Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 5 (27.06.1924)
- Date
- 1924-06-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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X Nr. 5 Unsere Tribfine Seite 3 faltung des? jüdischen kulturellen Lebens die Hände reichen I Nicht viel anders verhält es sich mit dem zweiten Argument. i > Gewiß kann das Leben in der Wiener Organisation mit dem in einer osteuropäischen Slajdt nicht verglichen werden, obwohl wir hier auch auf gewisse nicht unbeträchtliche Vorteile hinweisen könnten. Aber völlig unrichtig ist es, daß kein richtiges Zusammenleben unter unseren Mitgliedern besteht, oder daß kein Interesse für unsere Probleme vorhanden ist. Wer Gelegenheit hat, mit den Genossen oft zusammenzukommen, kann zu jeder Zeit das Gegenteil konstatieren. Hand aufs Herz, führende'Genossen! Wie oft seid ihr in den letzten Jahren zu den Genossen gekommen? Sehr, sehr selten! Das zufällige Mißlingen irgend einer Veranstaltung hat für euch genügt, um der Resignation zu verfallen. Auch das Argument, daß wir keine Peripherie für die Entfaltung unserer Ideen haben, ist eine Legende. Es gibt noch tausende von jüdischen Arbeitern und Angestellten, die bei den bürgerlichen Zionisten, bei dem [Misrachi, ja selbst bei der reaktionären „Aguda" organisiert sind. Hunderte jüdischer Arbeiter sind nicht einmal gewerkschaftlich organisiert. Unter den sozialdemokratischen, jüdischen Genossen gibt es eine beträchtliche Zahl, die uns sympathisch gegenübersteht und für uns zu gewinnen ist. Es gibt viele und aussichtsreiche Arbeit für unls in Wien. Nur mit eurer Hilfe werden wir in der Lage sein, sie durchzuführen. Wenn die Argumente der Genossen aufrichtig und durchdacht sind, dann kenne ich das beste Mittel, um all ihre Bedenken, zu zerstreuen: energisch in die Organisationstätigkeit eingreifen und nach Kräften den Kampf für Jiddisch und jüdische Kultur in Wien unterstützen. .|j Sollten aber ihre Argumente lediglich Ausreden sein, so möchte ich die führenden Genossen bitten, offen Farbe zu bekennen. iDas wäre im Interesse aller zu wünschen. M. S. Achtung, Genossen! Beachtet das Zirkular bezüglich V e rbajn d s!s teuer! Leistet die Selbstbesteuerung! Die vierte Konferenz der „Achdut Haäwoda". Am 9. $tai wurde in Ejn Charud die 4. Konferenz der Achdut Haawoda eröffnet. An der Konferenz nahmen 74 Delegierte aus 43 Organisationen teil. Das Verbandsbüro war durch die Genossen Kapeansky, Locker und Rubaschow vertreten. An der Eröffnungssitzung nahmen über 1000 Gäste teil. Nach Absingen der Internationale hielten die Genossen Katzenelson, Ben Gurion und^ Kaplansky Begrüßungssansprachen an die Versammelten. # Die wichtigsten Punkte der Tagesordnung waren: 1. Unsere kolonisatorischen und politischen Forderungen (Referenten Kaplansky und Ben Zwi), 2. Die nationale Autonomie und die Beziehungen zu den Nachbar- * Völkern (Referent Ben Gurion), 3. Kolonisationsfragen (Referenten Tabenkin und Jawneeli), 4. Die Weltbewegung (Referent Rubaschow). Die Verhandlungen, über die wir noch ausführlicher berichten werden, waren von. bewunderungswertem Emst und großem Verantwortungsgefühl, getragen. Die Entschließung in der Frage der Vereinigung der zionistisch-sozialistischen Bewegung (siehe Resolution) kann von schweren Folgen für die Weltbewegung begleitet sein. Nachstehend folgen die wichtigsten Resolutionen, die weiteren Beschlüsse und Referate werden wir in den nächsten Nummern nachtragen. * Die palästinensische Regierung und die jüdisch-arabischen Beziehungen. (Aus den Resolutionen der Konferenz der „Achdut Haawoda".) Die Methode der palästinensischen Regierung den herrschenden, arabischen Schichten Zugeständnisse auf Rechnung des jüd. Volkes zu machen, trägt nicht zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, zur Hebung der Lage seiner Einwohner und zur Herstellung des ^Friedens unter seinen Völkern bei; im Gregenteil — sie zerstört jede Möglichkeit der wirtschaftlichen Entfaltung Palästinas, die mit dem Wachsen der Einwanderung und mit der jüdischen Ansiedlung zusammenhängt und sie fördert die Hetzer und Intriganten, die Interesse an der Entfachung des Hasses zwischen Arabern und Juden haben. Die Konferenz beschließt, daß „Achdut Haawoda" den Kampf gegen diese- Methode fortsetzen und verschärfen soll. Die Tätigkeit \u.nd der politische Kampf der „Achdut. Haawoda", wie der Arbeiterbewegung des Landes überhaupt, bezweckt die Herstellung von Bedingungen, die die Lage der Arbeitermassen, der jüdischen wie ider arabischen, in der Stadt und am Lande heben und verbessern sollen, die die Entfaltung der schaffenden Kräfte und der Naturschätze des Landes ermöglichen, das gesellschaftliche Leben und .die nationalen Beziehungen gesunden, die Sicherheit des Lebens und Vermögens herstellen und die Rechte aller Bürger des Landes sichern sollen. (Die ersten und dringendsten Reformen, die die Konferenz. als Lebensnotwendigkeit für alle Bürger des Landes betrachtet, und für deren rasche Durchr führung „Achdut Haawoda" den Kampf führen soll, sind : "f)ie Ausgestaltung der Institutionen der Selbstverwaltung für alle nationalen und munizipalen Angelegenheiten; Arbeiterschutzgesetze, Reform des Steuersystems, besonders der Agrarsteuer; Agrarreformen, welche die Lage der Landwirtschaft und der Land wirte verbessern sollen. & Hiebei erklärt die Konferenz der „Achdut Haawoda", daß' sie die Anerkennung der Rechte des jüdischen Volkes auf Errichtung seiner nationalen Heimstätte in Palästina, die Anerkennung seines Rechtes, auf freie Einwanderung und Massenansiedlung (und 'das Recht auf nationale Autonoknie der Juden im! Lande, als unerschütterliche Grundlage und 'als Voraussetzung für den Ausbau der Selbstverwaltung im Lande betrachtet. Diese Anerkennung soll durch faktische und genügende internationale Garantien bestätigt und gesichert und auch von den Bevollmächtigten der Bürger des Landes akzeptiert werden. Als wichtigstes und verläßlichstes Mittel zur Festigung der Verbindungen, des Friedens und der gegenseitigen Verständigung zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volke betrachtet „Achdut Haawoda" die Solidarität und die gemeinsame Tätigkeit der jüfdischen und arabischen Arbeiter in der Stadt und alm Lande. (Der furchtbaren Unterdrückung der arbeitenden arabischen Massen, besonders' der armen unwissenden Falachen, durch die herrschende arabische Klasse . i zufolge, stellt der arabische Arbeiter noch heutzutage keinen, selbständigen politischen und gesellschaftlichen Maehtfakbor dar und die Vertreter der herrschenden Aus den ersten Jahren des \ proletarischen Zionismus. (Aus dem Jiddischen übertragen von R. G.) (Fortsetzung.) Das Organisationskomitee wurde gebildet. In der „Djelo" finden wir schon Briefe des Organisationskomitees vom 13. September. Den Bestand eines Organisationskomitees kann man nicht direkt aus den Briefen entnehmen, obwohl 'deutliche Hinweise auf einige seiner Mitglieder vorhanden sind. Das Polizeidepartement übersendet am 23. September unter Nr. 11.043 zwei Briefe von Kiew, datiert vom 13. September, einen nach Warschan und einen nach Charkow an Meir Aronson für Schimonowitsch (Dobin. J. B.) Der erste Brief ist gefertigt: Org. K., der zweite: Dein Samuel. Das Polizeidepartement macht aber darauf aufmerksam, daß der Handschrift nach beide Briefe von einer Person sein müssen. Neben der Unterschrift „Dein Samuel" macht Spirodowitsch eine Bemerkung: „Ist das nicht vielleicht Zodakoff?" Spirodowitsch war da auf dem richtigen Weg. Beide Briefe sind wirklich von 1 dem Mitglied des Organisationskomitees, dem) schon lang verstorbenen Samuel Chassidow*, welcher an einigen Orten auch unter dem Namen Zodakowi bekannt jwar. Ein anderer Brief, nach Paris, von« 23. November 1904, ist unterschrieben: Jeremia T. — Das Polizeidepartement setzt zu der Unterschrift in Klamkner die Erklärung: „Der Name eines vom Organisationsbüro." Und wieder einmal mit Recht, t~ Jeremiah ist das Pseudonym des zweiten Mitgliedes deis Organisationskomitees, Juda Novakowski. Auf andere Mitglieder des Organisationskomitees fehlen in der „Djelo" die direkten Hinweise. Außer den zwei erwähnten Personen waren im Organisationskomite noch Alter, der Pwinsker (Jpfe, jetzt in Amerika) und Benie ~Medland, als Führer der „Renaissance"-Gruppei, eiche durch ihre Konferenz und die zu jener Zeit bereits erschienene Doppelnummer der Zeitschrift „Wiedergeburt" in 'der zionistisch-proletarischen Welt schon eine beachtetere Stellung einnahm. Dies führte auch daziij daß bei allen weiteren Versuchen, die poaJezionistischen Organisationen zu vereinigen, die Gruppe „Wiedergeburt" nicht umgangen werden konnte. Um mit ihr Verhandlungen zu führen, kommt von Warschau nach Kiew, wo sich die Zentrale der Gruppe „Wiedergeburt" befindet, eben der Salman, mit dem. die „Djelo"; beginnt. Weiters kommt zu Verhandlungen mit dieser Gruppe auch der oben erwähnte „Schwarzer" nach Kiew. Derselbe „Schwarzer" schreibt in dem ohen erwähnten Brief über diese „Kompagnons": „Die Kompagnons haben im Sinne, an der Unternehmung denselben lebendigen Anteil zu nehmen, und verlangen nur, man solle in 6 Wochen damit beginnen.* Sie haben die Hoffnung, während dieser Zeit neue „Kompagnons" aus dem Auslande heranzuziehen. Wir schlagen euch vor, in dieser Angelegenheit mit ihnen gemeinsam zu arbeiten. Was die „Kompagnons" betrifft, so sind sie verläßliche, fähige Menschen und ohne sie wird, meiner Ueberzeugung nach, das Geschäft nicht gehen und «wenn es auch noch so gehen würde, so nicht auf lange, während bei ihnen an Menschen, Mitteln und Wissen, wie die Sache zu führen, kein Mangel ist." Unter diesem Eindruck setzt sich „Schwarzer" dafür ein, daß das Organisationszentrum nicht nach Dwinsfc verlegt werden soll. „Wir sind überzeugt, daß ihr von Dwinsk aus nicht imstande sein werdet, allein die Sache so zu organisieren, wie eserforderlich ist. Man muß die Arbeit nach Kiew verlegen." Dies ist später, wie schon erwähnt, auch geschehen. Aus all diesen Gründen beschloß' die Warschauer Konferenz, dem Organisationskomite auch die Vertreter der „Wiedergeburt"-Gruppe beizuziehen. Das Organisationskomite war, wie wirx schon gesehen haben, schon im September in Kiew und führte die Vorbereitungsarbeit für die Konferenz. Am 18. Sep* tember 1904 schreibt das Organisationskomite nach Warschau (Beilage zum Brief des Polizeidepartements vom 28. September unter Nr. 11.240 an die Kiewetr; „Ochranke"): „Wir können euch die Mitteilung machen, daß alle Vorbereitungen zur Konferenz bei uns schon getroffen sind. Wir haben günstige Aussichten, von unser aller Energie hängt" die Verwirklichung unserer Pläne ab. In Bälde werden wir eine Person zu euch schicken, welche euch Aufklärungen über alle Vorschriften und Instruktionen geben wird, die ihr von uns bekommt. Der Vorschlag,1 eine territorialistische Konferenz zusammenzuberufen, ist von den Initiatoren, der territorialistischen Gruppe, zurückgezogen worden. Wir fordern euch daher auf, in dem Sinne zu arbeiten, wie es die Konferenz beschlossen hat. Wir werden dafür Sorge tragen, daß die angenommenen Beschlüsse endgültig durchgeführt werden." * (Die territorialistische Konferenz hatte für einige Zeit eine lebhafte Bewegung in den Kreisen der poalezionistischen Organisatoren wachgerufen. Es war damals ein scharfer Kampf zwischen den Ja- und Nein-/ sagern in der Ugandafrage. Auch in der jungen poalezionistischen Bewegung fand sich eine Gruppe, welche ihren bejahenden Standpunkt, den territorialistischen, in den Vordergrund rücken wollte und in dieser Frage eine gemeinsame Konferenz mit den bürgerlichen territorialistischen Gruppen herbeiführen wollte. Das war aber schon damals für viele Poale-Zion eine erledigte Sache. In einem zweiten Brief von Kiew nach Odessa vom 18. September 1904 unterschrieben „Dein Alex",, dem Inhalt nach aber vom Organisationskomite abr gefaßt, (Beilage z. Brief d. Ppl. Dep. vom 28. September Nr. 11.239), wird darüber gesagt: „Sie (die territorialistische Gruppe J. B.) haben ihren Vorschlag, wegen der Konferenz ganz zwecklos gemacht. Wir sind damit 'zufrieden. Es würde nur zu Skandalen und zu gar keinem Resultat kommen. Es soll also niemand sich beteiligen.". f J. ßregmann. (Schluß folgt.)!