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Unsere Tribüne · 1924-07-18 · 6 (18.07.1924) · p. Seite 4

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
1 (1924)
Issue
6 (18.07.1924)
Date
1924-07-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Unsere Tribüne Nr, 6 soll, die den Lehen sinteressen der jüdischen Voiksmassen in Litauen und den Resolutionen der Wcltkonferenz entspreche. Die Frage, ob das V. B. darauf auch beharren würde, wennn es in der betreffenden Partei keine Minderheit gäbe, die diese Forderung erhebt, ist bejaht worden. Diese Erklärungen haben 'bei* den extresmtm hebraistischen Delegierten große Unzufriedenheit hervorgerufen und es sind zur Resolution Aendenmgen vorgeschlagen worden, die für jede Partei des Weltverbajides volle Freiheit, in der Sprach- und Schulpolitik beanspruchen. Die Exekutive hat sofort kapituliert, indem; sie ihr© ursprüngliche Fassung der Resolution zurückgezogen hat. Auch Genosse Rubasichow hat äüch mit den andern zwei Mitgliedern der Delegation des V. B. nicht solidarisiert. Schließlich ist die* bereits mitgeteilt» Resolution (siehe „Unsere Tribüne" Nr. 5) angenommen worden. Die Genossen Locker und Kaplanski haben daraufhin aufmerksam gemacht, daß die Konferenz zwar berechtigt ist, der nächsten Weltkonferenz vorzuschlagen, daß sie die Entschlüsse in der Spraihenfrage im Sinne der Achdut Haawodah revidileire, aber solange die Revision nicht vollzogen ist und Achdut Haawodah (die Zeirej Zion noch weniger) die vom1 Weltverbande formulierte Verhandluhgsbasis nicht akzeptiert, gjbt es überhaupt keine Basis für Verhandlungen und die Verständigung (mit der Zeirej Zion sei immöghch. Das V. B. Bei bereit, die siebente Wellkonferonz ehestens einzuberufen. - Die Bemühungen, das organisatorische Verhältnis der Partei in Palästina dem Verbände gegenüber zu ordnen und jede zweideutige Politik zu beseitigen, sind resultatlos verlaufen. Die Konferenz hat es abgelehnt, die Zusagen ihr!er Delegation auf der Wcltkonferienz zu erfüllen und die Delegation selbst hat sich dafür nicht eingesetzt. Sie hat sich mit dem Hinweis, daß auch! die Partei in Ostgalizien sich gewisser Be'schlüsise der sechstjeln Weltkonferenz nicht unterwarfen hat, begnügt. Eine Resolution, die besagt hat, daß Achdut Haawpda sofort in gleiche Beziehungen zum Verbände Zeirej Zion wie zum Verbände Poale-Zion trete, ist zwar abgelehnt worden, aber die angenohiknene Resolution ist Imit einem Ultimatum an den Weltverband geknüpft, „daß, falls die Vereinigung binnen einer gewissen Zeit (3—4 Monate) nicht zustande kommen sollte, behält sich Ach&ut Haawoda die Freiheit der Aktion und der Verbindungen 'mit dem zionistischsozialistischen Verhandle: Zeirej Zion, wie mit. allen Teilen der zionistisch-sozialistischen Bewegung vor." Es ist wohl klar, daß die Entschließungen der . Achdut Haawodah die anormale Situation in der Bewegung noch verschärft habtetn und das Verbandsbüro hat deshalb beschlossen, ehestens die Weltkonferenz einzuberufen. Zeit und Ort werden noch einer Verständigung mit den Zentralkomites der Ivandesparteien festgesetzt werden »V. lB. Die nationale Autonomie in Palästina. (Aus' den Resolutionen, der Konferenz der Achdut Haawoda. In der Aufschiebung der gesetzlichen Genehmig ing der nationalen Autonomie der palästinensischen Juden, für die „Achdut Haawoda" und die anderen Teile des Jischüw seit der Okkupation kämpfen, sieht Achdut Haawoda eine Verletzung ■ der grundsätzlichen nationalen Rechte der Juden in Palästina. Die .Konferenz fordert von der Regierung die unverzügliche Genehmigung der jüdischen autonomen Versammlung („Kneset"), die in eigener Kompetenz die Angelegenheiten der Juden in den Kreisen, Stadtverwaltungen, Kolonien, Stadtteilen und Kehiles in Palästina erledigen soll. (Die Verfassung soll der „Kneset" das! Recht der Besteuerung und die Gesetzgebung in allen Angelegenheiten die in das Reich ihrer Kompetenz fallen, festlegen. > '\$. (Es folgt eine Aufzählung aller Institutionen, über die sich die Kompetenz der autonomen Versammlung erstrecken soll. Die Red.) Jeder jüdischo Ansiedhmgspunkt — Städ'ch."n, Stadtteile. Kolonien und Kreise von vereinigten jüdischen Kolonien oder Stadtteilen - sei eine organische Zelle der „Kneset". Die innere Organisation und Verwaltung soll in einem Statut des obersten Rates der „Kneset" — die Delegierten Versammlung (Asejfat Haniwcharim) der Juden Palästinas -- festgelegt werden. Jene Juden, die außerhalb der jüdischen Siedlungen wohnen, bilden überall jüdische Kehiles, die sich an der „Kneset" beteiligen. Auch die Organisierung und innere Leitung der Kehila wird laut einem von der Asejfat Haniwcharim angenommenem Statut beschlossen. 'Die Asejfat Haniwcharim wird auf Grund von allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen und proportionellen Wahlen gewählt. Jeder Jude, Mann wie; jFrau, im 18. Lebensjahre, der in Palästina wohnt, soll das aktive und passive Wahlrecht zur Asejfat Haniwcharim und all ihre Institutionen besitzen. Die Konferenz erklärt, daß alle Versuche der Palästinaregierung und der jüdischen klerikalen Kreise durch Regierungsgewalt der jüdischen Gemeinschaft und den autonom-nationalen Institutionen die Rabbinerherrschaft aufzubürden, von Aöhldut Haawoda aus schärfste bekämpft werden werden. Ebenso wird A.H. gegen die Beraubung des Wahlrechtes der Frauen zur Aöejfat Haiuwcharim und in Valien sonstigen Institutionen der nationalen Autonomie kämpfen, Zur nächsten Weltkonferenz. Die Konferenz der A. H. fordert von der nächsten Weltkonferenz des Verbandes Poale-Zion, daß sie die Palästinatätigkeit, die Verteidigung der Arbeiterklasse und ihrer Interessen beim Aufbau des Landes betreffend, in allen Parteien zum Einklänge bringe. Die Beschlüsse bezüglich der praktischen Tätigkeit in Palästina (Hechalutz, Palästinaamt, Amt für das arbeitende Palästina, Nationalfonds, Keren Hajsod, Zionistenkongroß) die von der Weltkonferenz angenommen werden, müssen für alle Parteien des Wieitverbandes obligatorisch sein und keiner Partei steht das1 Recht zu, sich ihrer zu entziehen. Das zweite Goal der „Wiener Morgenzeitung". Während an den Wiener Straßehecken der neuä Fiißballroman — ausgerechnet der Morgenzeitung — prangt und die schmutzigen erotischen und Maöhtphantasien zionistischer Berufsfußballspieler sich au dem da verheißenen „sportlichen und männlichen Triumph' seines Helden" noch dazu „in künstlerisch vollendeter Verflechtung" begeilen dürfen, wird im Gerichtssaal noch ein Goal geschossen. Herr Stricker ist kein Erpresser. Die jüdische Oeffentlichkeit weiß dies auch ohne Prozeß. Wohl aber ist er einer der unerhörtesten Gewalthaber und hat dies in der ßettauergeschichte wieder einmal bewiesen. Der Herausgeber des „Morgen" erklärt, öffentlich, widerruft nicht und wird nicht geklagt, daß Stricker die Entlassimg Betlauers bei einer fremden Zeitung gefordert hat. Was ists damit, Herr Stricker? Wir sagen es Ihnen ins Gesicht, es ist die brutale, niedrige Machthabergier, jeden, der etwas schreibt oder sagt, was einem nicht paßt, ums. Brot zu bringen. Es ist das Gegenteil von dem, was anständig, loyal und vor allem, was demokratisch ist. Auch unter uns mögen viele sein, die an Bettauers Schrifttum bis jetzt kein Vergnügen gefunden haben, Herr Stricker aber als Hüter jüdischer Würde, fühlt sich beflissen, einem geistigen Arbeiter das1 Brot abschneiden zu wollen, weil ihm sein Schreiben nicht paßt. Die Methode ist nicht neu, müsseh nicht hunderte Beamte, die Herrn Stricker in die Hände kommen können, sie fürchten und vera,bscheuen? Haben nicht bisher jüdische Sozialbeamte sie erfahren? Der Kampf gegen Herrn Stricker ist ein Kampf für die primitivsten Rechte der Angestellten imd Arbeiter, der freien Meinungsäußerung gegen! die Brotabschneiderei. 1 Aber noch eines, Herr Stricker! Ein persönliches Reinlichkeitsgiefiihl muß Ihnen doch sogar' der Gegner zuerkennen, Sie haben es öfter bewiesen. Haben Sie bedacht, daß Sie mit Ihrem Versuch nur die bezahlte Gesinnungsschreiberei fördern, daß die literarische Prostitution der Schriftsteller durch solche Versuch© der Brotabschneiderei weit mehr gefördert wird als die sexuelle Gebirenhe.ifsnmdwrei durch „Ich und Du" und „Betlauers Wochenschrift'/" Wir überlassen der Morgenzcitung die Beantwortung dieser Frage und sind gespannt auf den „mäim- Hcben Triumph" des Herrn Stricker in dieser' sehr unmännlichen Angelegenheit. Den Wiener Juden aber geben wir den Rat de« famosen Goal-Plakates: „Lesen Sie täglich diu Wiener Morgenzeitung, Sie werden auf Ihre Rechnung kommen." Frau Anitta Müller, ist es wahr? Das jiddische Wochjenblatt „Die Neue Zeit" hÄt m einer der letzten Numkniern mitgeteilt, daß Frau Anitta Müller es abgelehnt hat, 20 Betten, die in 'ihreiml Heim inner Unteren Augartenstraße imbelegt sind, den Durdhwanderern zur Verfügung zu stellen. Daß die schwergeprüften Durchwanderer draußen am DonauJcanal übernachten (müssen, wahrend Frau Müller über 20 freie Betten verfügt, ist unverzeihlich. Wir fragen Frau Müller, ob diese Mitteilung der Wahrheit entspricht Amerikanischjiddisches Kunst theater. Seit zwei Wochen gastiert im Carltheater das amerikanisch-jiddische Kunsttheater unter der Leitung von Morris Schwarz. Es wurden bis jetzt aufgeführt: „Tewjd, der Milchhändler", „Schwer ein Jude zu sein" und „Der große Gewinst" von Schiüem Alejchem; „Die sieben Gehängten" von Andrejew.und „Des Schmiedes Töchter" von Peretz Hirschhorn. Das Zusammenspiel dieses Ensembles ist ideal, die Regie meisterhaft. Die bedeutendsten Einzelleistungen haben dargeboten: Frau Bina Abralmbwicz, Chana Apel und Berta Gersten, Morris Schwarz, Jischok, Keschir, Goldfaden, Fried, Schweid, Jankew Mestel, M, Strassberg, E. Tennenholz und Leo Seidenberg. Das jüdische Publikum hat den Gästen aus Amerika einen herzlichen Empfang bereitet. Die Wiener Presse ist voll des Lobes über die Leistungen' des jiddischen Kunsttheaters. " . Wir werden auf dieses interessante Gastspiel noch zurückkommen. 5 Bus unserer Organisation. Samstag,, den 26. Juli 1924, 8 Uhr abends, findet im. Arbeiterheim (II., Blumauergasso 1/2) ein Vortrag statt. ' ' ' . Thema:' Die Konferenz der Achldüt Haawoda und die Lage in der Weltbewegung. Referent: M. Singer. Arbeiterbibliothek „Borochow". II., Blumauei'gasse 1/2. Auf Wunsch mehrerer Mitglieder wird die Bibliothek Dienstag und Freitag von 7—8 Uhr ahends geöffnet sein. Wir haben soeben eine größere Sendung jiddischieitt Bücher erhalten. Die deutsche Abteilung wird dein nächst eröffnet. i Mitglied unserer Bibliothek kann jeder jüdische Ar beiter werden. Zahlet V er banflss leuer! Genossen und Genossinnen! Das Sekretariat unserer Organisation hlat ein Zirkular an alle Genossen mit der Aufforderung, (he Vex bandssteuer für das Jahr 1924 zu entrichten, verschickt. Da das Verbandsbüro bereite1 jetzt die Vorbereitungen zur 7. Weltkonferenz treffen mhiß, ist es unsere Pflicht, die Verbandssteuer deimj Weltverbande ehestens abzuführen. Wir wenden uns deshalb an EucÜ die Verbandssteuer sofort einzuzahlen. Nur wer Vörbandssteuer entrichtet, ist Mitglied der Weltbewegung Poale Zion. Eigentümer, Verleger., Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glanz, XVHI., Weimarersfcuäe 19/tO. — Drück. „Adria" Wton. IL, Tabdrsfcmße 52 B.

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