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Unsere Tribüne · 1924-06-07 · 4 (07.06.1924) · p. Seite 3

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
1 (1924)
Issue
4 (07.06.1924)
Date
1924-06-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 Unsere Tribüne Seite 3 jüdischen Arbeiterorganisationen aller Länder zu einer Konferenz einzuberufen, die noch vor dem internationalen Emigrationskongreß tagen soll und auf der die Fragen der freien Einwanderung der Juden in alle Immigrationsländer und der Vergrößerimg des Einwandererstromes in Palästina, die allerdings durch die tätige Hilfe der jüdischen Arbeiterschaft ermöglicht werden soll, zu behandeln wären. Die Konsumgenossenschaft „Hamaschbir". Die von den jüdischen Arbeitern gegründete Konsumgenossenschaft „Hamaschbir" ist im Jahre 1916 aus der Kriegsnot heraus entstanden. Die erste Aufgabe der Kooperative war, den Arbeitern in ihrem Kampfe gegen Hunger und Teuerung zu helfen und sie begann damit, die Arbeiter mit den wichtigsten Lebensmitteln zu versorgen. Die Kooperative hat seit damals eine aufsteigende Entwicklung genommen, sie ist bereits über das ganze Land verbreitet und besitzt schon 16 Filialen. Die Kooperative weist zum ersten Tischri folgende Bilanz aus: Aktiven: engl. Pfund Bar " 733.800 In der Anglo-Palästina-Banfc 494.355 Warenlager 9,983.184 Wechselkonto 6,397.990 Debitoren 13,410.380 Immobilien 4,473.344 Wertpapiere 220.000 Inventar 916.748 Ausgaben 444.288 Dubiose 732.988 Summe 37,798.082 Passiva: engl. Pfund Aktien 3,639.891 Ergänzungsfonds . 2,556.574 Anleihefonds (der Zionist. Organisation) 5,479.685 Wechselkonto 8,763.146 Kreditoren . 8,569.925 Warenquittungen % 3,746.935 Depots ' 1,005.125 Hypotheken 1,000.000 Dubiosenforids 1,015.493 Reingewinn 2,021.218 Summe 37,798.082 Die ständigen Konsumenten des „Hamaschbir" sind nicht nur Tausende von Arbeitern, sondern auch Lehrer, Beamte imd Landwirte. Den Arbeitern liefert er teilweise auch Baracken, Betten, Geräte, Schuhe, den Landwirten Samen, Werkzeug, Baumaterial, den Stadtbewohnern Milch, Gemüse und Kleidung. Einen wichtigen Teil der Betätigung des „Hamaschbir" bildet der Verkauf der Landesprodukte landwirtschaftlicher und industrieller Axt, seine Veraiittlungstätigkeit zwischen Dorf, und Stadt, und\ von seinem Jahresabsatz von 109.000 Pfund entfallen 40.000 Pfund (37 Prozent) auf die Laridcsprodukte. Im letzten Jahre wurden Produkte der Arbeiterwirtschaften um 24.535 Pfd. verkauft. Ein besonderes Verdienst hat sich der „Hamaschbir" bei der Organisation des Milchverkaufes in seinen städtischen Abteilungen erworben. Sein Milchabsatz im vorigen Jahre betrug bereits 13.094 Pfund (gegen 5450 Pfund zwei Jahre früher). Der Milchabsatz im Jahre 5681 betrug 96.000 Liter, im vorigen Jahre bereits 420.300 Liter. Das Grundkapital des „Hamaschbir" setzt sich zusammen aus Mitgliederaktien und dem Ergänzungsfonds, zu welchem der größte Teil des jährlichen Reingewinnes beiträgt. Zu Beginn des Jahres 5683 betrug dieses Kapital 7409 Pfund. Aktien wurden nur an Arbeiter abgegeben. Der „Hamaschbir" hätte große Ausbreitungsmöglichkeiten,' doch wird seine Tätigkeit durch Kapitalmangel stark behindert. Der jährliche Umsatz ist fünfzehnmal größer als das Grundkapital, weshalb sich die Notwendigkeit ergibt, ständig Kredite zu benützen. Aus diesen Umständen ergibt sich auch die Notwendigkeit, die Importware nicht immer aus der Hand kaufen zu können. Außerdem sind bei den auf Kredit be- -zogenen Waren Zuschläge zu entrichten, ein Posten, welcher in die Tausende von Pfund geht. Aus all diesen Gründen ergibt sich, daß die Frage der Erhöhung des Grundkapitals des „Hamaschbir" auf der Tagesordnung steht. (Das neue Palästina.) Der Hechalutz in Rußland. Die Chaluz-Organisation in Rußland ist im Jahre 1917, während der Kerenski-Regie-rung, als Juden gleichberechtigt wurden, und sich frei betätigen durften, gegründet worden. An der Spitze dieser Bewegung Js'tand Josef Trumpeldor, der damals von der jüd. Legion in Gallipolli zurückgekehrt war. Tausende junger Burschen und Mädel, die besten Elemente der jüdischen Jugend, haben sich unter seiner Flagge gesammelt, entschlossen, bei der ersten Gelegenheit nach Palästina zu gehen. Die großen Aussichten, die die zionistische Bewegung damals hatte, brachten es mit sich, daß die Organisation sich rasch entwickelte. Die Oktoberrevolution hat die Bewegung nicht geschwächt, sondern sie inhaltlich vertieft. Die Tendenz, in Palästina eine Wirtschaft auf genossenschaftlicher Grundlage zu errichten, wurde immer klarer. Die Pogrome in der Ukraine im Jahre 1919/20 und und der -fürchterliche Bürgerkrieg, haben die öffentliche Tätigkeit der Juden zum Stillstand gebracht, und auch den Hechaluz niedergerissein. Als es aber dann gegen Ende 1920 in der Ukraine ruhig gelworden war und die Rätemacht auch dort festen Fuß gefaßt hatt'0, lebte wieder die Hechaluzbewegung auf. Mit Hilfe des! Hechaluz und unter seinem Einflüsse sind jüdische landwirtschaftliche Genossenschaften gegründet worden. Das war wohl ein Symptom des Verlangens dejr jüdischen Jugend, nach landwirtschaftlicher Betätigung. Die Revolution der Bolschewiki hatte allö wirtschaftlichen Grundlagen der jüdischen Massen, die sich lediglich mit Handel und Vermittlung befaßt hatte, untergraben. Der Hechaluz begann eine bedeutende Rolle im Prozesse der Produktivierung der jüdischen Massen, zu spielen. Das Rätesystem hat die volle Gleichberechtigung der Juden gesichert. Mit allen Ueberbleibsein von Einschränkungen wurde aufgeräumt, jeder Unterschied in d*er Behandlung von Juden Und Nichtjuden wurde aufgehoben. Pogrome waren nicht mehr zu befürchten und die Regierung gab den Juden nicht bloß politische: und bürgerliche Gleichberechtigung, siel wollte die Juden auch na tion al den anderen Völkern Rußlands'gleichstellen und sich in die inneren jüdischen Angelegenheiten nicht einmischen. Zu diesem Zwecke hat sie die jüdische. Abteilung, genannt „JeWsektije" ins Leben gerufen und ihr die ganze Macht in allen jüdisch-nationalen Angelegenheiten übertragen. Im Einklänge mit dem allgemein-politischen System im Lande, ist die&3 jüdische Sektion aus der jüdischen. Abteilung der kommunistischen Partei zusammengesetzt worden. Die Regierung wollte hiedurch die jüdisch-nationale Autonomie auf .jenen allgemeinjen Grundlagen der proletarischen Diktatur, die in Rußland besteht und durch die Herrschaft der kommunistischen Partei zum' Ausdrucke gelangt, verwirklichen. Aber für die Juden ist dieser Segen, in einen Fluch verwandelt worden. Die Regierung trifft keine Schuld. Die,,Jüdische Abteilung", an deren'Spitzle Assimilanten und nationale Ueberläufer standen, sahen bloß das eine Ziel vor sich: die Vernichtung d.er nationale Bewegung, die Unterdrückung jeder jüdischen Tätigkeit. Ausgestattet mit der Macht der Sowjetriögierung, bei Anwendung des Terrors, dessen sich die Räteregierung im Kampfe gegen die Kontenevolution benützt, hat die „Yewsektie" jedes1 nationale Kennzeichen mit Stumpf und Stiel auszurotten versucht. Sie hat vorerst die zionistische Organisation aufgelöst, die hebräischen Schulen geschlossen, die Verbreitung hebräischer Literatur verboten, sie hat sogar den „Jiddischismus" als chauvenistische und gegenrevolutionärlei Bewegung gekennzeichnet. Alle jüdischen Organisationen und Gesellschaften sind aufgelöst worden, die Führer verhaftet. Jede Regung nationalen Charakters wurde unterdrückt. Da hat sich die jüdische Abteilung auch an den Hechaluz herangewagt. D. Ben-Gurjon. (Schluß folgt.) Aus dem arbeitenden Palästina. Die Arbeiterbank. 'Die jährliche Generalversammlung der Arbeiterbamk, welche am 4. Mai d. J. in Tel. Awiw stattfand, hat auf Vorsehlag der Verwaltung die Vergrößerung desi Aktienkapitals von 60.000 auf 100.000 engl. Pfund beschlossen. Die Tätigkeit der Arbieiiterbank in Pal. hat auch im vergangenen Geschäftsjahre weiteren Umfang angenommen. Die Bank wird nach; und nach zu einem wichtigen Faktor in der kolonisatorischen Tätigkeit. Auch im Auslande gewinnt die zentrale finanzielle Ir!3tiu:t;der Arbeiterorganisation immiör mehr Zutrauen seitens verschiedener finanzieller Institutionen. Der Bau der Universität. Der Bau des ehem. Instituts der jüd. Universität lauf dem Har Hazofim (Skopus) in Jerusalem, wird zur Gänze aus Material der genossenschaftlichen Steinhauefei des Solejl Bone aufgeführt. Die Arbeitsleistungen der erwähnten Genossenschaften rufen die volle Befriedigung bei den Fächmännern, die den Bau besichtigen, hervor. Genossenschaftliche Bauindustrie. Zugleich mit. der Entwicklung der Steinhaueiieji hat der Solejl Bone praktische Schritte eingeleitet, um eine Unternehmung für die Erzjelugung von Zementprodukten zu etablieren. Zu diesem Zwecke hat die Arbeiterorganisation ein Privatuntemejhmen in Chaifa erworben. Eine Aktion für die Baugenossenschaft in Palästina. Im Zusammenhange mit der Registrierung der kooperativen Arbeitergesiellschaft für öffentliche Arbeiten /Bau und Industrie Solejl Bone, beschloß das Komitee für das arbeitende Pal. in der Sitzung vom 29. April eine intensive Aktion für den Solejl Bone in einigen europäischen Ländern: Czechien, England und Belgien einzuleiten. In Czechien wird die Aktion durch Bader und Gnsfa Stumpf, Mitglieder des Direktoriums der Geh nossenschaft, geleitet. Die Vorbereitungen sind im. vollem Gange und es ist ein guter Erfolg zu erwarten. In. Englandwird die Aktion im Zusammenhange mit der all britischen Ausstellung, in welcher sich auch der Solejl Bone beteiligt, eingeleitet werden. Die Leitung wurde Genossen Dow Hoss übertragen. Auch in Belgien wird während der internationaJß(n genossenschaftlichen Ausstellung eine großzügige Aktion für den „Solejl Bone" unternommen. Das Genossenschaftswesen, das sich in Pal. eigenartig entwickelt hat und bereits' jetzt feinen ansehnlichen Platz in der Genossenschaftsbew'eigung ein-.: nimmt, wird zweifellos die Aufmerksamkeit de-r Besucher auf sich lenken. Fs ist daher mit ein,e|rn allgemeinen Erfolg dieser wichtigem Aktion zu rechnen. An die jüdische Bevölkerung Wiens! Nach langwierigen Verhandlungen ist auch in Wien ein „Komitee für das arbeitende Erez Israel" gebildet worden. Die Aufgabe dieses. Komitees ist, den Gedanken des arbeilejnden Palästina, das heißt, die Schaffung von Arbeitersiedlungen in Erfez Israel, in welchen die Arbeiter die, alleinigen Nutznießer ihrer Arbeit, sein sollen, unter der jüdischfein Bevölkerung zu propagieren. Diese Bestrebungen, denen wir im großen Maße die Entwicklung der jüdischen Arbeitersiedlungen in Palästina zu verdanken haben, werden den Inhalt der Tätigkeit des* Komitees bilden. Wir werden uns bemühen, die jüdischen Massen Oesterreichs mit den Zielen und Erfolgen der jüd. Arbeiterschaft viertraut zu machen. Es soll aber nicht bloß eine Propaganda des Wortes, sondern vielmehr der Tat wfcrden. Erst wenn es uns gelingen wird, die jüdische Bevölkerung für die tätige Mithilfe, für den Aufhau des1 arbtejitenden , Pal. zu gewinnen, werden wir die Göwißheit haben, daß sie für unsere Idee gjejwonnen ist. Nur eine Propaganda, der unmittelbar Taten folgeja, kann jetzt für Pal. von Nutzen sein. Unterstützet die Arbeiterbank, den Palarbeiterfonds, den Hamaschbir (Konsumgenossenschaft), den Solejl Bone (Baugenossenschaft) und ihr werdet den Beweis Erbracht haben, daß ihr die Leistungen der jüd. Arbeiterschaft jeirizuschätzen verstehet. In den nächsten Monaten wird das Komitee feine Aktion für die Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft in Pal. einleiten. Wir sind überzeugt, daß die) jüdische Bevölkerung uns' tatkräftig unterstützen wird und dadurch der heroischen, verantwortungsvollen Arbeit der jüdischen Arbeitieirsehaft in Pal. zum Erfolge verhelfen wird. Jüdische sozialdemokratische Organisation Poale Zion Wien, Zionistische Arbeiterpartei Hitachdut. Oesterreichischer Landesverband Hechalutz.

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