Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Martin Philippson
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2821022-2821033-2822060--1059-2822187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gen Eigenart wesentlich und unentbehrlich ist Wie es in der Sache lag, daß er in Brüssel, obwohl seine Tätigkeit damals hauptsächlich Westeuropa zugewandt war, als Vertreter deutscher Wissenschaft wirkte, so blieb er späterhin von Berlin aus dieser Aufgabe damit treu, daß er in der angesehensten französischen geschichtlichen Zeitschrift, der Revue historique, die der von deutschen Geiste tief beeinflußte Gabriel Monod leitete, von 1895 bis 1903 jährlich umfassende Berichte über die deutschen Arbeiten auf dem Gebiete der neueren Geschichte erscheinen ließ — ein Vermittler deutscher Wissenschaft in Frankreich. In anderer Hinsicht ist für Philippson weit über das Wissenschaftliche hinaus charakteristisch, daß er in den Kreis der sich um Theodor Barth in der Wochenschrift „Die Nation" sammelnden Männer eintrat, die in einem stark geistig betonten und auch nach: innen völlig unabhängigen Liberalismus weit über die Kreise einer Partei und Deutschlands hinaus einen tiefgehenden politischen und und allgemeinkulturellen Einfluß ausübten. In dieser Wochenschrift wurde Philippson historisch-politischer Essayist. Seine Aufsätze lehnen sich großenteils an geschichtliche Neuerscheinungen an und mit Vorliebe wählte er, neben einigen Aufsätzen zum Universitäts-, Schul- und Kirchenwesen, Fragen aus der Zeit des ersten Napoleon und aus der deutschen Geschichte im Zeitalter Bismarcks, um an ihnen den geschichtlichen und politischen Sinn weiterer Kreise zu erziehen, währierende;und rezensierende Tätigkeit bis in die letzten Monate hinein rierend und rezensierende Tätigkeit bis in die letzten Monate hinein in dem angesehenen literarischen Beiblatt der Frankfurter Zeitung ausübte. Zuletzt komme der Jude im Historiker zur Erscheinung. Was er als Darsteller jüdischer Geschichte leistete, floß wohl nicht unmittelbar aus seinem wissenschaftlichen Interesse. Aber in dem Maße,, in dem er sich immer umfassender der Weiterentwicklung der jüdischen Verhältnisse widmete, mußte bei einem Geiste seiner Art das Interesse an der geschichtlichen Entwicklung dieser Verhältnisse erwachen. Ganz aus den Gegenwartsaufgaben floß es, neben gelegentlichen Aufsätzen in der Allgemeinen Zeitung des Judentums und in der Monatsschrift Ost und West, in den seit 1898 jährlich im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur erscheinenden Jftücjöblicken auf die geschichtlichen Verhältnisse des vergangenen Jahres, ganz aus dem Kampf gegen judenfeindliche Vorwürfe in den auf eigene Archivforschung aufgebauten Aufsätzen über den Anteil der 103