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Unsere Tribüne · 1924-07-18 · 6 (18.07.1924) · page 1

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
1 (1924)
Issue
6 (18.07.1924)
Date
1924-07-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Mira r rsitatsbibliothek tfien X. '** Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich " Redaktion und Administration: Wien, II*, Blumauergasse I/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: Vierteljahr,. 6,000K halbjfihr.. . 12.000 „ Einzelne Nummer 1000 Kronen Nr. 6. Wien, 18* Juli 1924. 1. Jahrgang. Genossen und Freunde! Unbeachtet, der großen Schwierigkeiten, diö wir gegenwärtig bei der Herausgabe unserer 2&itschri£t zu überwinden haben, gedenken wir in der nächsten Zeit ernste Schritte zu unternehmen, um „Unsere Tribüne" in ' ' . \ *\}% ein Wochenblatt zu verwandeln. Erst dann wird es uns möglich sein, allen Ansprüchen unserer Leser gerecht zu werden. Aber bevor wir ian die wöchentliche Herausgabe unseres Organes schreiten, müssen wir seine finanzielle* Grundlage sichern und den Leserkreis erweitern. Wir fordern daher von Euch: i 1. Jeder Ijeser und Freund iniöge umgehend dein Abonnementsbefrag füreinganzesJahlr entrichten, 2. Jeder soll es sich zur Pflicht machen, in der allernächsten Zeit einige Abonnenten für „Unsere Tribüne*' zu gewinnen. Wenn es uns gelingen wird, in der nächsten Zeit unseren Leserkreis um neue 1000 Abonnenten zu vergrößern, werden wir in der Lage sein, „TlniidWi "feBÖffe^'ni jeder -Beziehung■•« auszugestalten. Wir sind überzeugt, daß unsere Genossen und Freunde sich darüber klar sind, welche wichtige Aufgaben unser harren und daß wir nur müt Hilfe unseres Kalmpforganes dieselben zu: erfüllen imfcifcande sind, doshalb wollen wir nicht viel Worte verschwenden. I Wir erwarten sofortige Taten von unseren Genossen und Freunden. Die Administration „Unsere Tribüne". .! Der heutigen Nummer legen wir Erlagscheine bei Und bitten, den Abonnementsbetrag umgehend zu über- Für den Sozialismus, gegen den Krieg. lAm 27. Juli 1924 werden es zehn Jahre sein, daß der „alte, gute Kaiser Franz Josef* auf Drangen, seiner Militärs, ' die Kriegsfackel in die Welt geschleudert und das Signal zu einem Morden ohnegleichen gegeben hat. Bs zeugt von der unerhörten Rücksichtslosigkeit und Unverantwortlichkeit des habsburgisohen Gesindels, daß Oesterreich-Ungarn diesen Krieg auf solch frivole Weise begonnen hat. Aber der Krieg als solcher liegt im Wesen der kapitalistischen Wr,ltordnung überhaupt. Wenn die Ausbeutung im eigenen Lande eine gewisse Grenze überschreitet, wenn die Naturschätze 1 des eigenen Landes von der -Exploitation des Kapitals zur Gänze erfaßt sind, schickt sich das Privatkapital an, über die Grenzen des eigenen Landes auszugreifen. Es wird versucht ein Nachbarvolk politisch zu unterwerfen, um sein Land, seine Naturschätze, der Ausbeutung der kapitalistischen Machthaber des Siegerlandes auszuliefern. So ist der Imperialismus eine toatürliche Folge der kapitalistischen Weltordnung. Und wenn sich das bedrohte Land zur Wehr aetzt, ist ein blutiger Krieg unvermeidlich. Deshalb kann es und wird es keinen wirklichen Frieden geben, solange diese kapitalistische Weltordnung bestehen) wSiti. Und wenn man auch der kapitalistischen Weltordnung l&onst nichts vorzuwerfen hätte, als daß sie di€( Ursache von blutigen Kriegen, von unerhörtem Menschenschlachten ist, wäre es Grund genug,; daß alle menschlich Denkenden sich um die Fahne des Sozialismus, der dies© Weltordnung zerstören will, scharen sollen. Was bedeutet alles künstlerische Schaffen, welcheä Wert hat der sogenannte Fortschritt, die Kultur, solanlge die Möglichkeit besteht, daß ein Krieg hereinbreche und die Leistungen des menschlichen Geistes zerstört, die technischen Erfindungen in Mordwerkzeuge, die Menschen in; Tiere verwandelt1? Alles Getue um Recht, Wissen!' Schönheit und Moralin dieser kapitalistischen Welt ordntrag ist Lüge. Und wenn der Sozialismus sonst' nichts für die Menschheit bedeuten würde, alsdie Befreiung Von diesem stetat bedrohlichen menschenmordenden 'Kriegsvulkan des Kapiüsmus jimißte sich jeder wahre / Menschenfreund in die Reihen des kämpfenden Sozialismus, stellen. (Das Bewußtsein aber, daß nur der Sozialismus (die Erlösung aus steter Kriegsgefahr, bedeutet, soll unsere» Mut heben und den Glauben an den endgültigen Sieg unserer Ide© stärken. Es gilt der Erhaltung der menschlichen' Kultur, es geht um die Ausrottung des wilden Barbarismus, wenn wir gegen den Krieg unsere Stimme erheben. Aber den Inhalt der Bekämpfimg des Krieges, bildet der Kampf gegen die Herrschaft des Kapitals, für das Recht der Arbeiterklasse. Der Kampf für den Sozialismus ist ein Kfcmpf gegen den Kriegt Massenaustritte aus der Wiener Kultusgefüeinde. Das Verschulden der bürgerlichen Zionisten. Eine vielgelesene Wiener Tageszeitung hat letztens von einer Kundgebung gegen die Steuerpolitik der Kultusgemeinde berichtet Es soll im zweiten Bezirk eine zahlreich besuchte Besprechung stattgefunden haben, in welcher über die. willkürttche Steuererhebung der Kultusgemeinde Beschwerde geführt und als Protest der Austritt aus dent Jüdentume anempfohlen wurde. Es ist bezeichnend, daß die „Wiener Morgenzeitung41, die sich fürwahr mit vielen minderwichti- "geren Angelegenheiten befaßt, sich über diese Bewegung gegen die Steuerpolitik der Kultusgemteindo gründlich ausschweigt. Auch das Blättchen der Unionjuden hält es nicht für erwähnenswert. Die Herren in der Kultusstube haben wohl Butter am Kopfe. Aber es ist eine dumme Kurzsichtigkeit, wenn sich diente Herren einbilden, daß die Folgen ihrer verbrecherischen Politik auch nur um ein Jotta abgeschwächt werden, wenn sie sich beharrlich in Schweigen hüllen. Es wäre die verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Wiener Zionisten, die sich ja sonst so demokratisch gebärden, eine solche Erscheinung zu erörtern und den Herren Einberafern eine gebührende Antwort zu erteilen. Wir zweifeln gar nicht daran, daß die Steuermethode der Kultusgemeinde, eine willkürliche und ungerechte ist. Von einem so versauten Verwaltungsapparat kann man ja nichts Besseres erwarten. Diese Herren'der „Union" mit ihren zionistischen Trabanten sind gewiß nicht geeignet, den Augiasstall in der Seitenstettengasse zu säubern. Das werden schon andere, die Vertreter der arbeitenden jüdischen Bevölkerung Wienfc, besorgen. Aber diese Protestbewegung ist für uns1 ein neuer Beweis, daß das ganze System der Kultusgemeinde dem Zusammenbruche zusteuert. Es isrt zweifellos1 eine ungeheure Zumutung, wenn eine KultusgenTjeinde, die weder die religiösen, noch die sozial-h^hijanitären Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung erfüllt, Steuern einhebt. Es. ist nur natürlich, daß sich! .die Besteuerten zur Wehr setzen. Wenn die israelitische Kultuölgetaleindb auf gewisse achtunggebietende Leistungen hinweisten könnte,, dann würde sich die jüdische Bevölkerung auch1 mit dieser Steuerlast abfinden. Es ist nur begreiflich1, wenn man dieser Kultusgemeinde keine Steuer' zu leisten, igewillt ist. ( Eine noch ungeheuere Ziimutung ist es, Wennmlaii. von Mitgliedern der Kultusgemeinde Steuern verlangt, ohne ihnen das Recht einzuräumen, bei der Verwendung und. Veiwaltung dieses Geldes tafitzuberaten und mitzubestimmen. Laut der neuen Wahlreform, die die Herren Zionisten und die Unionjuden ausgeheckt haben1, muß man zwei Jahre Kultussteuer leisten, ohne Anspruch auf Wahlrecht zu haben. Es ist nur selbstverständlich, daß man einer Kultusgemeinde/ die den Steuerzahlern des Recht der Kontrolle versagt, kein Geld anvertrauen will. , Wenn nun eine Flucht aus der Kultusgemeinde einsetzen wird, werden die Herren Zionisten sicherlich Klagelieder ob des Niederganges des Judentums anstimmen. Aber es wird ihnen nicht gelingen, sich der Mitschuld an diesem Verfalle zu entziehein. Sie haben reichlich dazu beigetragen, daß die jüdische. Bevölkerung nicht Interesse und Verständnis, slondern. Gleichgültigkeit und. Mißtrauen der Kultas&emeinde entgegenbringe. Sie sind nicht nur Wtsbhuldig, sie sfind die Hauptschuldigen an; den Massenautetritten aus; der israelitischen * KultusJgemein.de. - Die jüdische Bevölkerung möge dessen eingedenk sein. '> L.K. Das Ende der nationalen Autonomie in Litauen. Mit der Entziehung des Budj^fe'1 Tür' das jüdisteha Ministerium und des Auflassens des Pjostens des jüdischen Ministers überhaupt, ist mit den letzten. Resten der nationalen Autonomie in Litauen aufgeräumt worden. Es ist daher bereits an der Zeit, das EiTge&nis des zweiten Versuches — der erste Versfucb wurde" seinerzeit in der Ukraine gemachft — der Verwirklichung der national-personellen Autonomie bei den Juden zu überprüfen. Wenn in der Ukraine die Autonomie durch äußere Ereignisse zerstört wurde^ trügt die Schuld1 am Ruin der Äufconomifli in Litauen hauptsachlich die innere jüdische Krise. : Es soll vor allem festgestellt werden, daß uns in Litauen eine Autonomie im wahren Sinne des Wortes hüetnals zuteil war. Der Sinn jeder Autonomie äußert sich darin, daß die nationale Minderheit ihre nationalen Institutionen, besonders das Schulwesen, selbständig verwaltet. In Litauen aber unterstand das jüdische Schulwesen niamals den nationalen Organen, sondern dem litauischen Bildungsminislerium. Es bestand wohl' die Möglichkeit, die jüdischen Schulen in die. autonome Verwaltung zu übernehmen, aber anstatt diese Möglichkeiten, auszunützen, und die Autonomie von Innen zu sichern, hat sich die bürgerlich-zionistische Mehrheit mit einer inhaltslosen, bloß dekorativen „Autonomie" begnügt und in ihrer gewohnten unverantwortlichen, übersohwängliohen Axt Litauen al» „zweites Palästdna" gehuldlgf. Das war sicherlich das größte Verbrechen der Zionisten, die die ttemchefcide Richtung in den Institutionen der Selbstverwaltung dargestellt haben. Am deutlichsten hat sich die Leere der zioitisüschjen Phraseologie oftenbartV als zur Zeit, da das Parlament in Kowno auch die letztens ganz geringe Finanzierung des jüdischen Ministeriums eingestellt, der damalige jüdische Minister Dr. Rosentraum in London erklärt hat, daß alle Gerüchte, bezüglich einer Eixischrähkung des jüdischen Ministeriums jeder Grundlage en^bren. Geflossen unfl Genossinnen! Rlstet zur anlittriegsRunflgeoung am 27. Juli!

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