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Unsere Tribüne · 1924-05-01 · 2 (01.05.1924) · p. Seite 2

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
1 (1924)
Issue
2 (01.05.1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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^m I Ramsay Macdonald und das -1 arbeitende Ünser Partei vertag in Le .Wei^e eine Sammlung von Re< Mpnalds über den Zionismus und <fn^wer»r UM-*- iKUÜb Jläslina herausgegeben (R. Macdbnäld, thte ^beitfeblte Paftäsrtinä, Bßden und Aufsätze. Verlag iyArfcliit", «&berg, 4923, jiddisch.) ' im Jahre 1922 hat Macdonald Palästina bereist und die Verhältnisse im Lande einem gründlichen Studium;«unterzogen. Der geistige Niederschlag dieser Studienreise -S$st xum großen Teile in dieser Sammlung enthalten. Aus jedem Worte, aus jeder Zeile, die hier zum Abdruck gelangten, Spricht wairnie Sympathie für die Bestrebungen, wirkliche Bewunderung für die bereits vollbrachten Leistungen der jüdischen Arbfeiter in Palästina. Mannigfache offizielle Kundgebungen englischer Ar- 'Iseiterikongresse für das jüdische Palästina sind von einer Var.ntfoerzigen, blutdurchsfcröm ten Persönlichkeit, deren Einstellung um so mehr bedeutet, -Urteil sie auf hervorragendem Poslen steht, auf das nachdrücklichste unterstrichen worden. Macdonalds Palästim-Hedon und -Aufsätze sind aber •weil mehr als bloß eine Manifestation persönlicher Gefühle und Sympathien. Sie sind1 zu gleicher Zeit reiai sachliche Aeußerungen eines scharf beobachtenden, nüchternen Politikers, der gerade das aktuellste Palästina- Problem ins Äuge faßt, um sich mit ihm auseinanderzusetzen: die Araber frage. Er verkennt nicht diei Schwierigkeiten, die da gegeben sind: Aber er weiß, .woher sie kommen: aus der Angst des* feudalen Grofigrundbesitzes um seine wirtschaftlichen und politischen (Privilegien; die; Gefahr, welche diese umdroht, dichtet!der Effendi zu einer Gefahr für das ganze arabische Volk um — wie immer und. überall in der Geschichte. Und fcr weiß auch, wie diese Schwierigkeilen werden übierwwnden werden.- durch unentwegte Solidarität der jüdischen und arabischen Arbeiter auf allen Gebieten ihrer Tätigkeit, dem politischen, gewrksehaftlielien und genossenschaftlichen. Die genossenschaftlichen Schöpfungen und Gründungen der jüdischen Arbeiter, vornehmlich die landwirtschaftlichen Genossenschaften in ihren mannigfachen Formen, waren es ferner, denen das große Inleressje Macöonalds galt. Er hat weder Zeit noch Mühe gescheut, um sie, dies über das ganze, nicht immer sehr wirtliche Land verstreut sind, an Ort und Stelle zu studieren. Der Arbeiterführer, welcher die Bedeutung der Agrarfrage für sein eigenes Land wie auch für den internationalen Sozialismus richtig abzuschätzen weiß, und der mit den Schwierigkeiten vertraut ist, welche der sozialistischen Lösung dieses Problem'koniplexes entgegentreten, hat die Tragweile der hier angestellten Versuche erfaßt. Den jüdischen- Arbeitern, welche das jüdische Gemeinwesen in Palästina neu errichten und zugleich ium die adäquate sozialistische Organisalionsform ringen (weil eine andere "sie ihrem Ziele nicht näher bringjen kann), hat auch Macdonald gesagt: „Ihr baut hier nicht einfach ein Baus öder pflanzt e&fefch eiäen Garten — ihr begründet hier vielmehr neue Afbeitergemeinden und pbnet fifetie Vfefe )*ie ÄHeiter in ||* pjiüfeä l^elt . . . TÄ.irische Arbeiter hat V* Sinn für iiÄernationale Fra^k Als er jäher Kunde vom soäialefi Versicheruiigs^len in Deutschland, g^.; er Interesse für dieses UÄ Als er von sozialeft^JWförmen in Queensland erfüÄri wandte er seine AufmÄsamkeil Queensland zu. Sfcbfcld er von Euren Leistungen Kenntnis erhalten wiifjä» wird er auf Euch sein Augenmerk richten . . . fröfweil weiß man nichts von Euch in der Welt»' die großen Zeitungen widmen Euch 'kaum* einige Worte. Aber In gar nicht langer Zeit wind die Welt ihr Augenmerk nach Palästina richten und. sagen: die haben uns den Weg gewiesen. . . Wer wissen will, wie man den Boden nationalisiert, muß Eure landwirtschaftlichen Genossenschaften studieren; wer sich für den Gildensozialismus interessiert, der komme auf die Chaussee Tiberias-Safed , . ." (Den Bauauftrag für diese Chaussee hat die englische Verwaltung einer Genossenschaft jüdischer und arabischer Straßenbauarbeiler erleilt, welche diese Aufgabe — mit Ausschaltung der Privatunternehmerschaft — glänzend gelöst hat). Maedonald ist überzeugt, im Interesse des mternationalen Sozialismus zu handeln, wenn er den Palästina- Bestrebungen der jüdischen Arbeiter weitestgehende Unterstützung der zur politischen Macht aufsteigenden englischen Arbeiterklasse in Aussicht stellt. Darin liegt die politische Bedeutung der Stellung Macdonalds zum arbeitenden Palästina. Jüdische und arabische Arbeiter in Palästina. Von Dr. Ben Gnri on. Auf der Konferenz der Balmarbeiter Palästinas, an welcher einige arabische Delegierte teilnahmen, warf einer derselben, Ch. Elias die Frage auf, ob der internationale Eisenbahnerverband, sich mit der jüdischen Histadruth verbinden könne. Darauf erwiderte Ben Gurion mit folgender. Rede: Im "Namen der jüdischen Arbeiterschaft gebe ich unserer Freude über die heutige Begegnung des jüdischen mit dem arabischen Arbeiter Ausdruck, auf welcher von karnjeradschaftlicher Arbeit und freundsc'hatlifcher Verbindung die Rede sein wird. Es ist kein Zufall, daß über Brüderlichkeit und Einigkeit nur. bei einer Arbeiterbegegnüng gesprochen wird. Zwischen Kapitalisten und Händlern herrscht Konkurrenz, Feindschaft, zwischen Arbeitern, ist nur Einigkeit. Aber wir wollen, daß die Einigkeitzwischen dem jüdischen und arabischen Arbeiter sich aufbauen soll auf Wahrhaftigkeit. Wir wollen, daß die Verbin düngen zwischen uns; aufrichtige sein sollen, und die arabischen Arbeiter sollen wissen, was wir wollen und wer wir sind. Aus den ersten Jahren des proletarischen Zionismus. (Aus dem Jiddischen übertragen von R. G.) Nach archivalischen Quellen. Die zionistisch-sozialistische Bewegung, in. alten ihren Strömungen und Schattierungen, hat bis zum heutigen Tag ihren .Geschichtsschreiber nicht gefunden, lim allgemeinen gilt von der ganzen jüdischen Arbeiterbewegung, daß sie fast unerforschtes Gebiet ist. Ganz besonders aber ist es der Zweig, der in irgend einer Form Anlehnung an den Zionismus gesucht hat. Das hier gebotene Material hat zweifellos Wert und Bedeutung für diese Geschichte. Es befindet sich im Djelo (Polizeiakt) .61 der Kiewer Oehrana-Abteilung und trägt die Aufschrift „Poale Zion". Es besteht zum größten Teil in Begleitbriefen des Polizei-Departements-' an die Kiewer „Ochranke", zusammen mit Kopien von Briefen, die vom Polizeidepartement, in der Zeit vom 2. Mai 1904 bis 8. Juni 1905 aufgefangen mirden. Die Briefe:. stammen vom damaligen Organisationszentrum der proletarischen Kieise, das sich zur Zeit in Kiew befand oder von Einseipersonen, die ihm nahestanden. Adressiert sind sie an verschiedene Orte, Warsichau, Paris, Berlin, Bern, Hornel, Dwinsk, Charkow1 ti. a. Sie fallen allein die Hände der Polizei, werden dort deolnffriert, aus dem jiddischen ins. russische übersetet, Kopien davon werden nach Kiew geschickt, mit dem ^hauptsächlichen Zweck, dem Autor von diesem oder jenen Brief auf die Spur zu kommen. Ehe wir an die Durchsicht der einzelnen üoku- :inente genen, die sich im Akt befinden, ist es nötig, wenigstens in kurzen Strichen den Zustand der proleta- -ri^^ionistischen Organisationen zu-^jener Zeit (Frühling 1904), ihre HaupMrömüngen und Richtungen, die sefcon zu, jener Zeit sich herauszuJüistallisieren begannen, zu kennzeichnen. Uni; die Fajme und dem Namen „Poale Zion" .gruppieren sich zu jesner Zeit eine ganze Reihe größerer und kleinerer Kreise jüdischer Arbeiter und Handwerker, die, früher vom. brausenden Strom des allgemeinen Zionismus mitgerissen, doch später sich umzusehen oder vielleicht noch: mehr instinktiv denKlask senabstand zwischen ihnen und allen den jüdisch-bürgerlichen Elementen zu fühlen begannen, die, die Hauptstütze des bürgerlichen Zionismus bildeten. In. einer ganzen Reihe von Städten, sowohl in Litauen als auch in Südwest™Bland beginnen sich, ohne jeden Zusammenhang untereinander, aber doch wie nach einem bestimmten Gesetz, arbeitende Solüchten. von den allgemeinen zionistischen Organisationen dieser Orte abzusondern und ihre eigenen Organisationen, zu bilden. Diese ne)imen fast überall den Namen „Poale- Zion" Arbeiterzionisten, an. Eine von der andern getrennt, 'sucht jede Organisation für sich, auf flu« Weise, die Ursachen zu finden und vor sich, und der Welt aufzuzeigen, die sie bewegen, sich von der Allgemeinheit abzusondern und ihre politische und Klassenstellung zu begründen. Vor allem geht es um die Frage des politischen Kampfes gegen den russischen Despotismus. Nach jder einen Seite die urspriingliche zionistische Konzeption, die auf die Zukauft in Palästina basierte \md von Gegenwartsarbeit, worunter der politische Kampf in den Ländern verstanden-ist, nichts wissen will, von der anderen Seite die Wirkung, wenn auch nur in Weißrußland, der „Unabhängigen (Nesawisimzes) mit ihrer Anerkennung bloß des ökonomischen Kampfes und -ihrer kategorischen Ablehnung des politischen. Von einer dritten Seite wiederum, der gesunde Sinn der Masse, der zum Kampf gegen die drückende Herrschaft von Kapital imd Despotismus treibt. Auf solchem Boden erwachsen verschiedene theoretische Konzeptionen. Einerseits die pseudo-orthodox-marastische Verelendungstheorie, mit ihrer Behauptung, die. jüdischen Arbeitermassen im Golus seien au!, jeden,, Fall ^um Untergang bestimmt; der politische Kampf, auch wenn Die Arbeiterbewegung in Palästina ist iSulÄ |lra --v^1ä f£3££i sehe Arbiter geschaffen \\rorden, di^v^€^^^^iSp ■s^tskm&n Ladern ej^tendert ^&r<2n jJjli mk? kerhy ^0 4smn Vrir |eloÄen «md/;Mben ~rär& trächtig mit tten k^beitetri «ariderer Vö&eer geai-beitef. Wir haben, ständig die internationalen Verbintklh|?äi gepfle$ und Öen Öund d^r Arbeiter alfer Nätionefti^- stärkt Äueh in ttnsejeEStii Kommen hieber bjaben iä? mit dem arabischen Arbeiter Hand in Hand itrbeifen wollen, Und. wollen &> '^äußk heute und schon .eifiöge Jahre bemühen wir uns, rille Bahnarbeitet ohne Unterschied der Nation zu vereinigen. Wir wußten, daß das nicht leicht ist. Wir haben Erfahi-ung in anderen Ländern. Ueberall, wo verschiedene Nationen sind, ist das schwer, besonders dort, wo eine Majorität und Minorität vorhanden ist. Oft will die Majorität die Mino« rität unterdrücken. Man will, daß die Minorität ihre Sprache aufgeben und die Sprache der Majorität reden, soll. Wir haben überall, in jedem Land verlangt, daß die Arbeiter sich auf der Grundlage der nationalen:* Gleichheit vereinigen sollen. Die Arbeiter haben gemeinsame Angelegenheiten, in denen es keinen Unterschied gibt zwischen Jude und Araber, Engländer und Franzosen. Dies sind die Angelegenheiten der Arbeit: Arbeitszeit, Schutz vor Unfällen, das Recht der Arbeiter sich zu organisieren usw. in. allen, diesen Angelegenheiten arbeiten sie zusammen. Und es gibt wieder Angelegenheiten, die jedem Arbeiter und seinem Volk besonders sind, besondere Angelegenheiten, abernicht feindliche. Das sind seine nationalen Bedürfnisse. Kultur, Sprache, nationale Freiheit und andere, in allen diesen Angelegenheiten muß volle Autonomie und Gleichheit bestehen für die Arbeiter eines jeden Volkes. Das ist die Grundlage internationaler Einigung. Auf dieser Grundlage haben wir uns mit der Gewei'ksdliaflsinternationale auf der ganzen Welt vereinigt und auf dieser Grundlage wollen wir uns mit dem arabischen Arbeiter vereinigen. Der Ch. Elias hat mit Recht gesagt, daß die arabischen Arbeiter nicht,in nationale Organisationen eintreten werden, deren Ziel Unaufrichtigkeit bezüglich der Arbeiterangelegenheiteu ist, und wir rufen auch nicht die arabischen Arbeiter zum Eintritt in die nationale jüdische Organisation, sondern, zur Verbindung mit der Organisation der jüdischen .Arbeiter. Wj.i\ wollen nicht, daß der arabische Arbeiter sein " Volk und seine Sprache verleiignen soll. In Verbindung mif~dem jüdischen Arbeiter bleibt der arabische Arbeiter ein Sohn des ambischen Volkes, ebenso wie der jüdische Arbeiter ein Sohn des jüdier mit einem Sieg endige, könne an diesem ehernen Gesetz nichts ändern. Man müsse aber den Kampf führen, gleichsam als Protest gegen die Unterdrückung, nur nicht im Zusammenhang mit deml Endziel und ohne dabei nationale Forderungen zu stellen. Der politische Kampf liege in einer ganz anderen Ebene und daraus entwickelt sich endlich die Theorie der „zwei Ebenen", die eine geraume Zeit die Köpfe eines bedeutenden Teiles der Poale-Zion-Kreiser beherrscht hat. Dem steht wieder die „Erneuerungstheorie" entgegen, welche behauptet, daß gerade im politischen Kampf mit seinen Errungenschaften der Weg zur Verwirklichung des territorialistischen (nationalen) Ideals liege. In diesem Kampf sammeln sich die Volkskräfte und wachsen an, schaffen sich in ihm. Bedingungen für die Erneuerung des Volkes und die Entwicklung seiner Kräfte. Dies alles muß organisch zum Endziel führen. Daraus aber leitet sich die Forderung breitester nationaler Rechte ab, die später' ihre jm'istische FormAind Gestalt in der „nationalen Autonomie" gefunden hat. Die Konzeption operiert öfter mit dem „nationalen Bewußtsein", und ist in Wirklichkeit etwa« ungläubig an das offizielle, zu jener Zeit herrschende sozialdemokratische Dogma. Ihre Hauptvertreter stehen noch dazu unter begründetem Verdacht des S. R.ismus (Soz. Rev.) und daraus erklärt sich der skeptische Widerstand von seilen der poale-zionistischeit Gruppen, die echte Marxisten zu sein und zu bleiben streben. In kurzen Umrissen ist die Gruppierung folgende : In Weißrußland, Minsk, Witna u. a. hat die Konzeption der Unabhängigen die Oberhand, welche den politischen Kampf völlig negiert. In Polen, Südrußland, aber auch in Dwinsk, herrscht die Theorie der „zwei Ebenen". In Südwestrußland wie in Kievr beginnt die „Erneuerungstheprie" bereits feste Wurzeln, zu schlagen. („Der Pinkes".) N. Bregm'an, (Schluß folgt.) , i

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