Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- 4 (07.06.1924)
- Date
- 1924-06-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Unsere Tribüne Nr. 4 Die Dienerschaft sämtlicher Bibliotheken Wiens besteht aus geschulten Leuten, die immer beim Fach waren. Die Kultusgemeinde versetzt eine solche Kraft lieber auf den Schlachthof. An Herrn Dr. Plaschkes aber stellen wir wieder die Frage: Was ists mit der Gleichstellung? Seit wann ist die Rathausbibliothek die Vorschule für S(. Marx? Sind die Teppiche wirklich abhanden gekommen? In einem Wiener jüdischen Wochenblatte wurde letztens berichtet, daß bei der israelitischen Kultusgemeinde ein. Teppich im Werte von. mehreren Millionen Kronen gestohlen wurde. Die Kultusgemeindc soll einige Teppiche als Geschenk erhalten haben und knapp nach der Uobernahme soll einer verschwunden sein. Die Kultusgemeinde schweigt sich darüber aus. Ist es ihr unangenehm? Oder ist man in der Seitenstettengasse an solch rätselhaftes Verschwinden gewöhnt? Bei dieser herrlichen Verwaltungsmethode ist wohl alles möglich. Arbeiterbank und Palästina- Arbeiterfonds. Zum ersten Male hat die Vereinigung der jüdischen Arbeiter in Palästina ihre Wirkung auch auf das Galuth getan. Zum erstenmal treten in geeigneter Aktion für das arbeitende Ercz-Israel alle Richtungen auf, die am Aufbau des arbeitenden Jischuw in Palästina Anteil nehmen. ' Unter den vielen Institutionen, die sich in den Händen der Arbeiterschaft befinden, und ihr in ihrer A.ufbauarbeit helfen, hat das Komitee für das arbeitende Palästina im Einverständnis mit der Histadruth Haklallith Haowdim in Erez Israel, beschlossen, ihre Energie im Galuth auf die zwei Finanz- 1 Institute aufzuwenden, die alle Zweige der Tätigkeit der Arbeiter in Palästina umfassen — für die Arbeiterbank und den f Palästinaarbeiterfond. Die Arbeiterbank hat in der kurzen Zeit ihrer Existenz der Entwicklung des Arbeiterjischuw außerordentliche Dienste geleistet. Es genügt, zu erwähnen, daß ohne die Kredite der Bank der Misrad laawodoth ziburijoth (Amt für öffentliche Arbeiten) nicht hätte existieren können, das dafür Sorge träst, Tau- * O ' sende von Chaluzim bei Chaussee- und ßauarbeit unterzubringen und welcher jetzt der größte Bauunternehmer Palästinas ist. Auch die alten und neuen landwirtschaftlichen Siedlungen der Arbeiter, hätten die letzten schweren Jahre ohne die Hilfe der Arbeiterbank nicht überstehen können. Und außerdem hat die Bank auch anderen. Institutionen zu Hilfe kommen können, ohne die die Arbeiterschaft nicht hätte auskommen können und ohne welche sie nicht imstande gewesen wäre, die Arbeitsmöglichkeitcn im Lande zu vergrößern. Der Hamasehbir, die Arbeitcrkonsmngenossenschaft, die derzeit die größte geschäftliche Unternehmung Palästinas ist, -— hat. die bedeutende Unterstützung der Arbeilerbank erhalten, auch die Arbeiterkrankenkasse, das wichtigste Sanitätsinstitüt des Landes nach der Hadassah, hätte ihre Aufgaben unter der Arbcilerbevölkerung ohne die Hilfe der Bank nicht erfüllen können, Beschäftigt sich doch der palästinensische Arbeiter mit gesundheitsschädlichen Arbeiten- Austroeknen von Sümpfen. Urbannaehen wüsten Bodens unter den schwersten Bedingungen. Die Krankenkasse schöpft ihre Mitteln, in großem Ausmaß von den Mitgliedern, selbst, 8000 von 30.000 Pfund erhält die Kranke]ikasse durch Mitgliedsbeiträge. Es gibt wohl kaum einen Zweig der palästinensischen. Wirtschaft, kaum eine notwendige Unternehmung der Arbeiterschaft, die nicht von der Arbeiterbank gefördert wurden. Und bei all dem hat die Bank die wirtschaftlichen und geschäftlichen Prinzipien strikte eingehalten, — alle Darlehen sind zurzeit rückgezahlt worden, das Kapital wurde zur Unterstützung anderer Unternehmungen verwendet. Bei einem Kapital von 30.000 Pfund an Aktien und Darlehen hatte die Arbeiterbank im ersten Geschäftsjahre einen Umsatz von 750.000 Pfund. Aber die Entwicklung der' Arbeit «Wirtschaft kann zurzeit, noch nicht mit Kredit.;i!!ci:i .uefördert werden. Es muß Initiative-Kapital vorimmien sein, welches die Eroberung neuer Positionen erniö.'.'ii.-he;!, neue Arbeitsmöglichkeiten in Unternehmungen. der: n Rentabilität 7Ai Beginn noch nicht feststeht, eröffnen s;.>li. Diese Aufgabe obliegt dem Palästina-Arbeiterfoiid und;.-ibt wahrlich keinen Zweig in' der Arbeiten*» irlschaf.!; i'a- ■ < lästinas, in welchem der P. A. F. diese Funktion eines Pioniers nicht erfüllt hätte. In der Landwirtschaft sind auf Initiative and r.iit )ien Geldmitteln des P. A. F., unter Hinzuziehung größerer Kapitalien der J. K. A.;(Jewi$h Kolonisation-* Association) die Arbeitersiedlungen Kfar Giladi, Teicha j, Machnajim und* Ajelet Haschachar geschaffen worden. Auch. Siran in der Nähe von Chaifa ist mit Hilfe des P. A. F. ins Leben gerufen worden. Die industrielle Produktivgenossenschaft in Palästina hat ihre Existenz fast ausschließlich dem P. A. F. zu verdanken. Auf dem Gebiete der Bauunternehmungen hat der P. A. F. bereits vor Jahren selbständige Arbeit geleistet. Und jetzt, da die Ansiedlung städtischer Ar heiter eines der Hauptprobleme der Arbeitersiedlung bildet, hat der P. A. F. die erste Arbeitersiedlung ir Ider Nähe von Tel-Awiw-Schehunot Borochov (nach dem verstorbenen poalezionistischen Arbeiterführei benannt) geschaffen. Der P. A. F. mußte auch Kredite erteilen und zwar in solchen Fällen, wo der kurzfristige Kredit der Arbeiterbank nicht ausgereicht hätte. Viele Darlehen -der Arbeiterbank sind erst durch die Haftung des P. \. F. ermöglicht worden. Insbesondere soll noch die Unterstützung des P. A. F. für die Palästina Wirtschaft durch die Sammlung von Werkzeugen hauptsächlich in. Amerika erwähnt werden. Gemäß der Vereinbarung auf der letzten Konferenz in Karlsbad wurde der P. A. F.. der bis zu jenem Zeitpunkte dem Weltverbande Poale-Zion unterstand, in einen Fond für das arbeitende Palästina verwandelt. Dementsprechend hat der P. A. F. für heuer größere Verpflichtungen übernommen. Laut Beschluß der Exekutive der allgemeinen Arbeiterorganisation Palästinas soll ein langfristiger Kredit von 9000 Pfund als Betriebskapital für das Amt für öffentliche Arbeiten aufgebracht werden. Ohne Anstrengung aller Kräfte, die uns zur Verfügung stehen, werden wir nicht imstande sein, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Das Komitee für das arbeitende Palästina in Europa, hat. sich zur Aufgabe gemacht, 30.000 Aktien der vorien Emission der Arbeiterhank unterzubringen und jl\000 Pfund für den Palästina-Arbeiterfonds zu sammeln. Die ersten Versuche zur Verwirklichung dieses Vorhabens beweisen, daß das Komitee seine Leistungsfähigkeil; auf diesem Gebiete nicht überschätzt hat. P. K. Die Konferenz der Allgemeinen Arbeiterorganisation in Palästina. Die in Jerusalem stattgefundene Beratung regte die V.'iedereröffnung des Einwanderungsamtes bei der Ar- ]::rorganisation an, da die Einwanderung im gegen- \vä:;;: en. Moment in keinem Verhältnis zum Bedarf a:i Arbuiern steht. Die Exekutive der Organisation w;;!•<:.:•. beauftragt, ihre Verhandlungen mit der .Regier;.j:.'j; in der Frage des Arbeiterschutzes auf Grund des ' von der Organisation eingebrachten Vorschlages fortzusetzen. Die Beratung schloß die sogenannte „Arbeiterfraktion" (ein Grüppchen von Kommunisten), die „durch ihre provokatorische Taktik sich als Feindin des jüdischen Volkes Avie der Arbeiterklasse in Palästina erwies", aus der Organisation aus. Z'um Schluß wurde noch die Organisationsexekutive beauftragt, die Aus den ersten Jahren des proletarischen Zionismus, (Aus dem Jiddischen übertragen von R. G.) (Fortsetzung.) Einige Zeit später gibt Spiridowitsch in seinem allgemeinen Bericht über die1 revolutionären Parteien in Kiew, folgende Nachrichten über die Anhänger der Organisation „Poale-Zion": „Die oben erwähnte Organisation existiert als solche hier nicht, aber es gibt in der Stadt eine große Anzahl von Anhängern der Poale- Zion, besonders unter der Jugend. Untier ihnen befinden sich der Intellektuelle Awram Rasin, d)er Student im zweiten Jahrgang der juridischen Jakultät. Siani Froimow Friedland, ein gewisser Nuchim Jankow Stief und Mandelstamm döb Obsejef, — ein Arzt (hier ist der Name Dr. Mandelbergs!, der sich im Kreis cter „Renaissance" bewegte, später als „Dfcboschir" figurierte, mit dem Familiennamen des populären zionistischen, später territorialistischen Führers Dr. Max Mandelstamm verwechselt. J. B). Die Tätigkeit der erwähnten Personen und ihrer Anhänger beschränkt sich auf mündliche Propaganda unter der jüdischen Bevölkerung, eine Propaganda, die ganz den Charakter zufälliger, häuslicher Gespräche trägt, in denen die! Poale-Zionisten sich bemühen, Zionisten und Bundisten auf ihre Seite herüberzuziehen. Diesie; Art der Tätigkeit der „Poale- Zion", macht die Frage nach ihrer Aufhebung in Kiew fechon vorzeitig im gegenwärtigen Moment spruchreif, denn Arresüerungen' würden dfer hiesigen Gruppe „Poale-Zion" die Bedeutung einlejr politischen Organisation geben und als solche kann man sie einstwiailen noch nicht betrachten." Unfcerdesi, während Spiridowitsch bei sich Untersuchungen darüber anstellt, ob die Konferenz nicht etwa in Paris stattfinden soll, wo er doch in seinen Papieren deutlich nachlesen konnte, daß einstweilen in Minsk nur eine Vorkonferenz stattfinden soll — hatte! die Vorkonferenz tatsächlich schon stattgefunden. Nur war es nicht in Minsk, sondern in Warschau. In einem Brief von mir an die Pariser Redaktion der „Renaissance" vom 9. Oktober, der sich in der„Dielo" befindet und zu dem ich noch werde eine Bemerkung geben müsfeen, wird von mir ausdrücklich die „Warschauer Konferenz" erwähnt. In einem Brief des Organisationsbüros an .Syrkin nach Berlin (Dr. Nachmann Syrkin, der Herausgeber von „Hamen") vom 24. September 1904, finden wir weitere Details wegen der Vorkonereiiz. Dieser Brief ist wichtig und interessant genug, um ihn auch hier in seüjnJeiii ersten Teil zu veröffentlichen, in dem die Stimmung innerhalb der Organisationen vor der Konferenz zum Ausdruck kommt: „Teurer Chawer, wiei Du weißt, hat die Organisation „Poale Zion" schon lange Versuche gemacht, alle Organisationen zü vereinigen, die durch ganz Rußland ohne irgendwelche! technische Verbindung untereinander zlörstreut sind, ohne, Gleichheit der Anschauungen und Prinzipien. Alle diese Versuche sind aus zwei Ursachen bisher mißlungjen. Erstens: der zionistisch-sozialistische Gedanke ist noch nicht in allen einzelnen Organisationen zu genügender Klarheit durchgedrungen, eine Anzahl Fragen sind (noch nicht erörtert worden und. an der Spitze der Organisationen stehen oft „ehrenwerte" junge Menschen mit reaktionär-romantischer Penkungsart; zweitens, — war die Frage der Vereinigung falsch giestellt, denn man wollte erreichen, daß die. radikalem und. reaktionären Fraktionen unserer Organisationen in einem Bund vereinigt werden stallen, die man auf keine Weise vereinigen konnte, ein Vereinigungsprogramm für alle entwerfen, das auf Theorie und Praxis aller unsjefrej* Organisationen Bezug hat. So hat jede Organisation gesondert existiert, ihre Gedanken und Forderungen »enden mit dem lokalen Bereich der Organisation. So ging es lange Zeit hindurch, jede Organisation dachte nur für sich, aber weiter kann es so nicht mehr gehen. Die Organisationen sind sozusagen schon überreif und überall herrseht ein unwiderstehlicher Drang, diesem unheilvollen Zustand ein Ende zu machen. Zu diesem Zwecke sind Ende Juli die Organisationsleiter der Städte zusammengekommen, die Mehrheit unter ihnen ist zu einer Konferenz zusammengetreten, auf welcher folgende Resolutionen angenommen wurden: „Angesichts der Unorganisiertheit und prinzipiellen Isoliertheit zionistischer (?) Organisationen, erblickt die Konferenz ihre Aufgaben in folgendem: a) Die erste unmittelbare Aufgabe besteht darin, eine Zusammenkunft aller jener Organisationen herbeizuführen, welche in ihren Anschauungen am meisten übereinstimmen; deswegen soll die Vorkonferenz die, Tagesordnung dieser Zusammenkunft ausarbeiten. Auf ihr sollen alle die brenenden Fragen betrachtet werden, die unsere Organisationen betreffen, b) es soll sogleich durch die Vorkonferenz und die neu gewähltjei Organisationskommission eine provisorische Vereinigung zum Zwjeck gemeinsamer planmäßiger Arbeit in viellein Fragen geschaffen werden, die bis jetzt unsietr Parteileben beschäftigt haben. 2. Folgende Tagesordnung anzunehmen: a) Bericht der Organisationskommission; b) unser Zionismus; c) Zionismus als Bewegung, d. h. über die Wegfij, ihn zu realisieren; d) der politische Kampf in unserem Programm; e) der Zionismus und der ökonomische Kampf; f) unsere Beziehungen zum allgemeinen Zionismus; g) unsere Beziehungen zum Bund Und zu anderen revolutionären Organisationen; h) Organisationsplan. (Fortsetzung folgt.)