arbeitsmögliohkeiten auf dem Gebiete der Tabakpflanzungen, dank dem Vertragsabschlüsse eines' Tabakfabrikanten mit der Organisation der Kolonisten und mit der *Arbeiterorganisation. Imi Februar war es bereits sicher, daß Arbeit für weitere' 2400 xlrbeiter vorhanden ist und wenn man auch tausend aus den Städten bekommen kann, wird es noch immer genügend Arbeitsgelegeidieit. für Neueinzuwandernde geben. Wenn aber die Zentral© der landwirtschaftlichen Arbeiter die Verantwortung über: nehmen sollte, eine genügende Zahl von Arbeitern zu sichern, muß sie die Gewißheit haben, daß die Einwanderung ungestört, zur richtigen Zeit, spätestens, , imi April, vor sich wird gehen Können. Aber bereits im März stellte es sich heraus, daß unbeachtet der Aufforderungen und Bemühungen, die Einreisezertifikate ehestens zu verteilen, die Einwanderung nicht rechtzeitig feinsetzen wird. Es ist nicht leicht, eine Bewegung, die die Regierung künstlich gehemmt hat, rasch wieder aufzuleben und nicht im Handumdrehen kann man aller technischen Hindernisse, auf die die Einwanderung nach so langer Unterbrechung stößt, Herr werden. .JDenhoch hat man sich bemüht, das möglichste zu tun, ohne daß man bestimmte' Verpachtungen über- ' , ' t ■ » ' ■ >; nehme. Im iCjttif sihd«Wü tffeh jtfMlen w^ßStiff^ Arbeitettöler ihaiel fie% Sr^n|olön — ^nfe$% Zur seiffei Zä^ll&C äber a0k teMufäÜgkeit $j Cbßß. und TeMwiw ^feSetzt^Öf'eine Ähsefanliche ^hlttöfi Arbeitern (BanaTsIlfeiter/ÄRndwetker ti. a.)' ti&ett'~ti& gelehnt def JafMarßeli slüh. zuzuwenden/ If4lflil^ hat es sic& 3iefäusge^Ält>f Mß>.^ähi$ gut or^iisiSjb Gftipp^r^n heÄI&ttften und auch mehr verdienen. Im April stellte es sich luöi herau», daß auf Grun|l von Zertifikaten bloß einige hunderte Arbeiter1 ein- wandern werden. Somit sind im laufenden Sommer ungefähr 1000 Arbeitsplätze für die jüdische Arbeit verloren gegangen. In der Stadl sind, wie vorher, gegen 40ÖÖ Arbeiter im Baugewerbe beschäftigt. Hieven entfalten auf Tel-Awiw, allein 2000 bis 2500. Günstig ist die Lage in Tib&rias'. In Chaifa hat' sich die Lage »momentan verschlechtert, aber es ist begründete Aussicht auf ständige Arbeit vorhanden. Nur in Jerusalem, wo sich viele nichtqualifizierte Arbeiter, Familienväter,' aufhalten, hat man heuer lediglich eine größere Arbeit in Angriff genommen — den Bau der Universität. Deshalb befindet sich derzeit in Jerusalem eine gewisse Zahl -Arbeitsloser, die zur Landarbeit nicht geeignet und noch aus anderen Gründen die Stadt nicht verlassen können. Und so kam es zu diesem eigenartigen Zustand, daß, während die Einwanderungslager leer sind, in den Städten eine, ansehnliche Zahl Arbeitsloser sich befinden, benötigt man Hunderte neuer Arbeiter für die Landwirtschaft. Für die kommenden Monate werden weitere Hunderte Arbeiter für die Tabakarbeit erforderlich sein. Auf Grund' der 2400 Zertifikate ist bloß die Hälfte dieser Zahl eingewandert und nur 450 sind zur Tabakarbeit geeignet. Im ganzen arbeiten jetzt in den.Kolonien : Bei Tabak 1200 bis 1300, bei anderen Arbeiten 1200, in Summe 2400 Arbeiter, hievon in Petach-Tikwa 800. ' . Man darf aber nicht vergessen, daßdie :Ghaluzimi, die nach zwei Monaten auf. Grund der Zertifikate, die drei Monate vorher erteilt wurden, einwandern werden, während einer Zeit der Arbeitsunterbreehung ins Land gelangen, eine Unterbrechung, die in der Tabakarbeit in den Monaten August bis November,eintritt. * Die ^rbeitsaussichten in der nächsten Zeit gestalten sich etwa so: In der Bautätigkeit herrscht eine gewisse Sättigung und neu einwandernde Arbeiter werden dort keine Beschäftigung finden, hingegen ist Aussicht vorhanden, daß die jetzigen 4000 Bauarbeiter den ganzen Winter über beschäftigt sein werden, wenn die Institutionen entsprechende Schritte einleiten werden. Aus den ersten Jahren des proletarischen Zionismus,' (Aus dem Jiddischen übertragen von R. G.) (Fortsetzung.) Eine, bestimmte (Beleuchtung erhält dieser Vorfall in einem meiner Briefe an die Redaktion der „Wiedergeburt" nach Paris -tum nicht zur selben Frage wieder sprechen 'zu müssen, sei hier einiges über meine Briefe und ihre Bedeutung gesagt. Die Redaktion der ^Wiedergeburt* V welche zu jeher Zeit aus Ben-Adir i (Rasen), M. Basin (Süberfarb) und W. Dalman (Fabrikant) bestand, befand .sich .damals in Paris. Die ausführenden Politiker und Organisationsvertreter der „Wiedergeburt"-Gruppe waren aber damals in Rußland, in^Kiew verblieben, nämlich Benie Friedland und ich. Alle übrigen Mitglieder der Gruppe, initer ihnen auch der; verstorbene M. B. Ratner, bildeten die nähere oder weitere Peripherie der Gruppe und tragen offiziell •keine Verantwortung für'die Arbeit. GJeichäam afls Vertreter der Kiewer Gruppe, richtiger j gesagt, voii Benie ^riedland und mir, unterhielten wir (eine lebhafte Korrespondenz mit der Redaktion in •Paris und berieten uns mit ihr in allen aktuellen poli- 'tjsqh:iaktischen und praktischen Fragen. Eine ziem- Jicfce'^zä^l '.ij^Biner' Briefe befindet sich in der „Djela". Der 'A§^^r;' Briefe j — unier dem Namen Isak — ist „Gegenstand eines speziellen Studiums des Polizeidepartements und der Kiewer „Oohranke". (Atnaschenie ^Pol. "De)). v.,%: l)ez. Iß04/unte> Nr. U.g84). Auf fertmd einoiv ganzen 3Reiho von Materialien und mit Hilfe einer dechiffrierten persönlichen Adresse (Gasse und Hausnummer), befiehlt das Polizeidepartement der Kiewer „Ochranke" den „Isak" zu liquidieren, welcher nach der Meinung des Polizeidepartements ein aktiver Organisator der Poale-Zion ist und den engsten Anteil an der Organisation der Beratung hat, die die Konferenz der Organisatoren dieser Gesellschaft vorbereiten soll. Ungeachtet so genauer Nachrichten und kategorischer Vorschriften des Polizeidepartements, wozu noch kommt, daß die Familie Bregmann Spizidowitsch, wie sich später herausstellt, genau bekannt gewesen ist, hat ein geschickter „Okolodatschni", dem der Auftrag erteilt worden war, genannten „Isak" wohnhaft Puschkinska 43, nachzugehen, seine Aufgabe so glänzend erfüllt, daß das Schlächtermesser, das damals, wie sich herausstellt, meinem Halse schon so nahe war, unterwegs stecken blieb. Und zwar bei einer mir so unerwartet zu Hilfe gekommenen finnländischen Gouvernante, die der geschickte „Okolodatschni" aus dein genannten Haus an meiner Stelle sich herausgesucht hatte. Ich komme wieder auf das Projekt von der territorialistischen Konferenz zurück, und auf die Resultate in dieser Sache. In meinem Brief vom 9. Oktober 1904 (Beilage zum Brief des Pol. Dep. vom 5. November Nr. 12.803) findet sich folgende Stelle darüber: „Nach-' dem der Plan einer temtorialistischen Konferenz gescheitert ist und Jakob Josef (die zwei Lesechzinskys, J. B.) sich offiziell der Mitarbeit entsagten, hätte das Organisationskomitee damit beginnen müssen, die Warschauer Beschlüsse durchzufühlen ... Jetzt, wo die Nachricht eingetroffen ist, daß der Kongreß (der zionistische Kongreß, auf dem der entscheidende Kampf zwischen Palästinismus und Territorialismus hätte vorkommen sollen, .1. B.) bis Mai verschoben wird, ist Jakob-Josef bedeutend weicher geworden; Jakob ist nach Odessa gefahren, von wo er durch Jeremiah seine Zustimmung zur Konferenz gegeben hat und wieder den Vorschlag gemacht hat, nach Paris zu fahren und mit Lidin (Dr. Syrkin) zusammen das Referat auszuarbeiten. Josef ist hieher gekommen und es haben wieder einmal die Beratungen begonnen. Am Schluß der Beratungen, an denen wir (die Gruppe „Wiedergeburt" J. B.) nicht' teilgenommen haben, haben sie den Plan ausgearbeitet, ein radikal-territorialistisches Komite zu gründen, bestehend aus Jakob-Josef, dem roten Samuel (der erwähnte Ohaßidow, J. ß.) Makedonez (A. Sokollowski) und Debaschir (Dr. L. Mahdelberg, der ein Mitglied der „Wiedergeburf'-Gruppe war), welches die selbständige Arbeit beginnen soll." Im weiteren Verlauf des Briefes beratschlage ich, mich mit den Pariser Genossen, <3b man „Deboschir" zu dieser Arbeit die Zustimmung geben solle, da er dort gewissermaßen offizielle Persönlichkeit sein solle. Paris hat sich von vorneherein dagegen ausgesprochen und so wurde dieser Plan nicht ausgeführt. Doch hat er noch ein weiteres Schicksal. In einem Brief des Org. Bur. vom,. 6. November nach Warschau (Beilage zu Nr. 13.795 des Polizeidep. vom 26. Nov.) heißt es: „Josef und Ahron reisen nach Warschau. Mit ihrer Ankunft im territorialistischen Zentrum, werden sie auch Antjeil an einer Arteit nehmen und in das Warschauer Komite eintreten; dem letzteren geben wir von heute ab Rayon- Vollmachten. Bei dem Namen Josef und Ahron steht von Spiridowitsch's Hand neben Josef —* „Bregmann*, neben Ahron, — „Sokolowski". Was mich anbetrifft, muß ich einier solchen Jftre entsagen, der Na^e.-gehört faktisch* "Josef Leszynsky; was Spiridowitsch'sZusatz zu Ahron anlangt, so stimmt er vollkommen. (ForUsetzung folgt.)